mini|hochkant=1.5|Wallfahrtskirche St. Sebald am Heiligenstein Die römisch-katholische Wallfahrtskirche St. Sebald am Heiligenstein steht in der oberösterreichischen Marktgemeinde Gaflenz im Bezirk Steyr-Land. Die Filialkirche der Pfarrkirche Gaflenz gehört seit dem 1. Jänner 2023 zur Pfarre Ennstal der Diözese Linz. Die im gotischen Baustil errichtete Filialkirche befindet sich auf dem Gipfel des steil abfallenden Heiligensteins (). Die Wallfahrtskirche ist als einziges Gotteshaus Österreichs dem heiligen Sebaldus von Nürnberg geweiht. Die Kirche steht unter Denkmalschutz ().

Geschichte mini|Die Kirche am Gipfel des Heiligensteins. Sie wurde im steil abfallenden Gelände errichtet und ist von Wald umschlossen. Der Bergrücken Heiligenstein zwischen Gaflenz und Weyer weist verschiedene Merkmale auf, die für die Errichtung einer Kultstätte von Bedeutung sind: eine Felsformation auf dem Gipfel eines steilen, dicht bewaldeten Berges, eine kleine Felshöhle sowie eine Quelle, die etwas unterhalb liegt. Daher nimmt man an, dass es dort bereits in vorchristlichen Zeiten ein Heiligtum beziehungsweise eine Kultstätte gab. Es ist nicht erwiesen, ob die Herren von Gaflenz dort im Hochmittelalter ihren Ansitz hatten.

Die Sebaldlegende berichtet, dass Sebald ein wunderwirkender Einsiedler war, der auf dem Weg von Rom nach Nürnberg für längere Zeit in einer kleinen Höhle lebte. Die weitreichenden Handelsbeziehungen der Nürnberger Kaufleute sind bekannt. Da Sebald vor allem in Nürnberg gewirkt haben soll und auch dort begraben ist, gelangte der Brauch der Sebaldsverehrung von dort unter anderem nach Regensburg, Schwäbisch Gmünd, Bayreuth, Bamberg, Dänemark und auch Gaflenz und Weyer. Die engen Handelsbeziehungen zwischen dem Eisenschmiedeort Weyer und der Handelsstadt Nürnberg könnten für die Übertragung des Sebaldskultes auf den Heiligenstein ausschlaggebend gewesen sein. Die Nürnberger Stahlhändler deckten ihren Bedarf über lange Zeit hinweg mit Eisen aus Innerberg, heute Eisenerz in der Steiermark, das in Weyer und Gaflenz zu Stahl geschmiedet wurde.

Ein um 1160 im Stift Lambach entstandenes Messbuch enthält einen späteren Eintrag, dass die Kapelle „ad sanctum lapidem“ am 29. August 1413 durch Weihbischof Andreas I. Tallaci († 25. Februar 1430 in Stift Engelszell) zu Ehren aller Heiligen, besonders aber dem heiligen Sebald geweiht wurde. Dies geschah in der Amtszeit des Passauer Bischofs Georg von Hohenlohe, des Abts Florian Tanpeck von Garsten und Pfarrers Nikolaus von Gaflenz. In dieser Weihenotiz wurde auch erwähnt, dass im Altar Reliquien des Schweißtuches der Veronika, des Apostels Andreas, des heiligen Konstantins (Märtyrer), vom Ort der Erscheinung des Heiligen Geistes über den Aposteln, der Zehntausend Märtyrer, der Soldatenmärtyrer, der Bischöfe Udalrich und Alexander, des Bekenners Paulinus, der Märtyrer Christophorus und Pankratius, der Jungfrauen Katharina, Barbara, Cäcilia, Margaretha und Erentrudis, sowie der Elftausend Jungfrauen eingemauert sind.

Ab dem Jahr 1425, dem Jahr der Heiligsprechung Sebalds, erfuhr die Sebaldverehrung einen besonders starken Aufschwung. Ein Indiz für die Beliebtheit des heiligen Sebald bei der Bevölkerung von Gaflenz ist die häufige Verwendung des Taufnamens Sebald. In einem Steuerverzeichnis der Pfarre Weyer aus dem Jahr 1554 heißen 15 Prozent der männlichen Personen Sebald.

Auch während der Reformationszeit in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, als ein Großteil der Bewohner der Region protestantisch war, hielt der Zuzug von Wallfahrern an. Oft feierten auch protestantische Bürger, viele von ihnen aus Steyr, den Gottesdienst am Heiligenstein mit. Jakob Zettl, ein Bürger aus Steyr schrieb am 3. Juli 1626 in sein Tagebuch anlässlich eines Besuches auf dem Heiligenstein von „einer großen Menge Volckh“.

1665 erfolgte der Bau des Glockenturmes, der 26 Jahre später umgebaut wurde und 1733 sein heutiges Aussehen erhielt. Bald darauf wurde auch die barocke Sebaldikapelle mit der Grotte gebaut. Die Existenz einer Orgel in der Sebalduskirche ist bis in das 17. Jahrhundert nachverfolgbar. 1670 wurde ein Regal saniert. Reparaturen der Orgel erfolgten in den Jahren 1709, 1763, 1884 und 1939.

Mit der Kirche am Heiligenstein wurde so viel Geld eingenommen, dass damit im 18. Jahrhundert Kreditgeschäfte durchgeführt werden konnten. Zur selben Zeit wurde auch der Kalvarienberg mit fünf Stationen von Gaflenz auf den Heiligenstein errichtet. 1707 begann der Bau des Mesnerhauses, damit die Pilger und Wallfahrer sowie der Mesner, der sogenannte Einsiedler, einen Unterstand hatten. 1732 wurde die alte Orgel vom Heiligenstein in die Pfarrkirche Gaflenz übertragen. 1785 konnte eine neue Orgel angeschafft werden.

Im Zuge der Aufklärung im 18. Jahrhundert wurde das Wallfahrtswesen schwer beeinträchtigt. Kaiser Joseph II. beabsichtigte, alle Wallfahrtskirchen, die nicht auch Pfarrkirchen waren, zu schließen und mit deren Vermögen neue Pfarrkirchen für zusätzliche Pfarren zu errichten. Nach der entsprechenden Verordnung hätte 1783 auch die Kirche am Heiligenstein geschlossen werden sollen. Der Fortbestand wurde jedoch mit einem Bescheid vom 5. Oktober 1785 bewilligt. Als Gegenleistung mussten jährlich 100 Gulden an eine wohltätige Einrichtung gespendet werden. Die übrigen Gelder mussten an die Landstände des Landes Oberösterreich abgegeben werden.

Die Franzosenkriege forderten auch St. Sebald am Heiligenstein einiges ab. Im Rahmen des Zweiten Koalitionskrieges gewährte man der Gemeinde Gaflenz 1801 ein Darlehen von 200 Gulden aus der Kirchenkassa des Heiligensteins, um die von der französischen Besatzung geforderte Kontribution zu begleichen. 1806 kamen während des Dritten Koalitionskriegs französische Soldaten auf den Heiligenstein und zogen die Kirche stark in Mitleidenschaft. 1810 musste das gesamte Kirchensilber an sie abgeliefert werden. Die Kriegsschäden wurden in den Jahren 1811 und 1812 beseitigt. Die Ausbesserungsarbeiten fanden 1813 mit dem Kauf der 600 kg schweren Glocke ihren Abschluss. In der folgenden Zeit geriet die Kirche etwas in Vergessenheit, 1832 wurde die alte Orgel aus der Pfarrkirche Weyer installiert, 1841 deren Gehäuse restauriert und bis 1843 das Wallfahrtswesen durch den Gaflenzer Pfarrer Constantin Zwirtmayr (1830–1856) wieder belebt. Im gleichen Zeitraum wurde auch das Kircheninnere renoviert.

mini|hochkant|Das Wappen von Gaflenz 1925 spendeten die Bürger der Region anlässlich des 500-jährigen Jubiläums der Heiligsprechung des heiligen Sebald ein neues Glasfenster, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. In diesem Krieg wurden auch die beiden Glocken von Heiligenstein als „Metallspende des deutschen Volkes“ für Kriegszwecke abgenommen und auf einen Glockenfriedhof gebracht. 1949 wurde zunächst eine 250 kg schwere neue Glocke geweiht, die alte kehrte 1950 zurück. Sie war versenkt im Hamburger Hafen gelegen. Die sowjetischen Besatzungssoldaten richteten 1945 in der Kirche großen Schaden an: Türen und Fenster wurden zerschlagen, Statuen von den Sockeln gestürzt und zerschossen, die Orgel wurde zerstört, der Fußboden aufgerissen und die Einrichtung der Sakristei demoliert. Im Tabernakel sind noch vier Einschüsse aus dieser Zeit zu sehen. 1948 fand zum ersten Mal nach dem Krieg wieder eine Wallfahrt nach St. Sebald am Heiligenstein statt, die Hollensteiner Wallfahrt. Sie wurde als Feldmesse vor der Kirche abgehalten. 1949 waren Kirche und Mesnerhaus wieder instand gesetzt. 1951 fand zur Wiedereröffnung das Sebaldifest mit etwa 2000 Wallfahrern statt.

Die oberösterreichische Landesregierung genehmigte der Gemeinde Gaflenz am 4. April 1955 die Führung eines Gemeindewappens. Dieses enthält als Motiv auch die Kirche auf dem Heiligenstein. In den Jahren 1984/85 erfolgte die Außenrenovierung der Kirche und der Sebaldikapelle. Ein häufiges Anliegen der Wallfahrerinnen ist der Wunsch nach einem Ehemann und Kindern.

Baubeschreibung mini|hochkant|Innenansicht Richtung Empore Die Wallfahrtskirche St. Sebaldus ist ein spätgotischer kubischer Bau mit einem hohen Walmdach aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Der 5/8-Chor entstand im frühen 15. Jahrhundert. Nordseitig schließt an den Chor die Sakristei an. Das über der Sakristei befindliche Oratorium ist von außen über eine Stein-Wendeltreppe erreichbar. Das als Schulterbogen ausgebildete Südportal besitzt eine spätgotische Stabrahmung. An das Langhaus schließt im Westen ein gleich breiter Vorbau, die sogenannte Laube an, deren Gewölbe zu Beginn des 19. Jahrhunderts einstürzte. An drei Seiten ist die Kirche von einer Friedhofsmauer umschlossen, die 1969 mit Holzbrettern neu abgedeckt wurde. Im südwestlichen Bereich der Friedhofsmauer befindet sich ein Eingangsportal mit der schwarzen Inschrift: „Kommt alle zu mir! Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ in der Nische darüber.

Turm Der Kupferstich Heyliger Stain von Andreas Matthäus Wolfgang zeigt, dass der 1665 errichtete Glockenturm ursprünglich als Dachreiter ausgebildet war. 1691 wurde im südöstlichen Winkel des Chores aus Tuffstein der heutige Turm gebaut und 1692 mit einer Sonnenuhr des Garstener Hofmalers Johann Georg Staindorfer ausgestattet. In den Jahren 1732 bis 1733 wurde der Turm auf etwa 20 Meter erhöht und über der Glockenstube mit einem barocken Turmhelm ausgestattet. Die Glockenstube enthält zwei Glocken.

Kircheninneres Die Kirche ist eine zwölf Meter lange und zehn Meter breite dreischiffige Halle. Durch die zweibahnigen Maßwerkfenster in der nördlichen und südlichen Langhauswand gelangt Licht ins Kircheninnere. An den beiden achteckigen Pfeilern setzen die Rippen des Netzgewölbes mit einem kurzen Absatz an und enden an den Wänden jeweils in runden Konsolen mit jeweils einer nach unten hängenden Rosette. Im Mittelschiff der dreijochigen Vierpfeilerhalle befindet sich ein zentrales Heiliggeistloch. Die Seitenschiffe haben langgezogene Netzgewölbe mit längs liegenden Rauten. Bei einem Bogenrippengewölbe laufen die bogenlinigen Rippenzüge auf halbrunden Wandpfeilerdiensten auf. Entlang der Emporenstiege gibt es Rötelkritzelinschriften aus dem 16. Jahrhundert.

Der Abgang zur Unterkirche befindet sich unter dem nordwestlichen Seitenschiffjoch. Die Unterkirche ist ein langgestreckter dreijochiger Raum mit einem Kreuzrippengewölbe.

Der Kirchenboden besteht aus einem in dieser Zusammensetzung seltenen Estrich. Die Oberfläche war ursprünglich glatt geschliffen. Laut einer Laboranalyse des Bundesdenkmalamtes besteht der Estrich zum Großteil aus hellgrauem Dolomit wie das Gesteinsmaterial vor der Kirche, aus weißem Marmor, getrocknetem Kalk und Dolomitkalk als Bindemittel. Organische Zusätze waren Kasein und Topfen. Die Stufen zum Chor bestehen aus Konglomeratgestein.

Der Triumphbogen ist reich profiliert und trennt den Chor vom Kirchenschiff. Der 5/8-Chorraum ist zweijochig und sternrippengewölbt. Ursprünglich war der Rautenstern sechsteilig. Bei der Errichtung des Hauptaltares wurde jedoch eine Rippe entfernt. Die Rippen sind an den Wänden herabgezogen und ruhen auf polygonalen Konsolen.

Eines der beiden Fenster in der Apsis weist Reste einer spätgotischen Glasmalerei aus dem Jahr 1470 mit der Ölbergszene auf. Durch ein eisenbeschlagenes Tor mit Schlüssellochrahmen gelangt man vom Chor in die spätgotische, kreuzrippengewölbte Sakristei.

Bei der Innenrenovierung 1991 wurde festgestellt, dass die Kirche über einen gut erhaltenen spätgotischen und frühbarocken Freskenschmuck verfügt. Da sie ein barockes Gesamterscheinungsbild hat, wurde auf eine Freilegung verzichtet. Der Raum wurde in gebrochenem Weiß ausgemalt. Die spätgotischen Fresken sind unter acht Malschichten versteckt.

Ausstattung mini|Innenansicht der Sebalduskirche Der Großteil der Einrichtung entstand in den Jahren 1751 bis 1777. Die Kirche ist damit vom späten Barock geprägt.

Hochaltar