Trance (engl.: tɹæns; lat. transire, hinübergehen, überschreiten) ist eine Kategorie elektronischer Musik, die sich bis Anfang der 1990er Jahre geformt hat und sich nach den harmonisch entsprechenden Akkorden und Melodien richtet. Gemeint sind hier insbesondere lange beruhigende und atmosphärische Klangteppiche. Prinzipiell ist Trance rhythmisch und tanzbar. In der Regel befindet sich der Tempobereich bei 136–145 Schlägen pro Minute.

Musik Der Grundrhythmus steht im Vier-Viertel-Takt, in der Regel wird jedes Viertel durch eine Bassdrum betont. Ergänzende Elemente sind Hi-Hats (off-beat) und Snares/Handclaps (meist auf den Zählzeiten 2 und 4). Im Gegensatz zu Techno folgen Trance-Produktionen der Harmonik. Dabei werden eher Moll-Grundtonarten verwendet, manchmal sogar nur Quint-Oktav-Klänge. Das Harmonieschema ist eher einfach strukturiert; Erweiterungen wie Quartvorhalte, Sexten, Septimen oder Nonen werden zusätzlich verwendet, aber schnell aufgelöst und nicht als Dissonanzen stehengelassen oder weitergeführt. Die Harmonien bestehen typischerweise aus tragenden Synthesizer-Akkorden (oft als Arpeggio) und höheren Melodie-Sequenzen. Besonders die Synthesizer-Wellenform SuperSaw ist in der Trancemusik von großer Bedeutung. Die Harmoniefolgen werden immer wieder wiederholt, so entsteht eine monotone Sphäre, in die der Hörer sich fallen lassen kann (Trance). Heute sind auch die Harmoniefolgen, Sequenzen, Sphären oder die Effekte nicht mehr nur im Loop (wiederholendes Musikstückchen), sondern variieren im Verlauf des Songs. Somit variiert auch der Spannungsverlauf sowie die emotionale Deutung. In den 1990er Jahren wurde für Basslinien häufig auch der Roland TB-303 eingesetzt, überwiegend beim Acid Techno. Im Gegensatz zu Acid House und Techno ist Trance viel melodischer und besticht durch vielfältige Effekte, Klänge aus den verschiedensten Musikrichtungen und vor allem durch Sphären.

Stiltypische Stücke aus dem Bereich Trance

1990: Age of Love – The Age of Love 1992: Jam & Spoon – Stella 1993: Energy 52 – Cafe del Mar 1998: Paul van Dyk – For an Angel (E-Werk Club Mix) 1999: Chicane – Saltwater 2003: Motorcycle – As The Rush Comes (Gabriel & Dresden Sweeping Strings Mix) 2005: Above & Beyond vs. Andy Moor – Air For Life 2008: Sunlounger feat. Zara – Lost 2011: Aly & Fila feat. Jwaydan – We Control The Sunlight 2015: Gouryella – Anahera

Geschichte Trance entstand über einige Jahrzehnte aus diversen Musikrichtungen, darunter Synthiepop, Hi-NRG, Ambient, (Acid-)House und (Acid-)Techno. Aufgrund dieser komplexen Zusammensetzung ist es schwierig, die erste Trance-Produktion zu benennen, es lässt sich aber festhalten, dass sich die Musik als Kategorie bis Anfang der 1990er Jahre geformt hat.

Prolog Trance (lat. transire hinübergehen, überschreiten) kam als Begriff in der Musik erstmals im Jazz vor, in den Musiktiteln wie in Lou Gold & His Orchestra – Dancing In A Trance (1930) oder Korla Pandit – Trance Dance (1954).

Erste elektronische Musikstücke erschienen dank des Synthesizers oder elektronischen Musikinstrumentes wie dem Theremin in den 1940er und 1950er Jahren, anhand der Werke von beispielsweise Pierre Schaeffer, Herbert Eimert oder Else Marie Pade. Erst durch den Einsatz der genannten Pioniere wurden die Voraussetzungen für die stilistischen Trance-Vorläufer wie Synthiepop oder Elektropop geschaffen. Das Instrumentalstück Popcorn (1969) gehört bereits zur frühen Synthiepop-Ära.

Beispiele für frühe elektronischen Musikstücke: 1951: Bernard Herrmann – The Day the Earth Stood Still (Original Motion Picture Soundtrack) 1957: Tom Dissevelt & Kid Baltan – Song of the Second Moon 1959: Raymond Scott – Cindy Electronium 1963: B.B.C. Radiophonic Workshop – Doctor Who 1969: Bruce Haack – Electric to Me Turn 1969: Gershon Kingsley – Pop Corn

Musikalische Wurzeln (1970er) Die Wurzeln der Trance-Musik sind auf die 1970er zurückzuverfolgen, auf die Werke von der deutschen elektronischen Band Kraftwerk wie Autobahn (1974) oder Trans Europe Express (1977) und des italienischen Pioniers Giorgio Moroder, vor allem erkennbar in seiner 8-minütigen Version von I Feel Love aus dem Jahre 1977. Da Trance eng verwandt mit Ambient oder Berliner Schule ist, sind auch die deutschen Pioniere Klaus Schulze und Can hervorzuheben, die in ihren elektronischen Kompositionen atmosphärische Klangteppiche erzeugt haben, die wiederum zur Charakteristik von Trance gehören. Zudem veröffentlichte Eberhard Schoener im Jahre 1977 sein elektronisches Rockalbum Trance-Formation, darin enthalten ist die gleichnamige Single Trance-Formation sowie Falling In Trance. Etwas träumerisch analysiert sich Eberhard: „Diese Musik schildert meine ganz persönlichen, subjektiven Erfahrungen und Empfindungen meiner häufigen Reisen nach Südostasien, insbesondere eine Expedition durch Nepal bis an die tibetanische Grenze.(…) Diese Musik hat mit Trance zu tun.“

Nachträglich lassen sich in folgenden Musikstücken Trance-Elemente zurückverfolgen oder sind sogar selbst als Trance definierbar:

1974: Tangerine Dream – Phaedra 1977: Donna Summer – I Feel Love 1977: Kraftwerk – Trans Europe Express 1978: Automat – Automat (The Rise) 1978: Giorgio Moroder – Chase 1978: Transvolta – Disco Computer

Entstehungsphase (1980er) Der Trance-Begriff gewann in der Musik immer häufiger Verwendung und fand sich u. a. in den Albumtiteln von Klaus Schulze Trancefer (1981) und En=Trance (1988) wieder. Schließlich veröffentlichte die britische Musikgruppe The KLF ihre Musikstücke Ende der 1980er als „Pure Trance“, darunter What Time is Love (1988), Kylie Said Trance (1989) und Last Train to Trancentral (1989), was zur damaligen Zeit die Musikrichtungen Acid Techno und House ergänzte.

Folgende Musikstücke sind nachträglich als Trance definierbar: 1980: Kano – Cosmic Voyager 1981: Laser – Laser 1981: Monsoon – Ever So Lonely 1982: Thanya – Freedom 1987: Hypnosis – Automatic Piano 1988: The KLF – What Time Is Love? 1989: Psycho Team – Psycho 1989: Illegal City – Hypnotize 1989: Venus 1999 – Do know yourself

Durchsetzung (Anfang 1990er) Trance hat sich danach als musikalische Stilrichtung zu Beginn der 90er-Jahre vor allem in Deutschland entwickelt und durchgesetzt. Angeführt durch das Berliner Label MFS mit Produzenten wie Paul van Dyk, Cosmic Baby und Mijk van Dijk sowie durch Frankfurt, wo DJ Dag, Technoclub-Gründer Talla 2XLC und das Label Eye Q Records, rund um Sven Väth mit Ralf Hildenbeutel, Stevie B-Zet und A.C. Boutsen, zu den wichtigsten Vertretern zählen.

Auswahl an bekannten Musikstücken dieser Zeit: 1990: Age of Love – The Age of Love 1991: The Future Sound Of London – Papua New Guinea 1991: Phantasia – Inner Light 1992: Orbital – Halcyon 1993: Jam & Spoon – Right in the Night (Fall in Love with Music) 1993: Energy 52 – Cafe del Mar 1993: Quench – Dreams 1994: Li Kwan – Point Zero

Internationale Blütezeit (Mitte 1990er)

Innerhalb des deutschsprachigen Raumes gelangen einige Charterfolge, wie beispielsweise Robert Miles – Children (1995) oder B.B.E – Seven Days And One Week (1996). Dagegen entwickelte sich Großbritannien als der Kern der Szene. Britische DJs wie Sasha, John Digweed und vor allem Paul Oakenfold brachten Trance in die englischen Clubs, aber auch nach New York und Ibiza. Sinnbildlich hierfür steht Paul Oakenfold mit seiner Wiederveröffentlichung Not Over Yet (aus dem Jahre 1993), indem seine Produktion auf Platz 6 der UK Single Charts und sogar auf der Spitzenposition in den US Dance Club Songs und Israel Singles Charts landete.

Ab 1997 erfolgte in den Niederlanden mit dem Dutch Trance eine eigene (Uplifting-)Trance-Kultur durch Persönlichkeiten wie Tiësto, Armin van Buuren und Ferry Corsten (auch bekannt als Veracocha oder System F). Bis Ende der 1990er-Jahre wurde Hardcore Techno und Gabber in den Niederlanden durch den Dutch Trance als populärste Richtung der elektronischen Tanzmusik abgelöst.

1998 gelang Paul van Dyk mit seiner Single For an Angel aus der Neuauflage seines ersten Albums 45 RPM (1994) der internationale Durchbruch. Der Titel war zwei Wochen lang die Nummer eins der britischen und vier Wochen lang Nummer eins der deutschen Dance-Charts. Des Weiteren gab es auch Platzierungen in den US-amerikanischen, australischen, niederländischen, belgischen und skandinavischen Charts. Im selben Jahr veröffentlichte Andre Tanneberger unter dem Kürzel ATB seine erste Solosingle 9 PM (Till I Come), die Platz eins in den britischen und Platz 14 in den deutschen Singlecharts sowie Platinstatus in Dänemark, Australien, Schweden und dem Vereinigten Königreich erreichte. Es folgten Goldauszeichnungen in Südafrika, Italien und Norwegen. 1999 wiederholte er mit Don’t Stop den Platinstatus in Dänemark und Schweden.

Auswahl an bekannten Musikstücken dieser Zeit: 1995: Robert Miles – Children 1996: B.B.E – Seven Days And One Week 1997: Kai Tracid – Your Own Reality 1998: Paul van Dyk – For An Angel (PvD E-Werk Club Mix) 1999: Sasha – Xpander 1999: Delerium – Silence (DJ Tiesto Remix)

Dominanz in der elektronischen Tanzmusik (2000er) Während Tiësto dank seinem Remix von Deleriums Silence den internationalen Durchbruch feierte (darunter Platz drei der Billboard-Charts) sowie 2001 mit seinem Album In My Memory in den niederländischen Album-Charts den Gold-Status erreichte, setzte ein anderer niederländischer Künstler einen historischen Meilenstein in dieser Musikrichtung.

Am 18. Mai 2001 ging Armin van Buuren mit seiner Radioshow A State Of Trance (englisch „Trancezustand“) erstmals auf Sendung, in der er in einem zweistündigen Set die neuesten Trance-Tracks vorstellt. Anfangs noch auf dem niederländischen Radiosender ID&T Radio wuchs es über Jahre mit 100 FM Radiosendern und geschätzten 38 Millionen Hörern zur mehrmals ausgezeichneten „Best Mix Radio Show“ der Welt. Aus historischer Sicht prägte somit Armin van Buuren das Genre sowie allgemein die Elektronische Musik in nahezu allen Bereichen. Sein 2003 gegründetes Label Armada Music umfasst heute über 30 Sub-Labels und bietet eine Plattform für neue Künstler. + Trance-DJs bei DJ MAG (1998 bis 2010)Jahr3. Platz2. Platz1. Platz1998Judge JulesCarl CoxPaul Oakenfold1999SashaCarl CoxPaul Oakenfold2000John DigweedPaul OakenfoldSasha2001Danny TenagliaSashaJohn Digweed2002John DigweedSashaTiësto2003Armin van BuurenPaul van DykTiësto2004Armin van BuurenPaul van DykTiësto2005Armin van BuurenTiëstoPaul van Dyk2006TiëstoArmin van BuurenPaul van Dyk2007John DigweedTiëstoArmin van Buuren2008Paul van DykTiëstoArmin van Buuren2009David GuettaTiëstoArmin van Buuren2010TiëstoDavid GuettaArmin van BuurenDurchgestrichen sind alle Nicht-Trance DJs Ebenfalls im Jahre 2001 gelang auch dem britisch-finnischen Trance-Projekt Above & Beyond weltweite Aufmerksamkeit durch den Remix von Madonnas What It Feels Like For A Girl, der auch für das offizielle Musikvideo verwendet wurde.

2002 wurde Tiësto erstmals von den Lesern des britischen Magazins DJ Mag zum besten DJ der Welt gewählt und verteidigte diesen Titel in den folgenden Jahren. Im Jahre 2003 war er mit Tiësto In Concert der erste DJ, der allein in einem Stadion (GelreDome in Arnheim, Niederlande) vor 25.000 Zuschauern Platten auflegte und übertraf dieses Ereignis am 13. August 2004, indem er bei den Olympischen Sommerspielen in Athen den Einmarsch der Athleten ins Stadion begleitete. Dies ist mit Millionen von Zuschauern in aller Welt wahrscheinlich der bis dato größte Gig eines DJs. Ebenfalls 2004 ehrte Königin Beatrix ihn wegen seiner Verdienste um die niederländische Dance-Szene mit der Verleihung des Ordens von Oranien-Nassau im Range eines Offiziers. Die Ehrung ist ähnlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes in Deutschland. Im selben Jahr gewann Above & Beyond den Essential Mix of the Year-Award des Senders BBC Radio 1.