mini|Überflurhydrant
Ein Hydrant (von „Wasser“) ist eine Armatur zur Entnahme von Wasser aus einem Wasserverteilungssystem.
Wasserversorger nutzen in regelmäßigen Abständen (in Wohngebieten üblicherweise 100 bis 150 Meter) eingerichtete Hydranten als Teil der zentralen Löschwasserversorgung von Städten und Gemeinden. Sie ermöglichen der Feuerwehr, aber auch öffentlichen (z. B. Straßenmeisterei, kommunale Betriebe) und privaten (z. B. Straßenreinigungsfirmen, Zeltfestveranstaltern) Nutzern die Wasserentnahme aus dem öffentlichen Wasserleitungsnetz (Sammelwasserversorgung). Zusätzlich dienen Hydranten zur Wartung von Rohrleitungen: zum Spülen, zum Entlüften oder zum Entspannen (Druck ablassen). Beim Ausfall eines Leitungsabschnittes sind sie dafür gedacht, Notverbindungen mit Schläuchen herzustellen. Spezielle Hinweisschilder weisen im öffentlichen Raum auf Unterflurhydranten hin.
Der Begriff ist auch für Entnahmestellen von anderen Flüssigkeiten, beispielsweise Kerosin aus einer Pipeline, üblich.
Geschichte Vor dem Bau von Wasserleitungen waren Brunnen und Gewässer oft die einzige Trinkwasserquelle und dienten auch der Brandbekämpfung. Allerdings wurden dazu viele Eimer und Personen benötigt. Die in Dörfern und Städten für die Sicherheit der Bürger verantwortlichen Verwaltungen hatten frühzeitig das Verhalten im Brandfall in Feuer-Ordnungen festgeschrieben. So heißt es beispielsweise in der im Jahr 1764 veröffentlichten „Feuer-Ordnung der Hochfürstlichen Anhaltischen Residenzstadt Dessau“:
Zur Weiterleitung von Wasser zu bewohnten Siedlungen verlegte man bereits frühzeitig auch im Boden versenkte, hölzerne Rohre, als Pipen bezeichnet. Eine solche frühe Anlage ist etwa aus Augsburg um das Jahr 1410 überliefert. Die längs durchbohrten Baumstämme transportierten das Wasser ohne Druck ausschließlich mittels Gefälle. So waren die erreichbaren Stellen der Rohre für eine Brandbekämpfung schlecht geeignet. Wenn diese Stellen durch Anbohren von oben entstanden waren, wurden sie nach Benutzung mit einem längeren Holzstopfen wieder verschlossen, der von der Straßendecke aus sichtbar blieb. Diese Methode gilt als Vorläufer der heute gebräuchlichen „Hydrantenleitungen“.
Die Entwicklung von Feuerspritzen, also handbetriebenen Wasserpumpen, löste die Eimerkette langsam ab. Da die Wasserentnahmemöglichkeiten nicht überall in bewohnten Orten gegeben waren, entwickelte man Sturmfässer zur Zwischenlagerung von Wasser. Dabei lobten Ratsherren Prämien für denjenigen Pferdebesitzer aus, der im Brandfall mit seinem Wagen als erster am Standort der Sturmfässer eintraf und diese dann zum Brandherd transportierte. Auch wurden Regenwasserzisternen zur Wasserbevorratung genutzt oder künstliche Löschwasserteiche angelegt, deren Lage am Straßenrand markiert wurde. Zum Teil wurden Hochbehälter errichtet, wenn deren Befüllung durch Pumpen möglich war.
Eine große Erleichterung brachten die ersten fest verlegten metallenen Wasserleitungen mit ständig verfügbaren Entnahmestellen. Diese erhielten die Bezeichnung Hydrant. Dabei halten mit Dampfpumpen oder später elektrischen Pumpen befüllte Wassertürme oder höher gelegene Reservoirs den notwendigen Wasserdruck hydrostatisch aufrecht. So wurden um das Jahr 1850 in Wien die ersten Hydranten, noch als Feuerwechsel bezeichnet, aufgestellt.Die Geschichte der Wiener Feuerwehr, abgerufen am 15. Februar 2018. Damit kann Wasser schneller und mit geringerem Aufwand zur Verfügung gestellt werden.
Eine ähnliche Vorrichtung zur leichteren Wasserentnahme war der Wasserkasten nach Lambert von 1849. Heutzutage würde dieser als Unterflurhydrant bezeichnet.
Die Wassergewinnung und Wasserversorgung gehören ebenso zur Wasserbereitstellung von Hydranten wie der Schutz des Wassers. Es sind technische Maßnahmen zu ergreifen, um ein Rückfließen von entnommenem Wasser in das Trinkwassernetz zu verhindern. Dies war hin und wieder vorgekommen, seit einigen Jahren wird jedoch sehr viel Wert auf die Verhinderung dessen gelegt. Dies fand sich auch in der im Jahr 2001 novellierten Trinkwasserverordnung wieder.
Überflurhydrant Überblick mini|links|hochkant|Überflurhydrant ohne Fallmantel
Der Überflurhydrant (in Österreich Oberflurhydrant) ist oberirdisch fest installiert und hat mehrere Abgänge mit genormten Kupplungen, üblicherweise in der Nenngröße B oder C und seltener auch A. Dies ist auch abhängig vom Innendurchmesser der Zuleitung. Der A-Abgang wird meist in der Industrie und bei größeren Wohnanlagen benutzt, um größere Wassermengen aus dem Netz entnehmen zu können. An diesen A-Abgang dürfen keine A-Saugschläuche angeschlossen werden, da unter ungünstigen Umständen im Rohrnetz ein Unterdruck entstehen könnte und es damit zu Schäden im Rohrnetz kommen könnte. Für die Feuerwehr ist die Fördermenge des Hydranten von Bedeutung. Als Faustformel ergibt sich die Fördermenge in Liter/Minute für den Überflurhydranten aus dem 12- bis 15-fachen des Nenndurchmessers (zum Beispiel H100: min. 1200 l/min bis max. 1500 l/min).
Vorteil von Überflurhydranten ist ihre Sichtbarkeit, durch die sie im Notfall schnell aufgefunden werden können, zudem können sie nicht so leicht durch abgestellte Fahrzeuge verdeckt werden wie Unterflurhydranten. Nachteilig ist die schwierigere Positionierung, da sie ein Verkehrshindernis darstellen und daher nicht überall aufgestellt werden können, auch die Gefahr der Beschädigung durch Fahrzeuge ist gegeben. Des Weiteren ergibt sich das Problem, dass, da die Trinkwasserleitungen meist in der Straße liegen und die Überflurhydranten von der normalen Leitungstrasse abgesetzt werden müssen, in dem verbindenden Stück Rohr, welches von der Hauptleitung zum Hydranten führt, eine Totwasserzone im Rohrleitungsnetz entsteht, welche die Trinkwasserqualität beeinträchtigen kann.
Fallmantelhydrant mini|hochkant|Überflurhydrant mit Fallmantel, neue Bauform mini|hochkant|Überflurhydrant mit Fallmantel, alte Bauform Der Fallmantelhydrant ist eine Unterart der Überflurhydranten. Die B-Abgänge, die jeweils ein eigenes Absperrorgan haben, werden mit einem Fallmantel verdeckt, der sie vor Verschmutzung und Beschädigung schützt. Der Abgang mit der Nenngröße A wird meist bei besonders gefährdeten Objekten, wie Flughäfen oder Industrieanlagen, verwendet.
Zur Inbetriebnahme des Hydranten wird mit dem Innendreikant am Hydrantenschlüssel eine Halterung im Hydrantenkopf gelöst, wodurch der Fallmantel herabgleitet und die oberen Entnahmeventile freigibt. Durch Drehen des gesamten Kopfes wird der Ventilkegel geöffnet, die in der Säule enthaltene Luft entweicht durch das einströmende Wasser über ein Entlüftungsventil, auch Merkbolzen genannt. Der Merkbolzen verhindert auch das Verschließen des Fallmantels, bevor der Hydrant nicht geschlossen und die Wassersäule über die selbsttätige Entleerung abgebaut wurde. So wird ein Einfrieren verhindert.
Kippmantelhydrant oder „Alter Münchner“ In München existieren Kippmantelhydranten, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts installiert worden waren. Im 21. Jahrhundert gibt es davon nur noch wenige funktionsfähige Armaturen. Diese Hydranten benötigen zum Betrieb einen besonderen Hydrantenschlüssel. Eine weitere Besonderheit sind die linksschließenden Ventile. (PDF; 287 kB), Jugendfeuerwehr Sendling
Unterflurhydrant Überblick
Die Unterflurhydranten befinden sich unterhalb einer Hydrantenkappe, die in die Straße eingebaut wird. Der Deckel der Hydrantenkappe wird mit dem Schieberschlüssel ausgehoben und zur Seite geschwenkt, wodurch der Hydrantenfuß zugänglich wird.
Der Unterflurhydrant ermöglicht den Anschluss eines Standrohres. Die Vorteile von Unterflurhydranten ergeben sich aus den Nachteilen von Oberflurhydranten. Sie können direkt auf der Trinkwasserhauptleitungstrasse platziert werden und müssen nicht abgesetzt werden. Im unbenutzten Zustand und ohne montiertes Standrohr stellen sie kein Verkehrshindernis dar und können nicht durch Fahrzeuge beschädigt werden. Unterflurhydranten haben den Nachteil, dass sie von Kraftfahrzeugen zugeparkt werden können oder durch Schnee oder Eis ihre Deckel festgefroren und somit oft nicht benutzbar sind. Das Festfrieren des Deckels in der Hydrantenkappe kann durch Einfetten beider Teile oder durch Einfügen einer Plastikfolie weitgehend vermieden werden, setzt jedoch eine regelmäßige Pflege voraus. Die Hydrantenkappen können ggf. trotzdem durch Hammerschläge gelockert und somit geöffnet werden. Württemberger Schachthydranten sind gängig in Teilen Württembergs. Sie wurden bevorzugt, da diese etwa einen Meter tiefer als die normalen Unterflurhydranten sitzen, und somit die Gefahr des Zufrierens in kalten Wintern verringert wird. Schnee stellt dennoch insofern ein Problem aller Unterflurhydranten dar, als die Schächte unter der Schneedecke verschwinden und erst gesucht werden müssen. Somit ist eine genaue Bezeichnung durch Hinweisschilder erforderlich, die die exakte Lage des Hydranten angeben. Die Hinweisschilder geben die seitliche und vorwärtige Entfernung des Hydranten vom Schild in Metern an. Des Weiteren sind jene Unterflurhydranten, welche in der öffentlichen Straße platziert sind, auch im Winter zugänglich, sofern eine Straßenräumung erfolgt. Die Fördermenge (in Litern/Minute) eines Unterflurhydranten kann mittels einer Faustformel aus dem 7- bis 10-Fachen des Nenndurchmessers abgeschätzt werden (zum Beispiel: H80 ergibt min. 560 l/min bis max. 800 l/min). Die Faktorspanne ergibt sich aus dem Nutzungsgrad der Leitung, an die der Hydrant angeschlossen ist. Die maximale Fördermenge wird bei einer sauberen Leitung erreicht. In alten und wenig verwendeten Leitungen setzen sich Sedimente und Verkrustungen ab, die den nutzbaren Querschnitt der Leitung minimieren.
Kennzeichnung im öffentlichen Raum
300px|right|Schematischer Aufbau der Hydrantenabschiebfunktion
Spezielle Hydrantenhinweisschilder weisen im öffentlichen Raum auf Unterflurhydranten hin.
Standrohr mini|hochkant|Standrohr im Unterflurhydranten mini|links|hochkant|Oberirdisch aufgebauter Unterflurhydrant mit Standrohr Das Standrohr ist eine wasserführende Armatur zur Wasserentnahme aus dem öffentlichen Versorgungsnetz über Unterflurhydranten. Es besteht aus einem langen Standrohrunterteil mit einem Griffstück, einer Klauenmutter am Fuß des Rohres mit einem Dichtring sowie einem kurzen Standrohroberteil mit Stopfbuchse und Stopfbuchsbrille. Oberhalb davon befinden sich zwei Niederschraubventile mit ein bis zwei Festkupplungen. In neueren Standrohren werden immer häufiger auch Rückflussverhinderer eingebaut, um das Zurückfließen von Wasser aus dem angeschlossenen Schlauch zu verhindern, da es auf diese Weise zu Verunreinigungen des Trinkwassernetzes kommen kann.
Das Standrohr wird mit dem Griffstück durch Rechtsdrehen auf dem Hydrantensitz befestigt, wobei die Klauenmutter in der Klaue des Unterflurhydranten festgehalten und hochgeschraubt wird; dadurch wird der Dichtring fest auf den Unterflurhydranten gepresst und schließt diesen auch bei höheren Drücken dicht ab.
Die Stopfbuchsbrille ist durch zwei Schrauben mit dem Griffstück verbunden, somit kann das Standrohroberteil durch die Stopfbuchse in eine günstigere Lage gedreht werden; dies sollte grundsätzlich durch Rechtsdrehen geschehen, um zu verhindern, dass sich die Klauenmutter aus der Klaue herausdreht und das Standrohr unter Druck in die Höhe schießt.
Die Festkupplungen ermöglichen den gleichzeitigen Anschluss von zwei Schlauchleitungen an das Standrohr. Vor ihnen befinden sich die Niederschraubventile, welche in geöffnetem Zustand den gesamten Durchflussquerschnitt freigeben müssen. Dabei müssen etwaige Undichtigkeiten durch die Konstruktion der Ventile leicht zu beheben sein. Die Ventilteller sind drehbar und gegen selbstständiges Lösen gesichert.