mini|Elisabeth Röckel, Ölgemälde von Willibrord Joseph Mähler, um 1814 – Düsseldorf, Goethe-Museum mini|Registrierung von „Maria Eva Elise [!], geborne Röckl“ bei der Taufe ihres Sohnes Eduard Hummel, 1814 in Wien, Dompfarre St. Stephan mini|Anna Milder, Brief an ihre Freundin „Elise Hummel“, 1830 (Auszug) – Düsseldorf, Goethe-Museum mini|Unterschrift von „Maria Eva Hummel“, 1837 – Wiener Stadt- und Landesarchiv, Private Institutionen, Haydn-Verein, A3/2 mini|Elisabeth Hummel geb. Röckel, Bleistiftzeichnung von Friedrich Pecht, 1845 – Düsseldorf, Goethe-Museum mini|Nachruf in der Weimarischen Zeitung vom 6. März 1883 mit der Bemerkung: „Zu ihren Verehrern gehörte auch Beethoven.“ mini|Das Grab Elisabeth Hummels geb. Röckel auf dem Historischen Friedhof in Weimar

Elisabeth Röckel (getauft als Maria Eva; * 15. März 1793 in Neunburg vorm Wald;Das Geburtsdatum wurde früher irrtümlich mit dem 19. Juni 1793 angegeben, vgl. Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens: Großes Sängerlexikon. 4. Aufl., München 2003, Band 6, S. 3971 sowie Die Musik in Geschichte und Gegenwart, 2. Aufl., hrsg. von Ludwig Finscher, Personenteil, Band 14, Kassel 2005, Sp. 239. † 3. März 1883 in Weimar) war eine deutsche Opernsängerin (Sopran). Sie gehörte 1808 bis 1810 zum engsten Freundeskreis von Beethoven, der ihr vermutlich sein Klavierstück Für Elise widmete, und heiratete 1813 den Komponisten Johann Nepomuk Hummel.

Jugendjahre und Ehe mit Johann Nepomuk Hummel Elisabeth Röckel war die Tochter des Strumpfwirkers Joseph Röckel (* um 1758, † 30. Juli 1827 in Wien) und dessen Frau Elisabeth geb. Diemand (* 1756, † 7. Juni 1840 in Wien). Beide hatten am 18. Januar 1780 in Unterauerbach geheiratet und waren anschließend ins benachbarte Neunburg gezogen, in die Heimatstadt der Braut.

Elisabeth Röckel wurde ursprünglich auf die Namen „Maria Eva“ getauft, wahrscheinlich nach ihrer Taufpatin, einer Maria Eva Grueber.Regensburg, Bischöfliches Zentralarchiv, Taufmatriken Neunburg vorm Wald, Band 5, S. 207. Sie hatte noch elf Geschwister, darunter den Tenor Joseph August Röckel, der am 29. März und 10. April 1806 in Wien unter Beethovens eigener Leitung als Florestan im Fidelio (zweite Fassung) auftrat und daraufhin einer der engsten Freunde Beethovens wurde.

Etwa zur selben Zeit übersiedelte sie gleichfalls nach Wien und zog zunächst zu ihrem Bruder in dessen Dienstwohnung im Theater an der Wien. Im Konskriptionsbogen des Theaters ist sie als „Elis.[abeth] Rökel“ verzeichnet,Wien, Stadt- und Landesarchiv, Konskriptionsbogen des Hauses Laimgrube Nr. 26 (Theater an der Wien), 1805 angelegt; vgl. hatte also bereits den mütterlichen Vornamen „Elisabeth“ angenommen, unter dem sie bekannt wurde. Eine Dienstwohnung in diesem Theater hatte damals auch Beethovens Fidelio-Darstellerin Anna Milder, die eine von Elisabeths besten Freundinnen wurde. Noch 1830 richtete die berühmte Sängerin, nachdem sie während eines Weimarer Gastspiels bei Elisabeth gewohnt hatte, einen Brief an „Frau Kapellmeisterin Elise Hummel“ und unterzeichnete ihn mit: „Deine alte Freundin Anna Milder“.Vgl. Kopitz (2015), S. 52f.

Solche Namensänderungen waren in Künstlerkreisen nicht ungewöhnlich: So wurde der Wiener Theaterintendant und Mozart-Freund Emanuel Schikaneder ursprünglich auf die Namen „Johann Joseph“ getauft und der Komponist Leopold Koželuch auf die Namen „Johann Anton“. In den pfarramtlichen Kirchenbüchern von Wien und Weimar sowie in Hummels TestamentDüsseldorf, Goethe-Museum, Anton-und-Katharina-Kippenberg-Stiftung, 2218. wird sie als „Maria Eva Elisabeth“ bezeichnet, ihren Pensionsantrag unterzeichnete sie nach dessen Tod als „Maria Eva“,Wien, Stadt- und Landesarchiv, Haydn-Verein, A 3/2. als Künstlerin wird sie in allen Quellen „Elisabeth“ genannt.Der Weimarer Schauspieler Max Johann Seidel in seiner 1837/38 entstandenen Hummel-Biographie, die er in Zusammenarbeit mit seiner Witwe verfasste: Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Q 619, S. 51.Der Musikologe Otto Jahn, der sie 1855 in Weimar traf, in seinem Aufsatz mit ihren Erinnerungen an Beethoven: Ein Brief Beethovens. In: Die Grenzboten, Jg. 26, I. Semester, II. Band (1867), S. 100–105, hier S. 101f.Der Beethoven-Biograph Alexander Wheelock Thayer, der auch mit ihrem Bruder bekannt war, in: Ludwig van Beethoven’s Leben, nach dem Original-Manuscript deutsch bearbeitet von Hermann Deiters, Band 3, Berlin 1879, S. 74.Todesanzeige, in: Deutschland. Allgemeine politische Zeitung mit Tage- und Gemeindeblatt, 4. März 1883: „Tiefgebeugten Herzens zeigen wir allen lieben Freunden und Bekannten an, daß unsere innig geliebte Mutter, Schwieger- und Großmutter Frau Hofkapellmeister Elisabeth Hummel heute mittag um 12 Uhr sanft entschlafen ist. Die tieftrauernden Hinterbliebenen. Weimar, den 3. März 1883.“Nekrolog, in: Weimarische Zeitung, Jg. 52, Nr. 54 vom 6. März 1883.Auf ihrem Grabstein auf dem Historischen Friedhof in Weimar.In einem Standardwerk zur Wiener Theatergeschichte, das auf umfangreichen Archivstudien beruht: Katalog der Portrait-Sammlung der k. u. k. General-Intendanz der k. k. Hoftheater. Zugleich ein biographisches Hilfsbuch auf dem Gebiet von Theater und Musik. Zweite Abtheilung. Gruppe IV. Wiener Hoftheater, Wien 1892, S. 353: „Roeckel, Betty (Elisabeth), geb. 15. März 1793, gest. Weimar 3. März 1883, Mitglied 8. Juli 1811 bis 1814; 15. Mai [sic] 1813 Gattin des J. N. Hummel (S. 176). — Br. 4°. Photogr. Reproduction nach einem Oelgemälde. Ganze Figur, im Alter. Vis.-Phot. von Frisch in Weimar.“

Wie ihr Bruder sowie ihre Freundin Anna Milder-Hauptmann gehörte auch Elisabeth Röckel bald zu Beethovens engstem Freundeskreis. Daneben nahm sie in Wien Gesangs- und Schauspielunterricht und startete bald eine überaus erfolgreiche Theaterlaufbahn. Ihr erstes Engagement erhielt sie in Bamberg am heutigen E.T.A.-Hoffmann-Theater durch den zeitweiligen Wiener Hoftheaterdirektor Franz Ignaz von Holbein, der im April 1810 die Intendanz des Bamberger Theaters übernahm, das am 30. September nach längerer Pause wiedereröffnet wurde. Am 15. Oktober gab Elisabeth Röckel dort – an der Seite ihres Bruders – ihr Debüt in Mozarts Oper Don Giovanni. Die Bamberger Inszenierung inspirierte E. T. A. Hoffmann zu seiner Novelle Don Juan. Holbein schreibt über sie:

Im Mai 1811 gastierte sie mit ihrem Bruder in PragThalia, hrsg. von Ignaz Franz Castelli, Jg. 2, Nr. 49 vom 19. Juni 1811, S. 194. und debütierte schließlich am 8. Juli 1811 mit großem Erfolg am Wiener Kärntnertor-Theater als Emmeline in Joseph Weigls Oper Die Schweizerfamilie. Die Rolle entstand ursprünglich für Anna Milder-Hauptmann. Ignaz Franz Castelli, der Librettist der Oper, widmete ihr daraufhin in seiner Zeitschrift Thalia eine äußerst positive Besprechung.Vollständig bei Kopitz (2010), S. 22–26. Der gleichfalls unter den Zuschauern weilende Graf Johann Nepomuk von Chotek notierte in seinem Tagebuch: „Ich sah heute in der Schweitzer Familie H. u Mlle Röckel als Gäste auftretten, der erste der vor einigen Jahren im Theater an der Wien engagirt war, hat einen ganz angenehmen aber nicht starken Tenor und spielte ganz leidentlich, seine Schwester aber ist wirklich eine eben so gute Schauspielerin als Sängerin, auch wurde sie nach Verdienst herausgerufen, sie hat eine recht gute wenn gleich nicht so wohlklingende und starke Stimme als die Milder, und eine recht hübsche Figur.“Beethoven in the Diaries of Johann Nepomuk Chotek, hrsg. von Rita Steblin, Bonn: Beethoven-Haus 2013, S. 157 (Eintrag vom 8. Juli 1811). In einer Besprechung des Sammler heißt es: „Mlle. Röckel ist ein sehr hübsches Mädchen von ungefähr sechzehn [!] Jahren.“„M.“, Notizen, in: Der Sammler. Ein Unterhaltungsblatt, Jg. 3, Nr. 84 vom 13. Juli 1811, S. 334 (Digitalisat) Zu ihren Bewunderern gehörte auch der Dichter Franz Grillparzer.Vgl. Kopitz (2010), S. 37f.

Mit ihrem Bruder lebte sie in dieser Zeit in der Vorstadt Windmühle, Rosengasse Nr. 56.Kopitz (2010), S. 28f. Laut Castelli nahm sie Unterricht bei Adolph Duprée (1766–1833), von 1804 bis 1814 Mitglied des Burgtheaters.

Am 6. April 1813 trat sie als Servilia in Mozarts Oper Titus letztmals in Wien auf. Am 16. Mai 1813 heiratete sie in der Pfarrkirche St. Joseph ob der Laimgrube den Komponisten Johann Nepomuk Hummel. Einer der Trauzeugen war der Komponist Antonio Salieri. Die Feier war offenbar ein gesellschaftliches Ereignis in Wien. Unter den Gästen befand sich der junge Arzt Johann Nepomuk von Ringseis, der wie Elisabeth aus der Oberpfalz stammte und zu den engsten Freunden von Clemens Brentano gehörte. Er schreibt in seinen Erinnerungen:

Danach zog sie zu ihrem Mann in dessen Wohnung auf der Brandstatt Nr. 671, im dritten Stock,Kopitz (2010), S. 29 und 32; Wiener Zeitung, Nr. 67 vom 5. Juni 1813, Allgemeines Intelligenzblatt, S. 984 (Digitalisat) in unmittelbarer Nähe vom Stephansdom. 1816 übersiedelte sie mit ihm nach Stuttgart, wo sie 1817 letztmals auftrat. Ab 1819 lebte sie mit ihrer Familie in Weimar.

Aus der Ehe mit Hummel hatte sie zwei Söhne, den Musiker Eduard Hummel (1814–1893) sowie den Maler Carl Hummel (1821–1906). August Röckel (1814–1876), der Freund von Richard Wagner, war ihr Neffe.

Zu den Höhepunkten ihrer Ehejahre gehörten die Konzertreisen ihres Mannes, auf denen sie ihn regelmäßig begleitete, so nach Paris (1830) und nach London (1830, 1831 und 1833).

Späteres Leben Nach dem Tod ihres Mannes erbte Elisabeth Hummel das Weimarer Haus in der Marienstraße 8 und ein beträchtliches Vermögen, außerdem bezog sie eine lebenslange Witwenpension. Das Geld ließ sie zu großen Teilen ihrer Familie zugutekommen, darunter ihren Eltern und einigen notleidenden Geschwistern.

Als ihr Sohn Eduard Hummel nach dem frühen Tod seiner Frau Auguste geb. Coudray (1816–1844) Weimar verließ und später in die USA auswanderte, nahm sie zudem dessen Töchter Johanna (1842–1927) und Auguste (1844–1918) zu sich und zog sie groß. Eine weitere Vergrößerung ihrer Familie ergab sich aus der langjährigen Kerkerhaft ihres Neffen August Röckel, der – nachdem er an der Seite von Richard Wagner 1849 am Dresdner Maiaufstand teilgenommen hatte – dreizehn Jahre inhaftiert war, bis er am 10. Januar 1862 als letzter „Maigefangener“ entlassen wurde. In diesen Jahren lebte auch dessen Frau Caroline Röckel geb. Lortzing (1809–1871) in der Marienstraße 8, ebenso ihre drei Kinder.Vgl. August Röckels Bemerkung in seiner autobiographischen Skizze: „Linchen [Caroline] wohnt bei der Tante“; Original in Dresden, Sächsisches Staatsarchiv, Nachlass A. Röckel, Nr. 4.

Franz Liszt, der 1843 bis 1861 als Hofkapellmeister in Weimar tätig war, veranstaltete bereits am 31. Mai 1849 eine Benefizkonzert für die Familie August Röckels.Vgl. Franz Liszt in seinen Briefen, hrsg. von Hans Rudolf Jung, Berlin 1987, S. 135. Obwohl sich Liszt darüber hinaus häufig für die Werke seines Vorgängers Hummel engagierte, stand Elisabeth Hummel seinem Wirken sehr kritisch gegenüber und glaubte, er „zerstöre“ die wahre Kunst des Klavierspiels.Kroll (2007), S. 302f.

Freundschaft mit Beethoven Elisabeth Röckel hat später mehrfach von ihrer engen Freundschaft mit Beethoven erzählt. So berichtete sie Otto Jahn, „daß Beethoven sie mehr ausgezeichnet habe, als sie als ein junges Mädchen habe beanspruchen können, daß er stets herzlich und traulich zu ihr gewesen sei“.Otto Jahn, Ein Brief Beethovens. In: Die Grenzboten, Jg. 26, I. Semester, II. Band (1867), S. 100–105, hier S. 101f. (Digitalisat) Ludwig Nohl vertraute sie an, dass sie mit Beethoven bei einer Abendgesellschaft des Gitarristen Mauro Giuliani gewesen sei, wo „Beethoven in der Ausgelassenheit seines rheinischen Naturells nicht nachgelassen habe sie zu stupfen und zu necken, so daß sie sich schließlich gar nicht vor ihm zu retten gewußt habe; er habe sie nämlich aus lauter Zuneigung immer in den Arm gekniffen.“Ludwig Nohl, Neue Briefe Beethovens, Stuttgart 1867, S. 73f. Angeblich wollte der Komponist Elisabeth sogar heiraten.