Die deutsche Beteiligung am Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg von 1775 bis 1783 erstreckte sich über die gesamte Dauer des Konflikts und wurde von verschiedenen Interessen geleitet. Der größere Anteil von Personen deutscher Herkunft nahm auf Seiten der britischen Armee als vermietete, reguläre Soldaten aktiv an den Kampfhandlungen teil. Diese wurden von den Amerikanern allgemein „Hessen“ genannt, da die Landgrafschaft von Hessen-Kassel die meisten Soldaten entsandte. Der kleinere Teil kämpfte auf Seiten der amerikanischen, kontinentalen Armee für die Unabhängigkeit von der britischen Krone. Die deutschstämmigen Soldaten und Milizionäre in der Armee George Washingtons waren meist Kolonisten und amerikanische Patrioten. Einige wenige kamen direkt aus ihren deutschen Staaten nach Übersee, um die amerikanische Rebellion gegen die britische Krone zu unterstützen. Der Bekannteste war der Preuße Friedrich Wilhelm von Steuben, der die kontinentale Armee als Generalinspekteur erfolgreich reorganisierte.

Britische Alliierte mini|hochkant|Der britische König Georg III., gleichzeitig Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg Insgesamt lieferteSoldaten insgesamtzurücknicht zurückHessen-Kassel16.99210.4926.500Braunschweig-Lüneburg:5.7232.7083.015Hessen-Hanau2.4221.441981Ansbach-Bayreuth2.3531.1831.170Waldeck1.225505720Anhalt-Zerbst1.152984168Gesamtsumme:29.86717.31312.554

Während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges war das heutige Deutschland in viele Kleinstaaten aufgeteilt, welche sich im überstaatlichen Gebilde des Heiligen Römischen Reiches zusammenfanden. Einige Kleinstaaten unterstützten traditionell die britische Seite, auch weil das britische Königshaus verwandtschaftliche Beziehungen in die Herrscherhäuser mehrerer deutscher Staaten hatte und sich die Interessen ergänzten. Als 1775 in den amerikanischen Kolonien eine Rebellion gegen die britische Krone ausbrach, wurden mit mehreren deutschen Staaten Verträge zur zeitweisen Vermietung von Soldaten abgeschlossen. Die Einnahmen aus diesen sogenannten „Subsidienverträgen“ wurden entgegen der damaligen öffentlichen Meinung nicht nur für die Unterhaltung der Hofstaaten, sondern auch zur Verbesserung der kleinstaatlichen Infrastruktur verwendet.

Zahlreiche Quellen berichten davon, dass die Soldaten der deutschen Staaten besser motiviert waren als ihre britischen Verbündeten.Ferling, 536. Generell waren die entsendeten Soldaten stolz darauf, für ihren Souverän nach Amerika ins Feld ziehen zu dürfen.Eelking, 263. Aus heutiger Sicht wirken die Motive der damaligen Zeit fremd und eigenartig, wie der Text eines zeitgenössischen Soldatenliedes aus Hessen-Kassel beweist:

Juchheissa nach Amerika, Dir Deutschland gute Nacht! Ihr Hessen, präsentiert’s Gewehr, Der Landgraf kommt zur Wacht. Ade, Herr Landgraf Friederich, Du zahlst uns Schnaps und Bier! Schießt Arme man und Bein’ uns ab, So zahlt sie England Dir. Ihr lausigen Rebellen ihr, Gebt vor uns Hessen Acht! Juchheissa nach Amerika, Dir Deutschland gute Nacht.

Durch die fortschreitende Aufklärung wurde die Praxis der Zwangsrekrutierung und Vermietung im Laufe des Krieges zunehmend verurteilt und diese Einstellung von der gegnerischen Partei für ihre Kriegspropaganda verwendet.

Hessen-Kassel mini|hochkant|Friedrich II., Landgraf von Hessen-Kassel

Die Landgrafschaft Hessen-Kassel, unter dem Regenten Friedrich II. von Hessen-Kassel (auch: Hessen-Cassel), ein Onkel des britischen Königs Georg III., entsandte zunächst über 12.000 Soldaten in den Krieg nach Nordamerika.Eelking, 23. Hessen-Kassel schloss einen Subsidienvertrag mit der britischen Krone und verpflichtete sich gegen Entgelt zur Entsendung von fünfzehn Regimentern, vier Grenadier-Bataillonen, zwei Jäger- und drei Artillerie-Kompanien.Eelking, 16. Hessen-Kassel stellte somit das weitaus größte Kontingent an deutschen Soldaten für die britische Krone. Dies betraf praktisch alle Infanterieregimenter, lediglich die Garderegimenter blieben in Hessen. Speziell die Jäger wurden sorgfältig rekrutiert, gut bezahlt und ausgerüstet, und waren von manuellen Arbeitsdiensten befreit.Eelking, 100–101. Jäger erhielten bei erfolgreicher Rekrutierung eine Sonderprämie von einem Louis d’or, welcher auf bis zu vier erhöht wurde, als die hessischen Jägerkompanien einen erhöhten Bedarf an gutausgebildeten Gewehrschützen und Förstern hatten, um gegen die amerikanischen „Riflemen“ zu bestehen.(siehe Einsatz der hessischen Jäger) alt=Deutsche Fürstenabfindungs Rechnung für die deutsche Beteiligung am Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg von 1775 bis 1783|mini|173x173px|Fürstenabfindungs Rechnung Wie auch ihre britischen Alliierten hatten die Hessen Probleme, sich an die äußeren Bedingungen des Kriegsschauplatzes anzupassen. Das erste Kontingent ihrer Soldaten litt in großer Zahl an den unterschiedlichsten Krankheiten, was zur Verzögerung des Angriffs auf Long Island führte.Ferling, 566. Ab dem Jahr 1776 waren hessische Soldaten in die britische Armee in Nordamerika integriert und kämpften in vielen Schlachten und Gefechten, wie z. B. in der ersten Kampagne um New York und New Jersey, der Schlacht um Germantown, der Belagerung von Charleston und als Verteidiger in der finalen Belagerung von Yorktown, wo ca. 1.300 deutsche Soldaten in Gefangenschaft gerieten.Ferling, 538.

Man schätzt, dass Hessen-Kassel insgesamt über 16.000 Soldaten in den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg entsandt, und dabei 6.500 verloren hat.Eelking, 257. Der hessische Jäger-Offizier und spätere General Adam Ludwig von Ochs zählte 1.800 hessische Gefallene. Der Rest starb an Krankheiten oder desertierte und verblieb nach Kriegsende in Amerika.Eelking, 258.

Um während des Krieges die Verluste zu ersetzen, mussten ständig weitere Soldaten gewonnen und nach Nordamerika entsandt werden, um die vertraglich vereinbarte Kopfzahl zu halten. Die Verluste auf dem amerikanischen Kontinent konnten nicht sofort ausgeglichen werden, da man monatelang auf den Ersatz aus Europa warten musste. Hessen-Kassel rekrutierte deshalb auch schwarze Sklaven vor Ort als Diener und Soldaten. Insgesamt dienten 115 schwarze Soldaten in hessischen Einheiten, die meisten als Tambour oder Pfeifer zur Übermittlung der Befehle auf dem Schlachtfeld.The Revolution's Black Soldiers von Robert A. Selig, Ph.D.

mini|hochkant|General Wilhelm von Knyphausen

Der bekannteste Offizier aus Hessen-Kassel war General Wilhelm von Knyphausen, welcher seine hessischen Truppen in den meisten Schlachten des Unabhängigkeitskrieges befehligte. Andere bemerkenswerte Offiziere waren Karl Emil von Donop und Oberst Johann Rall, welcher in der Schlacht von Trenton tödlich verwundet wurde. Das Überlebenden aus dem Regiment Rall geriet nach diesem Gefecht in großen Teilen in Gefangenschaft. Die Jägeroffiziere Johann Ewald und von Wreden wurden wegen ihrer Leistungen bei der Schlacht von Brandywine mit dem Orden Pour la vertu militaire ausgezeichnet. Ewald führte ein Tagebuch, in dem er seine Erlebnisse schilderte, Taktiken analysierte und so ein genaues Bild des Kriegsverlaufs aus hessischer Sicht lieferte. Der Schriftsteller Johann Gottfried Seume schildert seine Erfahrungen als hessischer Soldat in Kanada in der 1813 erschienenen Autobiographie Mein Leben.

Eingesetzte Truppenteile Füsilier-Regiment von Lossberg – (No. 2)Nummerierung nach Hans Bleckwenn – Siehe Liste der hessen-kasselschen Regimenter der Frühen Neuzeit. Füsilier-Regiment von Knyphausen Wilhelm zu Innhausen und Knyphausen – (No. 3) Musketier-Regiment von Donop – (No. 4) Musketier-Regiment von Wutginau (ab 1777 Regiment Landgraf) – (No. 5) Leib-Infanterie-Regiment – (No. 7) Musketier-Regiment von Trümbach (ab 1779 Carl von Bose) – (No. 8) Musketier-Regiment Prinz Carl – (No. 9) Füsilier-Regiment von Ditfurth – (No. 10) Musketier-Regiment von Mirbach (ab 1780 Jung von Lossburg) – (No. 11) Füsilier-Regiment Erbprinz (ab 1780 Musketier-Regiment Prinz Friedrich) – (No. 12) Grenadier-Regiment von Rall (ab 1777 Wolfgang Friedrich von Wöllwarth; ab 1778 von Karl Levin von Trümbach; ab 1779 Louis d’Angelelli) – (No. 14) Zusammengeführte Grenadierbataillone (aus Grenadier-Kompanien mehrerer Füsilier- und Musketier-Regimenter): 1. Grenadier-Bataillon von Linsing 2. Grenadier-Bataillon von Block (später von Lengerke) 3. Grenadier-Bataillon von Minnigerode (später von Löwenstein) 4. Grenadier-Bataillon von Köhler (später von Graf von Platte) Garnisons-Regiment von Bünau Garnisons-Regiment von Huyn (später von Benning) Garnisons-Regiment von Stein (später von Seitz; von Porbeck) Garnisons-Regiment von Wissenbach (später von Knoblauch) Jäger-Corps Hessen-Kassel Artillerie-Corps Hessen-Kassel

Hessen-Hanau

Hessen-Hanau war ein unabhängiges Fürstentum in Hessen, regiert durch den Protestanten Wilhelm IX., Graf von Hanau, den ältesten Sohn des katholischen Regenten Friedrich II. von Hessen-Kassel. Als Wilhelm IX. vom Ausgang der Schlacht von Bunker Hill im Jahre 1775 Kenntnis erhielt, diente er seinem Cousin, dem britischen König Georg ein Regiment für den Krieg in Nordamerika an.Lowell, 7. Während des Krieges entsandte Hanau 2.422 Soldaten und Freikorps-Mitglieder nach Amerika, und hatte bei Kriegsende 981 Gefallene zu beklagen. Oberst Wilhelm Rudolph von Gall (1734–1799) war ein bekannter Offizier aus Hessen-Hanau, er kommandierte ein Regiment Hanauer unter dem Oberbefehl von General John Burgoyne.Ketchum, 93; Manfred von Gall: Hanauer Journale und Briefe aus dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg 1776–1783 der Offiziere Wilhelm Rudolph von Gall, Friedrich Wilhelm von Geismar, dessen Burschen (anonym), Jakob Heerwagen, Georg Paeusch sowie anderer Beteiligter. Hanauer Geschichtsblätter 41, 2003. Unter den nach Nordamerika entsandten Einheiten befanden sich ein Infanterie-Bataillon, ein Jäger-Bataillon, eine Artillerie-Kompanie und eine nicht reguläre Einheit, das Freikorps-Bataillon Janecke.

Eingesetzte Truppenteile Regiment Erbprinz von Hessen-Hanau (Oberst von Gall) Jäger-Corps von Creuzburg Artillerie-Kompanie Pausch Freicorps-Bataillon Janecke

Braunschweig-Wolfenbüttel mini|Herzog Karl II. Wilhelm Ferdinand von Braunschweig-Lüneburg, Kopie nach Ziesenis, um 1780, Gleimhaus Halberstadt Braunschweig-Lüneburg war bis 1804 ein in mehrere Teilfürstentümer aufgeteiltes Herzogtum, bis 1773 regiert von Herzog Karl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel. Sein Sohn und Thronfolger Karl Wilhelm Ferdinand war mit der ältesten Schwester des britischen Königs Georg III., Prinzessin Augusta von Hannover, verheiratet.Lowell, 8.

Im Jahre 1775 bot Karl II. seinem Schwager König Georg III. militärische Hilfe zur Niederschlagung der Rebellion in den amerikanischen Kolonien an.Ketchum, 95.

Am 9. Januar 1776 wurde ein entsprechender Vertrag unterzeichnet. Braunschweig war somit der erste deutsche Kleinstaat, der Großbritannien im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg unterstützte. Braunschweig entsandte ein Kontingent von 4.000 Soldaten: vier Infanterie-Regimenter, ein Grenadier-Bataillon, ein Regiment Dragoner und ein Bataillon leichter Infanterie. Der Vertrag mit den Braunschweigern sah vor, dass die Truppen ihren Sold in deutschen Talern gezahlt bekommen, inklusive zwei Monaten Extrabezahlung. Dafür mussten alle Braunschweiger Truppen einen Eid auf den britischen König ablegen.Eelking, 17.