Die österreichische Männer-Fußballnationalmannschaft ist die Auswahlmannschaft des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB). Sie wird seit Ende Mai 2022 von Ralf Rangnick betreut und trägt ihre Heimspiele zum Großteil im Wiener Ernst-Happel-Stadion und in der Raiffeisen Arena in Linz aus.
Geschichte Das erste historisch belegte Spiel eines österreichischen Auswahlteams bestritt eine multinationale Mannschaft aus Cisleithanien 1902 gegen die ungarische Fußballnationalmannschaft. Am 16. Mai 1931 gelang dann der Fußballnationalmannschaft der 1919 gegründeten Republik Österreich unter Teamchef Hugo Meisl ein Sieg gegen die schottische Nationalmannschaft. Das sogenannte „Wunderteam“ fügte den Schotten damit die erste Niederlage auf dem europäischen Festland zu. Nach der Auflösung des Staates mit dem Anschluss an das Deutsche Reich gab es zwangsläufig nur noch eine gemeinsame deutsche Nationalmannschaft. Erst mit dem Untergang des Deutschen Reiches und der Wiedererrichtung der Republik Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg entstand auch wieder eine österreichische Nationalmannschaft, der bei der WM 1954 ein beachtlicher dritter Platz gelang, hinter dem Vizeweltmeister Ungarn und dem Weltmeister Bundesrepublik Deutschland. Danach folgte eine längere Zeit ohne bemerkenswerte Fußballerfolge. Bei der WM 1978 in Argentinien gelang der Einzug in die Runde der besten Acht, in der die österreichische Fußballnationalmannschaft auf den amtierenden Weltmeister von 1974 traf und das Spiel mit 3:2 für sich entschied. Dieser Sieg gegen den „großen Bruder“ Deutschland sorgte für so viel Aufsehen, dass er seitdem in Österreich als Wunder von Córdoba bezeichnet wird. Legendär war auch die Moderation des österreichischen Radioreporters Eduard „Edi“ Finger sen., der den Sieg enthusiastisch mit den Worten: „I wer narrisch!“ bejubelte. Im November 2025 fixierte Österreich im Zuge der Qualifikation zur WM-Endrunde 2026 den Gruppensieg und damit die erste Teilnahme bei einem WM-Turnier seit 1998 in Frankreich. Für die EM 2008 waren sie als Gastgeberland zusammen mit der Schweiz automatisch qualifiziert. 2012 war das ÖFB-Team nicht qualifiziert, seit 2016 jedoch drei Mal in Folge dabei. 2016 scheiterte man in der Vorrunde, 2021 und 2024 überstand Österreich die Gruppenphase, schied jedoch jeweils anschließend im Achtelfinale aus.
1901–1918: Die Auswahlmannschaft Cisleithaniens mini|links|hochkant|M. D. Nicholson – Initiator der ersten Nationalmannschaft Der Fußballsport kam Anfang der 1890er Jahre über England nach Österreich-Ungarn. Die beiden ältesten österreichischen Fußballklubs Cricketer und Vienna trugen 1894 ein erstes Fußballspiel zwischen zwei Vereinen auf der Döblinger Kugerlwiese aus. Um die Entwicklung des Fußballsports in Wien kümmerte sich damals M.D. Nicholson, einst selbst englischer Nationalspieler, der aus beruflichen Gründen nach Wien versetzt worden war. Am 18. Dezember 1898 organisierte er ein Spiel zwischen „Wiener Engländern“ und Wienern im Prater. Die Österreicher traten mit weißen Leibchen und schwarzen Hosen auf – diese Dresskombination wurde später zu den Teamfarben der Nationalmannschaft, wenngleich sie in der jüngeren Vergangenheit in Rot-Weiß-Rot auftraten. Ein erstes Länderspiel absolvierte Österreich am 8. April 1901 gegen eine Schweizer Auswahl:
Dieses Spiel, das die Wiener mit 4:0 gewannen, wird jedoch von beiden Verbänden als inoffiziell betrachtet und ist in der österreichischen Fußball-Literatur als „Ur-Länderspiel“ bekannt. Veranstaltet wurde die Begegnung von der erst ein Jahr zuvor gegründeten Österreichischen Fußball-Union, einem Vorgänger des heutigen ÖFB, deren Gründer M.D. Nicholson bis zu seiner Abreise im Oktober 1901 auch erster Präsident dieses ersten offiziellen österreichischen Fußballverbandes war. Das Ur-Länderspiel bestritt Österreich mit Spielern der großen Wiener Vereine Vienna, Cricketer und WAC. Als Länderspiel wird es betrachtet, da die Wiener Stadtmannschaft, die bereits zuvor gegen ausländische Vereine gespielt hatte, erstmals auf eine ausländische Verbandsmannschaft traf. Viele österreichische Spieler legten sich damals, um nicht erkannt zu werden, Pseudonyme zu, trugen Perücken und klebten sich sogar falsche Bärte an. Ein Grund dafür war, dass Schülern, auch wenn sie schon 17 oder 18 Jahre alt waren, das Fußballspielen in Vereinen damals verboten war.
Das erste heute als offiziell anerkannte Länderspiel zwischen Österreich und Ungarn, die beide bis 1918 politisch noch eine Realunion Österreich-Ungarn bildeten, aber beide als souveräne Staaten galten, schrieb die Österreichische Fußball-Union damals noch als „Städtespiel Wien gegen Budapest“ für den 12. Oktober 1902 aus. Dabei handelte es sich um einen geschichtsträchtigen Moment, nämlich das europaweit erste Fußball-Länderspiel zweier nichtbritischer Mannschaften.Argentinien und Uruguay spielten schon 3 Monate früher gegeneinander. Österreich gewann sein Debüt mit 5:0, einen Hattrick erzielte dabei Jan Studnicka, einer der ersten Stars des österreichischen Fußballs.Pester Lloyd vom 14. Oktober 1902, Online in ANNOReichspost vom 15. Oktober 1902, Online in ANNO In den folgenden Jahrzehnten wiederholte man zweimal jährlich diesen sportlichen Wettstreit zwischen Österreich und Ungarn, der je einmal in Wien und einmal in Budapest stattfand. Diese Duelle waren durch große Rivalität gekennzeichnet und bildeten den jeweiligen Höhepunkt der Fußballsaison. Die Fußballnationalmannschaft jener Zeit ist aber nicht mit der heutigen vergleichbar. Im damaligen Vielvölkerstaat bestand die Auswahlmannschaft der österreichischen Reichshälfte Cisleithanien aus Spielern unterschiedlicher Nationalitäten. So spielte eine beachtliche Anzahl Tschechen neben den deutschen Österreichern in der Mannschaft. Die erste Teilnahme des Landes an einem internationalen Wettbewerb erfolgte dann bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm. Siege über die Mannschaft des kaiserlichen Deutschen Reiches, Norwegen und Italien sowie Niederlagen gegen die Niederlande und Ungarn bedeuteten am Ende den 6. Platz des Turniers. Während des Ersten Weltkriegs wurde in Österreich der Fußballbetrieb ohne Unterbrechung fortgeführt. Verbandskapitän Hugo Meisl wurde allerdings an die Isonzofront befehligt, sodass in dieser Zeit der ehemalige Vienna-Verteidiger Heinrich Retschury die Nationalmannschaft betreute. Während des Großen Krieges konnte der Verband jedoch nur Spiele gegen Ungarn und die neutrale Schweiz organisieren.
1918–1938: Wunderteam Nach Ende des Ersten Weltkrieges versuchten mehrere Länder, angeführt von England, mit Österreich einen der laut den Pariser Vorortverträgen Hauptkriegsschuldigen aus der FIFA zu drängen. Aber auch neu entstandene Nachbarstaaten der neuen Republik (Deutsch-)Österreich wie die Tschechoslowakei boykottierten zunächst Spiele gegen österreichische Mannschaften. Hugo Meisl war bemüht, die alten Kontakte zu den Landesverbänden wiederherzustellen und versuchte gleichzeitig, internationale Wettbewerbe für Vereins- und Nationalmannschaften ins Leben zu rufen. In der jungen Republik erlebte der Fußball, insbesondere dank der Einführung des (verkürzten) Achtstundentages, einen großen Aufschwung. 1921 wurde auf der Hohen Warte ein neues 80.000 Zuschauer fassendes Stadion eröffnet, 1924 wurde in Österreich als erstem kontinentaleuropäischen Land der Profifußball eingeführt. Diese Neuerungen trugen sowohl zum Erfolg der Nationalmannschaft als auch zum Erfolg der Vereine auf internationaler Ebene bei. 1926 konnte beispielsweise das Team in sechs von sieben Partien siegreich bleiben. 1927 kam es erstmals zur Austragung des Europapokals. Es handelte sich dabei um einen Vorläufer der Fußball-Europameisterschaft, der in einem Meisterschaftsmodus über einen Zeitraum von mehreren Jahren unter den teilnehmenden Nationen ausgespielt wurde. Bereits den ersten Europapokal-Wettbewerb konnte Österreich 1930 als Vize-Europameister hinter Italien abschließen.
Der Höhepunkt der österreichischen Fußballgeschichte der Zwischenkriegszeit wurde jedoch die Ära des „Wunderteams“. Als solches wird die österreichische Fußballnationalmannschaft bezeichnet, die 1931 die bis dato auf dem europäischen Festland ungeschlagenen Schotten mit 5:0 besiegte. Das Team um Kapitän Matthias Sindelar konnte in den folgenden Spielen mit weiteren Kantersiegen über europäische Spitzenteams auf sich aufmerksam machen, es schlug die Mannschaft des Deutschen Reiches 6:0 in Berlin sowie 5:0 in Wien, gewann 8:1 gegen die Schweiz und 8:2 gegen Ungarn, besiegte Belgien 6:1 und Frankreich 4:0. Zur selben Zeit konnte sich die Nationalmannschaft 1932 den Gewinn des Europapokals vor den Italienern sichern. Als größter Erfolg des Wunderteams gilt jedoch dessen einzige Niederlage. Am 7. Dezember 1932 trat es gegen die englische Nationalmannschaft an, die zu Hause bislang ungeschlagen war und es auch weitere 20 Jahre lang bleiben sollte. Noch hatte es bislang keine Mannschaft vom europäischen Festland geschafft, mehr als ein Ehrentor in England zu erzielen. Die RAVAG übertrug das Spiel live auf den Wiener Heldenplatz. In Stamford Bridge lagen die Österreicher jedoch bereits zur Pause mit 0:2 zurück, spielten nervös, ehe sie in der zweiten Halbzeit ihr berühmtes Kombinationsspiel aufzogen. Hugo Meisl schickte seine Mannschaft mit den Worten „Spüts euer Spüü!“ zurück auf das Spielfeld. Das Nationalteam schaffte dreimal den Anschlusstreffer, verlor am Ende jedoch 3:4, wobei Adolf Vogl kurz vor Schluss noch die Ausgleichschance vergab. Der Wechsel einiger Spieler wie beispielsweise Torwart Rudi Hiden zu finanziell lukrativeren Vereinen ins Ausland schwächte jedoch die Mannschaft entscheidend, dennoch fuhr sie als einer der großen Titelfavoriten zur Weltmeisterschaft 1934 nach Italien. Im Halbfinale wurde die österreichische Mannschaft schließlich vom Gastgeber gestoppt, wobei dem schwedischen Schiedsrichter Ivan Eklind eine äußerst zwielichtige Rolle vorgeworfen werden muss. Denn tags zuvor war er noch vom italienischen Diktator Benito Mussolini als persönlicher Ehrengast geladen worden. Das einzige Tor des Spiels fiel in der 18. Minute, als mehrere Italiener den österreichischen Tormann Peter Platzer mit dem Ball in den Händen über die Torlinie stießen. Ivan Eklind griff sogar selbst aktiv ins Spielgeschehen ein, indem er eine Flanke auf den freistehenden österreichischen Stürmer Karl Zischek wegköpfte.
1938–1945: Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg Nach dem „Anschluss“ bzw. die Eingliederung Österreichs in das nationalsozialistische Deutsche Reich am 12. März 1938 löste sich der ÖFB daraufhin am 28. März 1938 de facto auf und war nun nicht mehr Teil des weltweiten Fußballverbandes. De jure bestand der Verband noch bis zum 7. Juni 1938.mini|Der Fußball-Sonntag vom 5. Juni 1938 berichtet von der bevorstehenden Auflösung des ÖFB und dem damit verbundenen Ende der Nationalmannschaft Eine Woche vor der am 10. April angesetzten Volksabstimmung, die die Vereinigung mit dem Deutschen Reich nachträglich legitimieren sollte, fand im Wiener Praterstadion ein inoffizielles Länderspiel zwischen Österreich und Deutschland statt. Das als „Versöhnungsspiel“ betitelte Aufeinandertreffen beider Teams war von NS-Propaganda geprägt. Der aus Kärnten stammende Friedrich Rainer, seit 1934 Mitglied der SS, war für die Organisation des Spiels verantwortlich und als Leiter des Wahlorganisationsamtes auch bei der Abwicklung der Volksabstimmung involviert. Am Programmheft für die Partie war nur die deutsche Mannschaft abgebildet und vor dem Spiel marschierten Torwart Rudolf Zöhrer und Linksverteidiger Otto Marischka mit einem Transparent mit der Aufschrift „Sportler stimmen mit Ja“ aufs Spielfeld. Auf Wunsch der österreichischen Auswahl um Kapitän Sindelar lief man nicht in den weiß-schwarzen Heimdressen auf; man entschied sich für die rot-weiß-rote Auswärtsgarnitur, die Deutschen spielten in den traditionellen Heimfarben schwarz-weiß.