Die Bonanno-Familie (Bonanno Crime Family) ist eine italo-amerikanische Mafiafamilie der amerikanischen Cosa Nostra und eine der sogenannten Fünf Familien von New York City, welche dort die organisierte Kriminalität in weiten Teilen beherrschen.

Geschichte der Familie Vorgeschichte In den 1890er Jahren war Giuseppe „Peppe“ Bonanno, Jr. nach New York City gekommen und begründete den Clan, dem zunächst überwiegend Einwanderer aus Castellammare del Golfo angehörten. Auf Sizilien befanden sich zu dem Zeitpunkt die Bonannos und Magaddinos im Krieg mit der Buccellato-Familie. Giuseppe war ein klassischer Mustache Pete, sein Spitzname lautete „Don Peppe“. Giuseppe verstarb 1901 und sein jüngerer Bruder Salvatore „Turiddu“ Bonanno gilt ab 1908 als Oberhaupt des Clans. Er war zusammen mit seiner Ehefrau Caterina Bonventre und seinem Sohn Joseph Charles Bonanno, Sr., dem späteren eigentlichen Namensgeber der Bonanno-Familie, in die USA gekommen. Allerdings kehrte er 1911 nach Italien zurück, wo er 1915 verstarb.

Seitdem galt Nicola Schiro als Anführer des Clans, nach anderen Quellen soll dies aber erst ab 1925 der Fall gewesen sein. Er verschwand 1930 und an seine Stelle trat der frisch aus Castellammare del Golfo eingetroffene Salvatore Maranzano.

Fünf Familien Die Auseinandersetzung zwischen Joe Masseria und Salvatore Maranzano zwischen 1930 und 1931 manifestierte die Ausbildung der Fünf Familien der amerikanischen Cosa Nostra in New York City. Diese Auseinandersetzung zunächst zwischen aus dem Ort Castellammare del Golfo stammenden sizilianischen Mafioso und den übrigen Angehörigen der Cosa Nostra New Yorks wurde als Krieg von Castellammare bekannt. Zunächst setzten sich die Sizilianer durch, die überwiegend aus Castellammare del Golfo stammten. Im Laufe der Auseinandersetzung verwischte sich jedoch diese Trennungslinie, da sich die Bündnislage zwischen den beteiligten Personen im Laufe der blutigen Auseinandersetzung verschob. Insbesondere Charles „Lucky“ Luciano beeinflusste damit maßgeblich die Auseinandersetzung.

Die Auseinandersetzung die 1930 mit der Ermordung von Peter Morello begonnen hatte, endete zunächst mit der Ermordung von Joe Masseria 1931. Maranzano wollte die Mafia New Yorks in Fünf Familien aufteilen, was den bestehenden Machtverhältnissen der Stadt entsprach. Da sich nun aber Maranzano selbst als „Capo di tutti i capi“ (it.: Boss aller Bosse) an die Spitze über diese Familien setzen wollte, provozierte dieses Vorhaben weitere Konflikte. Seine angestrebte Position als dominantes Oberhaupt kam bei den anderen ranghohen Mafia-Mitgliedern nicht gut an, wobei seine arrogante Behandlung von Untergeordneten und die Vorliebe, seine Organisation mit dem Römischen Reich zu vergleichen, weitere Befürchtungen schürten.

Maranzano wurde dies früh genug klar, weshalb er den Mord an Luciano, Vito Genovese, Frank Costello und anderen potentiellen Widersachern plante, aber die Gegenseite war schneller. Zu dem Zeitpunkt, als Maranzano den Killer Vincent „Mad Dog“ Coll anheuern wollte, um Luciano und Genovese ermorden zu lassen, hatte Luciano mit Hilfe Meyer Lanskys Maranzanos Mordpläne bereits herausgefunden. Am 10. September 1931 drangen „Red“ Levine, Bo Weinberg, ein Verbrecher aus dem Umfeld von Dutch Schultz, und zwei weitere von Lansky zur Verfügung gestellte Killer in Maranzanos Büro ein, entwaffneten die Wachen und erschossen ihn.

Nach seinem Tod organisierten nun die Anführer der Fünf Familien die Zusammenarbeit in New York neu und verboten die Position des Capo di tutti i capi. Diese Familien trugen in der Regel den Namen ihres jeweiligen Oberhauptes und wurden später als Bonanno, Colombo, Gambino, Genovese und Lucchese klassifiziert. So wurde mit Hilfe des Mafiabosses von Buffalo Stefano Magaddino dessen Cousin, der damals sechsundzwanzigjährige Joseph Bonanno, zum Oberhaupt der verbliebenen Anhänger Maranzanos gewählt und die Bonanno-Familie war entstanden.

Luciano errichtete mit dem National Crime Syndicate und dessen Kommission nun ein geradezu föderales System; in diese Struktur waren auch das Chicago Outfit und sogar Nicht-Italiener eingebunden. Der einflussreichste von ihnen wurde darin der „Kosher Nostra“ Meyer Lansky.

Die Familie unter Joseph Bonanno (1931–1965) mini| Organigramm der Bonanno-Familie 1963. Bonanno war zu dieser Zeit mit 26 Jahren der jüngste Boss der Fünf Familien. Er glaubte fest daran, dass Blutsverwandtschaft und strenge sizilianische Erziehung der einzige Weg sei, die traditionellen Werte der Cosa Nostra hochzuhalten. Die Bonanno-Familie war insofern die traditionsorientierteste Mafia-Familie New Yorks und verwendete intern den sizilianischen Dialekt der italienischen Sprache. In der Folge dieser Beschränkungen blieb die Bonanno-Familie unter den fünf New Yorker Familien die kleinste. Der Position der Bonanno-Familie kamen aber die freundschaftlichen Beziehungen zugute, die Joseph Bonanno zu Joseph Profaci, dem Anführer der einflussreichen, später Colombo-Familie genannten Gruppierung, unterhielt. Die enge Beziehung der beiden Familien wurde im Jahre 1956 noch verstärkt, als Bonannos Sohn Salvatore eine Nichte Profacis heiratete.

Hauptbetätigungsfelder der Bonanno-Familie waren unter Joseph „Joe“ Bonanno Glücksspiel, Kreditwucher und vor allem der Drogenhandel. Joseph Bonanno selbst investierte gemeinsam mit Meyer Lansky verstärkt auf Kuba unter Fulgencio Batista. Kuba wurde hierbei zu einer der wichtigsten Drehkreuze für den Drogenhandel in die Vereinigten Staaten. Als sich der Sieg der Revolutionäre der Kubanischen Revolution abzuzeichnen begann, orientierte sich die Familie um. Es wurden die guten Kontakte nach Sizilien genutzt. Im Oktober 1957 hielt sich hierzu Joseph Bonanno für mehrere Tage in Palermo auf und traf sich dort mit Vertretern der sizilianischen Cosa Nostra, um den Drogenimport zu organisieren. Er regte hierbei die Bildung einer Kommission nach amerikanischem Vorbild auch für die sizilianische Mafia an.

Die Bonanno-Familie wurde in dieser Zeit zum größten Verteiler von illegalen Drogen in New York. 1963 verbündeten sich Bonanno und Joseph Magliocco, das damalige Oberhaupt der Colombo-Familie, gegen Tommy Lucchese, Carlo Gambino und Stefano Maggadino und planten die Ermordung ihrer Kontrahenten. Die Absichten der beiden wurden jedoch von Joseph Colombo verraten und sowohl Magliocco als auch Bonanno wurden von der einberufenen Commission der Mafia, in der Vertreter aller wichtigen Mafia-Familien des Landes vertreten waren, als Anführer ihrer jeweiligen Familien abgesetzt. Daraufhin kam es zu einem blutigen Konflikt innerhalb der Bonanno-Familie, der unter Anspielung auf den Namen der Familie manchmal auch als „Bananenkrieg“ bezeichnet wird. Den Anhängern Bonannos standen die Gefolgsleute Gaspar DiGregorios, dem von der Kommission eingesetzten Nachfolger Bonannos, gegenüber. DiGregorio vermochte sich indes nicht gegen Bonanno durchzusetzen und wurde bald durch Paul Sciacca ersetzt. Erst als Bonanno 1968 einen Herzinfarkt erlitt und sich nach Arizona zurückzog, wo er bis zu seinem Tode 2002 lebte, beruhigte sich die Situation innerhalb der Bonanno-Familie wieder und Sciacca wurde mit der Zeit als neuer Anführer anerkannt. Als Sciacca 1968 verhaftet wurde, verlor er seine Stellung an Natale Evola, der aber bereits 1973 verstarb. Evolas Nachfolger wurde Philip Rastelli. Die Auseinandersetzungen innerhalb der Bonannos führten schließlich dazu, dass die Mafia-Familie ihren angestammten Sitz in der Kommission der Mafia verlor.

Die Familie und Carmine Galante (1975–1979) Die Machtposition Rastellis wurde 1975 in Frage gestellt, als Carmine Galante, ein Zögling Joseph Bonannos, nachdem er wegen umfangreicher Rauschgiftgeschäfte zwölf Jahre einer zwanzigjährigen Haftstrafe abgesessen hatte, in die Freiheit zurückkehrte. Galante hatte sich vor seiner Inhaftierung unter Joseph Bonanno von dessen Chauffeur zum Underboss hochgearbeitet und aktivierte nach seiner Rückkehr seine Kontakte zur sizilianischen Mafia und deren Drogenkanälen und baute die so genannte „French Connection“ zum Einschmuggeln von französischem Heroin über Montreal auf. Seine sehr umfassenden Geschäfte sorgten für Nervosität bei Rastelli und auch innerhalb der Kommission. Verstärkt wurde das Misstrauen durch das aggressive Auftreten Galantes und die verstärkte Anwerbung von sizilianischen Mafiosi, die er auch als Leibwache einsetzte. Sein Ziel war es, die Kontrolle über sämtliche Aktivitäten der Mafia-Familien zu erlangen. Um dieses Ziel zu erreichen, ließ Galante mehrere Mitglieder rivalisierender Mafia-Gruppen ermorden. Aufgrund dieses Vorgehens zog er endgültig das Missfallen der Anführer der anderen Familien auf sich. Deshalb erteilte die Kommission den Auftrag, Galante aus dem Weg zu räumen. Am 12. Juli 1979 wurde er erschossen, als er sich gerade zigarrerauchend in einem Restaurant aufhielt. Viele der an der Ausführung des Mordanschlags beteiligten Personen bekleideten in der Folgezeit hochrangige Positionen innerhalb der Bonanno-Familie. Es ist anzunehmen, dass die Aktion auch von Rastelli gebilligt wurde, da dieser nach der Ermordung Galantes weiterhin das Oberhaupt der Bonanno-Familie blieb.

Die Bonannos nach dem Ende Galantes Nach dem Tod Galantes hatte Rastelli zunächst wieder die unumstrittene Stellung des Bosses der Bonanno-Familie inne. Die Familie konzentrierte sich auf Pizzerien (wo illegale Einwanderer untergebracht wurden), Restaurants, Espresso-Bars, Geschäfte mit der Pornografie und vor allem weiterhin auf Drogen. Allerdings wandten sich bald drei der Capos Rastellis (Philip „Philly Lucky“ Giaccone, Alphonse „Sonny Red“ Indelicato und Dominick „Big Trin“ Trinchera) gegen ihn, da sie einen größeren Anteil an dem Drogengeschäft haben wollten. Rastelli, der sich zu dieser Zeit in Haft befand und die Geschicke der Bonanno-Familie aus seiner Zelle lenkte, wollte sich demgegenüber vom Drogengeschäft abwenden. Eine Anfrage Rastellis bei der Kommission um die Erlaubnis zur Beseitigung seiner Gegner wurde zunächst abschlägig beschieden. Da die drei abtrünnigen Capos aber auch bald von anderen Familien als Problem angesehen wurden, wurde der Auftrag zur Beseitigung an Joseph Massino erteilt. Dieser verpflichtete drei Mitglieder aus dem Ableger der Bonannos in Montreal und verabredete ein Treffen mit Giaccone, Indelicato und Trinchera in Bensonhurst im Stadtteil Brooklyn. Bei dem Treffen am 5. Mai 1981 wurden die drei Capos von drei mit Skimasken maskierten Männern erschossen; dies konnte die Konflikte innerhalb der Familie aber nicht lösen.

Verschärft wurden die internen Probleme der Familie, da es dem FBI gelungen war, mit dem vorgeblichen Juwelendieb Donnie Brasco (alias Joseph D. Pistone) einen verdeckten Ermittler in die Bonanno-Familie einzuschleusen. Donnie Brasco ermittelte sechs Jahre innerhalb der Familie. Er gehörte dem Teil der Organisation an, die vom Capo Dominic „Sonny Black“ Napolitano geleitet wurde. Napolitano hatte aufgrund seiner maßgeblichen Beteiligung sowohl an der Ermordung Galantes als auch an der Beseitigung Giaccones, Indelicatos und Trincheras eine besonders hohe Stellung innerhalb der Hierarchie der Bonanno-Familie inne. Brasco wurde von dem einflussreichen Napolitano, der allerdings nicht wusste, dass Brasco ein Polizist war, gefördert und in die Bonanno-Familie eingeführt. Die durch Brasco erlangten Erkenntnisse führten zur Festnahme von über 100 Mobstern in allen Teilen der USA. Brasco sagte auch gegen Rastelli aus, der zu einer zwölfjährigen Haftstrafe verurteilt wurde, während derer er 1991 an Krebs starb. Napolitano hingegen wurde bereits am 17. August 1981 ermordet, da er für Brascos Erfolge als verdeckter Ermittler verantwortlich gemacht wurde.

Die Bonannos nach dem Tod Rastellis