mini|Canon Pellix QL mini|Canon Pellix QL mit FL-Objektiv 58 mm, f/1.2 Die Pellix war die erste Spiegelreflexkamera von Canon mit TTL-Belichtungsmessung. Es handelt sich um eine Kleinbild-Kamera mit feststehendem Spiegel, welcher auch zum Namen Pellix führte. Sie besaß ein Canon FL-Bajonett und gehörte zur F-Serie.

Zeitraum und Einordnung

Produktion Die Pellix erschien im April 1965 und wurde im folgenden Jahr durch die leicht modifizierte Pellix QL abgelöst, welche bis zur Einführung der F-1 und des FD-Bajonetts im Jahr 1970 im Programm blieb. Mit dem Normalobjektiv FD 50 mm f/1,4 kostete sie 1209 DM, mit dem FD 50 mm f/1,2 1308 DMSpiegelreflexkameras mit Innenmessung, Foto Magazin, Ausgabe Oktober 1966 und war damit recht teuer. Dies, insbesondere aber die Nachteile des feststehenden Spiegels hatten zur Folge, dass nur 35.000 Pellix und 76.000 Pellix QL produziert wurden.

Vorgeschichte Der Trend bei Spiegelreflexkameras ging in den 1960er Jahren hin zur TTL-Messung, welche nicht nur Vorteile bei der Belichtungsmessung bot, sondern auch die Kamera kompakter hielt, als ein unter der entsprechend höheren Gehäusekappe eingebauter Belichtungsmesser mit eigenem Messauge. Die erste Kamera dieses Typs war in Gestalt der Asahi Pentax Spotmatic auf der Photokina 1960 ausgestellt, aber nur als Prototyp. 1963 kam dann die Topcon RE Super auf den Markt, 1964 gefolgt von der Alpa 9d und der Spotmatic, deren Serienproduktion in diesem Jahr anlief. Als fünfter Hersteller folgte Canon mit der Pellix.

Entwicklung Ausgangspunkt der Pellix-Entwicklung war ein Patent des Canon-Mitarbeiters Takeshi Goshima aus dem Jahr 1958.US Patent 2937582 Es beschrieb einen hinter dem Objektiv im Strahlengang angeordneten Lichtsensor, der im Anschluss an die Messung nach unten klappte. Diese Einrichtung war für Sucherkameras gedacht und verlangte bei Spiegelreflexkameras nach einem teildurchlässigen Spiegel. um den Sensor mit Lichtstrahlen zu versorgen. Daraufhin hat man sich bei Canon überlegt, einen unbeweglichen Spiegel zu verwenden, der den größeren Teil der Lichtstrahlen zum Film durchließ und einen kleineren Teil in den Sucher spiegelte. Das brachte folgende Vorteile mit sich: keine Spiegelvibrationen geringere Auslöseverzögerung Sucherbild während der Aufnahme Prinzipiell wäre auch ein leiseres Auslösegeräusch möglich gewesen, auf die Pellix traf dies aber nicht zu, sie hörte sich praktisch genauso wie die FX an. Mit dem Sucher konnte man während der Aufnahme kontrollieren, ob ein angeschlossenes Blitzgerät auslöst und eventuell Reflexionen des Blitzes beurteilen. Außerdem irritierte das durchgehend vorhandene Bild weniger und half, die Kamera ruhig zu halten. Großen Nutzen brachte es bei Mitziehaufnahmen. Allerdings verdunkelte sich der Sucher entsprechend der gewählten Blende. Den Pluspunkten standen aber gewichtige Nachteile gegenüber: Lichtverlust bei der Belichtung Lichtverlust beim Sucherbild Verunreinigungen auf dem Spiegel machen sich auf der Aufnahme bemerkbar

Ende Mit der Vorstellung des FD-Bajonetts hat man die Pellix nicht darauf umgestellt und ihr Konzept erst einmal nicht weiter verfolgt. Es kam aber bei Sondermodellen der F-1 und der New F-1 zum Einsatz. Hierbei brachte der feststehende Spiegel einen besonders großen Nutzen, indem er die Bildfrequenz des Motorantriebs erhöhte. Bei der EOS RT beschränkten sich die Vorteile dann wieder auf die Pluspunkte der Pellix.

Pellix

Gehäuse Die Pellix basierte auf dem Aluminiumgehäuse der Canon FX. Bodenplatte und Gehäusekappe gab es in silber oder schwarz, wobei die schwarze Version noch selten gekauft wurde. Da Canon auf die Besonderheit der Kamera aufmerksam machen wollte, war der Typ, also Pellix auf dem Prismengehäuse und der Canon seitlich daneben zu lesen, während es sich bei allen anderen Canon-Spiegelreflexkameras umgekehrt verhielt. Ohne Objektiv maß die Kamera 144 mm × 91 mm × 43 mm und wog 755 g.

Wie bei allen Kameras der F-Serie besaß auch die Pellix einen Multifunktionshebel in Kamerablickrichtung rechts neben dem Objektiv. Drückte man ihn in Richtung Objektiv, dann blendete das Objektiv ab, klappte der Sensor in den Strahlengang und wurde der Belichtungsmesser eingeschaltet, so dass die Belichtungsmessung durchgeführt werden konnte. In dieser Position ließ sich der Hebel verriegeln und die Kamera nicht auslösen. Bewegte man den Hebel vom Objektiv weg, dann zog man damit den Selbstauslöser auf. Weil durch den Suchereinblick Licht auf den Spiegel fallen und die Aufnahme beeinflussen konnte, ließ sich der Sucher mit Drehen eines Rings um der Rückspulkurbel verdunkeln.

Sucher mini|Blick auf die Spiegelfolie Für den teildurchlässigen Spiegel kam eine mit 0,02 mm sehr dünne, dampfbeschichtete Kunststofffolie aus Mylar zum Einsatz. Sie war sehr empfindlich:

Berühren der Folie kam aber immer wieder vor, so dass der Canon-Kundendienst häufig mit ihrer Auswechselung beschäftigt war. Ihre Bezeichnung Pellice, eng. für Pellikel gab der Kamera auch ihren Namen.

Der Sucher besaß eine Mattscheibe mit einem Mikroprismenring und einem rechteckigen Rahmen, der den Bereich für die Belichtungsmessung markierte. Aus dem rechten Bildrand ragte eine Messnadel heraus, die bei der Belichtungsmessung innerhalb eines Kreisrings positioniert werden musste, der sich auf der Mattscheibe befand. Verglichen mit der FX machte sich der Lichtverlust durch den teildurchlässigen Spiegel erheblich bemerkbar, er betrug etwa LW und unterschied sich durch Produktionsschwankungen von Spiegel zu Spiegel geringfügig.

Filmtransport Der Aufzugshebel benötigte für den Filmtransport eine Drehung um 174°. Ein motorischer Filmtransport hatte Canon nicht vorgesehen, obwohl der feststehende Spiegel dabei eine erhöhte Bildfrequenz erlaubt hätte.

Belichtungsmessung mini|Klappbare CdS-Zelle Die Pellix arbeite mit einer CdS-Zelle und Partialmessung. Die Größe des Messfelds betrug 8 mm × 12 mm und somit sie ca. 12 % der Bildfläche, so dass der diagonale Messwinkel im Falle eines Normalobjektivs ca. 15° betrug.Marktübersicht Einäugige Spiegelreflexkameras mit Innenmessung, Fotomagazin April 1969 Die Filmempfindlichkeit ließ sich am Verschlusszeitenrad zwischen ISO 10/11° und ISO 800/30° einstellen. Der Messbereich reichte bei ISO100/21° von 1 s bei f/1,2 bis 1/1000 s bei f/16.

Da der Spiegel wie ein Graufilter wirkte, musste man ihn bei Verwenden eines Blitzgeräts oder Handbelichtungsmessers mit LW Verlust berücksichtigen.

Verschluss Im Gegensatz zur FX besaß die Pellix einen Metall-Schlitzverschluss, da im Falle eines Tuchverschlusses Sonnenstrahlen durch den teildurchlässigen Spiegel hindurch Löcher in den Vorhang hätten brennen können. Seine Lamellen waren zu sehen, wenn man im rechten Winkel zur Filmebene auf den Spiegel schaute. Verschlusszeiten ließen sich von 1 s bis zu  s einstellen, wobei die Blitzsynchronzeit  s betrug. Für Blitzlichtbirnen musste dabei die Stellung 60 des Verschlusszeitenrads gewählt werden, für Elektronenblitzgeräte die Stellung X mit der gleichen Verschlusszeit, aber einer anderen Verzögerung für das Blitzlicht.

Stromversorgung Das Batteriefach befand sich in Kamerablickrichtung an der linken Seite der Gehäusekappe hinter einem Schraubdeckel und nahm eine Quecksilberoxid-Zink-Zelle vom Typ PX 625 auf, die ausschließlich den Belichtungsmesser versorgte. Die Kamera war dabei auf die exakten 1,35 V Spannung dieses Batterietyps angewiesen.

Spezielle Objektive Zusammen mit der Pellix brachte Canon das besonders flache Objektiv FLP 38 mm f/2,8 heraus, welches ausschließlich an die Pellix angeschlossen werden durfte, weil die Rücklinse besonders weit in den Spiegelkasten hineinragte und keinen Platz mehr für die Bewegung eines normalen Spiegels ließ. Das P in der Bezeichnung FLP wies darauf hin.

Kurz darauf stellte Canon noch das FL 19 mm f/3,5 R für die Pellix vor, eine Retrofokus-Konstruktion, die dem Spiegel genügend Platz ließ. Das gewöhnliche FL 19 mm f/3,5 ragte nämlich so weit in den Spiegelkasten hinein, dass man es nur bei hochgeklappten Spiegel ansetzen konnte, was bei der Pellix naturgemäß nicht ging.

Aufgrund der Lichtverluste durch den Spiegel wurde die Pellix häufig mit den lichtstarken Normalobjektive FL 58 mm f/1,2 gekauft.

Pellix QL

Zeitraum und Einordnung Mit Erscheinen der Canon FT QL fehlten der Pellix einige Eigenschaften, diese führten zur Pellix QL.

QL-System Das Quick-Load-System vereinfacht das Filmeinlegen. Es musste lediglich die Filmzunge bis zu einer bestimmten Position herausgezogen werden, dann fädelte der Film nach Schließen der Rückwand automatisch ein.

Belichtungsmesser Filmempfindlichkeit Den Belichtungsmesser konnte man nun von ISO 25/15° bis ISO 2000/34° einstellen, der Messbereich blieb unverändert.

Canon Booster mini|Canon Booster auf einer Canon FT QL Die Pellix QL erhielt auch einen Anschluss für den Canon Booster, welcher den Messbereich der eingebauten CdS-Zelle mit einem Transistorverstärker für Nachtaufnahmen erweiterte. An ihm konnte man eine Filmempfindlichkeit von ISO 25/15° bis ISO 12800/42° einstellen. Bei ISO 100/21° und f/1.2 lag der Messbereich zwischen s und 30 s. Der Booster besaß ein beleuchtetes Instrument, dessen Zeiger genau auf die Mitte einzustellen war. Dazu besaß er ein Rad mit den Zeiten 60 – 30 – 15 – 8 – 4 – 2 – 1 – – – – – – . Da Cds-Zellen bei wenig Licht träge reagieren, konnte es mehr eine Minute dauern, bis der Zeiger zur Ruhe kam.

Der Booster besaß zwei Batteriefächer. Das untere nahm zwei Batterien gleichen Typ wie in der Kamera auf, um die Messung durchzuführen, das darüber liegende die Kamerabatterie, um das Instrument zu beleuchten. Diese musste der Pellix QL entnommen werden, weil sich der Anschluss im Batteriefach befand. Der Booster kostete 215 DM.

Betrieb in der heutigen Zeit

Spiegel Das wesentliche Problem, eine Pellix heute zu verwenden, besteht darin, dass die meisten Kameras heute einen defekten Spiegel aufweisen und kein Ersatzteil mehr zu bekommen ist.

Batterie Für die nicht mehr erhältliche Quecksilber-Batterie gibt es die Möglichkeit, eine andere Batterie plus eine Spannungsregelung einzusetzen.

Weblinks

Pellix im Canon Camera-Museum (englisch) Pellix QL im Canon Camera-Museum (englisch) Pellix QL (englisch) Canon Booster (englisch)

Quellen Günter Richter: Das Canon Reflex System. Laterna magica 1980. ISBN 3-87467-118-6 Alexander Decker: Unorthodoxe Canon SLR-Kameras, in PhotoDeal I/2000

Einzelnachweise

Pellix Kategorie:Spiegelreflexkamera