Großseelheim ist ein Dorf im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf und, neben der Kernstadt, der nach Einwohnerzahl größte Stadtteil von Kirchhain.
Geographische Lage Großseelheim liegt zwischen den Städten Marburg und Kirchhain am Westrand der Gemarkung der Stadt Kirchhain auf einem Plateau, das die im Amöneburger Becken liegende Ohmniederung etwas überragt. Zum Schutz der am Fluss Ohm gelegenen Ortschaften liegt östlich des Dorfes das Hochwasserrückhaltebecken Kirchhain/Ohm.
Ortsgeschichte mini|Kirche mini|Brunetscher Hof
Mittelalter Der Name des Dorfes hat fränkischen Ursprung. Zunächst wurde der Ort unter „Seleheim“ erwähnt. Eine Unterscheidung zwischen Großseelheim und Kleinseelheim erfolgte erst ab Mitte des 13. Jahrhunderts.
Die älteste Erwähnung von „Seleheim“ findet sich nach neueren Forschungen 779 n. Chr. (Beleg fehlt) in einer Schenkungsurkunde des Grafen Argoz und seiner Gemahlin an das Kloster Fulda. Dies geschah zur Amtszeit des Fuldaer Abtes Sturmius. Argoz schenkte dem Kloster das Drittel seiner Einkünfte im Ort. Niedergeschrieben wurde es in einem Kopiar aus der Mitte des 12. Jahrhunderts.Edmund Ernst Stengel: Fuldisches Urkundenbuch. Band 1. Nr. 116. Am 30. November 920 war Seelheim Standort des Hoftages Heinrichs I.
Im Mittelalter befand sich der Sitz eines Vogteigerichts des Deutschen Ordens im Ort. Hier besaß die Marburger Kommende mehrere Höfe, von denen sie einen in Eigenwirtschaft betrieb.Ursula Braasch-Schwersmann: Das Deutschordenshaus Marburg. Wirtschaft und Verwaltung einer spätmittelalterlichen Grundherrschaft. = Untersuchungen und Materialien zur Verfassungs- und Landesgeschichte 11. Herausgegeben vom Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde. Dissertation. Marburg 1989. S. 151 f. 1766 verkaufte der Deutsche Orden seine bis dahin bestehenden Rechte in Großseelheim an Hessen. Neuzeit Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Zum 1. Juli 1974 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Großseelheim im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz in die Stadt Kirchhain eingegliedert. Für Großseelheim, wie für alle ehemals eigenständigen Stadtteile von Kirchhain, wurde je ein Ortsbezirk gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Großseelheim angehört(e):
vor 1567 Heiliges Römisches Reich, Gericht Seelheim,Zum Gericht Seelheim gehörten Großseelheim, Kleinseelheim und Schönbach. Deutsch Ordens-Besitz, fuldisches Lehen ab 1567 Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Marburg Die Zugehörigkeit des Amtes Marburg anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und ab 1592: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Marburg 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg), Amt Marburg ab 1648: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Marburg ab 1767: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Kirchhain ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Kirchhain 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Amöneburg ab 1815: Kurfürstentum Hessen, Amt Kirchhain ab 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis KirchhainVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 74.Trennung von Justiz (Justizamt Kirchhain) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Kreis Marburg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt Kirchhain ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt Kirchhain
Gerichte seit 1821 Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Der Kreis Kirchhain war für die Verwaltung und das Justizamt Kirchhain als Gericht erster Instanz für Großseelheim zuständig. Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Kirchhain.Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte () Auch mit dem Inkrafttreten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Großseelheim 1866 Einwohner. Darunter waren 42 (2,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 351 Einwohner unter 18 Jahren, 825 zwischen 18 und 49, 384 zwischen 50 und 64 und 306 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 777 Haushalten. Davon waren 210 Singlehaushalte, 228 Paare ohne Kinder und 261 Paare mit Kindern sowie 69 Alleinerziehende und 9 Wohngemeinschaften. In 123 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 564 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1577: 58 Hausgesesse • 1747: 69 Hausgesesse • 1838: Familien: 57 nutzungsberechtigte, 26 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 12 Beisassen
Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1861: 640 evangelisch-lutherische, 7 römisch-katholische Einwohner • 1885: 671 evangelische (= 99,85 %), ein katholischer (= 0,15 %) Einwohner • 1961: 1221 evangelische (= 93,71 %), 67 katholische (= 5,14 %) Einwohner
Historische Erwerbstätigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1768: Erwerbspersonen: 9 Leineweber, 4 Schmiede, 5 Wagner, 3 Schneider, 1 Schreiner, 1 Bader, 1 Maurer, 1 Zimmermann, 2 Wirte, 4 Tagelöhner, 8 Tagelöhnerinnen • 1838: Familien: 57 Ackerbau, 5 Gewerbe, 33 Tagelöhner. • 1961: Erwerbspersonen: 252 Land- und Forstwirtschaft, 258 Produzierendes Gewerbe, 46 Handel und Verkehr, 55 Dienstleistungen und Sonstiges.
Politik Für den Stadtteil Großseelheim besteht ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat aus neun Mitgliedern inklusive Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Er umfasst das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Großseelheim. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2026 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat-Großseelheim 61,91 %, Zum ersten Mal gab es eine Gemeinschaftsliste aller politischen Gruppierungen, aus der die Mitglieder des Ortsbeirats gewählt wurden. Der seit 1991 im Amt befindliche Helmut Hofmann (SPD) wurde verabschiedet und der neu zusammengesetzte Ortsbeirat wählte Jochen Schröder zum Ortsvorsteher.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Dorfwettbewerbe Mehrfache Beteiligung am Landeswettbewerb Unser Dorf soll schöner werden mit hessischen Landessiegen 1978 und 1983/84 Beteiligung am Bundeswettbewerb Unser Dorf soll schöner werden 1986 Teilnahme am 34. Hessischen Wettbewerb Unser Dorf hat Zukunft 2011 / 3. Platz im Regionalentscheid 2. Sieger des Landeswettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ 2015
Bauwerke Das örtliche Heimatmuseum befindet sich im Brunetschen Hof, einem 1790 errichteten Fachwerkbau mit historischer Schmiede. Die ältesten Teile der evangelischen Kirche sind um 1200 entstanden.
Vereine miniatur|Altes Feuerwehrhaus (Außerdienststellung im Jahr 2021)
Im Ortsteil herrscht ein reges Vereinsleben mit ca. 20 Vereinen und Vereinigungen.
Veranstaltungen Seit 2008 findet jährlich am Samstag des ersten Adventswochenendes der Großseelheimer Adventsmarkt statt. Die Besucherzahlen übersteigen die Einwohnerzahl des Ortes regelmäßig.
Söhne und Töchter der Gemeinde Peter Herbener (1834–1913), Gutsbesitzer und Mitglied der kurhessischen Ständeversammlung
Literatur
Weblinks
Stadtteil Großseelheim. In: Webauftritt der Stadt Kirchhain.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ortsbezirk von Kirchhain Kategorie:Ort im Landkreis Marburg-Biedenkopf Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Marburg-Biedenkopf) Kategorie:Gemeindeauflösung 1974