mini|Tess d'Urbervilles Tess von den d’Urbervilles: Eine reine Frau, in einer neuen Übersetzung auch kurz: Tess (im englischen Original: Tess of the d’Urbervilles: A Pure Woman Faithfully Presented), ist ein Roman des englischen Schriftstellers Thomas Hardy, der 1891 erschien. Hardys vorletzter Roman, gefolgt von Herzen im Aufruhr (engl.: Jude the Obscure), zählt heute zu den großen Klassikern der englischen Literatur,Die Website des Deutschen Historischen Museums zählt Tess zu den wichtigsten literarischen Ereignissen des Jahres 1891, dhm.de zu seiner Zeit war die Aufnahme bei Kritik und Publikum gemischt, zum Teil, weil Hardys Position die rigide Sexualmoral seiner Zeit in Frage stellte.Vgl. Hardys Bemerkungen im Vorwort zur 5. Auflage 1892: "... there have been objectors both to the matter and the rendering." Das Werk erschien 1925 unter dem Titel Tess von d’Urbervilles im Paul List Verlag erstmals in deutscher SpracheTess von d’Urbervilles (1925) im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek, abgerufen am 3. Juli 2023. und erfuhr noch im selben Jahr eine zweite Auflage. Entgegen dem Buchtitel wurde der Name der Hauptperson im Fließtext, gemäß der damaligen Rechtschreibung, mit Teß wiedergegeben.

Inhalt Teil 1: The Maiden (Kapitel 1 bis 17) Tess ist das älteste Kind von John „Jack“ und Joan Durbeyfield, einfachen und ungebildeten Landarbeitern. Eines Tages erfährt John vom Pfarrer Tringham beiläufig, er sei eigentlich adliger Herkunft. Tringham, dessen Steckenpferd die Ahnenforschung ist, hat herausgefunden, dass „Durbeyfield“ eine Abwandlung von D’Urberville sei, der Name einer vornehmen, inzwischen ausgestorbenen normannischen Familie. Die achtlose Bemerkung des Pfarrers steigt John sofort zu Kopfe.

Am selben Tag nimmt Tess am Maitanz des Dorfes teil, wo sie kurz Angel Clare trifft, den jüngsten Sohn des Reverends James Clare, der sich auf einer Wanderung mit seinen beiden Brüdern befindet. Er hält an, um mitzutanzen und findet in einigen anderen Mädchen bereitwillige Tanzpartnerinnen. Obwohl Angel Tess’ Schönheit bemerkt, fordert er sie nicht zum Tanz auf.

Tess’ Vater, ausgelassen über die Neuigkeit seiner edlen Abkunft, betrinkt sich an diesem Abend zu stark, um in der Nacht zum entfernten Markt zu fahren, so dass Tess diese Aufgabe übernimmt, obwohl auch sie angesichts des Maitanzes nicht in der angemessenen Verfassung ist. Sie schläft während der Fahrt an den Zügeln ein, ihr Kutschpferd gerät in den Weg eines entgegenkommenden Fahrzeugs und wird getötet. Der Verlust des einzigen Zugtieres ist für die Durbeyfields ein wirtschaftliches Desaster, und Tess fühlt sich schuldig am Tod des Pferdes. Daher gibt sie dem Drängen der Mutter nach und willigt ein, Mrs. d’Urberville zu besuchen – eine reiche Witwe, die in dem nahen Ort Trantridge lebt. Tess soll dort die Verwandtschaft der Familien anmahnen und möglichst Unterstützung für die Durbeyfields erreichen. Sie weiß nicht, dass Mrs. d'Urberville keinerlei Verwandtschaft mit den alten d’Urbervilles hat; ihr verstorbener Mann, Simon Stoke, ein Glücksritter aus dem Norden Englands, hatte den Titel und Namen einst unter zweifelhaften Umständen übernommen.

Tess trifft in Trantridge nicht die alte Mrs. d’Urberville an, sondern ihren Sohn Alec, einen zynischen Freigeist. Alec findet Geschmack an der schönen Tess und verschafft ihr eine Stelle als Geflügelhüterin auf dem Gut der d’Urbervilles. Er macht wiederholt Annäherungsversuche, aber Tess, wenngleich geschmeichelt, widersteht ihm. Eines Abends spät, als Tess mit anderen Dörflern aus Trantridge von einem abendlichen Ausflug in die Stadt heimkehrt, kommt es zum handgreiflichen Zusammenstoß zwischen Tess und Car Darch, der jüngst verstoßenen Geliebten von Alec. Alec erscheint zu Pferd und „rettet“ sie aus der misslichen Lage. Er bringt sie allerdings nicht heim, sondern reitet mit ihr ziellos durch den Nebel, bis sie zu einer alten Höhle kommen. Hier eröffnet Alec ihr, dass sie sich verirrt hätten. Alec macht sich zu Fuß auf die Suche nach Hilfe, während Tess allein zurückbleibt und erschöpft einschläft, zugedeckt mit dem Mantel, den er ihr überlassen hat. Alec kehrt nach einiger Zeit allein zurück, und es bleibt dem Leser überlassen, zu entscheiden, ob er sie anschließend vergewaltigt oder verführt.

Teil 2: Maiden No More (Kapitel 17 bis 20) Nach einigen Wochen verwirrter Tändelei mit Alec beginnt Tess, ihn zurückzuweisen. Gegen seinen Wunsch kehrt sie zurück ins Haus ihres Vaters, wo sie sich in ihrem Zimmer verbirgt. Im nächsten Sommer gebiert sie einen kränklichen Sohn, der nur einige Wochen zu leben hat. An seinem letzten Abend tauft ihn Tess selbst, nachdem der Ortspfarrer seine Unterstützung verweigert. Sie gibt ihm den Namen „Sorrow“ (Sorge). Ihr stolzer Vater versperrt die Tür, um zu verhindern, dass sie nach dem Pfarrer ruft. Tess begräbt Sorrow in ungeweihter Erde und stellt Blumen in einem Marmeladentopf auf sein Grab.

Teil 3: The Rally (Kapitel 20 bis 24) Mehr als zwei Jahre nach den Ereignissen in Trantridge ist Tess, jetzt zwanzig Jahre alt, bereit für einen Neuanfang. Sie sucht sich Arbeit fern von ihrem Dorf, wo man ihre Vergangenheit nicht kennt. Sie findet eine Anstellung als Milchmädchen auf einem Hof in Talbothays, wo sie für Mr. und Mrs. Crick arbeitet. Sie freundet sich dort mit drei anderen Milchmädchen an und begegnet erneut Angel Clare, der als eine Art Praktikant in Talbothays die Führung eines großen Milchhofes studiert. Zwar sind die anderen Milchmädchen sehnsuchtsvoll-schwärmend verliebt in Angel, doch dieser interessiert sich mehr und mehr für Tess, und die beiden verlieben sich ineinander.

Teil 4: The Consequence (Kapitel 25 bis 34) Angel verbringt einige freie Tage zu Besuch bei seiner Familie in Emminster. Seine Brüder Felix und Cuthbert, die beide eine kirchliche Laufbahn eingeschlagen haben, bemerken Angels gröberes Benehmen, während er seine Brüder als farblos und engstirnig empfindet. Nach der Abendandacht diskutiert Angel mit seinem Vater seine Heiratsaussichten. Die Clares haben für Angel eine Heirat mit Mercy Chant im Sinn, einer frömmelnden Lehrerin; aber Angel vertritt die Auffassung, eine Frau, die das Bauernleben versteht, wäre eine sinnvollere Wahl. Er erzählt seinen Eltern von Tess, und sie wollen sie treffen. Sein Vater berichtet von seinen Bemühungen, die örtliche Bevölkerung zu bekehren und erwähnt sein Scheitern bei einem jungen Tunichtgut namens Alec d’Urberville.

Angel kehrt zum Milchhof Talbothays zurück und macht Tess einen Heiratsantrag. Das versetzt Tess in ein schmerzhaftes Dilemma. Angel hält sie offenkundig für eine Jungfrau und, auch wenn sie ihn nicht betrügen will, schreckt sie davor zurück, ihm ihre Vergangenheit zu offenbaren, aus Angst, seine Liebe und Bewunderung zu verlieren. Ihre Leidenschaft für ihn ist so stark, dass sie nach langem Hin und Her in die Heirat einwilligt und ihm „beichtet“, sie sei so zögerlich gewesen, weil sie gehört habe, er hasse alte Familien und würde ihre Herkunft als d’Urberville missbilligen. Er aber nimmt diese Nachricht hocherfreut auf, weil er glaubt, ihre edle Herkunft würde Tess für seine Familie akzeptabler machen.

Je näher die Hochzeit naht, desto aufgewühlter wird Tess. Sie schreibt ihrer Mutter um Rat; Joan empfiehlt ihr, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Ihre Sorge steigt, als ein Mann aus Trantridge namens Groby sie erkennt, als sie mit Angel beim Einkaufen ist, und sie mit Andeutungen über ihre Vergangenheit belästigt. Angel bekommt das mit und verfällt gegenüber Groby in einen groben Jähzorn, der für ihn sonst völlig untypisch ist. Tess beschließt, Angel nicht mehr zu belügen und schreibt ihm einen Brief, in dem sie ihre Vergangenheit mit d’Urberville erklärt; sie schiebt den Brief unter seiner Schlafzimmertür durch. Als Angel sie am nächsten Morgen mit unveränderter Zuneigung begrüßt, erkennt sie, dass der Brief in seinem Zimmer unter dem Teppich gelandet ist. Angel hat ihn nicht gelesen. Sie zerstört ihn.

Die Heirat verläuft störungsfrei, obwohl Tess viele böse Zeichen bemerkt (ein Hahn kräht am Nachmittag, und die alte Kutsche der d’Urbervilles, Gegenstand einer gruseligen Sage, taucht auf). Tess und Angel verbringen ihre Hochzeitsnacht in einem ehemaligen Herrschaftshaus der d’Urbervilles, das jetzt als Gasthaus fungiert. Angel gibt Tess Diamantschmuck, der seiner Patentante gehört hat und gesteht ihr, dass er einst in London eine kurze Affaire mit einer älteren Frau gehabt hat. Als sie dieses Geständnis hört, fühlt Tess sich sicher, dass Angel ihre eigene Verfehlung auch vergeben wird, und erzählt ihm die ganze Geschichte ihrer Beziehung mit Alec.

Teil 5: The Woman Pays (Kapitel 35 bis 44) Entgegen ihrer Vermutung ist Angel von Tess’ Geständnis entsetzt. Er verbringt den Rest der Hochzeitsnacht auf dem Sofa. Auch wenn Tess von seiner Reaktion tief getroffen ist, akzeptiert sie seine plötzliche Entfremdung als verdient. Nach einigen schrecklichen, unbehaglichen Tagen miteinander, schlägt sie die Trennung vor, und erzählt ihrem Mann, dass sie zu ihren Eltern zurückkehren werde. Angel gibt ihr etwas Geld und verspricht ihr, er werde versuchen, sich mit ihrer Vergangenheit zu versöhnen, bittet sie aber, ihrerseits keinen Kontakt mit ihm zu suchen, bis er sie aufsuche. Nach einem kurzen Besuch bei seinen Eltern nimmt Angel ein Schiff nach Brasilien, um dort eine neue Existenz zu gründen. Die offizielle Sprachregelung gegenüber der Öffentlichkeit ist, dass Angel vorab allein nach gemeinsamen Existenzmöglichkeiten sucht und Tess dann nach seiner Rückkehr mit nach Brasilien nehmen will.

Vor seiner Abfahrt trifft er noch Izz Huett, eins der Milchmädchen, auf der Straße und bittet sie, einem Impuls folgend, mit ihm als seine Geliebte nach Brasilien zu kommen. Sie willigt ein, doch als er sie fragt, wie sehr sie ihn liebe, gesteht sie: „Niemand könnt Euch mehr lieben als Tess. Sie hätt ihr Leben für Euch hingegeben. Mehr könnt ich auch nicht.“ Als er das hört, gibt er den Gedanken auf, und Izz geht bitterlich weinend heim, während Angel allein nach Brasilien fährt.

So beginnt eine trostlose Zeit für Tess. Sie kehrt nach Hause zurück, aber findet dort keinen rechten Platz. So entscheidet sie, sich zu Marian und Izz zu gesellen, die auf einem öden, ärmlichen Bauernhof namens Flintcomb-Ash ein karges Auskommen als Mägde gefunden haben. Auf dem Weg dorthin wird sie von einem Bauern namens Groby erkannt und beleidigt – dem Mann, der sie in Gesellschaft Angels schon einmal zur Rede gestellt hatte. Dieser Mann stellt sich als ihr Arbeitgeber heraus. Auf dem Hof arbeiten die drei ehemaligen Milchmädchen sehr hart unter schlimmen Arbeitsbedingungen. Die Lage von Tess wird zusätzlich dadurch erschwert, dass der Bauer Groby ihr das Leben nach Kräften schwer macht.

Im Winter nutzt Tess einen arbeitsfreien Sonntag und läuft den weiten Weg bis zu Angels Familie nach Emminster. Als sie dort ankommt, trifft sie Angels eingebildete Brüder mit Mercy Chant, der Frau, die Angel nach dem Willen seiner Familie hätte heiraten sollen. Sie erkennen Tess nicht, aber sie hört das Gespräch mit, das die Brüder über Angels unkluge Heirat führen. Beschämt kehrt sie um. Auf dem Weg zurück hört sie einen Wanderprediger und erkennt zu ihrem Entsetzen, dass es sich um Alec d’Urberville handelt, der unter dem Einfluss von Reverend James Clare zum Christentum bekehrt wurde.

Teil 6: The Convert (Kapitel 45 bis 52)