miniatur|hochkant=1.25|Titelverteidiger Jenson Button beim Großen Preis von Kanada 2010 miniatur|hochkant=1.25|Rückkehrer Michael Schumacher im MGP W01 miniatur|hochkant=1.25|Fernando Alonso fuhr in dieser Saison für Ferrari und wurde Vize-Weltmeister Die Formel-1-Weltmeisterschaft 2010 war die 61. Saison der Formel-1-Weltmeisterschaft. Sie wurde über 19 Rennen in der Zeit vom 14. März bis zum 14. November ausgetragen.

Sebastian Vettel gewann die Fahrer-Weltmeisterschaft und wurde damit zum jüngsten Weltmeister der Formel-1-Geschichte. Der Konstrukteurstitel ging an sein Team Red Bull Racing. Vettel sicherte sich den Titel durch seinen Sieg im letzten Rennen, zuvor nur auf Rang 3 hinter Fernando Alonso und Mark Webber liegend. Die Saison erlebte insgesamt einen zehnfachen Wechsel in der Gesamtwertung und stellte den diesbezüglichen Rekord der Formel-1-Weltmeisterschaft 1986 ein, wobei diesmal die ersten sechs der Gesamtwertung (außer den Vorgenannten Lewis Hamilton, Jenson Button und Felipe Massa) beteiligt waren.

„Die Formel-1-Saison 2010 erlebte spektakuläre Ideen, statt langweiliger Optimierung von Details bewegte sich der Fortschritt nicht im Hundertstelbereich, es wurden gleich halbe Sekunden gewonnen. Das Modelljahr wurde geprägt durch F-Schacht, Flatterflügel und angeblasenem Diffusor“.Michael Schmidt: Technik-Neuheiten 2010. In: Formel-1-Rückblick, die Saison 2010. Auto Motor und Sport Extra. Trotz Kostenbegrenzung gab allein McLaren über die Saison 173 Technikprojekte in Auftrag und Williams wurde bis zum Ende der Saison um 2 Sekunden schneller.Michael Schmidt: Sport Auto 1/2011, Seite 73 ff

Änderungen 2010 Rennstrecken In der Saison 2010 wurden insgesamt 19 Rennen ausgetragen. Neu war der Große Preis von Korea auf dem Korean International Circuit. Der Große Preis von Kanada kehrte nach einem Jahr Pause in den Kalender zurück. Der Große Preis von Deutschland wechselte gemäß der jährlichen Rotation vom Nürburgring auf den Hockenheimring.„Provisorischer Rennkalender für 2010 veröffentlicht“ (Motorsport-Total.com am 21. September 2009)

Reglement Das Mindestgewicht der Rennwagen wurde von 605 auf 620 kg angehoben.“FIA increases minimum car weight” (Autosport.com am 30. April 2009) Darüber hinaus diskutierten FIA und FOTA über weitere Kostensenkungsmaßnahmen, nachdem die ursprüngliche Budgetgrenze von 45 Millionen Euro aufgehoben worden war.„FOTA-Teams brechen Treffen mit der FIA ab“ (Motorsport-Total.com am 8. Juli 2009) Das grundsätzliche Testverbot während der Saison blieb bestehen. Erlaubt waren weiterhin sechs Tage Geradeaus-Testfahrten. Jeden dieser Tage konnten die Teams gegen vier Stunden im Windkanal tauschen.„Neue Regeln 2010: Ersatzfahrer dürfen testen“ (Motorsport-Total.com am 16. Dezember 2009)

Tank In dieser Saison wurde das Nachtanken (seit 1994 erlaubt) während des Rennens verboten, blieb jedoch bis vor dem Rennen zulässig, somit auch im letzten Drittel der Qualifikation.“Refuelling ban confirmed for next season” (Autosport.com am 30. April 2009) Die Tankkapazität vergrößerte sich damit von ca. 140 auf 230 Liter je Rennfahrzeug.

Reifen Je Fahrer und Rennen standen folgende Reifentypen zur Verfügung: elf Sätze Slicks, vier Sätze Intermediate und drei Sätze Regenreifen. Für den Typ Slick gab es vier Mischungen: supersoft, soft, medium und hard. Jeder Fahrer musste jeweils zwei verschiedene Reifenmischungen pro Rennen fahren (supersoft/medium oder soft/hard). Bridgestone bestimmte, welche Mischungen für welchen Kurs zur Verfügung standen. Die Breite der Vorderradreifen wurde bei Slicks vom Hersteller Bridgestone für eine bessere Balance von 270 auf 245 Millimeter reduziert. Die ursprünglich geplante Abschaffung der Reifenwärmer wurde wegen Sicherheitsbedenken seitens der Teams wieder fallengelassen.„Reglement für 2010 ist veröffentlicht“ (Motorsport-Total.com am 20. August 2009)

Motor und KERS Des Weiteren wurde das eingefrorene Motorenreglement gelockert, um einen Leistungsangleich zwischen den Herstellern durch Modifikationen an den Aggregaten vornehmen zu können.„Wieder Tauwetter: FIA gestattet Motorenausgleich“ (Motorsport-Total.com am 21. September 2009) KERS blieb zwar weiterhin offiziell von der FIA erlaubt, jedoch hatten die in der FOTA zusammengeschlossenen Teams eine freiwillige Verzichtserklärung abgegeben und setzten KERS nicht ein.„Kehrt KERS 2011 in die Formel 1 zurück?“ (Motorsport-Total.com am 28. Juli 2009)

Qualifying Wegen des auf 24 Fahrzeuge angewachsenen Fahrerfeldes wurde der Qualifyingmodus leicht verändert. In den ersten beiden Abschnitten schieden jeweils die sieben langsamsten Fahrer aus, das anschließende Finale der zehn schnellsten Piloten blieb unverändert. Die besten zehn Piloten mussten jedoch mit dem Reifensatz in das Rennen starten, mit dem sie in der Qualifikation die schnellste Runde gefahren waren.„Fix: Neue Reifenregeln und modifiziertes Punktesystem“ (Motorsport-Total.com am 2. Februar 2010)

Punktesystem Wegen der erhöhten Anzahl von Fahrern wurde ein neues Punktesystem eingeführt. Das neue Punktschema war nun: 25-18-15-12-10-8-6-4-2-1. Diese Staffelung galt auch für die Konstrukteursmeisterschaft sowie andere FIA-Weltmeisterschaften.

Teams

Nach dem Rückzug von Honda aus der Formel 1 Ende der Saison 2008 entschied die FIA, möglichen weiteren Rückzugsvorhaben der Hersteller mit einer – inzwischen als freiwillig vereinbarten – Budgetobergrenze entgegenzuwirken und dadurch das Startfeld für neue Teams zu öffnen, die sich die Formel 1 bislang nicht leisten konnten. Daraufhin drohten zunächst alle etablierten Herstellerteams, allen voran Ferrari, mit der Gründung einer alternativen Monoposto-Rennserie, weil sie den freien Wettbewerbsgeist des Sports in Gefahr sahen.„Ausstiegsdrohung: Das komplette Ferrari-Statement“ (Motorsport-Total.com am 12. Mai 2009) Ungeachtet des Streits zwischen den Parteien hinterließen zahlreiche Interessenten ihre Bewerbung zur Teilnahme an der Saison 2010 bei der FIA. Am 12. Juni 2009 wurde schließlich eine offizielle Nennliste für die nächste Saison veröffentlicht, die zunächst drei neue Teams aufführte: Campos (später HRT„Campos heißt jetzt HRT F1“ (Motorsport-Magazin.com am 3. März 2010)), Manor (später Virgin) und US F1.„FIA-Nennliste für 2010: FOTA-Teams sind dabei!“ (Motorsport-Total.com am 12. Juni 2009) US F1 zog den Start am 2. März 2010 zurück und wurde im Juni 2010 von der FIA wegen der Nichtteilnahme unbefristet aus allen FIA-Wettbewerben ausgeschlossen.„FIA: Ausschluss für immer und Geldstrafe für US F1“ (Motorsport-Total.com am 24. Juni 2010) Durch den Rückzug von BMW (siehe unten) wurde später noch ein weiterer Platz an den malaysischen Interessenten Lotus vergeben.„Der 13. Startplatz geht an das Lotus F1 Team“ (Motorsport-Total.com am 15. September 2009) Alle neuen Teams traten mit Cosworth-Triebwerken an, die britische Motorenschmiede kehrte damit nach drei Jahren Pause in die Formel 1 zurück. Auch Williams vertraute ab 2010 auf Cosworth-Motoren.„Williams bestätigt Wechsel zu Cosworth“ (Motorsport-Total.com am 30. Oktober 2009)

Die BMW AG erklärte am 29. Juli 2009, sich mit Ende der Saison 2009 vollständig aus der Formel 1 zurückzuziehen.„Offiziell: BMW steigt aus der Formel 1 aus“ (Motorsport-Total.com am 29. Juli 2009) Am 15. September 2009 gab der Automobilhersteller bekannt, mit der zunächst als „eine in der Schweiz ansässige Stiftung“ bezeichneten Qadbak Investments Ltd. eine Einigung über den Verkauf des BMW Sauber F1 Teams erzielt zu haben. Wenige Tage später geriet Qadbak Investments Ltd., bei der es sich in Wirklichkeit um eine auf den Jungferninseln eingetragene Gesellschaft„Saubers Schleuderkurs – Die Käufer von BMW Sauber stiften Verwirrung“ (SonntagsZeitung am 20. September 2009)„Rennstallkäufer nicht sauber“ (SonntagsZeitung am 27. September 2009)“Untying the tangled Notts” (The Sun am 24. September 2009) handelt und die bereits mit dem Kauf des englischen Fußballvereins Notts County für Aufsehen sorgte, wegen der Unklarheit über die Herkunft des Geldes sowie einer vom Handlungsbevollmächtigten der Qadbak Investments Ltd. abgesessenen Gefängnisstrafe wegen Versicherungsbetrugs in die Negativschlagzeilen.„Mittelsmann von Sauber-Investor vorbestraft“ (Tages-Anzeiger am 25. September 2009) Am 27. November 2009 gab BMW schließlich bekannt, dass das Team doch nicht an Qadbak Investments verkauft wird. Stattdessen wurde es von seinem Gründer Peter Sauber wieder zurückgekauft (BMW übernahm das Sauber Motorsport am 1. Januar 2006). Der Verkauf war allerdings an die Bedingung geknüpft, dass die FIA dem Team den durch den Rückzug von Toyota freigewordenen Startplatz zuteilt.„BMW: Sauber kauft das Team!“ (Motorsport-Magazin.com am 27. November 2009) Am 3. Dezember 2009 wurde der Startplatz für das Sauber-Team bestätigt.„Die FIA gibt grünes Licht: Das Sauber-Team ist dabei!“ (Motorsport-Total.com am 3. Dezember 2009) Motoren bekam das Team von Ferrari geliefert.„Sauber bestätigt Ferrari-Partnerschaft“ (Motorsport-Total.com am 29. November 2009)

Nach dem Ende der Saison 2009 gab auch Toyota den Ausstieg seines Werksteams aus der Formel 1 bekannt.„Offiziell: Toyota wirft das Handtuch“ (Motorsport-Magazin.com am 4. November 2009)

Das 2009 erstmals angetretene Team Brawn GP, das aus dem ehemaligen Honda Racing F1 Team hervorgegangen war, wurde im November 2009 mehrheitlich von Mercedes-Benz übernommen und nahm als Werksteam des deutschen Automobilherstellers unter dem Namen Mercedes Grand Prix an der Weltmeisterschaft teil.„Mercedes: Teamname ist offiziell“ (Motorsport-Total.com am 10. Dezember 2009) Im Zuge der Übernahme von Brawn GP verkaufte die Daimler AG ihre Anteile an der McLaren Group zurück. Das McLaren-Team erhielt aber bis 2014 weiterhin Motoren und trat 2010 noch im Silberpfeil-Design an.„Mercedes bedankt sich bei McLaren“ (Motorsport-Total.com am 16. November 2009)

Im Dezember 2009 verkaufte Renault zunächst 75 Prozent der Teamanteile des Renault F1 Teams an das Luxemburger Unternehmen Genii Capital und zog sich aus dem operativen Geschäft des Rennstalls zurück. Später übernahm Genii Capital den Rennstall vollständig.Proton verstärkt Engagement bei Genii: Nachricht auf der Internetseite www.motorsport-total.com (abgerufen am 3. Dezember 2011).

miniatur|hochkant|Weltmeister Sebastian Vettel

Fahrer

Teamwechsel und Comebacks Der amtierende Weltmeister Jenson Button wechselte von Brawn zu McLaren„Dreamteam steht: Hamilton/Button bei McLaren!“ (Motorsport-Total.com am 18. November 2009) und ersetzte dort Heikki Kovalainen, welcher zu Lotus wechselte.„Lotus bestätigt Trulli und Kovalainen“ (Motorsport-Total.com am 14. Dezember 2009) Buttons bisheriger Teamkollege bei Brawn, Rubens Barrichello, ging 2010 für Williams an den Start. Rekordweltmeister Michael Schumacher kehrte nach drei Jahren Pause in die Formel 1 zurück und ging für das aus Brawn GP hervorgegangene Mercedes-Team an den Start.„Rücktritt vom Rücktritt: ‚Schumi‘ ist zurück!“ (Motorsport-Total.com am 23. Dezember 2009) Sein Teamkollege wurde Nico Rosberg, welcher Williams verlassen hatte.„Offiziell: Mercedes steigt beim Weltmeisterteam ein“ (Motorsport-Total.com am 16. November 2009) Das Mercedes-Werksteam startete damit mit einer rein deutschen Fahrerpaarung. Fernando Alonso, 2009 bei Renault unter Vertrag, übernahm bei Ferrari das Cockpit von Kimi Räikkönen.„Offiziell: Alonso für drei Jahre bei Ferrari“ (Motorsport-Total.com am 30. September 2009) Alonso wiederum wurde bei Renault von Robert Kubica ersetzt, der bisher für BMW Sauber gefahren war.„Offiziell: Kubica unterschreibt bei Renault“ (Motorsport-Total.com am 7. Oktober 2009) Jarno Trulli, 2009 bei Toyota, ging nun für Lotus an den Start. Sein bisheriger Teamkollege Timo Glock„Offiziell: Glock fährt 2010 für Manor“ (Motorsport-Total.com am 17. November 2009) fuhr 2010 für Virgin.