Rudingshain ist ein Stadtteil von Schotten im mittelhessischen Vogelsbergkreis.
Geographie Der Ort liegt am Westrand des Vogelsberges 5 Kilometer nordöstlich des Hauptortes Schotten. Bei Rudingshain mündet der Graswiesenbach (auch Streitbach genannt) in die Nidda. Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3291.
Östlich von Rudingshain zieht sich auf einer Höhe von 530 bis 690 Metern über Normalnull ein Naturwaldreservat im Oberwald.Naturwaldreservate in Hessen I. = Mitteilungen der Hessischen Landesforstverwaltung . Bd. 24, Wiesbaden 1991, S. 32 f.
Geschichte
Ortsgeschichte Der Ort „Rüdingishain“ wurde soweit bekannt erstmals im Jahr 1466 in einem Amtsregister von Schotten urkundlich erwähnt.Georg Landau, Beschreibung des Gaues Wettereiba. Kassel 1855. S. 219. Weitere Erwähnungen erfolgen unter dem Ortsname „Hruodincheim, Rudingesheim, Rüdingishain (1854), Rudingezhajn“. Gedeutet wird der Ortsname als „Hain des Rüding.“K. Heuson, Woher stammt der Name Bösgesäß? Eine Erklärung der Ortsnamen des Kreises Büdingen. In: Heimat-Jahrbuch 1952 des Landkreises Büdingen, S. 21–25, S. 25.
Im nahegelegenen Wald stand früher, 1,5 km östlich des Dorfes, auf dem 590 m hohen „Horst“ die Horstburg, von der nur noch Mauerreste zu finden sind.Rudolf Knappe, Zweiter Nachtrag zum Handbuch Mittelalterliche Burgen in Hessen. Marburger Correspondenzblatt zur Burgenforschung: Jahrbuch des Marburger Burgen-Arbeitskreises. Marburg. Verl. des Arbeitskreises für Europ. Burgenforschung. Bd. 3 (2001/2002), S. 97–104. S. 99.
Bis ins 16. Jahrhundert hatten die Dörfer Breungeshain, Michelbach und Rudingshain einen gemeinsamen Viehtrieb mit Schotten.Georg Landau, Wettereiba, S. 218.
In der Reformationszeit gehörten Rudingshain mit Betzenrod, Götzen und Michelbach zur Pfarrei Schotten. Die Fachwerkkirche in der Ortsmitte wurde 1673 erbaut. Vorher gab es bereits an dieser Stelle eine Kirche. Die Schule wurde 1887 eingeweiht. Sie bestand bis 1974.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Rudingshain:
Durch Rudingshain führte der Schottenring, auf dem von 1925 bis 1955 vom Motorsportclub Schotten MSC das Rennen Rund um Schotten ausgetragen wurde.
Von 1852 bis 1932 gehörte der Ort zum Landkreis Schotten und bis zur Gebietsreform in Hessen zum Landkreis Büdingen.
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Zum 1. Dezember 1970 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Rudingshain im Zuge der Gebietsreform auf freiwilliger Basis in die Stadt Schotten eingegliedert. Für den Stadtteil Rudingshain wurde ein Ortsbezirk errichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Rudingshain angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Schotten ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Amt Schotten (Söhne der Margarethe von der Saale) ab 1584: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Schotten 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Schotten ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Amt Schotten und Stornfels ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt und Gericht Schotten und Stornfels ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk SchottenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Schotten) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Nidda ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Schotten ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Büdingen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Büdingen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Büdingen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Büdingen ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Büdingen, Stadt Schotten ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Stadt Schotten ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Stadt Schotten
Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Rudingshain das Amt Schotten zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die zweite Instanz für die Patrimonialgerichte waren die standesherrlichen Justizkanzleien. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.
Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. Rudingshain fiel in den Gerichtsbezirk des „Landgerichts Schotten“.
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Schotten“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.
Mit Wirkung zum 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Schotten und Rudingshain kam zum Gerichtsbezirk des Amtsgerichts Nidda. Zum 1. Januar 2012 wurde auch das Amtsgericht Nidda gemäß Beschluss des hessischen Landtags aufgelöst und Rudingshain dem Amtsgericht Büdingen zugeteilt. Die übergeordneten Instanzen sind jetzt, das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Rudingshain 546 Einwohner. Darunter waren 6 (1,1 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 75 Einwohner unter 18 Jahren, 207 zwischen 18 und 49, 126 zwischen 50 und 64 und 138 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 246 Haushalten. Davon waren 66 Singlehaushalte, 75 Paare ohne Kinder und 63 Paare mit Kindern, sowie 39 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 60 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 150 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1791: 453 Einwohner • 1800: 450 Einwohner • 1806: 509 Einwohner, 105 Häuser • 1829: 561 Einwohner, 109 Häuser • 1867: 563 Einwohner, 108 bewohnte Gebäude • 1875: 536 Einwohner, 116 bewohnte Gebäude
Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 560 evangelische, ein katholischer Einwohner • 1961: 587 evangelische (= 93,17 %), 43 katholische (= 6,83 %) Einwohner
Politik Für Rudingshain besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Rudingshain) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus neun Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung 60,34 %. Alle Kandidaten gehören der „Bürgerliste Rudingshain“ an. Der Ortsbeirat wählte Timo Neumann zum Ortsvorsteher.
Kultur und Infrastruktur In der Liste der Kulturdenkmäler in Schotten sind für Rudingshain elf einzelne unter Denkmalschutz stehende Kulturdenkmäler aufgeführt. Im Ort gibt es eine evangelische Kirche ein Dorfgemeinschaftshaus einen Sportplatz
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise Die Zugehörigkeit des Amtes Schotten anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und
In: Internetauftritt der Stadt Schotten. Abgerufen im April 2020.
Literatur
Weblinks
Rudlingshain – Webauftritt der Stadt Schotten
Kategorie:Ort im Vogelsbergkreis Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Vogelsbergkreis) Kategorie:Geographie (Schotten, Stadt) Kategorie:Ersterwähnung 1466 Kategorie:Gemeindeauflösung 1970