Eschenrod ist ein Stadtteil von Schotten im mittelhessischen Vogelsbergkreis.
Geographie Der Ort liegt am südwestlichen Rand des Vogelsberges am Eichelbach. Am östlichen Ortsrand verläuft die Bundesstraße 276, durch den Ort die Landesstraße 3183.
Südwestlich von Eschenrod liegt das Naturschutzgebiet (NSG) und FFH-Schutzgebiet Wingershäuser Schweiz, eine kleinbäuerliche, artenreiche Kulturlandschaft mit Weiden, Wiesen, Hecken und kleinen Wäldchen sowie einem Fließgewässer, dem Eichelbach.
In der Gemarkung von Eschenrod liegen die Quellgebiete von Läunsbach, Eckardsbach und Erlenbach.
Geschichte Frühgeschichte mini|Wallanlage Wildhauskopf Im südwestlichen Vogelsberg gibt es eine alte Talrandstraße, die „Linke Niddastraße“ von Staden bis Eichelsdorf, die in ihrer Verlängerung über die Gemarkung Eschenrod zum Hoherodskopf hinaus als Höhenstraße zu bezeichnen ist und auf dem Hoherodskopf in die alte „Ulrichsteiner Straße“ einmündet. Diese alte Straße tangiert die Eschenröder Gemarkung in ihrem nordwestlichen Bereich. Der „Wildhauskopf“ bei Eschenrod, direkt südwestlich dieser Straße gelegen, ist ein durch Wechsel der Gesteinsart herausmodelliertes Plateau von 90 × 120 m Größe, das durch eine künstlich versteilte und mit Steinblöcken bewehrte 4–8 m hohe Böschung geschützt wird. Am Eingang ist die NO-Böschung wallartig vorgezogen, sodass eine zur Straße hin offene Torgasse entsteht. Wenngleich keine datierenden Funde vom Wildhauskopf vorliegen, darf er von der Anlage nach als vorgeschichtlich gelten; auch die Sichtverbindungen zum Glauberg und Altkönig sprechen dafür. Die Flurbereinigung in den 1960er Jahren ließ dieses Relikt weitestgehend unversehrt.Siehe hierzu auch Artikel von Gudrun Loewe im Buch Kreis Büdingen, Wesen und Werden, Herausgeber Geschichtsverein Büdingen, 1956.
Ortsgeschichte Die schriftliche Ersterwähnung von Eschenrod erfolgte im Jahr 1187 in der Schenkungsurkunde des Grafen Berthold II. von Nidda an die Johanniterkomturei Nidda unter dem Namen Asechenrode.Karl Christian Eigenbrodt, Urkunden. In: AHG 2, Darmstadt 1841, S. 117–139, Nr. 32. Der Ortsname endet auf -rod und erklärt sich somit als Rodung. Der Ortsgründer hieß vermutlich Asicho oder Asecho. Daraus ergab sich der Name Asechenrode, woraus sich später der heutige Ortsname bildete. In der SchenkungsurkundeS. grundlegend Dieter Wolf: Zur Entwicklungsgeschichte der ehemaligen Stadtpfarrkirche und Johanniterkomturei Nidda. In: Niddaer Geschichtsblätter 11 (2020). S. 63–217, besonders S. 79–87. werden als Einkünfte der Johanniter in Eschenrod erwähnt, dass von einem Gut sechs Pfennig („denarii“) gegeben werden.
Im Jahre 1362 bekundeten die Brüder und Edelknechte Kraft, Peter, Hermann und Heinrich von Ulfa, dass Graf Gottfried VII. von Ziegenhain, seine Frau Agnes und deren Erben ihnen 60 kleine schwere Goldgulden und 10 Pfund Heller „Grunenberger“ Währung schuldig sind. Für diese Summe haben die Grafen die Brüder von Ulfa von allen Abgaben und Diensten befreit, die auf die ihnen gehörigen sieben Hufen Land zu „Aschinrode“ anfallen. Die Befreiung von Abgaben und Diensten gilt so lange, bis die Schulden beglichen sind.Ziegenhainer Regesten online Nr. 959
1476 wurden für einen Feldzug des niederhessischen Landgrafen Wilhelm I. gegen die kurkölnische Stadt Volkmarsen Ausrüstung und Soldaten in Registern aufgestellt, darunter aus dem Gericht auf dem „Fogelsberg“ 13 Kühe und 14 Hammel aus den Orten Eichelsdorf, Eichelsachsen, Wingershausen und Eschenrod.Georg Landau: Zwei Rüstungsregister aus den Jahren 1474 und 1476. In: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde 1 (1837), S. 326–352, hier S. 334–352.
Nach der Reformation, um 1550 sind die Katzenbiß (Adelsgeschlecht), später auch Schlüchter(n) genannt, in Eschenrod begütert. 1548 wurde ein Prozess gegen Christoph von Schlüchtern genannt Katzenbiß geführt, wegen Misshandlung und Beraubung eines Seilers aus Alsfeld.Landgräflich Hessische Regierung Kassel: Familienrepositur, Bände 1–2, hrsg. von Hessisches Staatsarchiv Marburg, bearbeitet von Ulrich Stöhr, 2008, S. 1238
1551 bat Christoph von Schlüchtern gen. Katzenbiß, der Sohn von Ulrich II., dass der Rentmeister zu Nidda die Äcker und Wiesen von seinem Lehen zu Eschenrod, welches er wiederum an die Eschenröder weitergegeben habe, Stück für Stück aufliste, damit es dem Landgrafen nicht zu Schaden komme, denn er wisse nicht „wie viel Zahl oder Morgen Land jeder Acker und Wiese habe“. Er unterzeichnet den Brief mit Christoffel von Schlüchter zu Ulfa. 1568 wurde das bestehende Mannlehen für Christoff von Schlüchtern, genannt Catzenbiß, im bisherigen Umfang bestätigt. Mit gleicher Urkunde wird ihm auch das Lehen über den Zehenden zu Ringeshausen mit seiner Zugehörung, ein Höffchen zu Rabertshausen, dann ein Guth, das Eschenröder Guth genannt als erbliches Mannlehen bestätigt.. Zu dieser Zeit war er schon ein älterer Mann, weshalb sein Sohn Cunradt (Konrad) 1568 seinen Vater vertrat, als er den Lehensbrief unter gleichem Datum bestätigt. Um 1575 wurde für Juncker Catzenbiß ein Verzeichnis über die jährlichen Erträge aus den hessischen Catzenbeisischen Lehen erstellt. 1582 fiel das Ulfaer Catzenbeiß-Lehen durch Tod und mangels Erben an den hessischen Landgrafen heim.
Bis zum Jahr 1681 gehörte Eschenrod zum Kirchspiel Wingershausen.
Im Ort gab es sechs Mühlen. Die Weidmühle wurde als letzte 1972 stillgelegt. Das Mahlwerk dieser Getreidemühle ist noch vorhanden und wird bei bestimmten Anlässen (z. B. Deutscher Mühlentag) zur Schau gestellt. Das Mahlwerk wurde durch ein oberschlächtiges Wasserrad mit Wasser aus dem Eichelbach angetrieben.
Am 3. Juni 1826, dem Pfingstsamstag, wurde das Dorf in Folge eines schweren Gewitters mit Starkregen von einer Flutwelle stark in Mitleidenschaft gezogen. 26 Gebäude wurden zerstört, 29 schwer beschädigt. Im Eicheltal gab es 27 Tote zu beklagen – aus Eschenrod kamen 21 Menschen in den Fluten um. In Wingershausen verlor eine Frau ihr Leben und in Eichelsachsen wurde eine Witwe mit 4 ihrer Kinder in den Tod gerissen. Zwei Brücken wurden fortgerissen. In den Tagen danach wurde in den Zeitungen von dem schweren Unwetter berichtet. Auch der 76-jährige Johann Wolfgang von Goethe war tief ergriffen. Am 19. Juni schrieb er in sein Tagebuch: „Auf der Landkarte die Lokalität des großen Wolkenbruchs über (oberhalb) Nidda aufgesucht. Frage: Ob nicht auf der sonst durchaus waldigen Berghöhe, wo die Nidda entspringt, das Holz übermäßig gelichtet worden?!“ Zur Erinnerung an das Ereignis vor 200 Jahren wurde vom Ortsbeirat Eschenrod und der Evangelischen Kirchengemeinde Eschenrod am 3. Juni 2026 vor dem Kirchengebäude ein Gedenkstein – ein Basaltfindling aus der Gemarkung Eschenrod – mit einer aufgebrachten Gedenktafel errichtet.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Eschenrod:
Zum 1. Dezember 1970 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Eschenrod im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Stadt Schotten eingegliedert. Für den Stadtteil Eschenrod wurde ein Ortsbezirk errichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Eschenrod angehört(e):
Vor 1450: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Ziegenhain, Amt Nidda, Gericht Burkhards 1450–1495: Erbstreit zwischen der Landgrafschaft Hessen und den Grafen von Hohenlohe ab 1450: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Nidda, Gericht Burkhards ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Nidda, Gericht Burkhards 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Nidda, Gericht Burkhards 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Nidda und Lißberg, Gericht Burkhards ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Amt und (seit 1803) Gericht Lißberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Lißberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk SchottenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Schotten) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Nidda ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Büdingen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Büdingen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Büdingen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Büdingen ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Büdingen, Stadt Schotten ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Stadt Schotten ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Stadt Schotten
Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Eschenrod das Amt Lißberg zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die zweite Instanz für die Patrimonialgerichte waren die standesherrlichen Justizkanzleien. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.
Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. Eschenrod fiel in den Gerichtsbezirk des „Landgerichts Schotten“.
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Schotten“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.
Mit Wirkung zum 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Schotten und Eschenrod kam zum Gerichtsbezirk des Amtsgerichts Nidda. Zum 1. Januar 2012 wurde auch das Amtsgericht Nidda gemäß Beschluss des hessischen Landtags aufgelöst Bezieht sich auf das und Eschenrod dem Amtsgericht Büdingen zugeteilt. Die übergeordneten Instanzen sind jetzt das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011