Der Medium Mark D war ein mittelschwerer britischer Panzer aus dem Ersten Weltkrieg.

Hintergründe Großbritannien und Frankreich sahen im Ersten Weltkrieg zwei Möglichkeiten, die Mittelmächte zu besiegen. Man konnte Deutschland durch eine Seeblockade in die Knie zwingen oder in einer Bodenoffensive die Entscheidung suchen. Man beschloss, beide Strategien gleichzeitig zu verfolgen. Die Seeblockade war effektiv, aber die Wirkung setzte nur sehr allmählich ein. 1916 versuchte man durch ein enormes Übergewicht an Artillerie und die Mobilmachung der bislang noch nicht eingesetzten britischen Reservetruppen die Front zu durchbrechen. Dieser Versuch misslang, weil die Deutschen durch ihre Offensive bei Verdun die Pläne störten. Im Laufe des Jahres 1917 entwickelten die Entente-Mächte einen neuen Plan. Bis zum Jahr 1919 sollte eine Panzermacht aufgebaut werden, die so überwältigend stark sein sollte, dass sie die deutsche Front einfach überrollen könnte. Man hoffte dann (optimistisch geschätzt) rund 30.000 Panzer einsetzen zu können.

Auch wenn die strategischen Ziele durchaus ambitioniert waren, konnte man das von den damaligen taktischen Überlegungen nicht behaupten. Die meisten Generäle betrachteten die Panzertruppe lediglich als eine – allerdings unentbehrliche – Unterstützung der Infanterie. Panzer wurden dabei als spezielles Instrument gesehen, um Grabensysteme zu durchbrechen. Bei dem Entwurf eines Panzers wurde der Schwerpunkt auf das Steig- und Überschreitvermögen gelegt. Die Geschwindigkeit war sekundär und die Möglichkeiten der Kombination aus Beweglichkeit und Feuerkraft hatte man in ihrer Tragweite noch nicht erkannt. Als Folge davon glichen die Panzer eher beweglichen Festungen auf Kettenlaufwerken. Somit war der Panzer als Lösung für den Stellungskrieg entwickelt worden und mit dieser Aufgabe soweit identifiziert, dass Überlegungen für andere Verwendungen keinen Platz zu haben schienen. Wären die Gräben einmal durchbrochen, könnte man die Panzer hinter sich lassen und Infanterie und Kavallerie würden dies zu einem strategischen Durchbruch ausweiten, womit der Bewegungskrieg wieder möglich schien. Man hatte zu diesem Zeitpunkt auch keine andere Wahl, denn die Panzer waren wegen zu geringer Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und dem eingeschränkten Aktionsradius noch nicht für einen Bewegungskrieg geeignet.

Viele nahmen dies als gegeben hin, aber den Taktikern wurde klar, dass die Hoffnung auf einen schnellen Bewegungskrieg ohne Panzer eine Illusion war. Unwiderruflich würden sich nach einem Durchbruch nach kurzer Zeit die Fronten wieder festlaufen, so dass man warten musste, bis wieder eine ausreichende Anzahl an Panzerfahrzeugen für einen erneuten Vorstoß versammelt war. Eine unangenehme Aussicht – es könnte sehr lange dauern, bis Berlin erreicht wäre, vor allem weil sich die Deutschen in den Ardennen und Vogesen verschanzen konnten – beides Gebiete, die für Panzeroperationen ungeeignet waren.

Im Mai 1918 schrieb Generalmajor J.F.C. Fuller, der wichtigste britische Taktiker, die heute klassische Abhandlung: The Tactics of the Attack as affected by the Speed and Circuit of the Medium D Tank. In dieser Schrift, besser bekannt als Plan 1919, beschrieb er, wie eine neue Taktik die Lösung für das Problem sein könnte. Er forderte, vollkommen motorisierte und mechanisierte Heeresteile zu formen, die einen geglückten Durchbruch der schweren Panzer für ein strategisch tiefes Eindringen ausnutzen würden. Anstatt den Feind mühsam über eine breite Front zurückzudrängen, sollte durch einen schnellen Angriff auf einem schmalen Frontabschnitt seine Kommandostruktur gelähmt und die Nachschubwege abgeschnitten werden. Dazu wäre es erforderlich gewesen, entweder die Neutralität der Schweiz zu ignorieren oder eine Invasion an der belgischen Küste (bereits vorbereitet als Operation Hush) durchzuführen. Diese neue Taktik, die später als Blitzkrieg die Basis für die deutschen Erfolge zu Beginn des Zweiten Weltkriegs legte, war immens abhängig von der Existenz eines völlig neuen Panzertyps, der mindestens eine Geschwindigkeit von 30 km/h erreichen musste. Der Mark A (Whippet), der Medium Mark B und der Medium Mark C waren zwar Entwicklungen in diese Richtung, konnten die Anforderungen aber nicht erfüllen.

mini|Johnsons umgebauter Mark A (Whippet) in der zweiten Version; es ist deutlich zu sehen, dass er das Heckteil eines Mark V am Whippet befestigt hat. Darin gründeten Überlegungen zum Bau eines adäquaten Panzers, dem Medium Mark D.

Während der deutschen Frühjahrsoffensive im März 1918 wurden die Unzulänglichkeiten selbst des schwersten britischen Panzers Mark V, einem Bewegungskrieg standzuhalten, auf schmerzliche Weise deutlich. Der Plan 1919 wurde dann auch wohlwollend aufgenommen.

Es war bekannt, dass Major Philip Johnson, Chef des Central Workshop in Frankreich, schon 1917 versucht hatte, einen Mark IV mit einer Federung zu versehen – im Gegensatz zu den französischen und deutschen Panzern waren die britischen bis dahin noch ungefedert. Danach hatte er begonnen, einen Mark A Whippet mit Blattfedern, einem neuen Getriebe und einem wesentlich stärkeren Motor auszurüsten. So modifiziert erreichte das Fahrzeug eine Geschwindigkeit von 50 km/h. Johnson schien also der rechte Mann zu sein, um den neuen Panzer zu entwickeln. Man beförderte ihn zum Lieutenant Colonel und schickte ihn im August nach England zurück, um so schnell wie möglich seine Kenntnisse und Erfahrungen in einen einsatzfähigen Panzer umzusetzen. Mit welcher Eile man ans Werk ging, kann man daran erkennen, dass sofort bei John Fowler & Co. in Leeds eine Vorserie von vier Fahrzeugen bestellt wurde. Eine weitere Bestellung über sechs Panzer ging an Vickers Ltd. – das erste Mal, dass dieser später wichtigste britische Rüstungsbetrieb mit Panzern zu tun hatte.

Entwicklungsphase Als Johnson sich der Entwicklungsgruppe in Dollis Hill angeschlossen hatte, wurde ihm rasch klar, dass es schwierig werden würde, das in ihn gesetzte Vertrauen nicht zu enttäuschen. Er konnte nicht einfach den von ihm modifizierten Mark A in die Produktion übernehmen, da es sich noch nicht um ein vollwertiges Gefechtsfahrzeug handelte. Der neue Motor nahm dem Geschützturm, der beim Mark A ganz hinten platziert war, jede Aussicht. Als erste Lösung beschloss er, die Konstruktion einfach umzudrehen. Der Entwurf bekam so von Anfang an eine senkrechte Vorderseite. Der Fahrer blieb auf seiner alten Position und befand sich nun zwischen dem Heck und dem Geschützturm. Um einen einigermaßen ordentlichen Ausblick zu haben, erhielt er ein Spiegelperiskop und das Dach des Vorbaus ließ man nach vorne flach abfallen.

Johnson stieß aber auf ein noch viel grundlegenderes Problem. Der Rolls-Royce-Flugzeugmotor, den er für sein Experiment verwendet hatte, war zwar sehr kräftig, verbrauchte aber zu viel Benzin, denn der Panzer sollte nicht nur schnell sein, sondern auch eine große Reichweite haben. Fahrzeugmotoren mit den gewünschten Eigenschaften waren aber zu groß und hätten den Panzer zu schwer und zu langsam gemacht. Die einzige Möglichkeit, dies auszugleichen, bestand darin, den Rollwiderstand des Kettenlaufwerks durch einen völlig neuen Entwurf drastisch zu vermindern. Eine Federung war dafür die Grundvoraussetzung, aber konventionelle Blattfedern waren sehr schwer.

Der Zufall wollte es, dass Johnson schon jahrelang ein fanatischer Befürworter der Verwendung von Drahtseilen war, um Konstruktionen die nötige Stabilität zu verleihen. Es wurde also ein neues Kettenlaufwerk konstruiert, bei dem sich die Laufrollen frei nach oben bewegen konnten. Darüber wurde eine zweite Reihe Rollen angebracht und ein Drahtseil gespannt, das an beiden Enden durch eine Zugfeder unter Spannung gehalten wurde. Wenn sich die Laufrollen nach oben bewegten, spannten sie das Drahtseil und die Zugfedern sorgten für den nötigen Gegendruck. Es war ein leichtes und elegantes System mit dem einzigen Nachteil, dass der Federweg der Laufrollen nicht allzu groß war. Auch reagierte es sehr empfindlich auf Scherkräfte, da der Angriffspunkt auf das Drahtseil sehr klein war. Kleine Unebenheiten durften die Gleiskette nicht nach außen drücken, denn dann wurden die Laufrollen aus ihrer Aufhängung gedrückt oder die Drahtseile von den Gleitrollen gezogen.

Die „Snake Track“-Gleiskette mini|Die „Snake Track“-Kette, wie sie sich am Mark V bewährt hat. Um die seitlichen Kräfte aufzunehmen, entwarf Johnson eine völlig neuartige Gleiskette, die Snake Track. Ihren Namen erhielt sie aufgrund der Tatsache, dass die Kettenglieder nicht durch Scharniere, sondern durch zentrale Kugelgelenke miteinander verbunden waren. So konnten sie sich in zwei Ebenen frei bewegen und einerseits die normale Rotation, andererseits eine Rollbewegung gegenüber dem tragenden Element, einem Drahtseil, das um die Lauf- und Gleitrollen lief, ausführen. Diese Gleiskette sah ungewöhnlich aus, die Kettenglieder zeigten in alle Richtungen, wenn sie oben frei auf den Gleitrollen nach vorne zurück liefen. Johnson ließ an der Unterseite die Laufwerkskomponenten zwischen zwei Drahtseile klemmen. Die Laufrollen wurden paarweise mit einer Aufhängung verbunden, die selbst an einer Stahlachse rotieren konnte; jede Aufhängung trug ein drittes Rad, das nach oben gegen das Federseil drückte.

Das Kettenlaufwerk machte insgesamt zwar einen zerbrechlichen Eindruck, aber als es bei Fowler zur Erprobung an einem Mark V angebracht wurde, erwies es sich als enorm stark. Die rotierenden Kettenglieder passten sich dem Untergrund an und der Medium D konnte mit einem 240 PS starken Armstrong-Siddeley-Puma-Flugzeugmotor mühelos 37 km/h erreichen.

Nach dem Krieg mini|Das Holzmodel des Medium Mark D Das Holzmodell des Medium Mark D wurde erst im November 1918 fertiggestellt, als der Krieg schon beendet war. Obwohl die meisten Panzerprojekte zu diesem Zeitpunkt abrupt beendet wurden, hielt Generalmajor Fuller, der seine Position verstärkt hatte und über einen großen Einfluss auf die Politik verfügte, die Weiterentwicklung dieses Panzers für essenziell wichtig für den Aufbau eines modernen britischen Heeres. Er veränderte die an das Projekt gestellten Anforderungen. In einer Parallele zur Entwicklung, die sich später nach dem Ende des Kalten Kriegs vollzog, sah er die Aufgabe des Heeres in erster Linie als Interventionsmacht. Der Panzer sollte also für längere Einsatzzeiten geräumiger und komfortabler werden und am besten auch amphibische Eigenschaften haben. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch der Plan aufgegeben eine Male-Version mit einem Geschütz zu bauen, das hätte zu viel Platz in Anspruch genommen und auch besondere Schwierigkeiten bereitet, den Panzer wasserdicht zu machen. Der erste Prototyp wurde im Juni 1919 abgeliefert. Johnson rechtfertigte die abweichende Form des Kettenlaufwerks mit der Fähigkeit des Panzers, dadurch rückwärts etwas höhere Hindernisse überwinden zu können. Er behauptete auch, dass sein neues Kettenlaufwerk vornehmlich das Ziel hatte, Kurvenfahrten zu vereinfachen, da die Kettenglieder in gewissem Maß in der Kurve nachgeben konnten. Die ersten Fahrversuche verliefen zwar zufriedenstellend, aber insgesamt war das Fahrzeug nicht amphibisch.

Medium D* mini|Der Medium D**, wie er sich 1928 auf dem Schrottplatz der Bovington Base befand. Als erste Lösung dieses Problems wurde Ende 1919 bei einem der Vorserienpanzer, die inzwischen bei Vickers gebaut worden waren, der Rumpf von 2,2 m auf 2,56 m verbreitert. Das hatte nicht nur zum Ziel, den Auftrieb zu erhöhen – der war bei dem Prototyp schon nicht schlecht, da die Panzerung mit 10 mm nicht allzu schwer war –, sondern sollte vor allem die Stabilität verbessern. Dieser Medium D* genannte Typ entsprach aber noch immer nicht den Anforderungen.

Medium D**