Die Alsternordbahn (ANB) ist eine Nebenbahn im südlichen Schleswig-Holstein. Sie verband ursprünglich die Bahnhöfe Ochsenzoll in Hamburg-Langenhorn und Ulzburg Süd im Kreis Segeberg in Schleswig-Holstein sowie mehrere dazwischen eingerichtete Haltestellen.

Der nördliche Teil der Strecke zwischen Ulzburg Süd und Norderstedt Mitte wird heute von der AKN Eisenbahn (Linie A2) bedient, ist weitgehend zweigleisig und nicht elektrifiziert. Er verläuft hauptsächlich durch den Norderstedter Stadtteil Friedrichsgabe. Der südliche Abschnitt zwischen Norderstedt Mitte und Ochsenzoll gehört heute zum Streckennetz der Hamburger U-Bahn (Linie U1), ist durchgehend zweigleisig und mit 750 V Gleichstrom über eine Stromschiene elektrifiziert.

Die Bezeichnung Alsternordbahn ist für diese Route umgangssprachlich noch gebräuchlich.

Geschichte Nachdem die nördlichen Gemeinden nach dem Zweiten Weltkrieg eine große Zuwanderung – sowohl durch Ausgebombte aus Hamburg als auch Vertriebene und Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und später auch aus der DDR – verzeichneten, entstand dringender Bedarf nach einer Schienenanbindung. Mit Planungen zum Bau einer Bahn wurde Bauingenieur Heinrich Lönnies schon Ende 1945 von der Landesverwaltung Kiel beauftragt.Heinrich Lönnies: Über die Entstehungsgeschichte der Alster-Nord-Bahn, Blatt 3, In: Franz Konrad: Chronik Friedrichsgabe, Band 3, Friedrichsgabe 1955, S. 139 Hintergrund war das Achsenkonzept für Hamburg, das der Architekt und Hamburger Oberbaudirektor Fritz Schumacher in den 1920er Jahren vorgestellt hatte. Dieses sah für den Raum von Langenhorn bis Kaltenkirchen eine nördliche Entwicklungsachse vor. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits die Strecke der Langenhorner Bahn bis Ochsenzoll, während auf dieser Achse bis Ulzburg und Henstedt keine Bahnverbindung existierte, da nördlich von Ohlsdorf damals eine eher schwache Besiedlung vorlag.

Am 3. August 1946 wurde in der Gastwirtschaft „Hagen“ (heute „Irodion“) in Friedrichsgabe zum ersten Mal vor den Bürgermeistern der Gemeinden Garstadt, Harksheide, Friedrichsgabe und Henstedt über das Projekt gesprochen. Der entscheidenden Mann für die Verwirklichung des Projektes wurde der damalige Friedrichsgaber Bürgermeister Helmut Klute (1877–1948) in Friedrichsgabe, er war stellvertretender Landrat und ausgesprochen gut vernetzt auf allen Ebenen.Heinrich Lönnies: Über die Entstehungsgeschichte der Alster-Nord-Bahn, Blatt 4, In: Franz Konrad: Chronik Friedrichsgabe, Band 3, Friedrichsgabe 1955, S. 140 Die größte Krise in der Planungsphase entstand 1947/48 durch den Widerstand der Direktion der AKN, die auf ihren Hauptaktionär, der Stadt Hamburg, Rücksicht nahm. Klute nahm Kontakt zu seinem Freund, den ehemaligen Pinneberger Landrat und damaligen Kieler Arbeitsminister Walter Damm auf, und mit dessen Hilfe konnten die Widerstände auch von Landrat Schinkel behoben werden. Nach Lönnies drohte das Projekt auf Hamburger Schreibtischen beerdigt zu werden.Heinrich Lönnies: Über die Entstehungsgeschichte der Alster-Nord-Bahn, Blatt 6, In: Franz Konrad: Chronik Friedrichsgabe, Band 3, Friedrichsgabe 1955, S. 142

Als wegen der hohen Kosten nach der Währungsreform die Mittel knapp waren und sich die Kreise Segeberg und Stormarn aus der Finanzierung zurückzogen, übernahm der Kreis Pinneberg die Finanzierung ganz, auch da der Streckenverlauf innerhalb des Kreises Pinneberg lag. So finanzierte der Kreis Pinneberg das Projekt mit etwa 4 Millionen DM, auch mithilfe von Krediten. 1963 übernahm dann das Land Schleswig-Holstein die Finanzierung der Alsternordbahn.Millionenprojekt Alster-Nord-Bahn. In Erich Lüth: Norderstedt, die neue Stadt, Hamburger Abendblatt, Hamburg 1970, S. 87/88

mini|links|Einladung und Programm zum 1. Spatenstich für die Alsternordbahn in Friedrichsgabe mini|links|Akkumulatortriebwagen von MaK in Ochsenzoll, in Betrieb von 1953 bis 1967 mini|links|Bei der Alsternordbahn in den 1960er und 1970er Jahren eingesetzter MAN-Schienenbus

Der erste Spatenstich erfolgte am 15. Oktober 1948 an der heutigen Station Quickborner Straße durch den Landrat Schinkel, eingeladen zur Feier in Friedrichsgabe hatte Helmut Klute.Eckhard Wallmann: Zur Geschichte Friedrichgabes. In: Peter Reimann, Eckhard Wallmann (Hrsg.): Friedrichsgabe – Aufsätze zur Geschichte. Heimatbund Norderstedt 2021, S. 24 ff; Heinrich Lönnies: Über die Entstehungsgeschichte der Alster-Nord-Bahn, Blatt 4, In: Franz Konrad: Chronik Friedrichsgabe, Band 3, Friedrichsgabe 1955, S. 140. Eröffnet wurde die Alsternordbahn am 17. Mai 1953. Obwohl sie zunächst als einfache straßenbahnähnliche Verbindung geplant war, ist sie als normalspurige Kleinbahn nach der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) errichtet worden und damit die erste neu erbaute Eisenbahnstrecke in der Bundesrepublik Deutschland. Die Gleise stammten aus dem Abbruch einer 13 km langen Bahnanlage der ehemaligen deutschen Wehrmacht im Raum Aurich und mündeten im Süden des Bahnhofs Ulzburg Süd in die Bahnstrecke Hamburg-Altona–Neumünster der AKN. In Ochsenzoll bestand keine unmittelbare Gleisverbindung mit dem dortigen, inzwischen stillgelegten und 2008 abgebauten, Güterbahnhof Ochsenzoll und dem Gütergleis der Deutschen Bundesbahn nach Ohlsdorf, ebenso keine Verbindung den mit tiefer liegenden U-Bahn-Gleisen.

Die Betriebsführung hatte von Anfang an die AKN; sie stellte zudem das Personal, das aber zu Teilen offiziell bei der ANB beschäftigt war und von ihr bezahlt wurde.

Eingesetzt wurden zunächst (bis 1967) neue Akkumulatortriebwagen von MaK, ab 1956 auch MAN-Schienenbusse. Von Beginn an waren die Triebwagen mit UKW-Sprechfunk-Anlagen ausgestattet. Damit wurde der Zugfunk – der erste in Deutschland – ab dem 17. Mai 1953 mit der Zugmeldestelle durchgeführt. Die wenigen Ausweichstellen (Bf. Meeschensee-Alsterquelle, Friedrichsgabe-Dorf, Friedrichgabe-Waldstraße, Garstedt-Richtweg) der damals eingleisigen Strecke waren mit Rückfallweichen ausgestattet, so konnte ein kostengünstiger Zugleitbetrieb mit wenig Personal durchgeführt werden. In den Anfangsjahren gab es Probleme mit den Akkus. Der Spottvers dazu hieß: „Die Alsternordbahn ist 'ne Bahn, mit der die Leut' spaziernfahrn. An jeder Ecke bleibt sie stehn, die Leute müssen schieben gehn“.

Die ANB verkaufte 1977 ihren Fahrzeugbestand (eigene MAN-Schienenbusse), danach wurden solche der AKN eingesetzt. 1981 wurde die ANB – wie auch die Elmshorn-Barmstedt-Oldesloer Eisenbahn (EBOE) – von der AKN komplett übernommen und danach als Betriebsteil ANB bzw. EBO geführt. Die im Hamburger Verkehrsverbund (HVV) als „A2“ bezeichnete Strecke wurde im Zuge der schrittweisen Verlängerung der U-Bahn-Linie U1 1967 bis Garstedt Birkenstraße und 1996 bis Norderstedt Mitte verkürzt. Die Strecke wurde zwischen 1992 und 1996 zweigleisig ausgebaut, wobei das seit 1973 zwischen Ulzburg Süd und Friedrichsgabe parallel liegende Stammgleis der Norderstedter Industriebahn (NIB) einbezogen wurde. Die Strecke endet eingleisig stumpf im 1996 eröffneten Bahnhof Norderstedt Mitte, wo am gleichen Bahnsteig das Umsteigen zur U-Bahn möglich ist.

1992 wurde die Infrastruktur der Verkehrsgesellschaft Norderstedt (VGN), einem Tochterunternehmen der Stadtwerke Norderstedt, übergeben. Die AKN betrieb weiterhin den Verkehr auf der A2-Strecke mit dieselelektrischen Doppeltriebwagen (LHB VTA), wobei vier Triebwagen Eigentum der VGN waren. Der ebenfalls in VGN-Hand befindliche südliche Abschnitt der Alsternordbahn von Norderstedt Mitte bis Garstedt wird nach Tieferlegung und zweigleisigem Ausbau seit 1996 als U-Bahn-Linie U1 von der Hamburger Hochbahn (HHA) im Auftrag der VGN betrieben, auch hier gehören einige DT4-Triebzüge der VGN.

Am 1. Januar 2021 wurde die Infrastruktur wieder der AKN übergeben.Berichte und Offenlegungen, akn.de, abgerufen am 9. Mai 2026

Güterverkehr auf der ANB gab es erst ab dem 20. Oktober 1971, und nur auf dem nördlichen Streckenteil, als der Anschluss zur Umspannstation Friedrichsgabe der HEW in Betrieb genommen wurde. Seit dem 1. Januar 2004 wird er von DB Cargo durchgeführt.

Haltestellen mini|Südkopf des Bahnhofs Ulzburg Süd mit Zug nach Norderstedt; auf dem Abstellgleis ein ebensolcher dieselelektrischer Doppeltriebwagen des Typs LHB VTA, nach rechts die Strecke nach Hamburg-Eidelstedt

Von Süden nach Norden, aufgegebene Haltestellen in kursiv: Ochsenzoll, eröffnet 1953 westlich der Langenhorner Chaussee (eingleisig, Bahnsteig auf der Südseite) in Höhe des auf der östlichen Straßenseite liegenden damaligen Endbahnhofs der U-Bahn und des Güterbahnhofs, 1967 aufgelassen wegen Bau der U-Bahn nach Garstedt Garstedt, 1953 nördlich der Ochsenzoller Straße eröffnet (eingleisig, Bahnsteig auf Westseite), 1967 aufgelassen, 1969 weiter nördlich über dem gleichnamigen U-Bahnhof neben dem kurze Zeit später hier eröffneten Einkaufszentrum „Herold Center“ als neuer Endpunkt eröffnet (eingleisig mit Hinterstellgleis, Bahnsteig auf der Westseite), 1996 aufgelassen (durch verlängerte U-Bahn ersetzt) Garstedt-Birkenweg, eröffnet 1953 nördlich des Birkenweges (eingleisig, Bahnsteig auf Westseite), provisorischer Endpunkt 1967–1969, danach zusammen mit Bahnübergang aufgelassen und abgebaut, ungefähr an dieser Stelle befand sich dann das Hinterstellgleis des neuen Endpunkts Garstedt Richtweg (bis 1979: Garstedt-Richtweg), eröffnet 1953 südlich des Richtweges (zweigleisig mit Mittelbahnsteig; Kreuzung im Linksverkehr mit Rückfallweichen), 1996 aufgelassen und durch U-Bahn-Haltestelle ersetzt Norderstedt Mitte (bis 1979: Harkseichen-Falkenberg), 1953 südlich der Heidbergstraße eröffnet (eingleisig, Bahnsteig auf Ostseite), Anfang/Mitte der 1990er Jahre mehrmals weiter nördlich verlegt (zuletzt eingleisig nördlich der Rathausallee, Bahnsteig auf der Westseite), seit 1996 Endpunkt im offenen Einschnitt (eingleisig zwischen den U-Bahn-Gleisen), mit direktem Übergang am gleichen Bahnsteig zur verlängerten U-Bahn-Linie U1 Richtung Garstedt – Ochsenzoll – Hamburg Waldstraße (bis 1979: Friedrichsgabe-Waldstraße), 1953 eröffnet, Bahnsteig jeweils vor der Straßenkreuzung Waldstraße (zweigleisig), 1992 aufgelassen und abgebaut (Ersatz durch neue Haltestelle Moorbekhalle weiter nördlich) Moorbekhalle (Schulzentrum Nord), eröffnet 1992 (zweigleisig mit Seitenbahnsteigen) Harckesheyde (bis 1979: Friedrichsgabe-Heidberg), 1953 eröffnet (eingleisig, Bahnsteig auf Westseite), 1992 aufgelassen und abgebaut (Ersatz durch neue Haltestelle Moorbekhalle weiter südlich) Friedrichsgabe (bis 1979: Friedrichsgabe-Mitte), eröffnet im Mai 1957 (eingleisig, Bahnsteig auf Ostseite, jetzt zweigleisig mit Seitenbahnsteigen), Anfang der 1990er Jahre um etwa 130 Meter nach Norden verlegt Quickborner Straße (bis 1979: Friedrichsgabe-Dorf), eröffnet 1953 nördlich der Quickborner Straße (zweigleisig mit Mittelbahnsteig) Haslohfurth (bis 1979: Haslohfurt-Kampmoor), eröffnet 1953 als Haslohfurth (eingleisig, Bahnsteig auf Ostseite, nach Bau der Norderstedter Industriebahn (NIB) auf der Westseite, jetzt zweigleisig mit Seitenbahnsteigen) Meeschensee (bis 1979: Meeschensee-Alsterquelle), eröffnet 1953 (zweigleisig mit jeweiligem Seitenbahnsteig auf Westseite und Hinterstellgleis auf Südseite, jetzt zweigleisig mit Seitenbahnsteigen) Ulzburg Süd, eröffnet 1953 an der Strecke Eidelstedt – Kaltenkirchen – Neumünster der AKN (heute Linie A1)

Bis auf Ulzburg Süd liegen alle heutigen Haltestellen in der Stadt Norderstedt, bis auf die Endbahnhöfe alle im Norderstedter Stadtteil Friedrichsgabe. Nach Ausbau in den 1990er Jahren ist die Strecke bis auf die Endstücke in den Bahnhöfen Norderstedt Mitte und Ulzburg Süd durchgehend zweigleisig und wird zu den Hauptverkehrszeiten im 10-Minuten-Takt betrieben.