Das Kleinkastell Adolfseck (in älteren Publikationen auch Adolphseck) war ein römisches Militärlager an der westlichen Taunusstrecke (Strecke 3) des Obergermanischen Limes, der im Jahre 2005 den Status des UNESCO-Weltkulturerbes erlangte. Das obertägig nicht mehr wahrnehmbare Bodendenkmal befindet sich nördlich von Adolfseck, einem Stadtteil von Bad Schwalbach im hessischen Rheingau-Taunus-Kreis. In unmittelbarer Nähe findet sich die Schanze Adolfseck.

Etwa 300 Meter nordwestlich befindet sich die vermutlich römische und einzige Felsinschrift Hessens am Justinus-Felsen.

Lage und Forschungsgeschichte mini|links|Kleinkastell AdolfseckLage am Aarübergang (1901) Der Limesübergang über das in Süd-Nord-Richtung verlaufende Aartal lag an einer Stelle, an der sich das sonst recht enge Tal ein wenig erweitert und die Talwände sanfter abfallen. Von Westen fließt hier ein Bach aus Lindschied in die Aar, von Osten der Pohlbach. Um die für den Übergang optimale Position zu gewinnen, knickte der Limes vorübergehend ein wenig nach Süden ein. Gut 40 Meter südlich des Limesübergangs befand sich vermutlich eine Brücke oder befestigte Furt, wofür der Befund einer dammförmig angelegten Straße und der Fund zweier mächtiger Holzpfosten sprechen, die dendrochronologisch in die Zeit zwischen 164 und 178 n. Chr. datiert werden konnten und deren Enden mit Eisenschuhen versehen waren.Siehe Stefan Bender: Der Justinusfelsen. Führungsblatt zu der römischen Felsinschrift und den Limesanlagen im Aartal bei Bad Schwalbach, Rheingau-Taunus-Kreis. Werbedruck GmbH Horst Schreckhase, Wiesbaden 2005, ISBN 3-89822-165-2, (= Archäologische Denkmäler in Hessen 165), S. 14: „zwischen 164 und 178 zu datieren, am wahrscheinlichsten um 170 (E. Hollstein)“. Das Kastell befand sich auf einer hochwasserfreien Terrasse des Aartals, gut 50 Meter östlich des Beginns der vermuteten Aarbrücke (das Ufer der Aar in antiker Zeit lag knapp 100 Meter weit entfernt) und rund 30 Meter südlich des Limes. Durch seine Positionierung war es bestens geeignet, die Aarbrücke und den Limes zu überwachen sowie das Aartal zu sperren. In der heutigen Siedlungstopographie befindet sich das Bodendenkmal in den landwirtschaftlich genutzten Flächen knapp außerhalb des nördlichen Ortsrandes von Adolfseck, etwa in der Mitte zwischen der Bundesstraße 54 und der rund 120 Meter östlich von dieser parallel verlaufenden Bahnlinie.

Ende Oktober 1901 wurde das Kastell durch die Reichs-Limeskommission (RLK) unter der Leitung des örtlichen Streckenkommissars Heinrich Jacobi (1866–1946) und des Frankfurter Ingenieurs Wehner teilweise ausgegraben.

Im Jahre 2010 fand eine geomagnetische Prospektion des Kastellareals und seiner Umgebung statt. Die Forschungsergebnisse der Reichs-Limeskommission wurden durch diese Untersuchungen jedoch nicht präzisiert. Ebenso wenig konnte der Verlauf des Limes ermittelt werden, was vermutlich dem Umstand geschuldet ist, dass sich abgeschwemmtes Material vom Berghang in diesem Bereich abgelagert hatte.

Befunde mini|Brückenpfähle vom Aarübergang des Limes (1901) Von dem Kleinkastell konnte noch die Nordmauer ermittelt werden. Sie war zum Ausgrabungszeitpunkt bis zu 0,70 Meter hoch erhalten und besaß eine Mächtigkeit von 1,80 Meter. Das Mauerwerk bestand aus in Lehm gesetztem Taunusschiefer. Die Nordostecke war leicht gerundet. Darüber hinaus konnte noch die Südostecke des Kastells ermittelt werden, die ebenfalls eine leichte Rundung aufwies. Außerdem wurden Spuren der Kastellgräben festgestellt. Aus diesen wenigen Befunden lässt sich das Bild des Kastells einigermaßen rekonstruieren.

Das Kleinkastell Adolfeck war ein rechteckiges Steinkastell von etwa 20 Metern Länge in nordsüdlicher und 18 Metern Breite in ostwestlicher Richtung. Es war somit quer zum Tal und parallel zum Limes gestellt, aber mit seinem einzigen festgestellten Tor nach Norden zum Limes hin ausgerichtet. Vor der Wehrmauer verliefen – nach einer einen Meter breiten Berme – zwei Spitzgräben von jeweils zwei Metern Breite und einem Meter Tiefe. Vor dem nördlichen Tor war der Grabenverlauf unterbrochen.

Von der Besatzung, wahrscheinlich einer Vexillatio, ist nichts bekannt. Auch über den Belegungszeitraum können keine signifikanten Aussagen getroffen werden, vielleicht existierte es von der Mitte des zweiten bis zur Mitte des dritten Jahrhunderts. Heute ist im Gelände nichts mehr zu sehen.

Limesverlauf zwischen dem Kleinkastell Adolfseck und dem Kastell Zugmantel Nachdem der Limes beim Kleinkastell Adolfseck die Aar überschritten hat, zieht er auf seiner Strecke zum Kastell Zugmantel tendenziell in Richtung Ostnordost bei Ost. Auf diesem Weg, der im Wesentlichen durch bewaldetes Gebiet, vereinzelt auch durch landwirtschaftliche Nutzflächen führt, steigt er insgesamt von 272 auf 475 Höhenmeter an. Seinen höchsten Punkt hierbei erreicht er mit 487 m. NHN beim Wachturm Wp 3/11Wp = Wachposten, Wachturm. Die Ziffer vor dem Schrägstrich bezeichnet den Limesabschnitt, die Ziffer hinter dem Schrägstrich in fortlaufender Nummerierung den jeweiligen Wachturm. Ein zusätzliches Sternchen (*) bezieht sich auf einen Wachposten der älteren Limeslinie.. Unweit östlich des Aarübergangs ließen sich an einigen Abschnitten zwei verschiedene Limeslinien feststellen: eine ältere, etwas rückwärtig gelegene, die in ihrem Verlauf die topographischen Gegebenheiten stärker berücksichtigt und dadurch unregelmäßig ist, und eine jüngere, die einen eher geradlinigen Verlauf anstrebt.Die Differenzierung in der Literatur erfolgt durch Zusatz eines * (Sternchens) hinter der Wachturmnummer. Die mit einem solchen Sternchen gekennzeichneten Wachtürme gehören der älteren Linie an. Wp 3/4* bezeichnet also eine Holzturmstelle der älteren Linie, während Wp 3/4 einen Steinturm der jüngeren Linie in demselben Limesabschnitt bezeichnet. Vgl. auch Anmerkung zur Bezifferung der Limeswachtürme. Die ältere Linie ist wahrscheinlich domitianischen Ursprungs und wurde möglicherweise schon zum Ende der Chattenkriege, um das Jahr 85 n. Chr., errichtet. Sie durchlief nur die ersten beiden Ausbauphasen des Limes (Waldschneise mit Postenweg, Holztürme und Palisade) und wurde wahrscheinlich gegen die Mitte des 2. Jahrhunderts durch die um bis zu 800 Meter weiter nach Norden vorgeschobene, jüngere Linie ersetzt, die sofort in Gestalt der dritten Ausbauphase (mit Steintürmen statt Holztürmen) ausgeführt wurde. Im Rahmen dieses Ausbaus entstand vermutlich auch das Kleinkastell Adolfseck. + Spuren der Limesbauwerke zwischen dem Kleinkastell Adolfseck und dem Kastell Zugmantel ORLORL = Nummerierung der Limesbauwerke gemäß der Publikation der Reichs-Limeskommission zum Obergermanisch-Rätischen-Limes Name/Ort Beschreibung/ZustandKKKK = nicht nummeriertes Klein-Kastell Kleinkastell Adolfseck siehe oben Wp 3/1 „Am Hundsküppel“ mini|Wp 3/1 Turmstelle eines rechteckigen Steinturms,Wp 3/1, Steinturm, bei . der bereits vor den Aktivitäten der Reichs-Limeskommission durch Steinraub beschädigt worden war. Durch die Untersuchungen des Jahres 1901 konnte ein rechteckiger Turm festgestellt werden, dessen Seitenlängen 4,55 × 4,65 Meter betrugen. Die Mauern waren 0,78 bis 0,83 Meter stark.

Der Turm befand sich rund zwölf Meter südlich der Mittellinie des Limesgrabens und war von einem Graben umgeben, dessen Breite noch mit 1,60 bis 1,70 Metern ermittelt werden konnte. Die Position des Turmes gewährleistete eine freie Sicht in das Pohlbach- und das Aartal und darüber hinweg bis zum Ende der Strecke 2 bei Kemel. Wp 3/2 „Wassergall“ mini|Wp 3/2 Turmstelle eines rechteckigen SteinturmsWp 3/2, Steinturm, Bei . mit den Seitenlängen 4,65 × 4,70 Metern. Seine Mauerstärke betrug 0,80 Meter.

Die Sicht reichte bis zum Wp 2/51 auf dem „Galgenkopf“ östlich von Kemel am Ende der Strecke 2. Wp 3/3 Aufgrund der Entfernung zwischen Wp 3/2 und Wp 3/4 vermutete, aber nicht archäologisch nachgewiesene Turmstelle.Wp 3/3 ungefähr bei . Wp 3/4 „Bei dem Borner Wegestern“ mini|links|Lage des Wp 3/4 mini|Deutliche Befunde zeigen sich an der Turmstelle 3/4mini|Grundriss des Wp 3/4 Turmstelle eines 1901 ausgegrabenen Steinturms.Wp 3/4, Steinturm, bei . Quelle: Der Turm hatte wahrscheinlich einen rechteckigen Grundriss, es wurden aber nur seine Südseite mit 4,25 Metern und seine Westseite mit 4,55 Metern Länge vollständig dokumentiert. Die Mauerstärke betrug 0,90 Meter. Die Frontseite des Turms befand sich in zwölf Metern Entfernung von der Mitte des großen Grabens, beziehungsweise in 15,10 Metern Entfernung vom Palisadengraben des nördlich vorbeilaufenden Limes. Die Position des Turms war so geschickt gewählt, dass unter der Voraussetzung eines gelichteten Waldes die Sicht bis zu den Kleinkastellen „Auf dem Pohl bei Kemel“ und weit in das Vorgelände mit dem Tal des Pohlbaches und dem Dietzgrund gereicht haben müsste. Der Wp 3/4 ist der erste Turm im Limesverlauf, zu dem ein hölzerner Vorgängerturm (Wp 3/4*) der älteren Ausbaulinie nachgewiesen wurde. Der ältere Turm liegt knapp einen halben Kilometer Luftlinie südlich des Wp 3/4. Wp 3/4* mini|links|Lage des Wp 3/4* mini|Grundriss des Wp 3/4*mini|Standort des WP 3/4* Turmstelle eines Holzturms,Wp 3/4*, Holzturm, bei . Quelle: der 1896 erstmals untersucht und 1901 erneut ausgegraben wurde. Es handelt sich um den Vorgängerturm des 475 Meter nördlich gelegenen Steinturms Wp 3/4.

Der Turm war auf einer kreisförmigen Plattform von rund acht Metern Durchmesser errichtet worden. Seine Eckpfosten bildeten ein Rechteck von 2,60 bis 2,80 Metern Seitenlänge. Die annähernd quadratisch angelegten Pfostenlöcher hatten eine Seitenlänge von etwa 0,60 Metern, die Stärke der Pfosten selbst wurde mit 30 Zentimetern angenommen. Die Turmplattform war von zwei kreisförmigen Gräben umgeben. Der innere Graben hatte steile Böschungen und eine durchschnittliche Tiefe von 1,60 Meter. Sein Durchmesser von Grabenmitte zu Grabenmitte betrug 10,50 Meter. Der Durchmesser des äußeren Grabens belief sich auf 18 Meter. Er war ebenfalls steil geböscht, besaß aber mit nur 1,05 bis 1,30 Metern eine geringere Tiefe. Wp 3/5 „Auf dem Sangerts“ mini|links|Der Römerrundweg Hohenstein führt auch an der Turmstelle 3/5 vorbeimini|Wp 3/5 Turmstelle eines Steinturms,Wp 3/5, Steinturm, bei . der 1901 untersucht worden ist. Der Turm hatte einen leicht unregelmäßigen Grundriss. Während die Süd- und die Westseite jeweils 4,65 Meter lang waren, hatte die Nordseite 4,55 Meter und die Ostseite nur 4,45 Meter aufzuweisen. Die Mauerstärke betrug durchgängig 85 cm.

Der Turm lag mit 408 m ü. NN an der höchsten Stelle des Bergrückens und war 17,3 Meter von der Mitte des großen Grabens und 21 Meter vom Palisadengraben entfernt. Wp 3/5* mini|links|Der WP 3/5* am Römerrundweg Hohenstein. Unter dem Gestrüpp zeichnet sich der Graben abmini|Wp 3/5* Turmstelle aus zwei benachbarten Holzturmhügeln. Der westliche TurmhügelWp 3/5*, Holzturm West, bei . Quelle: war zur Zeit der Ausgrabung durch eine ihn schneidende Waldschneise stark gestört. Er besaß zwei Ringgräben von 10,40 Metern und 17,60 Metern Durchmesser. Eine Suche nach den Pfostenlöchern der Turmkonstruktion wurde nicht durchgeführt.