miniatur|hochkant=1.2|Die Frankfurter Äquatorialsonnenuhr am Mainufer, von Nordwest gesehen

Die Frankfurter Äquatorialsonnenuhr, gelegentlich auch als Kupferuhr bezeichnet, ist eine zusätzlich als Weltzeituhr gestaltete ringförmige Äquatorialsonnenuhr. Sie steht seit 2004 im Frankfurter Stadtteil Innenstadt auf einer Grünfläche westlich der Ignatz-Bubis-Brücke am Mainufer unterhalb der Schönen Aussicht. Bei ihrer Einweihung im Jahre 1951 galt die Frankfurter Äquatorialsonnenuhr als größte Sonnenuhr ihrer Art in der Welt.

Funktion als gewöhnliche Sonnenuhr und als Weltzeit-Sonnenuhr miniatur|hochkant=1.2|Weltzeitring (schmal und vorn),Skalenband für die Tageszeit (breit und hinten)

Die Skala zur Anzeige der Tageszeit befindet sich auf dem Äquator der als Himmelskugel angedeuteten Sonnenuhr. Als Schattenwerfer dient ein zwischen den Himmelspolen montierter Stab (Polstab). Das breite Skalenband enthält 12 parallele Skalen (für jeden Monate eine eigene), die den Zeitausgleich beachten und die mitteleuropäische Zeit anzeigen. Am oberen Rand der breiten Skala sind römische Ziffern zur Anzeige der wahren Ortszeit angeheftet.

Ein zum Hauptskalenband paralleler und schmaler Ring ist der Weltzeitring mit auf ihm von 200 Städten rund um den Erdball angegebenen Namen. Er ist um die Himmelsachse bzw. den Polstab drehbar. Wird er von der Stellung für Frankfurt nach Ost oder West auf eine Stellung für eine andere Stadt gedreht, so wird auf seiner Innenfläche nicht mehr die Frankfurter, sondern die in der gewählten Stadt herrschende Zeit angezeigt. Diese Einstellung kann sowohl für die Anzeige deren wahrer Ortszeit als auch deren Zonenzeit vorgenommen werden. Zur Anzeige der Zonenzeit muss beim Einstellen auf den momentanen Monat geachtet werden (siehe drittes der nebenstehenden Fotos). Ist die wahre Ortszeit gewünscht, wird auf den 1. September eingestellt. Das ist einer von vier Tagen im Jahr, an dem der Zeitausgleich null ist. miniatur|links|hochkant|Schenkungsurkunde der Vereinigten Deutschen Metallwerke mit Funktionshinweisen miniatur|hochkant=1.2|Skalenband: für jeden Monat eine Skala miniatur|hochkant=1.2|Lucem demonstrat umbraErst der Schatten zeigt das Licht,in der Mitte die monatlich wechselnde Einstellmarke für den Weltzeitring

Daten und Geschichte Die größtenteils aus Kupfer gefertigte Uhr wiegt bei einem Durchmesser von 3,6 Metern ungefähr 1000 Kilogramm. Der Haltebügel der Uhr besteht aus galvanisch verkupfertem Stahl, da eine Kupferkonstruktion für das Gewicht der Uhr zu schwach gewesen wäre. Ursprünglich fehlte auf dem Weltzeitring die Markierung Frankfurts, sie wurde nachträglich auf einem Schild am Weltzeitring angebracht.

Die Frankfurter Äquatorialsonnenuhr wurde Ende der 1940er Jahre vom Ingenieur und Uhrmacher Lothar M. Loske (1920–1992) entworfen und von den Vereinigten Deutschen Metallwerken (Hed­dernheimer Metallwerke) gebaut. Dafür und für den Transport und das Aufstellen wurden insgesamt 6000 Arbeitsstunden benötigt; die Baukosten betrugen 21.000 DM. Die Bauausführung leitete die Ingenieurin Hildegard Langeloth. Mit astronomischem Fachwissen unterstützte sie ihr Ehemann Kurt Langeloth. Die Sonnenuhr wurde in der Parkanlage Nizza () am Untermainkai aufgestellt und am 26. April 1951 eingeweiht. Die Heddernheimer Metallwerke übergaben die Uhr als Geschenk an die Stadt Frankfurt.

Da die Bäume am Nizza so hoch geworden waren, dass sie die Uhr beschatteten, und man Platz für den Neubau eines Restaurants benötigte, wurde die Sonnenuhr im Jahre 2004 nach einer Restaurierung um 1,4 Kilometer Main-aufwärts an ihren heutigen Standort versetzt. Dabei erhielt sie einen neuen Steinsockel. Der am ursprünglichen Sockel angebrachte Tritt, der kleineren Personen die leichtere Bedienung des Weltzeitrings ermöglichen sollte, wurde dabei weggelassen. Die im ehemaligen Tritt in einer Rolle untergebrachte Schenkungsurkunde wird seitdem im Institut für Stadtgeschichte der Stadt Frankfurt aufbewahrt.

Bildergalerie

Literatur Lothar M. Loske: Die Sonnenuhren. Kunstwerke der Zeitmessung und ihre Geheimnisse Berlin, Göttingen 1959: Springer. S. 75–81. Reinhold R. Kriegler: Vom Nizza zur Schönen Aussicht. Die Frankfurter Äquatorial-Sonnenuhr von Lothar M. Loske. In: Deutsche Gesellschaft für Chronometrie, Jahresschrift 2005. S. 185–190. (Online als PDF)

Weblinks

An equatorial sundial in Frankfurt a. M. by Reinhold Kriegler (englisch, mit vielen historischen Abbildungen) Reinhold Kriegler: Die Äquatorialsonnenuhr von Lothar M. Loske

Kategorie:Einzelne Sonnenuhr Kategorie:Kunstwerk im öffentlichen Raum in Frankfurt am Main Kategorie:Erbaut 1951 Kategorie:Frankfurt-Innenstadt Kategorie:Frankfurt-Bahnhofsviertel