mini|278px|Werbepostkarte der Fa. Gebr.Klingenberg Die Firma Gebr. Klingenberg GmbH im ostwestfälisch-lippischen Detmold war eine Druckerei und zu ihrer Blütezeit der größte Arbeitgeber in der damaligen Residenzstadt Detmold. Am 28. Dezember 1865 wurde dem Kaufmann Wilhelm Klingenberg von der Fürstlich Lippischen Regierung die Konzession zur Errichtung einer Buch-, Kunst- und Musikalienhandlung erteilt. Daraus entwickelte sich in den nächsten Jahrzehnten ein graphischer Großbetrieb mit Weltgeltung. Im Jahr 2002 wurde das Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen abgewickelt.

Geschichte Vorgeschichte Die erste Buchdruckerei Lippes befand sich um 1560 in Lemgo, der damals größten Stadt in der Grafschaft. Mehrere Lemgoer Bürger hatten sich zuvor in der Hansestadt zu einer Druckergemeinschaft zusammengeschlossen, an deren Spitze ein Meister der Druckergesellen namens Johannes Schuchhenn stand. Am 25. Juli 1664 wurde von den Brüdern Albert und Henrich Meyer die Meyersche Druckerei und Hofbuchhandlung gegründet. Neun Jahre später war Albert alleiniger Geschäftsführer, weil sein Bruder Henrich verstarb. Am 16. Februar 1676 erteilte Simon Heinrich, Graf und Edler Herr zur Lippe, das folgende Privileg: Albert Meyern und seinen Nachkommen bey der Lemgoer Trückerey dieses gnädige Privilegium und Freyheit hiermit, und wollen, daß alle das Zeuge, waß in dieser unser Grafschaft von Gesang- und andern Büchern, Leich-Pedigten, Verschen, Calendern und sonsten, wie es Nahmen haben mag, aufzulegen und zu trucken vorkömpt, nirgendt anders als zu mehr besagtem Lemgo bey Albert Meyern getrücket. Imgleichen, waß in unserer Landt- und andern Schuelen, in denen Städten und auf dem platten Lande an Schuel-, Gesang- und andern Büchern benötiget und bey ihme Albert Meyern zu bekommen, nicht außer Landes-, sondern von ihme gekauffet werden sollen. Es wurde erwartet, dass Konsistorien, Pastoren, Bürgermeister und Stadträte die Einhaltung dieser gräflichen Verordnung überwachten. Darüber hinaus musste Albert Meyer geloben, einwandfreie Arbeit zu leisten. Mit diesem Privileg wurde eine Preisbindung für Buchdrucker und Buchhändler festgelegt. 1684 erschien eine gedruckte Kirchenordnung des Grafen Simon Heinrich, die zu den wichtigsten Veröffentlichungen der Druckerei zählte. In den Jahren 1728 bis 1754 baute Johann Heinrich Meyer das Verlagsgeschäft weiter aus und erhielt am 18. April 1754 vom Grafen Lippe eine Erneuerung des Privilegs, weil diese Druckerey und Buchhandlung schon geraume Jahre zum gemeinen Nutzen und zur besonderen Bequemlichkeit in gutem Stand und Flor gewesen und bis hierhin erhalten worden sei. Außerdem wurde er aufgefordert, die geplanten Drucksachen der Regierungs-Kanzlei zur Zensur vorzulegen.

Am 27. August 1754 starb Johann Heinrich Meyer und hinterließ keine männlichen Nachkommen. Seine Tochter Margaretha Elisabeth heiratete den 15 Jahre älteren Rektor des Lemgoer Gymnasiums, Christian Friedrich Helwing. Dieser legte sein Rektorat nieder und ließ sich als Buchdrucker ausbilden, um in das Geschäft seiner Schwiegermutter einzusteigen. Seit 1755 entwickelte sich der Verlag zu einem Zentrum aufklärerischer Publizistik.Knochenleim & Goldrausch : Buchbindereien vom 18. Jahrhundert bis in das E-Book-Zeitalter (= Forschungsbeiträge zu Handwerk und Technik, 27). LWL-Freilichtmuseum Hagen, Hagen 2014, ISBN 978-3-926190-30-7, S. 42.Ernst Weißbrodt: Die Meyersche Buchhandlung in Lemgo und Detmold und ihre Vorläufer : Festschrift zum 250-jährigen Bestehen der Firma am 12. Juni 1914. Meyer, Detmold 1914. 1758 wurde Helwing zum Lemgoer Bürgermeister gewählt. Unter seiner Leitung übernahm die Meyersche Druckerei den Druck der Lippischen Intelligenzblätter von 1767 bis 1842 sowie der Lippischen Landesverordnungen. Zu Beginn des Jahres 1800 starb Helwing und sein Sohn Gottlieb Leopold Helwing übernahm das Geschäft von 1800 bis 1821. Nach seinem Tod kam es zu Auseinandersetzungen zwischen der Witwe Caroline Helwing und Detmolder Buchdruckern und Buchhändlern, vermutlich die Ursache für eine Verlegung des Hauptgeschäfts von Lemgo nach Detmold im Jahr 1842. Geschäftsführer war nun der Sohn Christian Leopold Maximilian Helwing.

Gründung und erste Jahre mini|hochkant|links|Fürst Leopold III. zur Lippe mini|hochkant|Plan der neuen Fabrikanlage an der Leopold-, Ecke Hornsche Straße. Wilhelm und August Klingenberg wurden als Söhne eines Buchbinders geboren. Am 28. Dezember 1865 war dem gelernten Kaufmann Wilhelm Klingenberg von der Fürstlich Lippischen Regierung eine Konzession zur Errichtung einer Buch-, Kunst- und Musikalienhandlung am hiesigen Ort, unter Vorbehalt, jedoch der besonderen Rechte, welche der Meyerschen Hofbuchhandlung vermöge ihrer Privilegien zustehn, hiermit ertheilt worden. Ein Jahr später, am 29. Januar 1866, ersuchte Wilhelm Klingenberg die Regierung um Eintrag eines Gewerbes in das Firmenregister und um eine öffentliche Bekanntmachung. Kurz darauf erhielt August Klingenberg von seinem Bruder Wilhelm die Prokura in der Buch-, Kunst-, Musikalien- und Papierhandlung.Christian Kuhnke: Lippe Lexikon, Stichwort: Klingenberg. Boken Verlag, Detmold 2000, ISBN 3-935454-00-7.

Fürst Leopold III. zur Lippe änderte die nicht mehr zeitgemäße Konzession der Meyerschen Druckerei und Hofbuchhandlung von 1754 dahingehend, dass diese kein ausschließliches Recht mehr auf den Betrieb dieser beiden Gewerbe habe. Am 16. Mai 1871 wurde dokumentiert, dass Wilhelm Klingenberg die geschäftlichen Locale, das Geschäft und die Firma der Meyerschen Hofbuchhandlung käuflich erworben hatte. Dieser war damals bereits eine lithografische Kunstanstalt angeschlossen, die an der Ecke Lange Straße/Exterstraße in Detmold lag. Mit dem Kauf übernahm Wilhelm Klingenberg auch das Lippische Regierungs- und Anzeigenblatt, dem später ein nichtamtlicher politischer Teil beigefügt wurde.

1874 wurden Verlag und Druckerei vollständig durch ein Feuer zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte unverzüglich und schon im nächsten Jahr entstanden neue Firmengebäude an der Leopold-, Ecke Hornsche Straße.

Kaiserreich und Erster Weltkrieg (1875–1918) mini|hochkant|Neubau an der Hornschen Straße um 1902 mini|links|Umdruckerei um 1905 mini|hochkant|Kesselhaus um 1905 mini|links|Maschinensaal um 1905 Während von dem abgebrannten Gebäudekomplex weder eine Ansicht noch ein Grundriss existiert, gibt es von der neuen Fabrikanlage einen Situationsplan aus dem Jahr 1875. Die dort eingezeichneten fremden Grundstücke an der Hornschen Straße wurden im Laufe der folgenden Jahre aufgekauft und für Erweiterungen der Druckerei verwendet. Auch das benachbarte Gymnasium an der Leopoldstraße wurde 1905 für 125.000 Mark erworben, nachdem das Gymnasium Leopoldinum (Detmold) in einen Neubau verlegt worden war.

Am 19. Oktober 1883 wurde die Meyersche Hofbuchhandlung an den Buchhändler H. Deneke aus Braunschweig verkauft, um sich voll auf das Druckereigeschäft zu konzentrieren. Am 5. April 1886 trat als dritter Gesellschafter Oskar Münsterberg in das jetzt unter dem Namen Gebr. Klingenberg OHG firmierende Unternehmen ein, schied aber einige Jahre später freiwillig aus dem Vertrag aus. Danach strengte er erfolglos einen Prozess gegen die Firma Klingenberg an, weil er sich um sein eingebrachtes Kapital betrogen fühlte. Nach diversen weiteren Veränderungen auf der Inhaberseite des Unternehmens wurden 1894 der bisherige Prokurist Theodor Staehle und der Kölner Kaufmann Willy Hofmann als Gesellschafter aufgenommen.

In den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts belieferte die Druckerei Klingenberg vor allen Dingen die Zigarrenindustrie in Norddeutschland, Westfalen, Berlin, Sachsen, Bayern und Württemberg. Weltweit bestanden Geschäftsbeziehungen zu Zigarrenherstellern in Kuba, den USA und Kanada.

Um 1900 waren die Geschäfte der Firma offenbar so erfolgreich, so dass größere Investitionen in die Erweiterung der Fabrikgebäude und des Maschinenparks möglich waren. Schon 1899 wurde der Druckmaschinensaal vergrößert. Zwei Jahre später genehmigte der Magistrat der Stadt Detmold den Neubau eines zentralen Fabrikgebäudes an der Hornschen Straße.

Der neue Gesellschafter Willy Hofmann übernahm 1904 die Geschäftsleitung und ein Jahr später wurde sein neun Jahre jüngerer Bruder Alex Hofmann zum Prokuristen ernannt. Am 4. Juni 1909 starb der erst 39-jährige Willy und ein Jahr später wurde Alex zum Geschäftsführer der in eine Familien-GmbH umgewandelten bisherigen Offenen Handelsgesellschaft ernannt. Am 12. März 1910 starb Kommerzienrat Wilhelm Klingenberg und am 21. Oktober 1913 folgte ihm sein Bruder, Kommerzienrat August Klingenberg, ins Grab.

In den Jahren 1912 bis 1913 wurde ein neues Maschinenhaus für mehrere Dampfmaschinen mit einem 40 Meter hohen Fabrikschornstein errichtet. Diese Maschinen dienten als Antrieb für die Steindruckpressen. Im Kellergeschoss wurde ein großes Lager und Archiv für gebrauchte Lithografiesteine angelegt. Bald nach Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 führte die hohe Zahl von Einberufungen junger Männer zum Kriegsdienst zum Arbeitskräftemangel. Eine Druckerei galt natürlich nicht als kriegswichtiger Betrieb. Klingenberg versuchte diesem Engpass durch eine vermehrte Einstellung von Frauen zu begegnen. Mit wachsender Kriegsdauer wirkten sich die fehlenden Nahrungsmittelimporte und der Mangel an landwirtschaftlichen Arbeitskräften negativ auf die Versorgungslage der Bevölkerung aus. Die Folge waren beträchtliche Preissteigerungen und Versorgungsmängel, die nur unzureichend durch Bewirtschaftungsmaßnahmen gemildert werden konnten.

Weimarer Republik und Drittes Reich (1919–1945) mini|Eigenwerbung in den USA Bis zur Mitte der 1920er Jahre gab es spürbare Einbußen bei den Umsätzen mit der Zigarrenindustrie. Während 1913 noch 146.000 Arbeiter in der deutschen Zigarrenindustrie beschäftigt waren, gab es 1925 nur noch 76.000 und im Januar 1926 war diese Zahl auf rund 8.000 Personen geschrumpft. Zusätzlich wirkte sich der schon im Ersten Weltkrieg einsetzende Währungsverfall auf die wirtschaftliche Lage aus. Die Inflation zu Beginn der 1920er Jahre und eine Tabaksteuererhöhung beeinflussten die Geschäfte negativ und führten dazu, dass große Posten an Zigarrenkistenausstattungen und Etiketten zu Schleuderpreisen verkauft werden mussten. Erst im April 1925 waren alle Druckmaschinen wieder voll ausgelastet. Besonders der Export in der Zigarrenbranche sorgte für befriedigende Erträge. Ohne die Kunden im Ausland hätte die Produktion bis zu einem Drittel eingeschränkt werden müssen. Um 1928 kam es zum Umbau der alten Turnhalle des ehemaligen Gymnasiums an der Leopoldstraße, die als Lagerraum in den Betrieb integriert wurde.

Im November 1927 brachte ein dreiwöchiger Streik in der Zigarrenindustrie erhebliche Verluste für den Betrieb. Lohnerhöhungen in der Zigarrenbranche führten zu einem Preisanstieg der Endprodukte, der neue Verpackungen erforderlich machte. Die im Lager vorrätigen Zigarrenausstattungen mussten zum Teil vernichtet werden. Die schlechter werdende Auftragslage besonders im Export zog eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit um rund 6 Stunden nach sich, so dass an Samstagen nicht mehr gearbeitet wurde.

Die Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 sowie der äußerst strenge Winter mit einer Influenza-Epidemie verschlechterten zunehmend die schwierige ökonomische Lage. Hinzu kam eine 4-prozentige Lohnerhöhung, die allerdings durch höhere Preise nahezu ausgeglichen werden konnte. In dieser Zeit gingen eine Anzahl anderer namhafter Druckereien in Konkurs. Viele Länder reagierten auf die Wirtschaftskrise mit Exportbeschränkungen. Die Geschäftsbeziehungen zu den USA waren im Juli 1933 völlig zum Erliegen gekommen, so dass die Arbeitszeit auf 16 Wochenstunden reduziert werden musste.