Anno 1701, im englischen Sprachraum auch 1701 A.D., ist ein Aufbauspiel und der dritte Teil der Anno-Serie. Das Spiel wurde vom deutschen Studio Related Designs entwickelt und im Oktober 2006 von Sunflowers veröffentlicht.
Das Spielprinzip basiert auf dem der Vorgänger. Der Spieler wird in eine entlegene, inselreiche Region mit dem Ziel entsandt, eine Metropole zu errichten. Dabei ist es zur Versorgung seiner Bürger erforderlich, einen stabilen Warenkreislauf aufzubauen. Grundlegend überarbeitet wurde die technische Seite, die als erstes Spiel der Anno-Serie dreidimensionale Grafiken und Dolby-Digital-5.1-Ton präsentiert.
Von der Spielepresse wurde das Spiel weitgehend positiv gesehen. Kritiker lobten die hohe Qualität der Grafik, die herausragend unter den Aufbauspielen sei. Auch das Spielprinzip wurde vielfach als sehr gut eingestuft. Bei den Käufern fand das Spiel ebenfalls Anklang. In Deutschland entwickelte es sich zum meistverkauften Spiel des Jahres 2006. Im Oktober 2007 erschien eine Erweiterung mit dem Namen Der Fluch des Drachen.
Spielprinzip
Allgemein Anno 1701 behandelt die Entdeckung und Erschließung von Territorien in der Neuen Welt. Der Spieler übernimmt die Rolle eines Seefahrers, der im Auftrag seiner Königin bislang unbekannte Gebiete besiedelt. Das Spielziel ist der Aufbau einer funktionierenden Großstadt und deren konstante Versorgung mit Verbrauchsgütern. Zusätzlich kann der Spieler in einer Partie weitere Ziele festlegen, etwa das Erreichen eines gewissen Vermögenslevels oder das militärische Niederstrecken von Konkurrenten.
Zu Beginn einer Partie startet der Spieler wahlweise mit Kontoren auf beliebigen Inseln oder mit einem Expeditionsschiff. Zunächst versucht er, eine kleine Siedlung auf einer Insel zu errichten und sich mit grundlegenden Waren und Ressourcen zu versorgen. Bis zu drei computergesteuerte Konkurrenten versuchen, auf die gleiche Art in der Spielwelt Fuß zu fassen.mini|Die Handelsschifffahrt ist für den Fortschritt im Spiel entscheidendDiese Spielwelt setzt sich aus zahlreichen Inseln zusammen. Die meisten der Inseln können von den Spielern besiedelt werden. Manche dieser Inseln sind allerdings von Anfang an bereits von fremden Völkern oder Piraten besiedelt. Fremde Völker dienen ebenso wie ein ansässiger Händler in erster Linie als Handelspartner. Piraten sind von Anfang an feindlich gesinnt und überfallen Schiffe des Spielers und anderer Kolonialisten.
Im Spielverlauf wird es zunehmend erforderlich, weitere Inseln zu besiedeln, da die meisten Produkte Rohstoffe erfordern, die nur an wenigen Orten zu finden sind, beispielsweise Gold oder Diamanten. Da andere Spieler ebenfalls auf diese Rohstoffe angewiesen sind, kann es zu Konflikten um die umstrittenen Inseln kommen, die in einen Krieg münden.
Wirtschaftssimulation Den Schwerpunkt des Spiels stellen der Aufbau und das Aufrechterhalten eines Wirtschaftskreislaufs dar. Aufgabe des Spielers ist, seine Bevölkerung mit Verbrauchsgütern zu versorgen. Dazu muss er eine Vielzahl von Produktionsketten errichten. Zu Beginn besteht die Stadt nur aus einfachen Hütten, in denen Pioniere leben. Sie fordern nur Nahrung und ein Dorfzentrum. Im Verlauf des Spiels entwickeln die Pioniere sich zu Siedlern, Bürgern, Kaufleuten und schließlich Aristokraten. Jeder Stufenaufstieg ist mit Vorteilen verbunden. So werden die Steuereinkünfte deutlich erhöht, wertvollere Waren verfügbar und neue Gebäude freigeschaltet. Allerdings wird mit jedem Stufenaufstieg die Zahl der Bedürfnisse der Bevölkerung stetig erweitert. Wird ein erforderliches Bedürfnis nicht erfüllt, sind die Vertreter der betroffenen Schicht unzufrieden und verlassen die Stadt. In der Regel kommt es dabei auch zu Aufständen des Volkes, die die eigene Stadt mitunter schwer beschädigen.
Alle Gebäude, Schiffe und Truppen verursachen laufende Kosten. Um eine positive Wirtschaftsbilanz zu erreichen, stehen dem Spieler im Wesentlichen zwei Möglichkeiten offen. Die Haupteinnahmequelle sind Steuern. Die Höhe der Steuern kann der Spieler selbst festlegen, allerdings nimmt mit steigender Steuerlast der Zuzug von neuen Einwohnern ab. Zweites Standbein der Wirtschaft ist der Handel. Der Spieler kann an seinen Kontoren Waren zum Verkauf anbieten und selbst Handelsmissionen zu fremden Inseln durchführen. Diese Komponente wurde in ihrem Funktionsumfang gegenüber Anno 1503 eingeschränkt, da der Spieler Kaufpreise nicht mehr selbst festlegen kann, sondern vorgegebene Standardpreise entrichtet und erhält.
Mit dem Fortschritt der eigenen Siedlung nimmt die Anzahl der von der Bevölkerung geforderten Güter und die Komplexität der erforderlichen Produktionsketten zu. Die Startinsel kann nur zu Beginn den Rohstoffbedarf für Baumaterialien decken, da die Vorkommen begrenzt sind. Auch die Versorgung der Bevölkerung ist nur rudimentär möglich. Viele Agrarprodukte, etwa Tabak oder Kakao, erfordern entsprechend fruchtbare Böden. Daher wird es bereits früh erforderlich, neue Inseln zu erschließen. Um die konstante Versorgung von Betrieben und Wohngebäuden sicherzustellen, kann der Spieler Handelsrouten einrichten. Handelsrouten automatisieren den Warenverkehr zwischen Inseln.
Zur Verbesserung der Produktivität der eigenen Betriebe und zur Freischaltung neuer Gebäude stehen den Spielern verschiedene Forschungen zur Verfügung. Forschungen können in Bildungseinrichtungen, wie der Schule oder der Universität, veranlasst und durchgeführt werden.
Stadtbau Der Spieler ist für die bauliche Entwicklung seiner Siedlung verantwortlich, daher muss er Unterkünfte, Produktionsgebäude und Infrastruktur errichten.
Unterkünfte werden um ein Dorfzentrum herum gebaut. Dieses dient als Mittelpunkt der Siedlung und als Versammlungsort der Bevölkerung. Hin und wieder treffen dort besondere Gäste, etwa ein Musikantenzug, ein Erfinder, ein Schmied oder ein Kapitän ein. Sie bringen dem Spieler bestimmte Boni, etwa erhöhte Steuereinnahmen oder beschleunigte Forschung. Weiterhin erfüllt das Dorfzentrum eine Forderung der Bevölkerung, das Bedürfnis nach Gemeinschaft. Im späteren Verlauf kommen weitere Forderungen, die durch Gebäude zu decken sind, hinzu, etwa Bildung, Unterhaltung und politische Macht. Sind alle Bedürfnisse einer Bevölkerungsschicht erfüllt, so kann der Spieler die Bewohner in die nächste Gesellschaftsstufe aufsteigen lassen.
Produktionsgebäude umfassen Farmen, Bergwerke und Manufakturen. Farmen erfordern oft besondere Fruchtbarkeiten, Bergwerke entsprechende Rohstoffvorkommen. Nach der Errichtung beginnt in den Gebäuden automatisch die Arbeit. Falls spezielle Rohstoffe für die Produktion erforderlich sind, arbeiten die Gebäude nur, solange sie mit diesen Rohstoffen versorgt werden.
Zum Transport von Waren innerhalb einer Siedlung dienen Markthäuser. Diese müssen über eine Straßenverbindung zu den Produktionsbetrieben verfügen, von denen sie versorgt werden sollen. Ähnlich verhält es sich mit Feuerwehrstationen und Arztpraxen. Zur Verteidigung seiner Siedlung kann der Spieler Stadtmauern, Geschütztürme und Festungen errichten.
Interaktion mit anderen Spielern In den Regionen, die der Spieler erkundet, trifft dieser auf computergesteuerte Konkurrenten, Einheimische, Händler und Piraten, die ihm freundlich oder feindlich gesinnt sein können.
Konkurrenten versuchen, wie der Spieler eine funktionierende Siedlung aufzubauen. Bis zu drei können an einer Partie teilnehmen. Sie besitzen individuell gestaltete Profile, die ihre wirtschaftlichen, diplomatischen und militärischen Fähigkeiten festlegen. Der Spieler kann mit seinen Konkurrenten handeln, Allianzen schließen oder gegen sie Krieg führen.
Einheimische sind in Form von vier Kulturen, den Irokesen, Chinesen, Indern und Azteken, ansässig. Sie bewohnen kleine Inseln und betreiben jeweils einen Handelsposten. Durch intensiven Handel mit den fremden Völkern gewinnt man Ansehen und kann mit der Zeit die für den Aufstieg der eigenen Bevölkerung zu Aristokraten nötigen Kolonialwaren Elfenbein, Jade, Pelze und Talismane erwerben.
Piraten sind den Spielern zu Beginn feindlich eingestellt und überfallen deren Schiffe. Der Spieler kann mit ihnen Abkommen schließen, wenn er genug Ansehen beim Piratenanführer Ramirez erworben hat. Dazu muss er seine Kampfstärke bei Seegefechten unter Beweis stellen und zahlreiche Schiffe versenken. Alternativ kann er ihren Stützpunkt mit Bodentruppen zerstören.
Der freie Händler besitzt einen Handelsstützpunkt in der Region und bereist die Kontore aller Spieler. In gewissen Abständen schreibt er Aufträge, etwa Bergungsmissionen aus, die mit Geld und Waren honoriert werden. Alle Spieler befinden sich mit dem Händler in permanenten Handelsbeziehungen.
Die Königin unterstützt den Spieler zu Beginn einer Partie mit Darlehen und Truppen. Erreicht der Spieler mit seiner Siedlung die höchste Bevölkerungsstufe, die Aristokraten, so beginnt die Königin, Tribute vom Spieler zu fordern. Kommt der Spieler ihren Forderungen nach, so gewährt sie ihm letztendlich die Unabhängigkeit. Verweigert der Spieler die Tributzahlungen, entsendet die Königin mehrere Flotten gegen den Spieler. Durch mehrere Siege über die königlichen Truppen kann der Spieler ebenfalls die Unabhängigkeit erreichen.
Kriegsführung Die Kriegsführung in Anno 1701 unterteilt sich in zwei Bereiche, den Krieg zu See und den Krieg zu Lande. Zu See kämpfen die Spieler mit Kriegsschiffen, die durch Angriffe auf feindliche Handelsschiffe den gegnerischen Wirtschaftskreislauf stören können.
Zu Land kämpfen die Spieler mit einer begrenzten Truppenauswahl, die Artillerie, Infanterie und Kavallerie umfasst. Truppen werden mittels Schiffen zu feindlichen Inseln transportiert und dort abgesetzt. Anschließend können sie durch die Zerstörung gegnerischer Marktgebäude schrittweise die Kontrolle über das Gebiet und die Gebäude des Gegners erlangen.
Sobald ein Spieler die Hauptinsel eines KI-Gegners übernommen hat, gibt dieser automatisch auf und zieht sich von der Inselwelt zurück.
Logenaktivität Eine Neuerung von Anno 1701 ist die Logenaktivität, mit der man seine Mitspieler ausspionieren und sabotieren kann. Zur Verfügung stehen beispielsweise Diebe, Saboteure oder Revoluzzer. Der Spieler kann diese Agenten auf feindliche Inseln schicken, um die gegnerische Entwicklung zu stören. Eine gewisse Gefahr besteht, dass der Einsatz scheitert und aufgedeckt wird. Dies schadet den diplomatischen Beziehungen mit dem betroffenen Mitspieler. Für Logenaktivitäten ist ein entsprechendes Logengebäude erforderlich. Die meisten Aktivitäten müssen allerdings zusätzlich vom Spieler erforscht werden.
Eine besondere Rolle im System der Logenaktivitäten nehmen Spezialaktionen und die Fähigkeiten fremder Völker ein. Die eiserne Ration, der Sprengmeister und der Kreuzzug sind nicht gegen einen Kontrahenten gerichtet, sondern geben dem Spieler, der sie anwendet, Boni. Auf die Fähigkeiten eines fremden Volkes kann zugegriffen werden, wenn ein Spieler sich mit diesem verbündet hat.
Spielmodi Den zentralen Spielmodus stellt das Endlosspiel dar. In diesem Spielmodus tritt der Spieler gegen bis zu drei Computergegner in einer zufällig generierten Inselumgebung an und versucht, seine Siedlung zu errichten.
Auf diesem Modus basiert auch der Mehrspielerpart, in dem bis zu vier menschliche Spieler gegeneinander antreten. Der grundlegende Spielablauf ist der gleiche wie im Endlosspiel. Ein Unterschied ist, dass die Händleraufträge global ausgeschrieben werden, wodurch ein Wettbewerb zwischen den Spielern entsteht. Weiterhin wurde die Möglichkeit, die Spielzeit zu beschleunigen, aus technischen Gründen entfernt. Hinzugefügt wurde eine Chatfunktion zur Kommunikation zwischen den Spielern.