mini|hochkant=1.5|Friedhof Chambon-sur-Lac, mit Kapelle von SW mini|hochkant=1.5|Friedhofskapelle Chambon-sur-Lac, Grundriss, Handskizze nach Fotos Die Friedhofskapelle am nordöstlichen Rand der französischen Gemeinde Chambon-sur-Lac ist ein Zentralbau, dessen Ursprünge vermutlich aus dem 10. Jahrhundert stammen.

Das Dorf liegt im Département Puy-de-Dôme in der Region Auvergne-Rhône-Alpes und etwa 35 km südwestlich der Großstadt Clermont-Ferrand am östlichen Rand der Monts Dore. Ihr Friedhof befindet sich am nordöstlichen Ortsrand, auf dem Hang jenseits der Durchgangsstraße, etwa 200 Meter entfernt von der Kirche des Dorfes. An seiner höchsten Stelle ragt die Rotunde der Friedhofskapelle auf, die nach der örtlichen Beschilderung auch Taufkapelle gewesen sein könnte. Es gibt nur wenige Quellen, die dieses kleine, kunsthistorisch aber anspruchsvolle Bauwerk, insbesondere seine historischen Daten behandeln.

Geschichte Antike und Völkerwanderungszeit Vor den Römern siedelte in dieser Region der gallische (=keltische) Stamm der Arverner. Neben der keltischen Siedlung „Nemossos“, im Altstadtgebiet des heutigen Clermont-Ferrand, ist vor allem die gallische Siedlung auf dem Plateauberg nahe Clermont bekannt, die später den Namen gergovia (frz. gergovie) trug.

Nach dem Jahr 52 v. Chr. besetzten die Römer auch das Land der averna civitas und die nun gallorömische Stadt erhielt den Namen Nemetum, später Augustonemetum, und wurde eine der zahlreichen gut ausgebauten Zentren in der gallischen Provinz. Auf dem Puy de Dôme wurde aus einem keltischen Heiligtum ein römischer Mercurius-Tempel. Ab dem 3. bis ins 9. Jahrhundert hieß die Stadt Arvernis, in Erinnerung an ihre keltischen Vorfahren. Daraus wurde später der Name der Region Auvergne.

Im 4. Jahrhundert wurde die gesamte Region christlich. Die Abgeschiedenheit Chambons und von Le Mont-Dore verhinderten, dass die Gegend in der Zeit der Völkerwanderung (4. bis 6. Jahrhundert) von den Westgoten, Franken, Sarazenen und Wikingern überfallen wurde. mini|links|Chambon-sur-Lac, Friedhofskapelle, örtliche Beschilderung

Mittelalter Die wenigen Quellen sprechen von unterschiedlichen Nutzungen des Gebäudes, als Friedhofskapelle, Friedhofsrotunde (Rotonde du cimetièreJacques Baudoin: Auvergne Terre Romane. 120 S., Cournon d’Auvergne 1993.), Grabkapelle der Herren von Murol (funéraire des cires de Murol), oder von einem Baptisterium (baptistère = Taufkapelle) oder gar von einer Templerkapelle (chapelle templière). Vor der Rotonde ist ein Hinweisschild angebracht, mit einer Beschriftung: Rotonde du cimetière, ou batistère X ème siécle (Friedhofsrotunde oder Baptisterium, 10. Jahrhundert).

Allein die Lage auf dem Friedhof außerhalb der Ortsgrenzen lässt darauf schließen, dass das Gebäude nicht als Friedhofskapelle erbaut sein konnte. Der Auszug des Friedhofs, der im ganzen Mittelalter und darüber hinaus wohl um die Dorfkirche herum angeordnet war, auf den gegenüberliegenden Südhang ist eher neuerer Zeit. Die Höhenlage gewährt absoluten Schutz vor Überflutung durch den mäandrierenden Gebirgsbach.

Es ist daher anzunehmen, dass das Bauwerk im oder vor dem 10. JahrhundertÖrtliches Hinweisschild, zunächst als Oratorium, vielleicht eines der Templer, oder als Taufkapelle errichtet und genutzt worden ist, und das ohne den es heute umgebenden Friedhof. In der Karolingerzeit im 8. Jahrhundert ging allerdings die Erwachsenentaufe zu Gunsten der Säuglings- oder Kindertaufe zurück. Damit wurde auch die Verwendung eines Baptisteriums mit einem im Boden eingelassenen Taufbecken zunehmend überflüssig. Die Säuglinge wurden danach in der Kirche getauft.

Die glanzvolle äußere architektonische Ausstattung stammt nicht aus dem 10. Jahrhundert. Es finden sich hier charakteristische Stilelemente der regionalen auvergnatischen Bauschule der Romanik, wie man sie an fast allen Hauptkirchen der Basse-Auvergne oder der Limagne antrifft.

Als Beispiele seinen hier genannt: Rollenfries, schwarz-weiße Inkrustationen (gallorömischen oder frühchristlichen Ursprungs), Hobelspankragsteine, breit gefächertes Tatzenkreuz, rechteckige Nischen mit eingestellten Säulchen, Kapitellszene mit zwei vierbeinigen Greifen, die gemeinsam aus einem Kelch trinken (siehe Abschnitt Bauwerk, Äußere Erscheinung).

Die Stiftskirche Notre-Dame du Port in Clermont-Ferrand und die sehr nahe Prioratskirche Saint-Nectaire weisen nahezu alle diese Details auf und wurden im 12. Jahrhundert erbaut und fertiggestellt. Dementsprechend muss die Kapelle etwa in derselben Zeit renoviert und umgebaut worden sein. Betroffen sind davon die Einfügung der vorstehend genannten Architekturdetails, vermutlich auch das Anfügen des kleinen Narthex. Die in den Quellen überwiegend genannte Datierung auf das 12. JahrhundertMatthias Untermann: Der Zentralbau im Mittelalter, oder in einer auf die Hochromanik, muss sich wahrscheinlich auf diese Renovierung beziehen.

Die innere Ausschmückung mit Blendarkaden und skulptierten Säulenkapitellen deutet hingegen auf eine frühere Ausführung hin (10. Jahrhundert oder früher). Man könnte sich den älteren Bau in Form eines reinen zylindrischen Baukörpers vorstellen, ohne schmückende äußere Strukturen, mit einem schlichten kegelförmigen Dach überdeckt, und mit einigen schlitzartigen Fensteröffnungen, einem schlichten Portal und statt einer Chorapsis einer rechteckigen Wandvorlage.

Der finanzielle Aufwand für die hochwertige Renovierung der Kapelle, vielleicht durch die Baumeister der benachbarten Kirchen, konnte sicherlich nicht von der Gemeinde der schlichten Ortskirche getragen werden. Es wäre durchaus denkbar, dass für die Finanzierung und Durchführung der Umbauarbeiten die gleichen Herrschaften oder die Casadéennes, wie die Mönche der Abtei von La Chaise-Dieu genannt wurden, verantwortlich zeichneten. Vielleicht war es eine Dependance des knapp 10 Kilometer entfernten Saint-Nectaire oder auch der Herren von Murol, einer benachbarten Höhenfestung.

Neuzeit Friedhofskapelle wurde der Bau vermutlich erst im 19. oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als der Friedhof der Ortschaft dem innerörtlichen Straßenbau weichen musste.

mini|hochkant|Friedhofskapelle von Südwesten mini|hochkant|Traufgesims auf Hobelspankragsteinen

Bauwerk Äußere Erscheinung Der Hauptbaukörper besteht aus dem etwas gedrungen wirkenden kreisrunden Zylinder der Rotunde aus Natursteinmauerwerk und großformatigen glatten Werksteinen, die in regelmäßigen Schichten vermauert sind. Ihre Farben nuancieren von nahezu Weiß, über verschiedene Beigetöne, bis hin zu dunklem Grau. Wegen der Hanglage steigt das anschließende Gelände von der Talseite um das Gebäude herum zur Bergseite deutlich an.

Die kreisrunden Außenwände werden umlaufend oberseitig abgeschlossen durch ein massives, weit ausladendes Gesims mit abgeschrägter Sichtkante. Die Gesimsplatten liegen auf eng gestellten Hobelspankragsteinen auf, über denen sie jeweils geteilt sind. Die besonders hohen Kragsteine zeigen untereinander kaum Abweichungen ihrer Gestalt. Das etwa zwanzig Grad geneigte Kegeldach ist mit naturgrauen Schieferplatten eingedeckt, deren untere Reihe noch deutlich über das Gesims auskragt. Die Kegelspitze trägt einen skulptierten steinernen Knauf mit einer scheibenförmigen Abdeckung.

Etwas über der mittleren Wandhöhe (Talseite) umschließen zwei parallel verlaufende Kraggesimse die Rotunde in knapp einem Meter Abstand zueinander. Das obere ist im Querschnitt rechtwinklig, seine senkrechte Sichtseite ist mehrfach profiliert. Das untere besitzt eine abgeschrägte Unterseite.

Zwischen den beiden Kraggesimsen sind auf der Nord- und Südseite der Rotundenwand je zwei Nischen in Form liegender Rechtecke eingelassen, die so hoch sind wie der Gesimsabstand. Die Nischen werden seitlich von senkrechten Profilen, die dem oberen Kraggesims gleichen, begrenzt. In den Nischen stehen je drei glatte Säulchen, überwiegend in grauem bis dunkelgrauem Stein, ausgerüstet mit unterschiedlich skulptierten Kapitellen (siehe separater Abschnitt) und profilierten Basen. Dieses Motiv ist eine Anleihe bei der römischen Antike. Es gibt auch eine Nische mit nur einem Säulchen. Zwischen den Kraggesimsen sind weiterhin drei schlitzartige rundbogige Fensteröffnungen eingefügt, die nicht ganz so hoch sind, wie der Gesimsabstand.

mini|hochkant|Wandvorlage im Osten

Auf der Ostseite der Rotunde ist eine größere Wandvorlage angeordnet, die es erlaubte, im Innern eine tiefere Wandnische zu installieren, die einen kleinen Altar aufnehmen konnte. Diese Vorlage besitzt außenseitig eine plane Oberfläche und ist oberseitig durch eine dachartige Abschrägung abgedeckt, die ein Stück unter dem Traufgesims abschließt. Inmitten der Wandvorlage ist ein schlankes rundbogiges Fenster ausgespart, das von oberflächenbündigen Keilsteinen überdeckt ist. Die oben genannten beiden Kraggesimse stoßen gegen die Seitenflächen der Vorlage. Auf der Vorlage selbst verläuft ein waagerechtes Kraggesims mit unterseitiger Abschrägung knapp unter der Höhe des oberen Gesimses und wird auf den Seitenflächen der Wandvorlage herumgeführt. Dieses Gesims umschließt halbkreisförmig die Keilsteine des Fensters.

mini|hochkant|Ansicht von Nordwesten Auf der Westseite der Rotunde, etwas aus der Mittelachse verschoben, wurde wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Renovierung der Kapelle im 12. Jahrhundert ein kleiner Narthex angebaut, der ebenso die Stilelemente der Renovierung aufweist. Sein Grundriss ist im Wesentlichen rechteckig, die Seitenwände sind durch den außermittigen Anschluss an die Rotunde unterschiedlich lang. Der Anbau wird überdeckt durch ein gut 20 Grad geneigtes Satteldach, mit einer Eindeckung wie beim Hauptdach. Die Traufausbildung entspricht etwa derjenigen der Rotunde. Die Giebelwand des Narthex reicht ein gutes Stück über seine Dachflächen hinaus. Sein Ortgang schließt mit der gleichen Neigung ab, wie die des dahinter befindlichen Dachs. Er wird oberseitig von leicht auskragenden Steinplatten abgedeckt, deren untere Sichtkanten mit einem Rollenfries ausgestattet sind. Die unteren Enden der Abdeckplatten sind mit ebensolchen Rollenfriesen ausgestattet, die dann noch ein kurzes Stück waagerecht auf die Giebelwandoberfläche reichen.

Knapp unter der Höhe der seitlichen Traufgesimse des Narthex ist auf der Giebelwand ein Gesims aus waagerechten Platten aus Hobelspankragsteinen wie bei den Traufen angeordnet, das ein Stück vor den Seitenkanten der Giebelwand endet. Oberhalb dieses Gesimses schmücken aufwändige Inkrustationen aus schwarzen und grauen Mosaikplatten das Giebelfeld.

Diese werden von kräftigen Kragprofilen gegliedert, die im Querschnitt dreieckig ausgebildet sind und deren Mitte von einer Rille markiert wird. In der Mitte des Giebelfeldes ist unmittelbar auf dem Kraggesims ein großes, auf die Ecke gestelltes Quadrat angeordnet. Das Quadrat wird ausgefüllt von einem grauen Kreis mit einer gleich großen Rosette aus schwarzen Rauten. Beidseitig des Quadrates befinden sich zwei polygonale Vierecke, deren innere Seiten aus den unteren schrägen Quadratseiten gebildet werden. Die Flächen werden ausgefüllt von vier Zeilen aus im Wechsel schwarzen und grauen Dreiecken. mini|hochkant|„Tatzenkreuz“ auf Narthexgiebel

mini|hochkant|Chambon-sur-Lac, Inneres aus Narthex Der First des Giebelfeldes wird von einem quadratischen „Tatzenkreuz“ bekrönt, dessen Arme breit aufgefächert und von einem großen Kreisring hinterlegt sind. Im Zentrum gibt es einen kleineren leicht vorspringenden Kreisring, der von einem kleineren einfachen Tatzenkreuz ausgefüllt ist. Die breiten Fächer der Arme des großen Kreuzes aus gefächerten Blattornamenten tragen in ihrer Mitte je eine Frucht, die einem Pinienzapfen gleicht, der von zwei kleinen Blattranken flankiert wird. Dieses Kreuz entspricht einer originalgetreuen Kopie der „Tatzenkreuze“ am Chorhaupt der nahen Prioratskirche Saint-Nectaire.