Merlau ist mit rund 1100 Einwohnern ein Ortsteil der Gemeinde Mücke im mittelhessischen Vogelsbergkreis und Sitz der Gemeindeverwaltung.

Geographische Lage Merlau liegt am Nordrand des Vogelsbergs und auf der linken westlichen Talseite des Seenbachs. Die Bebauung ist mit der des südlich angrenzenden Ortsteils Flensungen zusammengewachsen.

Die Gemarkungsfläche beträgt 748 Hektar, davon sind 314 Hektar bewaldet (Stand: 1961).

Ortsgeschichte mini|hochkant=1.20|Merla

Mittelalter Die Ersterwähnung von Merlau erfolgte in einem Kopiar aus dem Jahr 1199: „... dominus Eberhardus de Merlouwe ...“.Stephan Alexander Würdtwein: Dioecesis Moguntia. Band III. Mannheim 1777. Nr. 242, S. 355. Mit „dominus“ (Herr) wird ein Mitglied der in Merlau residierenden und regional bedeutenden Adelsfamilie von Merlau genannt. Ein weiteres Mitglied, nämlich „... Ekkehardus de Merlowe ...“ erscheint urkundlich 1261.Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band 1. Nr. 177, S. 135. Zudem ist 1284 „... Johannis frateris nostri de Merlawe ...“ (unseres Bruders Johannes von Merlau) urkundlich belegt.Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. Band 1, Nr. 246, S. 180. Ein Sohn des Hauses, Johann I. von Merlau, war von 1395 bis 1440 Fürstabt von Fulda. In einem weiteren Kopiar aus der Zeit um 1380 wird „... frater Rupertus de Merlau ...“Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1. Nr. 1292, S. 257. genannt.

Die Burg Merlau erscheint 1353: „... czu Mirlauwe in der burgk ...“Ludwig Baur: Hessische Urkunden. Band 1. Nr. 877, S. 595. Der Ortsname verweist auf die Ortslage in einer Bachaue. Das ahd. Wort auwa, mhd. ouwe, owe, nhd. Aue bezeichnet „Land am Wasser“.Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage Berlin 1967. bearbeitet von Walther Mitzka. S. 36. Wahrscheinlich ist als Bestimmungsname ein sogenannter Teilstreckenname des Seenbahcs gemeint. Die Silbe „mer“ ist in Gewässernamen häufig belegt, aber nicht eindeutig zu klären.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 253 f. S253.

Heinrich von Eisenbach, Erbmarschall von Hessen, bekennt am 11. April 1344, dass er dem Landgrafen Heinrich zu Hessen das Haus Merlau und die zugehörigen Gerichte zu Felda und Bobenhausen, die dieser ihm verpfändet hat, wieder zum Einlösen geben wolle, nur sei der Petershagen ausgenommen, den ihm der Landgraf zu seinem Burglehn gegeben hatte.Helfrich Bernhard Wenck: Hessische Landesgeschichte. Band 2. S. 359, Note Extr.;Heinrich Eduard Scriba: Regesten der bis jetzt gedruckten Urkunden der Landes- und Ortsgeschichte des Großherzogtums Hessen. Band 2: Die Regesten der Provinz Oberhessen enthaltend. 1849, Nr. 1371. Neuzeit In einem Salbuch wird 1573 der Ortsname „Mörlaw“ erwähnt.Eduard Edwin Becker: Die Salbücher des Kreises Alsfeld. Alsfeld 1940. S. 151.

Im Merlauer Vertrag von 1582 einigten sich Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel und der Mainzer Erzbischof Wolfgang von Dalberg über schon lange schwelende Grenzkonflikte zwischen Kurmainz und der Landgrafschaft, wobei fast alle noch verbliebenen Mainzer Besitzungen in Nordhessen endgültig an die Landgrafschaft fielen, dafür jedoch Hessen-Kassel seine Ansprüche im Eichsfeld aufgab.Friedrich P. Kahlenberg: Konsolidierung und Arrondierung des Territorialstaates in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Der Merlauer Vertrag von 1582 zwischen Hessen und Mainz. In: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte. 14, 1964, ISBN 3-921254-14-0.

In der Topographia Germaniae von Matthäus Merian von 1646/1655 wird Merlau wie folgt beschrieben:

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Merlau:

und über den Weiler Kirschgarten:

In Merlau – ebenso wie in der 1939 nach dort eingemeindeten Gemeinde Kirschgarten – galt der Stadt- und Amtsbrauch von Grünberg als Partikularrecht. Das Gemeine Recht galt nur, soweit der Amtsbrauch keine Bestimmungen enthielt. Dieses Sonderrecht alten Herkommens behielt seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert, bis es zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst wurde.Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 67, Anm. 40 und S. 103.

Am 1. April 1939 wurde die Gemeinde Kirschgarten eingegliedert.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten die bis dahin selbständigen Gemeinden Flensungen und Merlau im Landkreis Alsfeld zum 1. September 1970 freiwillig zur neuen Gemeinde Mücke. Nach Eingliederung einer Reihe weiterer Gemeinden in die Gemeinde Mücke wurde für Flensungen und Merlau der gemeinsame Ortsbezirk Mücke eingerichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Merlau angehört(e):

Vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Landgericht Grünberg ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Grünberg, Landgericht GrünbergDie Zugehörigkeit des Amtes Grünberg anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Grünberg, Landgericht Grünberg 1787 und später: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Grünberg, Landgericht Grünberg ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Amt Grünberg ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung., Provinz Oberhessen, Amt Grünberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GrünbergTrennung von Justiz (Landgericht Grünberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1867: Norddeutscher BundDer Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied., Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1938: Deutsches Reich, Landkreis AlsfeldIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1970: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Gemeinde MückeAm 1. September 1971 wurde Flensungen und Merlau zur neu gebildeten Gemeinde Mücke zusammengeschlossen. ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Gemeinde Mücke ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Gemeinde Mücke

Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Merlau das „Amt Grünberg“ zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht das für Merlau zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Grünberg, Merlau wurde dem Amtsgericht Alsfeld zugelegt. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Bevölkerung Einwohnerentwicklung • 1791: 316 (Kirschgarten 38) Einwohner • 1800: 316 (Kirschgarten 43) Einwohner • 1806: 312 (Kirschgarten 27) Einwohner, 60 (Kirschgarten 7) Häuser • 1829: 421 (Kirschgarten 48) Einwohner, 78 (Kirschgarten 9) Häuser • 1867: 376 (Kirschgarten 65) Einwohner, 72 (Kirschgarten 10) bewohnte Gebäude • 1875: 378 (Kirschgarten 57) Einwohner, 72 (Kirschgarten 10) bewohnte Gebäude

Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Merlau 1134 Einwohner. Darunter waren 18 (1,6 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 171 Einwohner unter 18 Jahren, 439 zwischen 18 und 49, 279 zwischen 50 und 64 und 237 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 483 Haushalten. Davon waren 123 Singlehaushalte, 174 Paare ohne Kinder und 135 Paare mit Kindern, sowie 42 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 108 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 318 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Religion mini|Die Katholische Kirche in Merlau

Bereits in vorreformatorischer Zeit diente die Vorgängerkirche als Pfarrkirche. Eingepfarrt waren Kirschgarten und Weickartshain. Daneben gab es noch die Schlosskirche der Burg Merlau. Merlau unterstand dem Sendbezirk in Nieder-Ohmen, bildete 1577 aber ein eigenes Gericht. Kirchlich war es im Archidiakonat St. Stephan der Erzdiözese Mainz zugeordnet.Wilhelm Classen: Die kirchliche Organisation Alt-Hessens im Mittelalter samt einem Umriß der neuzeitlichen Entwicklung. Elwert, Marburg 1929, S. 90–91. Nach der Reformation 1536 hatte Merlau als ersten lutherischen Pfarrer.

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 402 evangelische (= 95,49 %), 12 jüdische (= 2,85 %), ein katholischer Einwohner • 1961: 817 evangelische (= 83,11 %), 141 katholische (= 14,34 %) Einwohner

Evangelisch

In Merlau gibt es eine Evangelische Kirchengemeinde,

Katholisch

die Katholische Kirchengemeinde St. Johannes Evangelist, Mücke-Merlau, Flensunger Weg 57

und eine Neuapostolische Gemeinde.

Als das Schloss im 19. Jahrhundert aufgrund von Baufälligkeit abgerissen wurde, fanden Steine beim Bau der Merlauer Kirche (1853–1857) Wiederverwendung.

Politik Ortsbeirat