Als Lübecker Stadtteilkinos werden die Lübecker Kinos bezeichnet, die sich außerhalb der Lübecker Altstadt befanden.

Hintergründe Die Stadtteilkinos entstanden mehrheitlich nach dem Zweiten Weltkrieg, als Lübeck sich zur Flächenstadt entwickelte. Fast alle Lichtspielhäuser waren in der Altstadt konzentriert, was den Bewohnern der meisten Stadtteile in einer Zeit geringer individueller Mobilität und schlechter Nahverkehrsanbindungen den Kinobesuch erschwerte. Da die zuvor nur dünn besiedelten alten Vorstädte durch den Zustrom von Kriegsflüchtlingen erheblich angewachsen waren (Lübecks Einwohnerzahl hatte sich gegenüber dem Vorkriegsstand nahezu verdoppelt, und die meisten der Neubürger lebten in den neu entstehenden ausgedehnten Wohngebieten der verschiedenen Stadtteile), entstanden hier Kinos, die vorwiegend auf die Bewohner der näheren Umgebung ausgerichtet waren.

Bis Anfang der 1960er Jahre konnten die Stadtteilkinos fest auf den Zuspruch des Publikums zählen. Die zunehmende Konkurrenz durch andere Unterhaltungsangebote, höhere Mobilität und Unzufriedenheit mit dem Filmangebot (in den Stadtteilkinos wurden zumeist nur Filme gezeigt, die in den größeren Innenstadtkinos bereits gelaufen waren) sorgten ab etwa 1962 für einen stetigen Rückgang der Zuschauerzahlen, der durch eine allgemeine Krise der Kinos verstärkt wurde. 1983 schloss das letzte Stadtteilkino Lübecks.

Eine Reihe von ehemaligen Lichtspielhäusern, die durch ihre Lage knapp außerhalb der Altstadt eigentlich als Stadtteilkinos angesehen werden müssten, werden wegen ihrer Größe oder Bedeutung dennoch zu den Innenstadtkinos gezählt: Die Holstentor-Lichtspiele, die Burgtor-Lichtspiele und die Lichtspiele Hoffnung. Die Camera stellte einen Grenzfall dar, da ihr gehobenes Filmprogramm nicht dem eher anspruchslosen Unterhaltungsprogramm der übrigen Stadtteilkinos entsprach.

Kinematograph Waisenhof Die Gastwirtschaft Waisenhof in der Fackenburger Allee 56 zählte zu den ältesten Gaststätten der Vorstadt St. Lorenz. In dem zugehörigen Festsaal richtete der Eigentümer, Stefan von Robowski, ein Kino mit 200 Plätzen ein, das am 9. März 1907 eröffnete und somit zu den frühesten Lichtspielhäusern Lübecks gehörte und zugleich das erste Stadtteilkino darstellte, da die übrigen ortsfesten Kinos sich ausnahmslos in der Altstadt befanden.

Anhand der vorhandenen Zeitungsanzeigen lässt sich nachvollziehen, dass für einige Monate ein täglicher Spielbetrieb stattfand. Danach werden die Anzeigen sporadischer und versiegen schließlich, was jedoch nicht zwangsweise auf eine Einschränkung oder Einstellung des Kinobetriebs hindeuten muss.

Ab Juli 1910 war Gustav Gipp neuer Besitzer der Gastwirtschaft; es gibt keine Hinweise, dass er den Lichtspielbetrieb fortsetzte. Nach seinem Tod 1913 führte seine Witwe Anna Gipp das Lokal weiter. Da ihr im Dezember 1914 die Konzession als Tanzlokal entzogen wurde, nahm sie stattdessen den Kinobetrieb wieder auf. Nachdem ihr ein halbes Jahr später die Konzession wieder erteilt wurde, stellte sie am 22. Mai 1915 die Kinovorführungen endgültig ein. Nach dem Ersten Weltkrieg war der Saal nur noch gelegentlich Spielstätte für Wanderkinos.

Hochofen-Lichtspiele Siehe Hochofen-Lichtspiele.

Filmbühne Schlutup In dem abgelegenen Stadtteil Schlutup, dessen Bewohner die Kinos der Innenstadt nur unter großem Aufwand erreichen konnten, veranstaltete Karl Böge im Saal seines Gasthofs Weißer Schwan (Am Schlutuper Markt 1) ab Mitte der 1920er Jahre Filmvorführungen. Bis Ende 1937 fanden dort an bis zu zwei Tagen in der Woche Kinovorstellungen statt.

Im Verlauf des Jahres 1937 ließ das Ehepaar Karl und Marie Walther, das bereits das Kino im Travemünder Hotel Deutscher Kaiser betrieb (siehe Kurlichtspiele) und seit sechs Jahren die Kinovorstellungen im Weißen Schwan ausgerichtet hatte, den Gasthof Zur Post (Mecklenburger Straße 37), der über einen angemessen großen Veranstaltungssaal verfügte, zu einem festen Lichtspieltheater mit 300 Plätzen umbauen. Die Eröffnung der Filmbühne Schlutup fand am 1. Januar 1938 statt.

1939 verkauften die Walthers die Filmbühne Schlutup zusammen mit dem Travemünder Kinobetrieb an Hans und Charlotte Kuhnt, die das Lichtspieltheater 21 Jahre lang führten. 1960 verpachteten sie es zusammen mit drei weiteren Stadtteilkinos, die sich in ihrem Besitz befanden – den Kurlichtspielen, dem Film-Eck und den Rex-Lichtspielen – an Albert Kieft und Wilhelm Grießhammer, die Betreiber der Lichtspiele Hoffnung. Ende Juni 1964 schloss die Filmbühne Schlutup. Das Gebäude wurde später abgerissen; an seiner Stelle befindet sich heute ein Supermarkt.

Gloria (1946–1969) Zu Beginn des Jahres 1946 beantragte Rudi Scholz die Genehmigung, im Veranstaltungssaal einer ehemaligen Gaststätte in der Marlistraße 18 auf Marli ein Kino einrichten zu dürfen. Er begründete seinen Antrag damit, dass die meisten Kinos Lübecks entweder zerstört oder von der Besatzungsmacht beschlagnahmt waren, was eine starke Unterversorgung zur Folge hatte. Zudem verwies er darauf, dass Marli mit 20.000 weitgehend immobilen Einwohnern eines eigenen leicht erreichbaren Kinos bedurfte. Der Antrag wurde daraufhin genehmigt, und am 29. November 1946 eröffnete das Lichtspieltheater mit 213 Plätzen unter dem Namen Marli-Lichtspiele. Bereits fünf Wochen darauf hatten 27.000 Zuschauer die Vorstellungen besucht.

Die Eröffnung des weitaus moderneren Gloria im gleichen Stadtteil im Jahre 1954 ließ die Situation der Marli-Lichtspiele, die in der spartanischen Einfachheit der unmittelbaren Nachkriegszeit ausgestattet und daher weitaus weniger attraktiv waren, schwierig werden. Im April 1958 übernahmen Minna Kirch und Bernhard Kuyper, die Besitzer des Innenstadtkinos City, das Lichtspielhaus und benannten es in Kurbel um. Kirch und Kuyper benötigten die Kurbel vorwiegend, um als Betreiber zweier Kinos in einer stärkeren Position gegenüber Filmverleihern auftreten zu können; an einer Steigerung der Attraktivität des Theaters, dem sie wenig Beachtung schenkten, hatten sie kein Interesse. Da weder eine Modernisierung noch eine Renovierung durchgeführt wurden, verfiel das vernachlässigte Kino in den Folgejahren.

Im Januar 1964 ging die Kurbel an Gustav Riechey über, der seit 1958 das Hansa betrieb. Riechey änderte den Namen des Kinos in Gloria und beabsichtigte zunächst, das Lichtspielhaus wieder zu einem populären Stadtteilkino zu machen. Aus Mangel an Zeit und Geld, die für eine intensive Beschäftigung mit diesem Vorhaben nötig gewesen wären, verzichtete er aber auf diese Pläne und betrieb das Gloria wie vor ihm Kirch und Kuyper, wobei er nur noch Filme zeigte, die für eine Vorführung im Hansa nicht mehr von Interesse waren. Zuletzt machte Riechey das Gloria zum Kino für Gastarbeiter, ehe er es zu Beginn des Jahres 1969 endgültig schloss.

Filmbühne Eichholz Seit dem Sommer 1948 fanden im Gemeinschaftshaus der Siedlungsgemeinschaft Eichholz in Eichholz – der ehemaligen Küchenbaracke eines im Kriege errichteten Kriegsgefangenenlagers – an zwei bis drei Tagen in der Woche regelmäßige Kinovorführungen statt. Bespielt wurde die äußerst spartanisch eingerichtete Filmbühne Eichholz (Hirschpaß 27a) mit 215 Holzstühlen, die zu jeder Vorstellung auf- und wieder abgebaut werden mussten, zunächst vom Hamburger Nordlicht-Filmdienst, später von der gleichfalls in Hamburg ansässigen Volksfilm GmbH.

In den späten 1950er Jahren gingen die Zuschauerzahlen der Filmbühne Eichholz zurück, da der mangelnde Komfort, die geringe Qualität der Vorführungen mit betagten Ernemann-I-Filmprojektoren und das Filmangebot angesichts der attraktiveren Konkurrenz keinen Zuspruch mehr fanden. Der unrentable Kinobetrieb wurde eingestellt, bis der Wanderkino-Unternehmer Erwin Steuber zu Beginn der 1960er Jahre die Filmbühne übernahm. Aber trotz einer umfassenden Renovierung und neuer technischer Ausrüstung stellte sich kein dauerhafter Erfolg ein. Ende 1963 stellte er den Betrieb der Filmbühne Eichholz ein. Das ehemalige Gemeinschaftshaus ist heute Vereinsgebäude eines Tanzsportclubs.

Filmbühne Moisling Seit den 1920er Jahren fanden im Veranstaltungssaal der Moislinger Gaststätte Kaffeehaus Moisling (heute August-Bebel-Straße 1) regelmäßige Filmvorstellungen statt, ausgerichtet von Maria Wegner, der Betreiberin der Lichtspiele Fackenburg in Stockelsdorf. Während des Zweiten Weltkriegs fanden keine Vorführungen statt, da der Saal als Sammelunterkunft für polnische Zwangsarbeiterinnen diente, die im Drägerwerk arbeiteten.

Der gelernte Filmvorführer und Wanderkino-Unternehmer Erich Freelandt richtete im August 1948 den Saal als ortsfestes Kino her, indem er einen Vorführraum einbauen und 195 Sitzplätze installieren ließ. Im September 1948 eröffnete das Lichtspielhaus als Filmbühne Moisling. 1951 übergab er den Betrieb an Otto Wilken, gleichfalls ein Wanderkino-Unternehmer. Wilken führte die Filmbühne Moisling als Wochenendkino parallel zu seinem weiterhin bestehenden Wanderunternehmen; nur gelegentlich wurde bei besonders erfolgreichen Filmen eine zusätzliche Vorstellung an einem Wochentag angesetzt.

Ab der zweiten Hälfte der 1950er Jahre gingen die Besucherzahlen, einem sich langsam einstellenden allgemeinen Trend folgend, stetig zurück und machten es Wilken zunehmend schwer, das Kino kostendeckend zu betreiben. Mitte 1964 schloss er die Filmbühne. Das Gebäude wurde zu einer Diskothek, war dann über viele Jahre ungenutzt und stürzte am 18. Oktober 2013 ein.

Hansa Der mit seiner Familie aus Eisenach geflüchtete Helmuth Draguhn, der bis dahin keine Verbindung zum Kinowesen hatte, erhielt im Sommer 1947 die behördliche Genehmigung, das als Lagerhalle genutzte Gebäude der ehemaligen Hansa-Brauerei (Fackenburger Allee 100) in St. Lorenz-Nord zum Lichtspieltheater umzubauen. Wegen der allgemeinen Mangelsituation der Nachkriegszeit nahmen die Arbeiten über ein Jahr in Anspruch, bis am 20. Juni 1948 (dem Tag vor der Währungsreform) die Hansa-Lichtspiele eröffnen konnten.

Im Oktober 1958 übernahm Gustav Riechey, ein Wanderkino-Unternehmer aus Peine, der auf den Betrieb eines ortsfesten Kinos umsteigen wollte, das Hansa von Draguhn. Riechey stellte bald fest, dass er als Betreiber eines Einzelkinos in einer schwachen Position gegenüber den Filmverleihern war und erwarb daher zusätzlich im Mai 1960 die Schauburg in Bad Schwartau und im Januar 1964 die Kurbel, die er in Gloria umbenannte. Da im Verlauf der 1960er Jahre die Zahl der Kinobesucher allgemein erheblich zurückging, begann Riechey sich schrittweise aus dem Kinogeschäft zurückzuziehen, während er parallel einen Campingplatz auf Fehmarn errichtete. Im Herbst 1968 trennte er sich zunächst vom Lichtspielhaus in Bad Schwartau, im folgenden Jahr dann vom Gloria.

Am 1. Januar 1970 übernahm der Hamburger Heinrich Brockstedt das Hansa und führte es fünf Jahre, bis er es Ende 1975 an Artur Mest, den Besitzer des Zentral, übergab. Mest wiederum verpachtete das Kino ab dem 1. Januar 1981 an Thomas Geisler (heute Betreiber des Theaters im früheren Mest-Kino Zentral), der trotz geringer Zuschauerzahlen versuchte, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Im März 1981 machte er das Hansa unter dem neuen Namen Hansa-Residenz zum sogenannten Servicekino, ohne damit den negativen Trend aufhalten zu können. Anfang 1983 wurde das Kino geschlossen und nach drei Jahren der Nichtnutzung 1986 zu einem bis heute bestehenden Fitnessstudio umgebaut.

Ultra-Lichtspiele Seit dem Frühjahr 1948 suchte die Verwaltung des Stadtteils Kücknitz Interessenten, die bereit waren, den Veranstaltungssaal des Dieckelmannschen Gasthofes (Travemünder Landstraße 241) zum Kino umzubauen und zu betreiben. Der Bedarf nach einem eigenen Lichtspieltheater war groß, denn die 25.000 Einwohner von Kücknitz konnten wegen der großen Entfernung und der noch geringen Mobilität die in der Innenstadt konzentrierten Kinos nur schwer erreichen.