Pendik [] ist ein Stadtbezirk auf der asiatischen Seite Istanbuls und gleichzeitig Landkreis und Gemeinde der Provinz Istanbul. Pendik liegt zwischen den Stadtteilen Kartal und Tuzla und besitzt im Süden einen 7,5 km langen Küstenstreifen am Marmarameer.

Pendik hat sich in den letzten 60 Jahren von einem kleinen Fischerdorf und einer ländlichen Region zu einem der am schnellsten wachsenden Außenbezirke Istanbuls entwickelt. Lebten in den 1950er Jahren noch weniger als 10.000 Menschen im Landkreis, so kam es zunächst durch Zuwanderung und später durch die Eröffnung einer Werft (türkisch Pendik Tersanesi) in den 1980er Jahren zu einer regelrechten Bevölkerungsexplosion. Pendik hat 726.481 Einwohner (Stand Ende 2020). Die türkische Marine betreibt hier einen Stützpunkt.

Durch die Industrialisierung des Ortes und der Region verloren der vormals dominierende Fischfang und die Landwirtschaft an Bedeutung. 2008 gab es etwa 6000 gewerbliche Betriebe in Pendik, davon etwa zu einem Drittel Produktionsbetriebe. Im Rahmen des Entwicklungsprojektes „Industriepark der fortgeschrittenen Technologie“ wurde 2001 in Pendik der zweite internationale Flughafen Istanbuls, der Flughafen Istanbul-Sabiha Gökçen, eröffnet.

Geographie Geographische Lage mini|Lage des Landkreises Pendik in der Provinz İstanbul

Pendik liegt an der östlichen Küste von Istanbul und befindet sich in der Marmararegion. Im Südosten grenzt es an Tuzla, im Osten an Gebze, im Norden an Şile und Çekmeköy und im Westen an Kartal, Sancaktepe und Sultanbeyli. Das Marmarameer bildet im Süden eine 7,5 km lange natürliche Grenze.

Pendik befindet sich nördlich der Nordanatolischen Verwerfung, die sich bis zum Marmarameer erstreckt. Durch die Transformstörung kam es zwischen 1711 und 1894 zu 66 größeren Erdbeben. Das letzte große ereignete sich 1999 in İzmit und forderte 17.480 Menschenleben (davon 981 aus Istanbul).

Ömerli-Stausee mini|„Ömerli Barajı“

An den Norden Pendiks grenzt einer der fünf Stauseen Istanbuls, der Ömerli Barajı, der vom Riva, einem der größten Flüsse in Istanbul, gespeist wird. Er liegt 52 Meter über dem Meeresspiegel, hat eine Fläche von 23,10 km² und ein Volumen von 386,50 hm³. Er umfasst ein Einzugsgebiet von 621 km². Die Talsperre wurde zwischen 1968 und 1973 errichtet, um die Trinkwasserversorgung der Region zu stabilisieren und 48 % (180 hm³) des Trinkwassers kommt aus diesem Stausee.

Pavli-Bucht mini|„Pavli Burnu“

Die Pavli-Bucht wird durch die Pavli-Halbinsel (türk. Pavli Adası) und Pavli-Landzunge (türk. Pavli Burnu) gebildet. Bei der Pavli-Halbinsel handelte es sich ursprünglich um eine kleine Insel, die jedoch durch einen etwa 250 m langen Wellenbrecher, der gleichzeitig als Straße verwendet wird, mit dem Festland verbunden wurde. Die Insel war in byzantinischer Zeit ein beliebter Ort im Sommer und trug den Namen Mavronisi. Die Pavli-Landzunge befindet sich etwa 500 m südöstlich der Halbinsel. Der ursprüngliche Name der Landzunge lautet Paulo Petriocene. Dort befanden sich eine Kirche und ein Kloster, das zu Ehren der Apostel Petrus und Paulus errichtet wurde. Die Landzunge wurde um einen etwa 650 m langen Wellenbrecher erweitert, der die dort liegende Werft vor Wellen aus südlicher Richtung schützen soll. Die Öffnung der so entstandenen Bucht ins offene Meer ist etwa 260 m breit.

Gliederung (Bis) Ende 2012 bestand der Landkreis aus der Kreisstadt und fünf Dörfern (Köy), die während der Verwaltungsreform 2013/2014 in Mahalle (Stadtviertel/Ortsteile) überführt wurden. Die 31 bestehenden Mahalle der Kreisstadt blieben erhalten und dadurch stieg die Anzahl der Mahalle auf 36. Ihnen steht ein Muhtar als oberster Beamter vor.

Ende 2020 lebten im Durchschnitt 20.180 Einwohner in jedem Mahalle, die bevölkerungsstärksten sind Kavakpınar Mah. (63.274) und Yenişehir Mah. (62.447). Drei Mahalle haben unter 1.000 Einwohner.Mahallelere göre İstanbul Pendik nüfusu, abgerufen am 12. Juli 2021İstanbul Pendik'in Mahalleleri – Pendik mit seinen Mahalle (mit interaktiver Karte)

Klima Pendik befindet sich am Rande der gemäßigten Zone und der subtropischen Zone und weist ein Übergangsklima zwischen dem Seeklima und dem Mittelmeerklima auf. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 14,2 °C und die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge 690,7 mm.

Der wärmste Monat ist der Juli mit 23,5 °C im Mittel, der kälteste der Januar mit durchschnittlich 5,8 °C. Der meiste Niederschlag fällt im Monat Dezember mit 114,2 mm im Mittel, der wenigste im Juli mit durchschnittlich 22,0 mm.

In Pendik herrscht das ganze Jahr über der Nordostwind Poyraz und in geringerem Maße der Südwestwind Lodos vor. Der Poyraz bringt kalte und trockene Luft. Der Lodos bringt dagegen warme und feuchte Luft, mit heftigen Sturmböen und Regenfällen. Das Wort „Lodos“ kommt aus dem Türkischen und ist an das Griechische Wort „Notus“ angelehnt, was ursprünglich „Südwind“ bedeutet.

Im langjährigen Mittel gibt es jährlich nur 15,8 Schneefalltage, 9,3 Schneedeckentage und nur 12,7 Nebeltage. Die tiefste bisher festgestellte Temperatur betrug −13,9 °C und stammt vom 17. Januar 1963. Der Hitzerekord beträgt 40,5 °C und wurde am 11. August 1970 gemessen.

Geschichte

mini|Wohnhäuser, 1960 mini|Küste, 1981

Entwicklung des Namens Bei dem türkischen Ortsnamen Pendik handelt es sich um eine Deformation des griechischen Ortsnamens Panteichion.Raymond Janin: Constantinople byzantine. 2. Auflage Paris 1964, S. 502.

Neolithikum und Bronzezeit Frühe Funde (beispielsweise aus Temenye Höyük) deuten auf eine Besiedlung der Region im Epipaläolithikum hin. In Fikirtepe bei Kadıköy konnten Grabungen die Anwesenheit von Fischern und Jägern anhand ihrer ovalen und rechteckigen Häuser aus Lehmgeflecht belegen. Die Stätte gab der Fikirtepe-Kultur den Namen, der neben dem Hauptfundort auch Pendik, Ihpinar (bei İznik) und Mentese angehören.Ivan Gatsov: Prehistoric Chipped Stone Assemblages from Eastern Thrace and the South Marmara Region 7th-5th mill. B.C. John and Erica Hedges, Oxford 2009, S. 13. Die spätneolithische Keramik von Fikirtepe fand westwärts bis nach Thessalien Verbreitung.Christian Marek, Peter Frei: Geschichte Kleinasiens in der Antike. Beck, München 2010, S. 82.

Bithynien und Römisches Reich Nach HerodotHerodot, 7, 75. wanderten die Thyni und Bithyni, zwei thrakische Stämme, in das Gebiet ein, das später das Königreich Bithynien bildete, zu dem Pendik gehörte. Im 6. Jahrhundert v. Chr. fiel ihr Reich an Lydien, doch dessen König Krösus unterlag 546 v. Chr. den Persern. Damit wurde das Gebiet Teil der Satrapie Phrygien. Als Alexander der Große das Perserreich eroberte, gelang es den Bithyniern, ihre Unabhängigkeit zu bewahren, 297 v. Chr. wurde es ein Königreich. 264 v. Chr. entstand die Hauptstadt Nikomedia. Der letzte bithynische König Nikomedes IV. vermachte sein Reich im Jahr 74 v. Chr. den Römern. Danach teilte der Ort das politische Schicksal des römischen wie des byzantinischen Reiches. In Panteichion wurden mehrfach Hinrichtungen durchgeführt, so im Jahr 399 die des Eutropius,Alan Cameron, Jacqueline Long: Barbarians and Politics at the Court of Arcadius, University of California Press 1993, S. 318. des Konsuls und Beraters des oströmischen Kaisers Arcadius oder die des Hunnen Tarrach.Theodor Mommsen: Bruchstücke des Johannes von Antiochia und des Johannes Malalas, in: ders.: Gesammelte Schriften, Bd. 7, Georg Olms, 1994, S. 710–750, hier: S. 743 (zuerst erschienen 1872). Der Feldherr Kaiser Justinians I., Belisar, besaß in Pendik eine Villa oder zumindest Land, wie Prokop berichtet.

Byzanz und das Osmanische Reich Im Jahr 1079 eroberten die Seldschuken die Stadt, ehe sie um 1086 vom Byzantinischen Reich zurückerobert wurde. Unter byzantinischer Herrschaft führte die Stadt den Namen Pantikion bzw. Pentikion. Von 1306 bis in die 1320er Jahre gab es immer wieder Schlachten zwischen Byzanz und dem Osmanischen Reich um die Region. Um 1328 eroberte das Osmanische Reich unter Orhan Gazi mit Einnahme der Burg von Aydos und des Palasts von Damatrys die Stadt wieder zurück. Etwa 4,5 km östlich des Stadtzentrums liegt die nach dem Eroberer und osmanischen Herrscher benannte Gemeinde Orhangazi.

Zur osmanischen Zeit war Pendik ein zu Gebze gehörendes Dorf, später eine Gemeinde von Üsküdar und Sandschak Kartal.

Seither war Pendik ein kleines Fischerdorf. In Pendik gab es drei große Feuer zwischen 1878 und 1889. Das folgenschwerste ereignete sich im Jahr 1889, das Schätzungen zufolge etwa 1.200 Haushalte und Läden zerstörte. Die Stadt wurde daraufhin auf Wunsch des Stadtrats nach Plänen von Pariser Architekten und Ingenieuren neu errichtet.

Türkische Republik mini|Grenzen der Türkei nach dem Vertrag von Lausanne Am 30. Januar 1923 wurde im Vertrag von Lausanne zwischen Griechenland und der Türkei ein Bevölkerungsaustausch vereinbart. Auf Grund dieser Konvention wurde die in Kleinasien ansässige griechisch-orthodoxe Bevölkerung nach Griechenland ausgewiesen, die muslimische Bevölkerung Griechenlands musste in die Türkei auswandern. Dadurch wurde Pendik von einem griechischen zu einem türkischen Ort.

Am 4. Juli 1987 wurde im türkischen Amtsblatt Nr. 19507 verkündet, dass Pendik zum 11. August 1988 von Kartal abgetrennt und ein eigenständiger Landkreis wird. Durch das Gesetz Nr. 3806 wurde im Jahr 1992 der südlicher gelegene neue Landkreis Tuzla gebildet, Pendik verlor dabei etwa 40 % seines Territoriums.Gesetz Nr. 3806, erschienen am 3. Juni 1992 im Amtsblatt 21247; PDF-Datei

Einwohnerentwicklung Demographische Veränderungen mini|Einwohnerentwicklung (1935–2011)

Bis 1923 bestand die Bevölkerung von Pendik fast ausschließlich aus Griechen. Nach dem Vertrag von Lausanne waren diese 1923/24 gezwungen, Pendik zu verlassen. Die griechische Bevölkerung, die Pendik verließ, gründete in der Nähe von Thessaloniki eine gleichnamige Siedlung. Im Zuge des Bevölkerungsaustausches kamen hauptsächlich Bewohner aus Drama und Ioannina nach Pendik. Ab 1923 siedelten viele Menschen aus Anatolien nach Pendik über. In den 1950er Jahren war ein rasches Bevölkerungswachstum zu verzeichnen. Aus Ostmakedonien und Thrakien, Epirus sowie Bosnien und Herzegowina gab es viele Zuwanderer. Zwischen 1960 und 1970 wurde daraufhin der Bahnhof Pendik errichtet. In den 1980er Jahren gab es eine Bevölkerungsexplosion,Einwohnerentwicklung von Pendik auf die auf die Eröffnung der Werft in Pendik (türk. Pendik Tersanesi) im Juli 1982 zurückzuführen ist. Im Jahr 2011 lebten in Pendik 609.535 Menschen, von denen 300.016 Frauen und 309.519 Männer waren. Davon leben 3.628 Menschen in Dörfern.

Dokumentierte Einwohnerangaben Die linke Tabelle zeigt die Ergebnisse der Volkszählungen für das Dorf bzw. die Gemeinde Pendik im Kreis Kartal, die E-Books der Originaldokumente entnommen wurden. Diese können nach Suchdateneingabe von der Bibliotheksseite des TÜIK heruntergeladen werden.Bücherei des Türkischen Statistikinstituts TÜIK

Die rechte Tabelle zeigt die Bevölkerungsfortschreibung des Kreises/Stadtbezirks Pendik und den prozentuellen Anteil der Dörfer bis zur Verwaltungsreform von 2013, bei der alle Dörfer in Mahalle umgewandelt wurden. Die Daten wurden durch Abfrage über das MEDAS-System des Türkischen Statistikinstituts TÜIK nach Auswahl des Jahres und der Region ermittelt.Merkezi Dağıtım Sistem

Jahr Einwohner Volkszählung 1935 3.514 1940 4.172 1945 5.980 1950 7.910 1955 8.673 1960 13.963 1965 19.216 1970 27.494 1975 38.384 1980 48.219 1985 150.850 Jahr Kreis StadtŞehir ländl. Anteil (%) Volkszählung 1990 295.651 289.380 2,12 2000 389.657 384.668 1,28 Bevölkerungsfortschreibung 2007 520.486 517.624 0,55 2008 541.619 538.065 0,66 2009 562.122 558.485 0,65 2010 585.196 581.633 0,61 2011 609.535 605.907 0,60 2012 625.797 622.200 0,57 2013 646.375 646.375 alleDörfereingem. 2014 663.569 663.569 2015 681.736 681.736 2016 691.681 691.681 2017 698.260 698.260 2018 693.599 693.599 2019 711.894 711.894 2020 726.481 726.481

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