mini|Schloss Vitzenburg über dem Unstruttal Schloss Vitzenburg ist ein Renaissance- und Neorenaissanceschloss an der Unstrut im gleichnamigen Ortsteil der Stadt Querfurt im Saalekreis in Sachsen-Anhalt, das auf eine wohl im 9. Jahrhundert gegründete Burg zurückgeht.

Beschreibung der Lage und Baugestalt mini|Eingangstor zum Schloss Vitzenburg mini|Schlosshof mini|Detail des Schlosses (2012) Die Anlage liegt auf einem nach Westen vorspringenden Bergsporn über der Unstrut südwestlich des Dorfes. Nördlich unterhalb der ehemaligen Hauptburg an der Stelle des heutigen Schloss befindet sich eine Terrasse, die der Rest eines alten Umfassungsgrabens sein könnte.Paul Grimm 1958, S. 281.

Geschichte und Baugeschichte Die Anfänge der Burg in karolingischer und ottonischer Zeit In dem zwischen 881 und 899 entstandenen Zehntverzeichnis des Klosters Hersfeld werden sowohl der zehntpflichtige Ort als auch die Vizenburg selbst im Friesenfeld erstmals urkundlich erwähnt.UB Hersfeld I, 1 Nr. 37. 979 wurde das castellum Uitzanburch zusammen mit den anderen bereits im Hersfelder Zehntverzeichnis (außer der Seeburg) in einer in der Pfalz Allstedt ausgestellten Urkunde Kaiser Ottos II. erneut genannt, als der Kaiser den hier erhobenen Zehnten im Friesenfeld und Hassegau dem wenige Jahre zuvor gegründeten Kloster Memleben übertrug.MGH DD O II 191 = .UB Hersfeld I, 1 Nr. 60. Zur Größe und Gestalt dieser frühen Burg ist jedoch nichts bekannt, da Baubefunde aus dem frühen Mittelalter oberirdisch nicht erhalten sind, moderne archäologische Ausgrabungen noch ausstehen und archäologische Funde aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert verschollen sind.

Die Gründung eines Nonnenklosters im Jahr 991 Vor 991 gründeten der Edle Brun, der wohl dem Personenverband der Billinge zugewiesen werden kannReinhard Wenskus: Sächsischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, 93). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1976, ISBN 3-525-82368-1, S. 241. Zustimmend zuletzt unter anderem Caspar Ehlers: Die Integration Sachsens in das fränkische Reich (751–1024) (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte. Bd. 231). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 3-525-35887-3, S. 180. und seine Frau Adilint ein Frauenkloster, das das Patrozinium St. Maria und Dionysius trug. Vermutlich standen raumbezogene Überlegungen des Familienverbandes der Billinge bei der Gründung im Vordergrund, zumal Graf Billing bereits 962/63 im nahegelegenen Bibra ein Benediktinerkloster gestiftet hatte. Der reformatorische Theologe Cyriakus Spangenberg gab in seiner 1590 veröffentlichten Querfurtischen Chronica an, das Nonnenkloster in Vitzenburg sei bereits 626 in der Regierungszeit des Merowingerkönigs Dagoberts I. in einer fränkischen Burg gegründet worden. Diese Annahme, die mit der noch bis ins 20. Jahrhundert nahezu einhellig vertretenen Lokalisierung des Zentrums des Thüringerreiches an der Unstrut um Burgscheidungen zusammenhängt, ist zweifellos eine gelehrte Erfindung des 16. Jahrhunderts, für die es keinerlei Beleg gibt. Eine merowingerzeitliche Klostergründung in diesem Raum kann ausgeschlossen werden.Vgl. die ebenfalls lange Zeit Dagobert I. zugesprochene Gründung des Petersklosters in Erfurt – angeblich im Jahr 706: Matthias Werner: Die Gründungstradition des Erfurter Petersklosters (= Vorträge und Forschungen. Sonderbd. 12). Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1973, ISBN 3-7995-6672-4, hierzu v. a. S. 24 f.:

In einer wiederum in der Pfalz Allstedt am 19. Januar 991 ausgestellten Urkunde bestätigte der zehnjährige König Otto III. auf Wunsch seiner Mutter Theophanu und auf Intervention des Herzogs Bernhard und des Grafen Egbert das Kloster, nahm es in seinen Schutz, traf Verfügungen über die Einsetzung von Äbtissin und Vogt in der Zukunft und verlieh dem Kloster die Immunität.MGH DD O III 68 = . Es wurde damit in den Kreis der Reichsabteien aufgenommen. Das Nonnenkloster lag innerhalb der Burg, die weiterhin Bestand hatte.

Laut einigen Quellen u. a. der Halleschen Zeitung vom 18. April 1894 soll dieser Edle Brun auf der Vitzenburg aus dem Adelsgeschlecht von Querfurt gewesen sein. Laut dem renommierten amerikanischen Wissenschaftler und Autor Prof. Dr. Jardetzky soll wiederum Bruns Frau Adilint aus dem Adelsgeschlecht von Schweinfurt gewesen sein. Sie wäre somit eine nahe Verwandte oder sogar die Tochter von Berthold von Schweinfurt und Eilika von Walbeck. Berthold war der Großvater von Burchard I. Bischof von Halberstadt. Eilikas Neffe war wiederum der Bischof und Geschichtsschreiber Thietmar von Merseburg.

Burg und Kloster unter Wiprecht von Groitzsch Für über 100 Jahre schweigen nun die schriftlichen Quellen. Den Pegauer Annalen zufolge soll der vornehme und reiche Vizo de Vizemburch noch kurz vor seinem Tode seine Güter einschließlich von Burg und Kloster an seinen Verwandten Wiprecht von Groitzsch übertragen haben. Wiprechts Mutter Sigena von Leinungen, die bereits zum zweiten Mal Witwe geworden war, zog sich in das Kloster zurück und wurde nach ihrem Tod am 24. Februar 1110 hier und nicht in der Familiengrablege im Kloster Pegau bestattet. Der Begräbnisplatz in Vitzenburg und die Tatsache, dass Wiprecht erblich in den Besitz dieser Eigenkirchenrechte gekommen ist, kann wohl als Hinweis gewertet werden, dass das Geschlecht, dem Sigena entstammte und als deren Vater ein Graf Goswin von Leinungen genannt wird, in einem Zusammenhang mit dem Kloster auf der Vitzenburg gestanden hatte. Laut den Annalen musste Wiprecht gegen den zunehmenden Sittenverfall der Klosterinsassinnen einschreiten, wobei besonders eine vornehme Verwandte Wiprechts, die als Nichte seines Stiefvaters Graf Friedrich von Burglengenfeld bezeichnet wird, für den Niedergang der Klosterdisziplin verantwortlich gewesen sein soll.Annales Pegavienses et Bosovienses. In: , hierzu S. 250 (Digitalisat).Vgl. auch Lutz Fenske: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen. Entstehung und Wirkung des sächsischen Widerstandes gegen das salische Königtum während des Investiturstreits (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte. Bd. 47). Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1977, ISBN 3-525-35356-1. Wiprecht soll daraufhin die Nonnen aus dem Kloster verwiesen und auf Anraten des Bischofs Otto von Bamberg, in der Nähe der Burg in Reinsdorf an der Unstrut ein neues Kloster gegründet, es mit Mönchen besetzt und ihm die Güter des Nonnenklosters überwiesen haben.

Tatsächlich wurde wahrscheinlich bereits 1112 das Vitzenburger Nonnen- in ein Mönchskloster umgewandelt.Holger Kunde: Das Bamberger Eigenkloster Reinsdorf an der Unstrut. In: Bericht des Historischen Vereins Bamberg. Nr. 132. Bamberg 1996, S. 19–50. Nach einem gescheiterten Bündnis gegen den Kaiser Heinrich V. wurde Wiprecht 1113 auf der Reichsburg Trifels gefangengesetzt und musste alle Güter an Heinrich abtreten. 1118 wurde er freigelassen und erlangte auch seine konfiszierten Güter zurück.

Kaiser Heinrich V. überwies am 25. März 1121 die Abtei Vitzenburg an den Bamberger St.-Peter-Altar bzw. den Bamberger Bischof.Druck der Urkunden: Monumenta Boica. Band 29, 1. Teil, S. 240 f., Nr. 445 (online); vgl. hierzu Holger Kunde: Das Bamberger Eigenkloster Reinsdorf an der Unstrut. S. 19–50. Kurz darauf gründete Otto von Bamberg in Zusammenarbeit mit Wiprecht von Groitzsch in Reinsdorf ein Benediktinerkloster und ließ das Kloster auf der Burg Vitzenburg zu dessen Gunsten auflösen. Am 3. April 1123 nahm Papst Calixt II. das Kloster Reinsdorf, welches Wiprecht von Groitzsch auf Rat des Bischofs Otto von Bamberg erbaut und ihm die Güter des Klosters Vitzenburg überwiesen und der Kirche übertragen hatte, in seinen Schutz und bestätigt dessen Besitzungen.

Die Burg im Besitz der Wettiner Nach dem Tode Wiprechts gelangte die Burg in den Besitz der Wettiner. Ab den 1160er Jahren erscheinen eine Reihe von Edelfreien und Ministerialen, die sich nach der Burg benennen. Als Besitzer bzw. Verwalter der Burg erscheint Ritter Iggoldus von Vitzenburg und nach ihm Ritter Odeschalcus von Vitzenburg. In einer 1235 in Weißenfels ausgestellten Urkunde des Markgrafen Heinrich des Erlauchten werden unter den Zeugen Albert Knut und der Edle Meinher von Querfurt auf Vitzenburg genannt.

Im Weißenfelser Vertrag von 1249, mit dem mehrere thüringische Adlige den meißnischen Markgrafen Heinrich der Erlauchte als neuen Regenten der Landgrafschaft Thüringen anerkanntenVgl. Holger Kunde, Stefan Tebruck und Helge Wittmann: Der Weißenfelser Vertrag von 1249. Die Landgrafschaft Thüringen am Beginn des Spätmittelalters (= Thüringen gestern & heute. Bd. 8). Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, Erfurt 2000, ISBN 3-931426-38-6. wurde festgelegt, dass alle in der Landgrafschaft gelegenen und neu aufgeführten Burgen zu zerstören seien. Unter diesen wird auch die Vitzenburg genannt. Der Umfang dieser Baumaßnahmen und die Gestalt der Burg am Ende des Hochmittelalters ist jedoch nicht bekannt.

Vitzenburg unter den Edelherren von Querfurt und den Herren von Selmenitz 1255 zog Meinhard, Herr auf Vitzenburg, im Gefolge des Deutschen Ordens nach Preußen. Meinhard, aus dem Geschlecht der Edelherren von Querfurt, Sohn des Meinhardi de Vicenburc, wurde am 8. November in einer Leipziger Urkunde genannt. 1261 kehrte der Deutschordensritter Meinhard aus Preußen zurück, ordnete seine Angelegenheiten und übergab seinem Bruder Gebhard XI. die Vitzenburg, worauf er wieder nach Preußen zog. 1262 erhielten die Schenken von Saaleck und Nebra, eine Seitenlinie der Schenken von Vargula, die Burg Vitzenburg als landgräfliches thüringisches Afterlehen. Ab 1282 war Frater Meinherus de Querenvord Landkomtur des Deutschordens in Preußen und 1288 bis zu seinem Tode 1299 Landmeister von Preußen. Laut einer Urkunde aus dem April 1302 befand sich die Vitzenburg im Afterlehnsbesitz des Heinrich Schenk genannt von Vitzenburg.

Im Jahre 1316 erscheint Graf Burchard von Mansfeld mit seinen beiden Vettern, den Edlen Burchard dem Älteren und Burchard dem Jüngeren von Schraplau als Lehnsträger der Herrschaft Nebra. Die Lehnsherrschaft geht noch im selben Jahr an das Erzstift Magdeburg über. Gerhard, Edler Herr zu Querfurt, erwarb die Burg für seinen Sohn Bruno III. von dem hochverschuldetenen Rudolf Schenk von Vitzenburg. Bruno III. bezeichnete sich ab 1317 in verschiedenen Urkunden (bis 1338) als dominus castri Vitzenburg, als Herr der Burg Querfurt. 1323 wurde er vom Merseburger Bischof Gebhard von Schraplau-Querfurt mit der Vitzenburg und mit der bischöflichen Burg Lützen belehnt. 1329 wurde letztmals ein Dietrich Schenk von Vitzenburg erwähnt, welcher vermutlich das Burggrafenamt auf der Vitzenburg für die Edelherren von Querfurt als deren Vasall verwaltete.

Burchard von Querfurt wird 1330 urkundlich als Herr zu Nebra und Bewohner des dortigen Schlosses (morans in Nevere) bezeichnet. Im Jahr 1331 und am 19. November 1334 bekennt er, dass er Haus und Stadt Nebra mit allem Zubehör, namentlich dem Schloss Vyzzthenburch vom Magdeburger Erzbischof Otto von Hessen zu Lehen empfangen hat. Von 1341 bis 1353 erscheint in den Urkunden Gebhardt XVI. von Querfurt als dominus in Viscenburg. Ihm folgt von 1372 bis 1402 sein Sohn Bruno VI. als Herr auf Vitzenburg, dem wiederum dessen Bruder Protze (Broczo) in der Herrschaft nachfolgt. Nachdem Protze von Querfurt am 16. Juni 1426 in der Schlacht bei Aussig gefallen war, belehnte Landgraf Friedrich der Streitbare am 2. August seine beiden Söhne Hans und Bruno unter anderem mit dem halben Anteile an der Vitzenburg.

Bruno der Ältere verkaufte am 15. Mai 1464 das feste Schloss Vitzenburgk an Hans von Selmenitz. Allerdings behielten sich die Querfurter die Oberlehnschaft über die Vitzenburg vor. Im Mai 1467 wurde Ritter Hans II. von Selmenitz, Herr auf Vitzenburg, von den Edlen von Querfurt auch das Schloss und Amt Allstedt für vier Jahre als Besitz eingeräumt und übergeben.