mini|Karte mit einigen urartäischen Befestigungen im 8 und 7. Jahrhundert v. Chr. Die urartäischen Befestigungen, benannt nach dem altorientalischen Reich Urartu, wurden vor allem von Kriegsgefangenen errichtet und dienten in Kriegszeiten als Zufluchtsort. Ihre Garnisonen waren vermutlich nur klein. Die Festungen waren auch religiöse Zentren und wurden als Vorratslager genutzt.Paul Zimansky: Urartian material culture as state assemblage. In: Bulletin American Association Oriental Research, 299, 1995, S. 105.

Die Fundamente der Festungen waren oft als Stufen in den nackten Fels gehauen (früher als Stufentempel fehl gedeutet). Man zog es offensichtlich vor, die Festungen auf jungfräulichem Gelände zu errichten, die Könige rühmen sich oft, die Wildnis gezähmt zu haben.Adam T. Smith: Rendering the Political Aesthetic: Political legitimacy in Urartian representations of the built environment. In: Journal Anthropological Archaeology, 19, 2000, 144 Es gibt nur wenige Ausnahmen, wie Horom, das auf Siedlungsresten aus der Frühbronzezeit erbaut ist.Adam T. Smith: Rendering the Political Aesthetic: Political legitimacy in Urartian representations of the built environment. In: Journal Anthropological Archaeology, 19, 2000, Anm. 20. Vielleicht wurden die Reste von Vorgängerbauwerken aber teilweise auch vor der Grundsteinlegung entfernt. Die Mauern aus standardisierten Lehmziegeln standen gewöhnlich auf einem Sockel aus Trockenmauerwerk, der ca. 1 m hoch war. Ihr Umriss war gewöhnlich rechteckig. Wichtige Gebäude hatten regelmäßige Quadermauern. Als Baumaterial verwendete man bevorzugt Basalt.Miroj Salvini: Geschichte und Kultur der Urartäer. Darmstadt 1995, S. 133.

Im 8. Jahrhundert v. Chr. wiesen die Festungen abwechselnd kleine und große Bastionen auf, im 7. Jahrhundert v. Chr. ging man zu gleich großen Bastionen über.

Die Festungsstädte wurden als É.GAL (eigentlich Palast) bezeichnet.Miroj Salvini: Geschichte und Kultur der Urartäer. Darmstadt 1995, S. 132.

Liste Wichtige Befestigungen befanden sich in:

urartäischer Name heutiger Name Lage Koordinaten Gründer Ende Funktion – Tsovak Armenien, Sewansee, ehemaliges Arquqiuniu N 40° 10’ 55,1’’ E  45° 37’ 27,5’’

H 1974m – Bis ins frühe Mittelalter weiter genutzt große Festung – Kol Pal Armenien, Sewansee, ehemaliges Arquqiuniu N 40° 09’ 29,2’’

E  45° 43’ 59,2’’ H 2032m – – Große Festung – Vardenik Armenien, Sewansee, ehemaliges Arquqiuniu – – – Große Festung – Kra Armenien, Sewansee, ehemaliges Ṭuliḫu – – – Große Festung dIM-I URU/Teišebai URU (Stadt des Wettergottes) Tsovinar (Odzaberd) Armenien, Sewansee, ehemaliges Arquqiuniu N 40°10,354´

E 45°32,763´

H 1933 m Rusa I. – É.GAL, vermutlich Provinzhauptstadt – Altıntepe Türkei, bei Erzincan, oberer Euphrat – – – Festung – Aramus Armenien, Vorgebirge des Gegam 40' 14' 54.4" N, 44' 39' 11.6" O, 1495 m NN – – – – Anzavurtepe Türkei, Patnos/Ağrı nördl. Vansee – – – Festung – – Armenien, Dovri – – – Grenzbefestigung – Darani Armenien, Elar – Argišti I. – Grenzbefestigung – Haftavan III Iran, Urmia-See – – – Toprakkale-Ware – – Armenien, Horom, Schirak-Ebene – – – Grenzbefestigung – Kayalıdere Türkei, oberes Murattal – spätes 7. Jh. – Festung mit Turmtempel – Kecikiran Kalesi Türkei – ca. 800 – – – Korkut Kalesi Türkei – ca. 800 – – – Muradiye Kalesi Türkei – ca. 800 – – – Yukari Türkei, Zivistan, südl. von Van – – Ispuini, um 820 am Ende der Regierungszeit von Rusa II. zerstört, vielleicht durch Erdbeben – Anzav Kalesi Türkei, Aşağı, nördl. Van-Ebene zw. Van und Ercek – Ispuini am Ende der Regierungszeit von Rusa II. zerstört, vielleicht durch Erdbeben – Argištihinili, assyr. Argištiuna Armavir Blur und Davti Blur Armenien, Ararat-Ebene – Argišti I. – – Arṣuniuini Körzüt Türkei, Mündung des Bendimahi Çay in den Vansee – Menua – Identifizierung nicht völlig gesichert Er(e)buni/Irpuni Arin-berd Armenien, südöstlicher Ortsrand von Eriwan – Argišti, 5. Regierungsjahr unter Rusa II. zugunsten von Teišebai-URU verlassen É.GAL dḪaldiei URUKUR, Ziuqinui Kef Kalesi Türkei, Adilcevaz am nordwestl. Ufer Vansee – Rusa II. – É.GAL dḪaldiei URUKUR Muradiye/Bekri Türkei, Mündung des Bendimahi Çay in den Vansee – Išpuini – Identifizierung nicht völlig gesichert Libluini Seqindel Iran, Iranisch-Aserbaidschan – Sarduri II. – – Minuaḫinili Taşburun Türkei, Ararat-Ebene – – – – – Aragats Norden der Ararat-Ebene – – – –dḪaldiei URUKUR oberhalb von Nor Bayezit Armenien, Westufer des Sevan-Sees Rusa I. ?Nicht ausgegraben. Absicherung der Provinz Ueliḫi Rusa-i URU.TUR Bastam Iran, Bezirk Khoy 38 min 51, 43 min 22 Rusa II. durch die Meder zerstört? É.GAL, Straßenbefestigung als Vorgängerbau im 8. Jh. Rusaḫinili Eiduru-kai Ağartı Kalesı Türkei, Ayanıs nordöstl. von Van 38° 41′ 58″ N, 43° 11′ 54″ O Rusa II., 651 v. Chr. vollendet am Ende der Regierungszeit von Rusa II. zerstört, vielleicht durch Erdbeben É.GAL Rusaḫinili Qilbanikai Toprakkale Türkei, Van – Rusa II., nach Bastam erbaut gewaltsam zerstört É.GAL Šarduriḫinili Çavuştepe Türkei, südöstl. Vansee 38° 21′ 11″ N, 43° 27′ 40″ O Šarduri II. gewaltsam zerstört É.GAL Šarduriḫurda Kız Kalesi? Iran, Bezirk Khoy – – – Ungesichert Teišebai URU Kamir blur Armenien, nordwestl. Eriwan, Ufer des Hrazdan – Rusa II. – É.GAL Tušpa/Turušpa Van Kalesı Türkei, Van 38° 30′ 10″ N, 43° 20′ 20″ O Sarduri I. – Hauptstadt seit dem 9. Jh Uajaiš Qalʿeh Ismail Aǧa? Iran, Urmia-See – Menua und Išpuini – É.GAL, Größte Festung von Rusa I. - Taštepe Iran, Solduz-Ebene, iranisch Aserbaidschan - Menua und Išpuini – Kleine Festung im Gebiet von Mešta

Siehe auch Urartäisches Reich Ostanatolien Geschichte Armeniens Liste von Burgen und Festungen in der Türkei Liste von Burgen und Festungen in Armenien

Einzelnachweise

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