Museen Paläontologisches Museum Irajá Damiani Pinto Botanischer Garten von Porto Alegre Museum für Wissenschaft und Technik (PUCRS) Edukatitives Museum Gama D'Eça. Museum Vincente Pallotti. Museum Aristides Carlos Rodrigues. Paläontologisches und Archäologisches Museum Walter Ilha. Museum Daniel Cargnin. rechts|260px|mini|Der Geopark Paleorrota. Quelle: UFSM
Paleorrota (auf Deutsch Paläoroute) ist ein Geopark, der sich über mehrere Zehntausend Quadratkilometer entlang der Bundesstraße 287 im Bundesstaat Rio Grande do Sul im Süden Brasiliens erstreckt. Die dort anstehenden Sedimentgesteine mit ihren Fossilien stammen aus der Trias und dem Perm, den Erdzeitaltern der Existenz des Superkontinents Pangaea. Sie weisen folglich ein numerisches Alter von bis Millionen Jahren auf. Folgende sedimentäre Formationen sind vertreten (von jung nach alt): Caturrita-Formation Santa-Maria-Formation Sanga-do-Cabral-Formation Rio-do-Rastro-Formation Irati-Formation In diesen Formationen sind mehrere Fossillagerstätten enthalten, in denen eine reichhaltige Fauna urzeitlicher Landwirbeltiere überliefert ist. Unter anderem stieß 1936 ein Grabungstrupp unter der Leitung des Paläontologen Llewellyn Ivor Price in der Santa-Maria-Formation nahe der namensgebenden Stadt Santa Maria auf die Fossilien des ersten in Brasilien gefundenen Dinosauriers und eines der stammesgeschichtlich frühesten Dinosaurier. Die Fossilien wurden später unter dem Namen Staurikosaurus pricei beschrieben.
Die Sedimentgesteine im Stadtgebiet von Mata, São Pedro do Sul und Santa Maria im Westen des Geoparks sind zudem paläobotanisch bedeutend. So befinden sich in einem 70 Quadratkilometer großen Gebiet mehrere Fundstellen mit versteinerten Baumstämmen.
Am Ende des Perms kam es zu einem Massenaussterben, dem 95 % der damals vorhandenen Arten zum Opfer fielen. Dies führte in der anschließenden Trias zu großen Umwälzungen unter den überlebenden Taxa. Folgende Fossilfunde auf dem Gebiet der Paleorrota konnten dazu beitragen, die faunistischen Änderungen besser zu verstehen: Staurikosaurus, einer der ältesten Echsenbeckensaurier Sacisaurus, möglicherweise der älteste Vogelbeckensaurier Pelycosaurier. Aus ihnen gingen später die Cynodontier hervor, die ihrerseits wiederum zu den Säugetieren überleiteten. Die Fossilfunde des Geoparks sind daher sehr wichtig für das Verständnis der Säugetierevolution.
Vertebraten der Paleorrota
Liste der im Geopark gefundenen Vertebraten: Rhynchosaurier Exaeretodon riograndensis Staurikosaurus Guaibasaurus Saturnalia Sacisaurus Unaysaurus Karamuru vorax Dinodontosaurus turpior Prestosuchus chiniquensis Chiniquodon Massetognathus Stahleckeria Jachaleria candelariensis Mesosaurus Luangwa Phytosaurier Aetosaurier Brasilitherium Brasilodon Riograndia Stereospondyli Procolophon pricei Protorosaurus Provelosaurus brasilienses – ein Pareiasaurier Spondylosoma Teyuwasu zentriert|140px|mini|Exaeretodon. 140px|zentriert|mini|Staurikosaurus mit einem erbeuteten Rhynchosaurier. 140px|zentriert|mini|Prestosuchus chiniquensis. mini|zentriert|140px|Staurikosaurus. 140px|zentriert|mini|Der Rhynchosaurier Hyperodapedon. 140px|zentriert|mini|Der Rhynchosaurier Hyperodapedon. 140px|zentriert|mini|Stahleckeria. 140px|zentriert|mini|Exaeretodon 140px|mini|zentriert|Unaysaurus 140px|zentriert|mini|Prestosuchus. 140px|zentriert|mini|Mesosaurus. 140px|zentriert|mini|Der Phytosaurier Rutiodon. 140px|zentriert|mini|Stagonolepis – ein Aetosaurier. 140px|zentriert|mini|Peltobatrachus – ein Stereospondyle. 140px|zentriert|mini|Procolophon pricei. 140px|zentriert|mini|Protorosaurus. 140px|zentriert|mini|Scutosaurus – ein Pareiasaurier. 140px|zentriert|mini|Dinodontosaurus turpior. 140px|mini|zentriert|Ischigualastia
CAPPA – Paläontologisches Forschungszentrum Universitäten Föderale Universität von Rio Grande do Sul. Föderale Universität von Santa Maria. Bischöflich Katholische Universität von Rio Grande do Sul. Universität von Vale do Rio dos Sinos. Lutherische Universität Brasiliens. CAPPA (Paläontologisches Forschungszentrum) oder (Centro de Apoio a Pesquisa Paleontológica) auf Portugiesisch. Die im Bau befindliche Forschungseinrichtung ist in der Stadt São João do Polêsine im brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul beheimatet, sie liegt an der Bundesstaatsstraße RS 149 in der Nähe des Denkmals Nossa Senhora da Salete. Vorgesehen sind ein Museum, Forschungslabors, ein Auditorium, ein Hörsaal, Unterkünfte, Restaurant sowie verschiedene Dienstleistungen für Besucher, Forschungspersonal und Paläontologiestudenten. Ziel dieser Einrichtung ist die Unterstützung paläontologischer Forschungsarbeiten im Geopark Paleorrota.
Die Einrichtung wird 2649 Quadratmeter Grundfläche einnehmen. Die Bauarbeiten erfolgen in drei Abschnitten, wobei der erste Abschnitt bereits fertiggestellt worden ist. Dieses Projekt wird von Petrobras und Eletrobrás finanziell unterstützt.São João do Polêsine, auf Portugiesisch.CAPPA - Sociedade Brasileira de Paleontologia, auf Portugiesisch. (PDF; 699 kB)
Städte Der Geopark Paleorrota umfasst 21 Städte in Rio Grande do Sul Stadt InformationPorto Alegrerechts|150px|mini| Der Thecodontier Karamuru mit einem versteinertem Baum. Obwohl Porto Alegre nicht auf triassischem Untergrund liegt, so verfügt es im Bundesstaat Rio Grande do Sul dennoch über die meisten Paläontologen und kann außerdem zahlreiche Museen, Institutionen und Universitäten vorweisen: UFRGS hat eine große Anzahl von Wirbeltierpaläontologen und beherbergt das Paläontologische Museum Irajá Damiani Pinto. An der UFGRS wurde 1998 auch das erste brasilianische Symposium der Wirbeltierpaläontologie abgehalten. Die PUCRS hat ebenfalls zur Paleorrota beigetragen. In ihrem bedeutenden Museum für Wissenschaft und Technik sind Fossilien aus der Umgebung zu besichtigen. Die UNISINOS verfügt über eine Gruppe von Paläobotanikern. Das in den Botanischen Garten von Porto Alegre integrierte Naturwissenschaftliche Museum hat Fossilien aus dem Geopark zur Ausstellung.Santa Mariarechts|150px|mini| Exaeretodon Santa Maria ist auf sehr fossilreichen Schichten erbaut worden, so befinden sich allein im Stadtgebiet 22 Aufschlüsse. In einigen städtischen Museen sind Dinosaurier zu sehen. Im Jahr 2006 wurde an der UFSM das fünfte brasilianische Symposium der Wirbeltierpaläontologie abgehalten.Fünftes Brasilianisches Symposium der Wirbeltierpaläontologie In Santa Maria wurde neben zahllosen anderen Fossilien auch der Erstfund von Staurikosaurus gemacht. Im Stadtgebiet befinden sich folgende Fossilfundstellen: Fossilfundstelle Arroio Cancela. Fossilfundstelle Largo Padre Daniel Cargnin. Fossilfundstelle Bela Vista. Fossilfundstelle Jazigo Cinco. Fossilfundstelle Sanga do Alemoa. Folgende städtische Museen haben Fossilien zur Ausstellung: Edukatives Museum Gama D'Eça. Museum Vincente Pallotti.Candeláriarechts|150px|mini|Der Dicynodontier Dinodontosaurus. In der Umgebung von Candelária wurden ebenfalls Wirbeltierfunde gemacht. So wurde z. B. im Jahr 2000 der Thecodontier Karamuru entdeckt. Allein im Stadtgebiet befinden sich 17 Aufschlüsse. Städtisches Museum mit ausgestellten Fossilien: Museum Aristides Carlos Rodrigues.São Pedro do SulSão Pedro do Sul besitzt ein größeres Vorkommen von versteinerten Baumstämmen und beherbergt außerdem ein Museum mit Dinosauriern. Die Stadt liegt 40 km westlich von Santa Maria. Im Jahr 1938 fand hier der deutsche Paläontologe Friedrich von Huene den Thecodontier Prestosuchus chiniquensis. Fossilfundstelle Chiniquá. Städtisches Museum mit ausgestellten Fossilien: Paläontologisches und Archäologisches Museum Walter Ilha.MataIn Mata befinden sich ebenfalls große Vorkommen von versteinerten Bäumen. Städtisches Museum mit ausgestellten Fossilien: Museum Daniel Cargnin.São João do PolêsineSão João do Polêsine liegt ungefähr 50 Kilometer von Santa Maria entfernt. Im Stadtgebiet befinden sich Fossilfundstellen. Das CAPPA (Paläontologisches Forschungszentrum) steht hier im Ausbau.AgudoIn Agudo wurde Sacisaurus entdeckt.São Martinho da SerraNur 13 Kilometer von Santa Maria entfernt wurde hier der Fund eines Unaysaurus gemacht. Fossilfundstelle Agua Negra.Dona FranciscaGleichfalls in der Nähe von Santa Maria gelegen. Auch in Dona Francisca gibt es fossilführende Aufschlüsse. Im Jahr 2008 wurde hier ein 240 Millionen Jahre alter Cynodontier (Luangwa entdeckt.Faxinal do SoturnoNördlich von Santa Maria gelegen. Faxinal do Soturno besitzt ebenfalls Fossilfundstellen.Cachoeira do SulDie Fundstellen befinden sich im Norden der Stadt. In Agudo, unweit von Cachoeira do Sul, gelang der ULBRA der Fund von den versteinerten Überresten eines Sacisaurus.São GabrielIn São Gabriel tauchten die 270 Millionen Jahre alten Überreste eines urtümlichen Amphibiums aus dem Perm auf.Sérgio Dias-da-Silva, Eliseu Vieira Dias, Cesar Leandro Schultz: First record of stereospondyls (Tetrapoda, Temnospondyli) in the Upper Triassic of Southern Brazil. In: Gondwana Research. 15, 2009, S. 131–136, . Es stehen hier die folgenden drei Formationen an: Sanga-do-Cabral-Formation (Aufgegebene Eisenbahnlinie zwischen Dilermando de Aguiar und São Gabriel). Alter: Obere Trias. Rio-do-Rastro-Formation (Posto Queimado). Alter: Oberes Perm. Irati-Formation (Passo São Borja). Alter: Oberes Perm.AceguáAufschlüsse der oberpermischen Rio-do-Rastro-Formation liegen entlang der Staatsstraße BR-153 von Aceguá nach Bagé.BagéAufschlüsse der oberpermischen Rio-do-Rastro-Formation liegen entlang der Staatsstraße BR-153 von Aceguá nach Bagé.Dilermando de AguiarIn Dilermando de Aguiar tritt die untertriassische Sanga-do-Cabral-Formation zu Tage, Aufschlüsse befinden sich entlang der aufgegebenen Bahnlinie von Dilermando de Aguiar nach São Gabriel).Santa Cruz do SulHier wurde die Versteinerung eines Cynodontier gefunden.
Geschichtliches rechts|150px|mini|Dicynodontier
Quelle: UFSM und UFRGS.
Im Jahr 1902 wurden unter der Leitung von Dr. Jango Fischer die ersten paläontologischen Untersuchungen in Santa Maria durchgeführt. In der Nähe des Alemoa-Hügels – einer zwischen dem Stadtgebiet und dem ehemaligen Distrikt Camobi gelegenen Felsenlandschaft – wurden organische Versteinerungen angetroffen. Jango Fischer sandte dann einige der Überreste an Prof. Dr. Herrmann von Ihering, dem Museumsdirektor von São Paulo. Unter den Resten befanden sich drei nahezu vollständige Wirbel, ein Wirbelrest, ein Finger mit vier Fingergliedern und eine einzelne Zehe. Von Ihering leitete seinerseits dieses Material für genauere Untersuchungen an Arthur Smith Woodward weiter, einem herausragenden Paläontologen des British Museum in London. Woodward erkannte in dem ihm zugesandten Material die fossilen Überreste eines landbewohnenden Reptils und damit den ersten derartigen Fund aus Südamerika. Er verlieh dem Taxon den Namen Scaphonyx fischeri (mittlerweile Hyprodapedon), der Gattungsname bedeutet hierbei «Kanuklaue» mit Hinblick auf die großen Krallen, der Artname ehrt den Entdecker Jango Fischer.
In der Folgezeit richtete sich das wissenschaftliche Hauptaugenmerk daher auf Santa Maria und es wurden mehrere wissenschaftliche Expeditionen dorthin ausgesandt. Eine dieser Expeditionen wurde 1928–29 von dem deutschen Paläontologen Friedrich von Huene geleitet. Viele der von seiner Expedition gefundenen Fossilien befinden sich jetzt an der Universität Tübingen. Zwischen den 1930er und 1950er Jahren wurden mehrere Expeditionen von Llewellyn Ivor Price organisiert, dem Leiter des Paläontologischen Büros in Rio de Janeiro. Price untersuchte hierbei hauptsächlich Stadtgebiet und Umgebung von São Pedro do Sul, Santa Maria und Candelária.