Santi Giovanni e Paolo 300px Patrozinium: Hll. Johannes undPaulus (Märtyrer) Weihetag: Kardinalpriester: Jozef De Kesel Anschrift: Piazza SS. Giovanni e Paolo00184 Roma mini|Sicht von Nordwesten mini|Der seitwärts stehende Campanile mini|Die antike Straße Clivus Scauri mit den Stützarkaden Die Basilika Santi Giovanni e Paolo (), auch Santi Giovanni e Paolo al Celio, ist eine Kirche in Rom, die auf eine der ältesten christlichen Kultstätten der Stadt zurückgeht. Sie ist Titelkirche der römisch-katholischen Kirche und steht im Rang einer Basilica minor. Heute ist sie Klosterkirche des Passionistenordens, Rektoratskirche. Besondere Bedeutung kommt ihr zu wegen der darunter ausgegrabenen Reste antiker römischer Häuser mit vorchristlichen und christlichen Wandbildern.

Lage und Übersicht Die Kirche liegt im XIX. römischen Rione Celio an der Westseite des Caelius, etwa 350 Meter östlich des Circus Maximus unmittelbar an der antiken Straße Clivus Scauri.

Zu dem sakralen Bereich gehören: eine römische Wohnanlage mit Ladenlokalen (2./3. Jh.), das frühchristliche Oratorium Titulus Byzantis mit Confessio (Anfang 4. Jh.), die Basilika Titulus Pammachii über Oratorium und Wohnanlage (um 410), Umbauten aus dem 12. und 13. Jahrhundert und spätere Barockisierung.

Geschichte und Baugeschichte Über den Resten mehrerer römischer Wohnhäuser mit Ladenlokalen aus dem 2. und 3. Jahrhundert an der antiken Straße Clivus Scauri entstanden im 4. Jahrhundert Stadtpaläste der römischen Aristokratie. In einem dieser als domus bezeichneten Paläste wurde Anfang des 4. Jahrhunderts eine christliche Gebetsstätte (Oratorium) eingerichtet, vielleicht durch den damaligen Eigentümer Byzans, dessen Name als Titulus Byzantis (oder Vizantii) überliefert ist. Diese frühchristliche Kultstätte ist bisher die einzige, die in einem römischen Wohnhaus (ecclesia domestica) nachgewiesen worden ist und deren Entstehung noch vor dem Edikt von Mailand (313) angesetzt wird.Walther Buchowiecki: Handbuch der Kirchen Roms. Der römische Sakralbau in Geschichte und Kunst von der altchristlichen Zeit bis zur Gegenwart, Band 2, Wien 1970, S. 127f. Dort fand sich neben Oranten auch die älteste Darstellung eines christlichen Märtyrertodes. Es handelt sich um je zwei Männer und eine Frau, die zur Verurteilung abgeführt werden, bzw. die kniend und mit verbundenen Augen, die Hände auf dem Rücken gefesselt, kurz vor der Hinrichtung stehen.Jens Schröter: Die Entstehung des Christentums. Von den Anfängen bis zu Konstantin dem Großen, C. H. Beck, München 2024, S. 69 f.

In der Zeit um 410 wurde über den antiken Gebäuden mit dem Bau einer dreischiffigen Säulenbasilika begonnen, fertiggestellt unter Papst Leo I. (440–461). Dabei hatte man die unter der Bodenplatte liegende römische Wohnanlage möglichst geschont und weiterhin zugänglich erhalten. Die frühchristliche Basilika besaß eine leicht eingezogene Apsis im Westen und einen Portikus mit fünf Arkaden im Osten. Im Innern trugen beiderseits zwölf Granitsäulen mit Arkaden den Obergaden mit offenem Dachstuhl. Dreizehn große Rundbogenfenster mit oculi darüber sorgten für viel Licht im Mittelschiff.Hans Georg Wehrens: Rom – Die christlichen Sakralbauten vom 4. bis zum 9. Jahrhundert – Ein Vademecum, Freiburg 2016, S. 190f. mit kommentierten Grundriss-Zeichnungen. Um 1155 wurde der Narthex errichtet, der um 1216 auch ein neues Obergeschoss erhielt. Die für Rom einmalige Zwerggalerie an der Außenseite der Apsis entstand um 1216.Marco Bussagli (Hrsg.): Rom - Kunst & Architektur, Köln 1999, S. 252. Zu dieser Zeit sind auch die Stützbogen und Pfeiler zur Sicherung der südlichen Langhauswand eingebaut worden. Der abseits stehende Campanile aus dem 12. Jahrhundert gründet noch auf dem Mauerwerk des antiken Divus Claudius-Tempels. Zwischen 1715 und 1719 wurde die Basilika durchgreifend barockisiert.

Patrozinium Unter den verschiedenen Namen der Kirche und ihrer Vorgängerbauten ist Titulus Byzantis der älteste; damit wurde wahrscheinlich Bezug genommen auf einen – nicht näher bekannten – Byzantius, der wohl Anfang des 4. Jahrhunderts als damaliger Besitzer in seinem Anwesen eine Kultstätte für die junge christliche Gemeinde eingerichtet hatte. Der Titulus Byzantis ist zum ersten Mal erwähnt in einer Inschrift aus der Zeit des römischen Bischofs Innozenz I. (401–417), die sich zwar auf den Bau der Basilika San Sebastiano fuori le mura durch zwei Presbyter bezieht; diese Presbyter stammen aber aus dem Titulus Byzantis. Die Inschrift lautet übersetzt: „Zur Zeit des Heiligen Bischofs Innocentius haben die Presbyter Proclinus und Ursus vom Titulus Byzantis dem heiligen Märtyrer Sebastianus dieses (Gotteshaus S. Sebastiano) aufgrund eines Gelübdes gebaut.“Walther Buchowiecki: Handbuch der Kirchen Roms. Der römische Sakralbau in Geschichte und Kunst von der altchristlichen Zeit bis zur Gegenwart, Band 2, Wien 1970, S. 128ff. auch zu den folgenden Abschnitten. Während dieser Periode wurden die vorhandenen Wandmalereien mit heidnischen Themen durch Fresken mit christlichem Inhalt übermalt, darunter mit Szenen aus dem Leben der Märtyrer und der Gestalt eines Betenden (Oranten).

Der Bau der ab 410 errichteten dreischiffigen Basilika ist mit dem Namen Pammachius verknüpft; deren Bezeichnung als Titulus Pammachii oder Titulus Byzantis et Pammachii ist seit 499 überliefert. Dieser Pammachius (um 340–410) war römischer Senator und führendes Mitglied der christlichen Gemeinde, bekannt geworden auch als Briefpartner des hl. Hieronymus.Lexikon für Theologie und Kirche (LThK), Band 7, Freiburg 2006, Sp. 1306f. Es wird vermutet, dass er als letzter Eigentümer der Wohnanlage ab 410 den Bau der Basilika veranlasst und finanziert hat. Nach einer später verbreiteten Legende soll Pammachius der Sohn von Byzantius gewesen sein. Für die Aufführung beider Namen in den römischen Synodalakten von 499 gibt es zwei Erklärungen: Entweder hat der Titulus Byzantis bereits nicht mehr bestanden und wurde nur als Leertitel fortgeführt, oder es verbergen sich dahinter die Bezeichnungen für die gleichzeitig bestehenden Kultstätten Titulus Byzantis im unterirdischen Oratorium und Titulus Pammachii in der Basilika.

Weil in den Synodalakten und im Liber Pontificalis ab 595 die Bezeichnung Titulus sanctorum Iohannis et Pauli benutzt worden ist, wird angenommen, dass vom 6. Jahrhundert an die bisherigen Stifternamen den Namen der beiden Märtyrer Johannes und Paulus haben weichen müssen, denen die Kirche geweiht war. Bei diesen Kirchenpatronen handelt es sich nicht um Johannes den Täufer oder den Apostel Johannes und nicht um Paulus von Tarsus, sondern um legendäre römische Märtyrer mit diesen Namen, die allerdings als solche im römischen Messkanon erwähnt sind. Nach einer Ende des 6. Jahrhunderts aufgeschriebenen Legende sind die Brüder Johannes und Paulus von Rom, kaiserliche Palastbeamte oder Offiziere, im Jahr 361 unter Kaiser Julianus Apostata wegen ihres Glaubens enthauptet und angeblich in dem Haus auf dem Monte Caelius heimlich begraben worden, wo sich auch das frühchristliche Oratorium Titulus Byzantis befunden hatte.Lexikon für Theologie und Kirche (LThK), Band 5, Freiburg 2006, Sp. 80f.Lexikon der christlichen Ikonographie, Band 7, Freiburg, 2004, Sp. 193ff. Durch diese Legende sollte wohl versucht werden, die Reliquienverehrung und die Märtyrerbilder in Oratorium und Confessio des 4. Jahrhunderts zu erklären. Aber bei den Ausgrabungsarbeiten unter der Basilika konnten keinerlei Grabreste gefunden werden; dennoch liegt es wegen des Gesamtbefunds nahe, für diesen Ort die Kontinuität eines Reliquienkults anzunehmen.

Äußeres mini|Die Zwerggalerie vom Clivus Scauri aus gesehen mini|Die Grundmauern des Tempels des Divus Claudius unter dem Campanile Die in der Mitte des 12. Jahrhunderts errichtete offene Vorhalle wird von acht Säulen getragen, die beiden äußeren aus weißem Marmor mit korinthischen Kapitellen der Antike, die übrigen aus Granit mit ionischen Kapitellen des 12. Jahrhunderts. Der rechte Randpfeiler wird von einem Biforienfenster aus der Erbauungszeit durchbrochen. Auf dem Architrav steht die Widmungsinschrift des damaligen Titelkardinals und Bauherrn Kardinal Giovanni de´Conti di Sutri; danach weihte der als Presbyter Johannes bezeichnete Kardinal den von ihm gestifteten Umbau der Basilika den für Christus gestorbenen Märtyrern Paulus und Johannes.Hans Georg Wehrens: Rom – Die christlichen Sakralbauten vom 4. bis zum 9. Jahrhundert – Ein Vademecum, Freiburg 2016, S. 192ff. mit dem Wortlaut der Inschrift. Von den beiderseits des Hauptportals lagernden Löwenfiguren des 12. Jahrhunderts verschlingt einer ein Lebewesen, der andere pflegt einen Junglöwen. Nach Walther BuchowieckiWalther Buchowiecki: Handbuch der Kirchen Roms. Der römische Sakralbau in Geschichte und Kunst von der altchristlichen Zeit bis zur Gegenwart, Band 2, Wien 1970, S. 141 auch zum folgenden Abschnitt. sollen die beiden Löwen die kämpfende und die richtende Kirche symbolisieren. Über der Vorhalle wird die Stirnwand des Mittelschiffs sichtbar. Vier antike Säulen mit korinthischen Kapitellen tragen fünf Fassadenbogen, von denen der mittlere weiter gespannt ist; darüber verbreitert sich ein Dreieckgiebel mit einem Kardinalswappen.

Die linke Seitenfront des Mittelschiffs lässt in den unteren Teilen noch die antike Bausubstanz erkennen und darüber die ursprüngliche romanische Fensteranordnung mit einer Serie von Rundbogenfenstern, über denen oculi in die Wandfläche eingefügt waren; anlässlich der Barockisierung wurden die Rundbogenfenster durch Rechteckfenster ersetzt. Auf dieser Seite der Kirche überspannen sechs Strebebögen aus Ziegelmauerwerk die antike Straße Clivus Scauri (clivus bedeutet „ansteigender Fahrweg“; Scaurus ist ein Eigenname und heißt „Klumpfuß“).

Eine Besonderheit für die Kirchenarchitektur in Rom bildet die um 1216 als Bekrönung der gewaltigen Apsis errichtete Zwerggalerie, bestehend aus 14 freistehenden kleinen Säulen mit breiten Kämpferplatten (ohne Kapitelle), die 15 radial gestellte Quertonnen tragen; darüber dehnt sich ein Abschlussgesims mit Würfelfries.

Der Campanile des 12. Jahrhunderts (45 m), ursprünglich frei neben der Kirche stehend, heute durch den Konventbau zumindest optisch mit der Kirche verbunden, steht auf den antiken Grundmauern des 54 n. Chr. von Agrippina begonnenen großen Tempels des Divus Claudius (des vergöttlichten Claudius), zu erkennen vor allem in der Südwestsicht. Nero ließ den Tempel teilweise zerstören und ein Nymphäum für seine Domus Aurea anlegen. Von dem Tempelunterbau sind noch neun Steinlagen zu sehen. Der Turm selbst gilt als Kleinod romanischer Architektur in Rom: Auf ein fensterloses Geschoss folgt ein Geschoss mit zwei angedeuteten Rundbogenfenstern mit Lichtschlitzen. Das nächste Geschoss hat zwei Rundbogenfenster und dazwischen eine kleine Ädikula für ein Bildnis. Die vier obersten Geschosse zeigen jeweils zwei durch eine Mittelsäule abgestützte Rundbogenfenster unter einer stumpfen Dachpyramide. Als besonders kostbar haben sich die 35 spanisch-maurischen Platten, Teller und Schalen in Majolikatechnik aus Málaga herausgestellt, die ursprünglich in die Mauer versetzt waren. Die heute durch Repliken ersetzten, mit Tier- und Pflanzenmotiven sowie mit arabischen Schriftzeichen verzierten Originale sind heute in dem kleinen Museum innerhalb der Substruktionen des Claudius-Tempels ausgestellt.Anton Henze: Kunstführer Rom, Stuttgart 1994, S. 189f.

Inneres mini|Das Innere der Kirche Die Grundstruktur der frühchristlichen Kirche (ab 410) in der Überformung durch die Baumaßnahmen des 12. und 13. Jahrhunderts ist die einer Basilika, also einem überhöhten Mittelschiff und niedrigeren Seitenschiffen mit einer Apsis, die hier unmittelbar an das Mittelschiff anschließt, ohne Querhaus und ohne Kuppel. Die Maße betragen ca. 44 × 30 m.