Ein Transistorradio ist ein Rundfunkempfangsgerät, bei dem ausschließlich Transistoren als aktive Bauelemente eingesetzt werden. Im Sprachgebrauch sind damit hauptsächlich tragbare sog. Koffer- oder Taschenradios gemeint.

Im Vergleich zum Röhrenradio ermöglichte die Transistorbestückung erstmals eine signifikante Gewichts-, Betriebskosten- und Größenreduktion der Geräte, was in erster Linie zum großen Markterfolg des Transistorradios beigetragen hat.

Die ersten Taschenradios mit monauraler Tonwiedergabe waren wegen technischer Grenzen der ersten Serientransistoren typischerweise auf das Mittelwellenband von 540 bis 1600 kHz oder den Langwellenempfang beschränkt – mit den Fortschritten der Transistortechnologie eroberten sich die Transistorempfänger aber schnell alle verfügbaren Rundfunkbänder.

Die kleinsten Vertreter der Gattung waren auch unter den Bezeichnungen shirtpocket und coatpocket bekannt; ihre geringe Größe ermöglichte es dem Besitzer im Unterschied zu den portables, sie in Hemden- oder Manteltaschen unterzubringen.

mini|Transistor-Kofferradio SuperPage der Elektronikfirma Graetz von 1967

Zur Geschichte Nachdem 1949 ein Scherzartikelhersteller noch recht erfolgreich einen röhrenbetriebenen Radiohut auf dem amerikanischen Markt platzieren konnte, setzte sich in den 1950er Jahren die Produktion transistorbetriebener Empfänger durch.

1953 stellte das von dem deutschen Physiker Herbert Mataré – mit Heinrich Welker parallel zu den Bell Laboratories auch Erfinder des Transistors – zusammen mit Jakob Michael 1952 gegründete Düsseldorfer Unternehmen Intermetall auf der Düsseldorfer Funkausstellung das weltweit erste Transistorradio vor – über ein Jahr, bevor Texas Instruments diesen Meilenstein für sich beanspruchte.How Europe Missed The Transistor – The most important invention of the 20th century was conceived not just once, but twice. In: IEEE Spectrum. 1. November 2005.Späte Ehre für deutschen Mister Transistor. In: Die Welt. 13. November 2008. Bei dem vorgestellten volltransistorierten Radio handelte es sich jedoch noch nicht um ein Seriengerät, sondern um ein Mittelwellen-Transistorradio im Versuchsstadium, das Empfangsprinzip entsprach einem einfachen Geradeausempfänger, der Konkurrent TI aus Dallas/USA brachte ein Jahr später den ersten Transistor-Superhet auf den Markt.

Transistorradios aus den Vereinigten Staaten mini|Das erste kommerzielle Transistorradio aus den USA Regency TR-1 Der heutige amerikanische Elektronik-Riese Texas Instruments (TI) hatte 1954 noch eine sehr kleine Halbleiterabteilung, die 1951 von den Bell Laboratories, den Inhabern des Transistorpatents, eine Lizenz zur Herstellung von Germanium-Transistoren für die geringe Summe von 25.000 US-Dollar erworben hat. Die abwartend-zögerliche Haltung der Radio- und Fernsehindustrie im Hinblick auf die Marktchancen der neuen Transistortechnik durchkreuzte aber zunächst die Pläne zu einer Transistor-Massenfertigung. Erst die entscheidende Idee des damaligen Texas Instruments-Vizepräsidenten Patrick Eugene Haggerty, zusammen mit der Regency Division of IDEA (ein Akronym für Industrial Development Engineering Associates) in Indianapolis einen neuartigen technischen Konsumartikel – heute würde man es wohl „Spaß-Produkt“ oder Gadget nennen – in Form eines kleinen Transistor-Taschenradios für den Massenmarkt zu entwickeln, verhalf dem Germaniumtransistor zum Durchbruch: Am 18. Oktober 1954, sieben Jahre nach der Erfindung des revolutionären Bauteils Transistor, wurde das erste kommerzielle Transistorradio aus den Vereinigten Staaten, das Regency TR-1 von der Regency Division angekündigt und zum Weihnachtsgeschäft des gleichen Jahres äußerst erfolgreich auf den Markt gebracht – der Mittelwellen-Superhet mit lediglich vier Transistoren, mit seiner für damalige Verhältnisse winzigen Größe und den damit verbundenen äußerst begrenzten klanglichen Möglichkeiten, war als trendige und luxuriöse High-Tech-Novität dem damals noch mit Batterieröhren bestückten größeren Gerätetyp Kofferradio leistungsmäßig zwar in jeder Hinsicht hoffnungslos unterlegen, entwickelte sich aber trotz des hohen Preises rasant zum heiß begehrten modischen „Marktrenner“, was dazu führte, dass der TR-1 bis zum Frühjahr 1955 landesweit komplett ausverkauft war.

Im Sommer desselben Jahres erschien der von der Firma Raytheon entwickelte volltransistorierte 8TP mit acht Transistoren, der als erstes „seriöses“ Transistorradio in die Radiogeschichte einging. Bedingt durch die wesentlich großzügigeren Abmessungen und die damit wegfallenden Beschränkungen der Konstruktion glänzte das volltransistorierte Kofferradio mit besseren Empfangsleistungen, Sparsamkeit beim Stromverbrauch und guten Klangeigenschaften.

Die japanische Konkurrenz mini|Frühes japanisches Transistorradio Sony TR-52 Die im Zweiten Weltkrieg durch schwere Bombenangriffe weitgehend zerstörte Industrie Japans stieg durch umfangreiche amerikanische Hilfen zum Wiederaufbau binnen weniger Jahre in den Kreis der führenden Exportnationen auf: nachdem Japan 1952 seine volle Souveränität zurückerhielt, nahm das japanische Wirtschaftswunder – ähnlich wie im Nachkriegs-Deutschland – seinen Anfang.

In den 1950er Jahren existierte in Japan die kleine Elektronikfirma Tokyo Tsushin Kogyo.LTD, die ebenfalls im Besitz einer von Bell erworbenen Transistorlizenz war und das Marktpotential des neuen Transistorradios richtig einschätzte. Als die Regency Division 1955 wegen des Rückzugs von Texas Instruments die Herstellung des erfolgreichen Regency TR-1 aufgab, war das für die beiden japanischen Firmengründer Masaru Ibuka und Akio Morita die Initialzündung, auf dem US-amerikanischen Elektronikmarkt mit ihren Produkten Fuß zu fassen. Nachdem 1955 in Japan mit dem Sony TR-55 das erste japanische Transistorradio erschienen war, gingen die Japaner zwei Jahre später mit dem legendären TR-63 in die Exportoffensive.

Mit seinen Maßen 112 × 71 × 32 mm war es das damals kleinste Shirtpocket der Welt und eroberte sich mit seinem günstigen Preis, mit attraktivem Design, hoher Qualität und Leistungsfähigkeit sofort eine führende Marktposition sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in anderen westlichen Ländern – und leitete die langdauernde weltweite Dominanz der japanischen Transistorradio-Ära ein, an der sich zahlreiche Mitbewerber des Landes beteiligten.

mini|Reflexempfänger mit zwei Transistoren

Die Produktbezeichnung des TR-63 erhielt den eingängigen Namen SONY, der 1958 zum Firmennamen SONY avancierte und den Beginn des beispiellosen Markterfolgs eines der heute größten weltweit operierenden Medien- und Elektronik-Konzerne markierte.

Weit verbreitet unter den weniger zahlungskräftigen Interessenten waren die überwiegend aus Fernost stammenden 2-Transistor-Reflexempfänger, die mit trickreicher Schaltungstechnik und mehrfacher Ausnutzung der damals noch kostenintensiven Transistoren – vergleichbar mit dem Audion – arbeiteten. Der geringere Bauteileaufwand zusammen mit einer einfachen Empfangsschaltung – es waren im Normalfall Geradeausempfänger mit Diodengleichrichtung – und naturgemäß reduzierten Empfangsleistungen ermöglichte eine besonders günstige Preisgestaltung. Die Reflexempfänger wurden deswegen häufig auch im Spielzeugladen angeboten und waren in den anglo-amerikanischen Ländern auch unter dem Begriff boy’s radios bekannt.

Erste Serien-Transistorradios der deutschen Radioindustrie mini|links|Erstes Volltransistorradio Akkord Peggie (1957) der westdeutschen Radioindustrie mini|Erstes Volltransistorradio Sternchen (1959) der ostdeutschen Radioindustrie Auf der Industriemesse in Hannover wurde 1957 das erste Transistorradio der westdeutschen Elektronikindustrie vorgestellt: die Firma Akkord-Radio, Gerätebau A.Jäger & Söhne aus Offenbach/Herxheim, Deutschlands erste Spezialfabrik für Kofferempfänger, brachte das Mittelwelle-Radio Akkord-Peggie auf den Markt, damals noch ohne die inzwischen in der Transistortechnik überall eingeführte gedruckte Schaltung, sondern mit der aus der Röhrentechnik übernommenen freien Verdrahtung. Im gleichen Jahr folgte der Partner von Telefunken, beide Radios waren Überlagerungsempfänger mit jeweils 5 Transistoren.

Zwei Jahre später erschien auf dem ostdeutschen Elektronikmarkt das Sternchen, das erste transistorbasierte MW-Taschenradio, entwickelt im VEB Stern-Radio Sonneberg, später auch im VEB Stern-Radio Berlin mit DDR-Transistoren produziert.

Transistorradio für das Ultrakurzwellenband

mini|Modell: Nordmende Stradella mit MW/UKW aus dem Jahr 1959/60mini|Tragbares Transistorradio Transita der Firma Nordmende aus den 1960er Jahren

Im Jahr 1948 fand in Kopenhagen eine europäische Rundfunkkonferenz statt, bei der die Sendefrequenzen für Rundfunksender im Lang- und Mittelwellenbereich neu verteilt wurden. Das Ergebnis der langwierigen Beratungen, der Kopenhagener Wellenplan, trat am 15. März 1950 in Kraft und löste die 1939 verabschiedeten, aber aufgrund der Kriegsereignisse nicht umgesetzten Festlegungen der Rundfunkkonferenz von Montreux ab, die den europäischen Rundfunk-Vorreiter Deutschland außerordentlich begünstigten.

Mit dem Inkrafttreten des neuen Wellenplans änderte sich die Situation. Als Verlierer des Zweiten Weltkriegs wurden Nachkriegsdeutschland lediglich einige rundfunktechnisch ungünstige Frequenzen zugestanden. Damit rückte eine angemessene Versorgung der Rundfunkteilnehmer auf diesen Frequenzbändern in weite Ferne – im September des gleichen Jahres wurde deshalb von Rundfunkvertretern, Rundfunkindustrie und Postverwaltung die Einführung des frequenzmodulierten UKW-Rundfunks auf dem Drei-Meter-Band von 87 MHz bis 100 MHz (VHF-Band II) für den Hörfunk beschlossen und ein zügiger Ausbau des UKW-Sendenetzes betrieben. Mit einer Leistung von 250 Watt nahm in Freimann bei München am letzten Februartag des Jahres 1949 der erste frequenzmodulierte UKW-Hörfunksender Europas auf der Frequenz 90,1 MHz mit der Ausstrahlung des damals einzigen Programms des Bayerischen Rundfunks seinen Betrieb auf – die ersten alltagstauglichen FM-Röhren-Seriengeräte bzw. „Vorsatzgeräte“ zum Umrüsten vorhandener AM-Empfänger erschienen aber erst 1950 auf der ersten Nachkriegs-Funkausstellung in Düsseldorf, die ganz im Zeichen der neuen UKW-Technik stand.

Bedingt durch die hohen Übertragungsfrequenzen und die Frequenzmodulation konnte der neue UKW-Rundfunk den Radiohörern eine ganz neue akustische Dimension anbieten. Störungsfreier Empfang, verbesserte Dynamik und Verbreiterung des Tonfrequenzbandes leisteten einen gewichtigen Beitrag zum ständig steigenden Absatz von Rundfunkgeräten, ein Radio ohne UKW-Empfangsmöglichkeit war von da an nahezu unverkäuflich.

Bis zu den großen Verkaufserfolgen war von der Radioindustrie aber zunächst noch eine nicht unerhebliche Entwicklungsarbeit gefordert, da das damalige Entwicklungsstadium der Elektroniktechnologie für die komplizierte Beherrschung des VHF-Bands II noch auf einer niedrigen Stufe stand. Umfangreiche Erfahrungen lagen lediglich für das VHF-Band I vor, auf dem von 1935 bis 1944 in Deutschland vom Fernsehsender Paul Nipkow regelmäßig Sendungen ausgestrahlt wurden.

Dem neuentwickelten Halbleiterbauteil waren die vergleichsweise hohen UKW-Frequenzen noch nicht zugänglich. Wegen der niedrigen Grenzfrequenzen der Germanium-Transistoren in den frühen Entwicklungsstufen der Halbleiterfertigung wurden Geräte mit VHF-Empfangsbereichen aus technischen Gründen in einer Übergangsphase noch mit einer Röhre/Transistor-Hybridbestückung ausgerüstet – in den höherfrequenten Schaltungsteilen wie der Hochfrequenz-Vor- und Mischstufe, Lokal-Oszillator, Zwischenfrequenzstufen waren Elektronenröhren weiterhin unentbehrlich.