Die Kanäle in Amsterdam prägen das Gesicht der niederländischen Hauptstadt. Die bekanntesten Grachten sind der aus dem Mittelalter stammende einstige Stadtgraben Singel, die Herengracht, die Keizersgracht und die Prinsengracht.Geschichte von Amsterdam. Niederländisch; abgerufen am 20. Juni 2009 Zusammen haben diese vier Kanäle eine Länge von etwa zehn Kilometern während die durchschnittliche Tiefe 2,40 Meter beträgt und die durchschnittliche Breite 27 Meter. Die älteste Gracht ist der Oudezijds Voorburgwal aus dem Jahr 1385, die längste ist mit 6,3 Kilometern die Singelgracht. Und mit 31 Metern ist die Keizersgracht die breiteste Gracht. Die Gesamtlänge aller befahrbaren Amsterdamer Kanäle beläuft sich auf etwa 75 Kilometer. mini|rechts|350px|Karte der Grachten in Amsterdam-Centrum mini|rechts|Luftaufnahme des Amsterdamer Grachtengürtels mini|rechts|Abendliche Ansicht einer Gracht

Geschichte Amsterdam zählt etwa 165 Kanäle (Vaarten, Grachten), Wälle (Wallen), Kais (Kaden), Burggräben (Burgwallen), Stadtgräben (Singels), Schleusen (Sluizen), Dämme (Waterkeringen), Teiche (Vijvers) und Wassergräben (Sloten, Weteringen). Niederländisch; abgerufen am 20. Juni 2009 Im Jahr 1612 begann der Bau des Amsterdamer Grachtengürtels. Der Grachtengürtel wurde für die Errichtung herrschaftlicher Bürgerhäuser geplant, mit großen Gärten hinter den Häusern. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden 16 der Amsterdamer Grachten trockengelegt und verfüllt; zum einen aus hygienischen Gründen, zum anderen, um mehr Platz für den wachsenden Straßenverkehr zu schaffen. Das Wasser in den Kanälen war einst sauber, und „gut genug, um damit Bier zu brauen“ (Humphrey Agyekum, Amsterdamse Grachten). Da die Kanäle auch zur Abfall- und Exkrementenentsorgung genutzt wurden, verströmten die Grachten mit der Zeit jedoch einen üblen Geruch. Ende des 17. Jahrhunderts verbesserte sich diese Situation durch die Errichtung von Schleusen.Geschichte der Amsterdamer Grachten. Amsterdam.info. Zitat: „Het water in de grachten is nu schoner dan het ooit is geweest in hun geschiedenis. Driemaal per week worden de meeste sluizen rondom de stad’s nachts afgesloten. Vanuit het IJsselmeer wordt dan schoon water binnengepompt dat een stroming veroorzaakt waardoor vuil grachtenwater via openstaande sluizen aan de andere kant van de stad wordt geloosd“. Niederländisch, abgerufen am 18. September 2012 Im Jahr 1890 wurden die Rozengracht und die Warmoesgracht verfüllt. Später kamen die Vijzelgracht, die Overtoomsche Vaart, der Nieuwezijds Voorburgwal und weitere Kanäle hinzu. Nach dem Ausbau des Nieuwezijds Voorburgwals protestierte die Bevölkerung dagegen. Die Proteste hatten Erfolg. So wurden die Reguliersgracht und die Spiegelgracht nicht verfüllt. Die Mehrzahl der einstigen Kanäle hat jedoch auch nach der Verfüllung ihren Namen Gracht beibehalten.. Vom 12. Februar 2009. Niederländisch, abgerufen am 14. Juni 2009 [Website nicht mehr erreichbar. 18. September 2012]

Die Kanäle werden von mehr als 1.200 nummerierten Brücken überspannt. Brücke 1 führt über den Singel; Brücke 100 geht über die Looiersgracht. Im Jahr 1974 wurde Brücke Nr. 1000 über die Postjeskade nahe dem Rembrandtpark errichtet. Die Kanäle, die in früheren Zeiten eine wichtige Funktion als Transportwege und Verteidigungslinie erfüllten, sind heute die größte Touristenattraktion der Stadt.

Amsterdamer Grachten (Auswahl) Achtergracht rechts|mini|Häuserzeile längs der Nordseite der Achtergracht (2012) Die Achtergracht wurde um 1660 angelegt und verband ursprünglich die Reguliersgracht mit der Amstel. Im Jahr 1870 wurde der größere, westliche Teil der Gracht trockengelegt. Im Rahmen des letzten Ausbaus des Grachtengürtels wurde die östlich der Amstel gelegene und nicht direkt mit der restlichen Achtergracht verbundene Nieuwe Achtergracht gegraben. Die heutige Achtergracht liegt zwischen dem Frederiksplein und der Amstel, parallel zur nördlich gelegenen Prinsengracht im Stadtteil Amsterdam-Centrum – auf der Grenze zwischen den Wohnvierteln () Utrechtsebuurt-Zuid im Norden und Fredreikspleinbuurt im Süden. Auf der Südseite sind die Hausnummern 2 bis 26 exemplarische Beispiele früherer Lagerhäuser () mit ihren nach oben gerichteten auffälligen schlanken Trichtergiebeln ().

Admiralengracht Die in den 1920er Jahren angelegte Admiralengracht – vormals Molensloot – liegt im Stadtteil Amsterdam-West. Die Gracht verläuft von der Kostverlorenvaart in nördlicher Richtung bis zur Erasmusgracht am gleichnamigen Park.

Amstelkanaal Der Amstelkanal () wurde von dem Architekten Hendrik Petrus Berlage (1856–1934) entworfen und im Rahmen von Plan Zuid im heutigen Stadtteil Amsterdam Zuid realisiert. Der Kanal verläuft von der Amstel im Osten zum Binnengewässer De Kom im Westen, wo fünf Wasserwege zusammentreffen, von welchen vier dort auch überbrückt sind, der Amstelkanaal selber jedoch nicht. Die Straßen längs des Amstelkanals sind die Josef Israelskade auf der Nordseite und die Amstelkade auf der Südseite. Der Amstelkanal wird von fünf Brücken überquert: am Amsteldijk, bei der Van Woustraat – Rijnstraat, eine Fußgängerbrücke bei der Pieter Lodewijk Takstraat – Waalstraat, bei der Tweede van der Helststraat – Maasstraat und bei der Ferdinand Bolstraat – Scheldestraat.

Anjeliersgracht

Blauwburgwal mini|rechts|Der Blauwburgwal von der Herengracht aus gesehenDer zum westlichen Grachtengürtel gehörende Blauwburgwal liegt in der Amsterdamer Innenstadt. Die kurze Gracht führt vom Singel zur Herengracht. Der aus dem Ende des 16. Jahrhunderts stammende Kanal hieß ursprünglich Lijnbaansgracht – als Verlängerung des Lijnbaanssteeg. Als im Rahmen der Dritten Amsterdamer Stadterweiterung ab 1612 eine neue Lijnbaansgracht angelegt wurde, benannte man den Kanal um in Blauwburgwal, nach der seinerzeit Blaue Brücke () genannten, den Singel überquerenden heutigen Lijnbaansbrug.

Bloemgracht Die Bloemgracht liegt im Amsterdamer Stadtviertel () Jordaan und läuft von der Prinsengracht zur Lijnbaansgracht. Die Gracht entstand Anfang des 17. Jahrhunderts. Ein Großteil der dortigen Grachtenhäuser steht als Rijksmonument unter Denkmalschutz.

Brouwersgracht mini|rechts|Blick von der Herengracht auf die Brouwersgracht mit Melkmeisjesbrug Die Brouwersgracht verbindet den Singel mit der Singelgracht. Der Kanal gehört zum Grachtengürtel und markiert in seinem nordwestlichen Abschnitt die Grenze zwischen den Stadtvierteln () Jordaan im Südwesten und Haarlemmerbuurt im Nordosten. Die letzte Kornbranntwein-Brennerei mit dem Namen De Ooievaar hatte 1782 ihren Sitz an der Brouwersgracht. Der Name Brouwersgracht (so viel wie: Gracht der Brauereien) wurde um 1894 gebräuchlich, seinerzeit waren zahlreiche Brauereien in der Umgebung ansässig. Im Jahr 2007 wurde die Brouwersgracht durch die Leser der Amsterdamer Tageszeitung Het Parool aus 150 Nominierungen zur schönsten Straße Amsterdams gewählt.Het Parool - Mooiste Amsterdams straat (Amsterdams schönste Straße). Niederländisch, abgerufen am 11. Juli 2025.

Burgemeester Cramergracht In den 1950er Jahren wurde dieser Kanal als Teil der Westelijke Tuinsteden () angelegt und liegt im heutigen Stadtviertel () Slotermeer-Zuidoost des Stadtbezirks Amsterdam Nieuw-West. Die Gracht verbindet die Burgemeester van Tienhovengracht mit dem Sloterplas. Von 1836 bis 1841 war Willem Daniël Cramer (1788–1865) Bürgermeister von Amsterdam. Die Burgemeester Cramergracht wurde 1952 nach ihm benannt.

Burgemeester van Tienhovengracht Die 1952 nach dem früheren Amsterdamer Bürgermeister Gijsbert van Tienhoven benannte Gracht verläuft von der Erasmusgracht in westnordwestlicher Richtung zum Plein '40–'45 und stellt die Grenze dar zwischen den Stadtvierteln () Slotermeer-Noordoost und Slotermeer-Zuidoost. Längs des Nordostufers erstreckt sich der Gerbrandypark. Die Gracht wird von zwei Straßenbrücken überquert, in der Burgemeester Eliasstraat und in der Burgemeester Fockstraat, sowie von einer Bahnbrücke an ihrem östlichen Ende.

Egelantiersgracht mini|rechts|Brücke 125 Hilletjesbrug über die Egelantiersgracht, im Bildhintergrund Brücke 126 Die Egelantiersgracht liegt im Stadtviertel () Jordaan und ist nach der Weinrose () benannt. Die Gracht wurde 1612 gegraben und verläuft in westsüdwestlicher Richtung von der Prinsengracht bis zur Lijnbaansgracht. Bemerkenswert ist die große Anzahl an vornehmlich von Handwerkern erbauten Häusern aus dem 17. Jahrhundert. Die Häuser an der Gracht sind oft etwas kleiner als die monumentalen Häuser an der Herengracht, Keizersgracht, Prinsengracht oder Bloemgracht. Die meisten Gebäude an der Egelantiersgracht sind heute Wohnhäuser, darunter auch Neubauten aus den frühen 1980er Jahren. Das 1649 erbaute Treppengiebel-Haus Egelantiersgracht 8 ist ein Rijksmonument und typisches Beispiel der Amsterdamer Architektur der Renaissance.

Elandsgracht Die 1891 verfüllte ehemalige Gracht im Stadtteil Jordaan wurde 1612 von der Prinsengracht aus in westsüdwestlicher Richtung bis zur Lijnbaansgracht gegraben. Neben vielen Wohnhäusern prägen Cafés, Restaurants und Lebensmittelgeschäfte das Straßenbild. An der Einmündung in die Prinsengracht liegt der kleine Johnny Jordaan–Plein () mit Standbildern der Volks- und Stadtmusikanten Johnny Jordaan, Tante Leen, Manke Nelis und Johnny Meijer, an der Prinsengracht selber das Hausboot-Museum.

Entrepotdok mini|Entrepotdok gesehen von der Nijlpaardenbrug Das Entrepotdok – vormals Nieuwe Rapenburgergracht ist ein Kanal – und ein Kai () an seinem Nordostufer – mit ab Anfang des 19. Jahrhunderts einem Zolldepot und einer Reihe von Lagerhäusern aus dem 18. Jahrhundert. Nach langem Leerstand wurde der Komplex in den 1980er Jahren zu Gewerbeflächen und Wohnraum wieder hergerichtet. Die Gracht liegt im Stadtteil Amsterdam-Centrum und führt von der Schippersgracht im Nordwesten zur Plantage Muidergracht im Südosten. Die Gracht bildet die Grenze zwischen den Stadtvierteln () Wesperbuurt/Plantage im Südwesten und Oostelijke Eilanden/Kadijken im Nordosten.

Erasmusgracht Im Jahr 1939 wurde die nach dem niederländischen Humanisten Desiderius Erasmus (1467–1536) benannte Erasmusgracht angelegt. Sie liegt im Stadtbezirk Amsterdam-West. Parallel zur Gracht liegt südlich der Erasmuspark. Die Gracht verbindet die Stadtteile () Slotermeer-Noordoost und Slotermeer-Zuidoost im Westen mit Landlust im Osten.

Geldersekade mini|rechts|Zweisprachiges Straßenschild in der Amsterdamer Chinatown an der Geldersekade Ursprünglich schützte der Stadtgraben Geldersekade zusammen mit dem Kloveniersburgwal und dem Singel die Stadt. Die Geldersekade bildet die Grenze zwischen den Wohnvierteln () Burgwallen-Oost und Kop Zeedijk im Westen und Lastage im Osten und ist eine der ältesten Amsterdamer Grachten, die Ende des 15. Jahrhunderts ausgehoben wurde. Nachdem neue Stadtgräben angelegt worden waren, verlor die Geldersekade ihren ursprünglichen Zwecks als Stadtbefestigung. Es wurden Wohnhäuser gebaut und zwischen der Geldersekade und der Oudeschans entstand das Hafen- und Schiffbaugebiet Lastage – heute ein Wohnviertel in der Innenstadt. Die nähere Umgebung der Geldersekade – einschließlich des Zeedijks – ist Teil der Amsterdamer Chinatown.

Gouden Bocht mini|rechts|Gerrit Adriaenszoon Berckheyde: Ansicht der Gouden Bocht in der Herengracht von Osten, 1685

Die Goldene Biegung in der Herengracht ist der prächtigste Teil des Amsterdamer Grachtengürtels. Die Herengracht wurde nach 1658 bis zur Leidsegracht verlängert und bekam bei der Nieuwe Spiegelstraat eine Biegung – die Gouden Bocht. Hier wurden herrschaftliche Häuser mit klassizistischen Giebeln, Balkons, Gärten und Lauben in barockem Stil errichtet. An der Herengracht 475 liegt das Huis de Neufville von 1731, auch bekannt als das Huis aan de Bocht. Heute sind zahlreiche Banken und Versicherungsgesellschaften an der Gouden Bocht ansässig, ebenso das Goethe-Institut.

Grachtengürtel

Grimburgwal mini|Huis aan de Drie Grachten