Die NAK Stoffe AG, ehemals Neue Augsburger Kattunfabrik (kurz NAK), war eine deutsche Stoffdruckerei mit Sitz am Vogeltor in Augsburg. Sie bestand von 1702 bis 1996 unter verschiedenen Gesellschaftern und Firmennamen. Die Aktien des Unternehmens waren an der Börse München notiert. In der Fabrik wurden Gewebe aus Baum- und Zellwolle, Kunstseide und Synthetik für Kleider aller Art bedruckt und in alle Kontinente exportiert.

Lage Das Werksgelände der NAK befand sich im Augsburger Textilviertel am Vogeltorplatz im Südosten des Vogeltors. Es wurde vom Unternehmen bereits 1705 erworben und befand sich damals außerhalb der Stadtmauern.

Geschichte Anfänge des Stoffdrucks in Augsburg 1688 ging der Augsburger Tuchscherer Gerhard Neuhofer nach Holland und England, um Wissen über den Kattundruck, ein aus Indien stammendes, farbenprächtiges Druckverfahren für feine Baumwollgewebe, zu erlangen. Nach seiner Rückkehr gründete Gerhard Neuhofer zusammen mit seinem Bruder Jeremias in Augsburg die erste Stoffdruckerei auf deutschem Boden und machte die Stadt damit zum Zentrum für Stoffdruck in Deutschland.

Gründung als Cottondruckerei mini|Johannes Apfel, Kupferstich von 1741 NAK geht auf den Formschneider Johannes Apfel (* 1659, † 1743) zurück, der 1702 unter dem Namen Cottondruckerei eine Druckstube am Augsburger Rossmarkt eröffnete und Druckwalzen für den Stoffdruck herstellte. 1705 erwarb er das Grundstück am Vogeltor in Augsburg nebst einer Wasserkraft des Sparrenlechs für eine Rasenbleiche, also zum Bleichen von Stoffen. Mit einem Kupferstich aus dem Jahr 1741 wird Johannes Apfel im Alter von 82 Jahren als ein erfolgreicher Cottonfabrikant und Händler dargestellt. Er starb 1743 im Alter von 84 Jahren.

Das Unternehmen blieb für zwei weitere Generationen im Besitz der Familie Apfel. 1757 kam es zu einem Konkursverfahren. Das Unternehmen hatte Schulden in Höhe von 36.000 Gulden. 1783 verkaufte Familie Apfel das heruntergewirtschaftete Unternehmen mit 300 Beschäftigen an Johann Michael Schöppler (* 1754, † 1839) aus Nürnberg.

Schöppler & Hartmann mini|Stoffdruck von Schöppler und Hartmann aus dem Jahr 1795 Johann Michael Schöppler nahm seinen Schwager Gottfried Hartmann aus Nürnberg als Gesellschafter in das Unternehmen auf und führte es unter dem Namen Schöppler & Hartmann weiter. In diesen Jahren erlebte der Augsburger Kattundruck seine Blütezeit. 1786 hatte Augsburg 35.000 Einwohner, von denen 6.000 Menschen in Manufakturen der Stadt für den Kattundruck arbeiteten. Die Blütezeit endete 1791 mit der französischen Revolution. Die Umsätze gingen zurück und das Unternehmen musste schwere Verluste hinnehmen. Die Zahl der Beschäftigten sank auf 200. Schöppler zog sich von der Unternehmensleitung zurück, an seine Stelle trat ein weiterer Schwager, Georg Paul Forster. Mit der von Napoleon 1806 verhängten Kontinentalsperre, einem Importverbot für Waren aus England und seinen Kolonien, belebte sich das Geschäft spürbar.Festschrift der Neue Augsburger Kattunfabrik 1720-1952, Bayrisches Textil- und Industriemuseum, Augsburg mini|Carl Ludwig Forster um 1853

Unter Carl Forster Im Jahr 1807 trat Carl Ludwig Forster (* 1788, † 1877), der Sohn von Georg Paul Forster, in das Unternehmen als Mitgesellschafter und Geschäftsführer ein und wurde 1828 Alleingesellschafter. Carl Forster prägte und entwickelte das Unternehmen in besonderem Maße. Neue Ausrüstungsmethoden verbilligten und beschleunigten die Produktion. Die Stoffe des Unternehmens erlangen Weltruhm. Die Gründung des Deutschen Zollvereins am 22. März 1833 wurde von ihm mitinitiiert. 1837 war er Mitbegründer der Mechanischen Baumwollspinnerei und -weberei AG in Augsburg. Sie sollte den Rohwarenbedarf des Unternehmens decken. Aus demselben Grund gründete er auch 1856 die Weberei am Sparrenlech in Augsburg mit 112 Webstühlen.

Schöppler & Hartmann florierte. Auf einer großen Industrieausstellung in Berlin bekam das Unternehmen einen ersten Preis und Carl Forster wurde 1845 mit dem Preußischen Roten Adlerorden geehrt. 1848 waren 600 Arbeitnehmer beschäftigt, die auf sechs Druckmaschinen eine Jahresproduktion von 1 Mio. Gulden erwirtschaften.

Unter Julius und Moritz Forster Carl Forster berief 1837 seinen Bruder Johann Ernst sowie seine beiden ältesten Söhne Julius (1809 – 1866) und Moritz (1810 – 1879) in die Firmenleitung.

Der Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges 1870 führte zu Absatzstockungen. Der Versailler Friedensvertrag vom 26. Februar 1871 führte zur Angliederung von Elsass-Lothringen an das Deutsche Reich. Die starken Kattundruckereien im Elsass machten den deutschen Unternehmen Konkurrenz. Die Preise verfielen. 1870 übernahm Ernst Forster, ein Sohn von Julius Forster, die Geschäftsführung, der jedoch den weiteren Niedergang nicht verhindern konnte.Marc Heberlein: Neue Augsburger Kattunfabrik, Stadtlexikon Augsburg, 2. Auflage

Augsburger Kattunfabrik AG 1880, drei Jahre nachdem Karl Forster 1877 gestorben war, wandelten seine Erben das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um und nannten sie Augsburger Kattunfabrik AG. Dies geschah unter der Führung des Augsburger Bankhauses von Stetten.Friedrich Haßler: Die Augsburger Textil-, Metall- und Papierindustrie, in Augusta 955 - 1955, Verlag Hermann Rinn, S. 403 ff. Diesen Sanierungsbemühungen blieb der Erfolg versagt. Die Fabrikanlagen waren veraltet. Die von den USA ausgegangene Depression der Jahre 1882 bis 1885 trug auch zum Niedergang der Augsburger Kattunfabrik bei. Es kam zum Konkurs. Die Tochtergesellschaft Weberei am Sparrenlech wurde versteigert und vom Textilhandelsunternehmen Kahn & Arnold der jüdischen Unternehmer Aaron Kahn und Albert Arnold erworben. Der Konkursverwalter veräußerte das Unternehmen bei laufendem Betrieb an eine neu gegründete Gesellschaft, die Neue Augsburger Kattunfabrik AG.Volker Grub: Bericht zur Gläubigerversammlung am 5. Juli 1996 im Anschlußkonkursverfahren der NAK Stoffe AG, Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg, Y 517

Neue Augsburger Kattunfabrik AG mini|hochkant=1.6|Künstlerische Ansicht, um 1900Unter Federführung des Bankhauses Friedrich Schmid & Co. wurde am 12. Januar 1885 die Aktiengesellschaft Neue Augsburger Kattunfabrik AG gegründet. Sie erwarb Grundstücke, Maschinenvorräte und übernahm die Belegschaft aus dem Konkurs der Augsburger Kattunfabrik AG. Unter dem Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Ritter von Schmid (* 1842, † 1928) wurden bedeutende Investitionen getätigt. Der Maschinenpark wurde erneuert, die Fertigung rationalisiert und auf eine Massenproduktion ausgerichtet.

Unter Walter Clairmont Ab 1903 wurde Walter Clairmont neuer Alleinvorstand und trieb die Modernisierung des Unternehmens voran. Er meisterte einen Fabrikbrand 1904, die Kriegswirtschaft während des Ersten Weltkriegs, die Inflation 1923 und die Weltwirtschaftskrise 1929 bis 1932.

Nationalsozialismus Während die Jahre des Nationalsozialismus für die meisten Augsburger Textilunternehmen sehr schwierig waren, da die Rohstoffquellen im Ausland versiegten, ging es NAK deutlich besser. NAK wurde nach 1933 ein Lieferant für Hakenkreuzfahnen und setzte auf die von den Nazis geförderte Verarbeitung von Kunstseide und Zellwolle. Dafür wurden erhebliche Investitionen getätigt.

1935 unternahm NAK erste Versuche im Filmdruck, der bereits in den USA praktiziert wurde. Nach dem Prinzip des Siebdruckverfahrens wurden die flachen Druckschablonen zuerst mit der Hand, später maschinell auf den Stoff aufgetragen. Jede Farbe benötigte eine eigene Schablone. Nach den ersten erfolgreichen Versuchen baute NAK 1936 eine komplette Filmdruckerei auf.

1937 trat Walter Clairmont als Vorstand zurück, neuer Vorstand wurde Fritz Piepenburg. 1938 erwarb NAK die Spinnerei und Weberei am Sparrenlech Kahn & Arnold. Das Unternehmen hatte bereits zwischen 1869 und 1885 zum Vorgängerunternehmen Schöppler & Hartmann gehört. Nach der Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben waren Kahn und Arnold gezwungen, ihr Unternehmen zu verkaufen. Statt eines Kaufpreises erhielten sie Aktien der NAK, die sie gegen Reichsanleihen tauschen mussten. Die Reichsanleihen wurden für sie gesperrt und waren nach Kriegsende wertlos. Die Familien Kahn und Arnold sahen vom Kaufpreis also nichts. Berthold Kahn konnte mit seinem Sohn aus Nazi-Deutschland fliehen. Zwei Brüder Arnold wurden deportiert und starben in den Lagern Dachau und Theresienstadt. Nach dem Krieg machten Familienmitglieder der Familien Kahn und Arnold auf Grund des Militärregierungsgesetzes Nr. 59 Schadensersatzansprüche geltend. In einem Vergleich konnte sich NAK mit den Familien auf eine Entschädigung in Höhe von 2,8 Mio. DM einigen.

Der Zweite Weltkrieg Während des Zweiten Weltkriegs kam der Stoffdruck fast zum Erliegen. Hergestellt werden noch Tarnstoffe für die deutsche Wehrmacht an der Ostfront und in Afrika sowie Reichskriegsflaggen und Wimpel für die Marine. Im Kriegsinteresse wurden elektrotechnische Teile hergestellt. Dafür wurden Produktionshallen leergeräumt, drei Druckmaschinen abgebaut und eingelagert. Für diese Produktion wurden jetzt auch Fremd- und Zwangsarbeiter beschäftigt.

Während des schweren Bombenangriffes auf Augsburg am 25. Februar 1944 wurden das Werk, Maschinen und Betriebseinrichtungen zu 70 Prozent zerstört.

Die wirtschaftlichen Probleme der NAK spiegeln sich in der Zahl der Mitarbeiter während des Zweiten Weltkriegs wider. 1938 waren es 642, 1940 1090, 1942 906, 1944, vor der Zerstörung, 730 Arbeitnehmer davon 224 Zwangsarbeiter.

Nachkriegszeit Im Juni 1945 nahm NAK mit Erlaubnis der amerikanischen Militärregierung die Produktion mit den drei im Krieg ausgelagerten Druckmaschinen wieder auf. Der Kleidungsbedarf war groß. Der Aufschwung des Unternehmens setzte erst nach der Währungsreform 1948 ein. Es wurde in den Maschinenpark und den Wiederaufbau zerstörter Gebäude investiert.

1950 arbeiteten ungefähr 950 Arbeiter und Angestellte im Unternehmen, 1952 beschäftigte NAK 1993 Arbeitnehmer. Zunächst wurde nur auftragsgebunden produziert und vor allem der Einzel- und Großhandel sowie Kaufhäuser beliefert. Erst ab 1960 liefert NAK verstärkt an Konfektionäre.

NAK Stoffe Kommanditgesellschaft auf Aktien 1970 wurde das Unternehmen in die seltene Rechtsform einer Kommanditgesellschaft auf Aktien gewandelt. Die neue Firmierung lautete NAK Stoffe Kommanditgesellschaft auf Aktien. 1977 wurde Ludwig Kuttner alleiniger persönlich haftender Gesellschafter der NAK und hielt eine Mehrheitsbeteiligung am Kapital. Durch Missmanagement und die allgemein rückläufige Konjunktur in der Textilbranche verschlechterte sich die Geschäftslage der NAK zusehends. Als Ludwig Kuttner am 20. März 1983 starb, stand NAK kurz vor dem Konkurs. Seine Witwe Adelheid war Alleinerbin. Zusätzlich zahlte ihr NAK eine jährliche Pension von 380 000 DM. Seine 11 Kinder hatte er abgefunden.

NAK Stoffe AG 1983 wurde das Unternehmen wieder in eine reine Aktiengesellschaft unter dem Namen NAK Stoffe AG zurückgeführt. Werner Slansky wurde neuer Alleinvorstand.

Unter Walter Klaus 1984 verkaufte Adelheid Kuttner ihre NAK-Mehrheit an den Bauunternehmer Walter Klaus. Werner Slansky blieb Alleinvorstand. Ihm gelang die Trendwende. Die Stoffkollektionen der NAK wurden modischer. 90 % der Kunden waren jetzt Konfektionäre. Der Exportanteil stieg auf 45 % des Umsatzes. Bedeutendste Exportländer wurden die USA, England, Italien und Frankreich. Der Umsatz wuchs beträchtlich und 1985 wurde das Betriebsergebnis zum ersten Mal seit 10 Jahren wieder positiv. 1986 erzielte NAK einen Umsatz von 176 Mio. DM.25 Jahre wechselvolle Geschichte, Textilwirtschaft vom 21. März 1996

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