mini|St. Martinus zu Richrath, Blick zum romanischen Turm mini|Ansicht der Kirche von Süden St. Martinus, kurz St. Martin, ist die römisch-katholische Kirche von Langenfeld-Richrath (Kreis Mettmann). Ihre Geschichte reicht zurück in die Christianisierung des Rheinlands. Die Baugeschichte konnte in zwei archäologischen Ausgrabungen geklärt werden.
Die gleichnamige Kirchengemeinde fusionierte am 1. Januar 2011 im Zuge des erzbischöflichen Projekts „Wandel gestalten – Glauben entfalten“ mit den sieben weiteren Langenfelder Gemeinden zur Kirchengemeinde St. Josef und Martin.
Der Turm der Kirche ist als Baudenkmal geschützt.
Historische Beschreibung Eine historische Beschreibung zu St. Martin findet sich im Heimatbuch der Gemeinde Richrath-Reusrath und stammt aus der Feder des damaligen Pfarrers Theodor Breuer. Er fasste seine Kenntnisse und Eindrücke wie folgt zusammen:
Grabungsbefunde Die erste archäologische Ausgrabung an St. Martin führte Dr. Binding im Jahre 1968 durch. Eine vollständige Ausgrabung erfolgte im Jahre 2002 durch das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege, Außenstelle Overath, unter der Leitung von Dr. Gechter. In dieser Grabung wurden sämtliche Vorgängerkirchen an der Ostseite des Turms untersucht und es konnten die ursprünglichen Ergebnisse der ersten Stichgrabung aus dem Jahre 1968 revidiert werden. Da das Grabungsareal im Übrigen über 1000 Jahre als Friedhof Verwendung fand, bargen die Archäologen zudem über 70 Bestattungen. Zwei der bestatteten Frauen konnten als Maria Constantina von Vellbrück (1672–1744) und Anna Maria von Vellbrück, geb. von Vlatten (1711–1773), Ehefrau des Adam von Vellbrück, identifiziert werden. Zu den Bauphasen im Einzelnen:Stephan Meisel, „Richrath viel älter als gedacht“ in Rheinische Post vom 12. März 2003.Thomas Becker, „Neue Erkenntnisse zu St. Martin in Richrath“ in Niederwupper, Historische Beiträge 20, S. 36 ff.
Phase 1 Ein erster fassbarer Steinbau aus dem 10. Jahrhundert maß mindestens 10,80 m × 6,70 m, wobei die tatsächliche Länge aufgrund des später errichteten Turms heute nicht mehr festzustellen ist. Eine hölzerne Vorgängerkirche konnte nicht nachgewiesen werden, ist jedoch aufgrund der aufgefundenen Gräber wahrscheinlich (vor Phase 1). Die C14-Analyse aufgefundener Gebeine datierte diese auf das Jahr 796 n. Chr.Stephan Meisel, „Schon im 8. Jahrhundert“ in Rheinische Post vom 26. Juni 2004.
Phase 2 Im zwölften Jahrhundert wurde der heute noch existierende Turm gemeinsam mit einer größeren Kirche errichtet. Die Maße des beeindruckenden Turm-Bauwerks aus Bruchsandsteinen und Tuffquadern: 8,70 m × 8,96 m, Traufenhöhe 22 m, Gesamthöhe 44 m. Das Kirchenschiff maß in der Breite 8,90, in der Länge mit Rechteckchor 24,80 m und mit der mutmaßlich später angefügten Apsis 27,10 m. Der heutige, goldene Hahn ist dagegen jungen Datums. Er wurde am 3. Juni 1999 als ein Geschenk der Partnerstadt Senlis (Oise) auf dem Kirchturm angebracht. Der alte Wetterhahn fand einen Platz am neuen Kirchenschiff, vor dem inzwischen auch das hölzerne Kreuz der aufgelassenen Tochterkirche St. Pius zu finden ist.
Phase 3 Der bekannte Pfarrer (von 1767 bis 1802) und Verfasser einer überregional bekannten und bedeutenden Weltchronik, Hermann Ludovici (1731–1802), ließ 1792 anstelle der maroden Vorgängerkirche an den alten Turm ein neues Gotteshaus bauen. Seinen Angaben zufolge maß das Bauwerk außen in der Länge 90 Fuß, in der Breite 45 und in der Höhe 27 köllnische Fuß.
Phase 4 Die erneut vergrößerte dritte Kirche am alten Turm wurde in neoromanischen Stil in den Jahren 1894/95 erbaut. Von dieser Kirche ließ sich nur noch die östlich am Turm angebaute Taufkapelle im Grabungsbefund nachweisen. Dieser Kirchenbau musste im Übrigen 1965/66 einem erneut vergrößerten, inzwischen vierten Kirchenschiff am alten Turm weichen. Die Erkenntnisse der Ausgrabungen wurden durch Pflasterung auf dem Vorplatz der Kirche sichtbar gemacht.
Bedeutung St. Martins St. Martin lag an einer der beiden „Hauptstraßen“ des Mittelalters, dem Mauspfad. Dieser einstige Pfad verlief in Langenfeld in gerader Linie über den Rosendahlsberg, Hausingen, das Hagelkreuz, durch die Talstraße und über die Richrather Straße an St. Martin vorbei nach Hilden. Da der Weg bereits aus der frühen Eisenzeit stammt, bestätigt sich auch hier, dass St. Martin-Kirchen als Mittelpunkte mehrerer Siedlungen bevorzugt an einem bereits bestehenden Weg angelegt wurden. Des Weiteren ist hierzu anzumerken, dass mit der Einbeziehung Hildens, Haans und Elberfelds drei Orte in nordöstlicher Richtung lagen, die gleichzeitig eine Hauptrichtung Kölner Kirchenpolitik darstellten. Hier wird deshalb eine Wechselwirkung von Sachsenmission, Kirchenorganisation und erstem Handelsweg, nicht nur durch das Rheinland, angenommen.Rolf Müller: Stadtgeschichte Langenfeld Rheinland. Verlag Stadtarchiv Langenfeld 1992.
Orgel mini|Orgel der St.-Martins-Kirche in Richrath mini|Orgel (vom Altar aus) Die Orgel wurde 2006 von dem Orgelbauer Romanus Seifert aus Kevelaer erbaut. Das Instrument hat 30 klingende Register auf zwei Manualen und Pedal. Sämtliche Register des II. Manuals stehen auf Wechselschleifen und lassen sich wahlweise auch auf dem III. Manual registrieren. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen sind elektrisch.Nähere Informationen zur Orgel
I Hauptwerk C–a3 1. Bordun 16′ 2. Principal 8′ 3. Spitzflöte 8′ 4. Rohrflöte 8′ 5. Oktave 4′ 6. Hohlflöte 4′ 7. Quinte ′ 8. Oktave 2′ 9. Mixtur IV 10. Trompete 8′ II Récit expressif C–a3 11. Flûte à cheminée 16′ 12. Flûte traversière 8′ 13. Gambe 8′ 14. Voix céleste 8′ 15. Bourdon 8′ 16. Flûte octaviant 4′ 17. Salicet 4′ 18. Nasard ′ 19. Doublette 2′ 20. Tierce ′ 21. Fourniture IV 22. Basson 16′ 23. Trompette 8′ 24. Hautbois 8′ 25. Cromorne 8′ 26. Clairon 4′ Tremblant III Positif expressif C–a3 (Sämtliche Register des Récit expressif) Pedalwerk C–f1 27. Contrabass 16′ 28. Bordun (= Nr. 1) 16′ 29. Rohrflöte (= Nr. 4) 8′ 30. Posaune 16′ Koppeln: II/I, III/I, III/II (auch als Suboktavkoppel), III/III (Suboktavkoppel), I/P, II/P, III/P
Literatur Th. Becker: Kirche und Friedhof von St. Martin. In: Archäologie im Rheinland 2002, S. 147–149.
Einzelnachweise
Weblinks
Internetseite des Ortes kirchlichen Lebens innerhalb der Seite der Katholischen Kirchengemeinde Langenfeld (St. Josef und Martin) Internetseite der Kirche St. Martin innerhalb der Seite der Katholischen Kirchengemeinde Langenfeld (St. Josef und Martin) kkg-st-martin.de – Internetseite der ehemaligen Kirchengemeinde St. Martin (nicht aktuell) kklangenfeld.de – Internetseite der Katholischen Kirchengemeinde St. Josef und Martin
Denkmalliste Baudenkmäler
Richrath, Martinus Langenfeld, St. Martin Kategorie:Baudenkmal in Langenfeld (Rheinland) Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Nordrhein-Westfalen Richrath Langenfeld-Richrath Martinus Richrath, St. Martinus