Dieser Artikel beschreibt die Grammatik der georgischen Sprache (Eigenbezeichnung: [kartuli ena] ქართული ენა). Die Grammatik des Georgischen und der anderen sogenannten kaukasischen Sprachen ist so umfangreich, dass hier keineswegs alle Einzelheiten aufgeführt sind.

Schrift und Lautlehre

Das Georgische verfügt über eigene Schriftsysteme, die in einem eigenen Artikel beschrieben werden. Das Georgische besitzt abgesehen von Ejektiven nur wenige Laute, die im Deutschen nicht vorkommen. Schwierigkeiten bereiten vor allem die ungewöhnlichen (bis zu 8 Konsonanten umfassenden) Konsonantenbündel, vor allem am Silbenanfang. Die Betonung ist schwach und nicht bedeutungsunterscheidend, sie liegt vorwiegend am Wortanfang. h ist im Georgischen sehr selten, im Silbenanfang vor Konsonant wird es auch weggelassen.

Dem Georgischen fremde Laute Folgende Laute des Deutschen gibt es im Georgischen nicht oder nur als Assimilations-Varianten: LautBemerkungKonsonanten'f''F' in Fremdwörtern erscheint im Georgischen als behauchtes [ph]: pilmi „Film“.Ein [f] hört man nur als stimmlose Variante von 'v': vk'itxulob [fkitxɔɫob] „ich frage“.'j'Einen Buchstaben 'j' gibt es nicht. Ein i vor/nach einem Vokal gehört mit diesem nicht zur selben Silbe: iapi [i.api] „billig“.Ein [j] kann man hören, wenn ein Vokal + 'i' in der Aussprache zusammengezogen werden: sheidzleba [ʃɛi̯d͡zlɛba] „ist möglich/erlaubt“.'ch' wie in 'Licht'Es gibt nur den ach-Laut wie in 'lachen'Reibe-RDas georgische r wird wie etwa im Italienischen gerollt.Der Laut gh klingt hingegen ähnlich wie das hochdeutsche 'r'.Helles 'l'Das georgische l wird [ɫ] wie in englisch 'milk' oder russisch 'polk' gesprochen.Vokaleö, ü=y[øœ/ʏy]Das Georgische kennt nur die Vokale a, e, i, o, u.gespanntes e/o[e/o]Georgisches e und o sind offen wie in "Helm" [ɛ] bzw. "Holz" [ɔ].Oftmals hört man auch als Varianten gespanntes [e] bzw. [o]: ori [o.ri] „zwei“, dghe [dɣe] „Tag“.ungespanntes i/u[ɪ/ʊ]Georgisches i und u werden wie in "Idee" bzw. "Ural" gesprochen.

Das Georgische kennt keine Polyphthonge; nebeneinanderstehende Vokale gehören also empfindungsmäßig zu zwei verschiedenen Silben, auch wenn man sie beim Sprechen zusammengezogen hört: aucilebeli [au̯.t͡si.'lɛ.bɛ.li] „notwendig“. Steht zweimal der gleiche Vokal nebeneinander, werden beide beim Sprechen zu einem Langvokal zusammengezogen: cheebi [xɛ:.bi] „Bäume“, araa [a.ra:] „ist nicht“.

Umschrift und Aussprache Für die einzelnen Buchstaben der georgischen Schrift existieren verschiedene Transkriptionen mit lateinischen Buchstaben. Im Folgenden wird eine Schreibweise verwendet, die ohne Sonderzeichen auskommt; dabei ist zu beachten, dass mehreren Zeichen der Umschrift oftmals nur EIN Buchstabe in der georgischen Schrift entspricht.Dies gilt für sh, zh, ch; ts, dz, tsh, dzh; gh sowie für die Ejektive p’, t’, k’, ts’, ch’. In anderen Umschriften kann manc für ts,š für sh,ch / ç für tsh,j für ds,**(d)j, ĵ für dzh,g´ / γ für gh,kh für x finden. Ejektive (glottalisierte Plosive/Frikative) sind in anderen Umschriften teilweise nur mit einem untergeschriebenen Punkt statt mithilfe eines Apostrophs gekennzeichnet. In dieser Grammatik werden zusätzliche Hilfszeichen verwendet: Bindestriche (-), um die Bestandteile zusammengesetzter Wörter zu verdeutlichen; Unterstriche (_) als Platzhalter für einen ausgefallenen Laut; Apostrophe (') für die Ejektive.

Die folgenden Buchstaben der Umschrift werden wie im Deutschen ausgesprochen:

b, d, g, m, n, h werden wie im Deutschen ausgesprochen r einfach gerolltes 'r' [r] v wie in 'Vase' [v]

(Teilweise) abweichend werden ausgesprochen:

Vokale ein nicht doppeltgeschriebener Vokal ist kurz e, o sind ungespannt wie in 'Hemd, Koch' [ε, ɔ] i ist gespannt wie in 'Idee' [i] u ist gespannt wie in 'Ural' [u]

l dunkles 'l' (wie in englisch 'milk') s immer wie 'ß' [s] z stimmhaftes 's' wie in „Sonne“ [z] x wie 'ch' in 'lachen' [χ] (nie wie in 'Licht') gh stimmhaftes Gegenstück zu 'x' [γ] (Reibelaut wie in berlinerisch 'sagense ma!') sh - zh wie 'sch' [ʃ] - wie 'j' in 'Journal' [ʒ] tsh - dzh wie 'tsch' in 'deutsch' [tʃ] - wie 'dsch' in 'Dschungel' [dʒ] kv, k'v etwa wie 'qu' in 'Quelle' oder wie 'kf'

p, t, k, ts, tsh sind stets behaucht (aspiriert) [ph, th, kh, tsh, tʃh] p’, t’, k’, ts’, tsh’ werden ejektiv gesprochen [p?, t?, k?, ts?, tʃ?] q das ejektive Gegenstück zu x [χ?]

Von einzelnen Lauten gibt es Varianten je nach den Lauten in ihrer unmittelbaren Umgebung, oder aber nach Sprecher/Region: Besonders in betonter offener oder absolut auslautender Silbe erscheinen e/o auch mit gespannter Aussprache: meore [meo.re] „zweiter“. Für q gibt es mehrere Aussprachevarianten: [χ'], [q'] oder [qχ'].(Im Altgeorgischen unterschied man noch zwischen aspiriertem q` und ejektivem q´.) v wird vor stimmlosen Konsonanten wie unser [f] gesprochen.Zwischen Vokal und Konsonant erscheint es manchmal als unsilbisches [u̯]: bavshvi [bau̯.ʃvi] ('bauschwi') „Kind“.Zur Vereinfachung der Aussprache erscheint es auch mit dem Folgelaut getauscht: gakvt [gau̯kt] ('gaukt') „ihr habt“.

Ejektive Ejektive werden mit Stimmabsatz ausgesprochen, nach dem Konsonanten entsteht so etwas wie eine kurze Pause. Etwas Vergleichbares ist der deutsche Knacklaut zu Beginn einer Silbe mit Vokal: p'a etwa wie in 'gib acht!' t'a etwa wie in 'Hut ab!' k'a etwa wie in 'Schluckauf' ts'a etwa wie in 'Bootsantrieb' tsh'a etwa wie in 'Deutschaufsatz' qa etwa wie in 'mach auf!'

Konsonantencluster Stehen mehrere Konsonanten direkt hintereinander, kann sich ihre Aussprache gegenüber der Artikulation eines alleine stehenden Konsonanten ändern. Allgemein gilt, dass alle Konsonanten (auch m, n, l, r) unsilbisch sind (also keinen Silbennukleus bilden können) - die Konsonanten werden einfach nacheinander artikuliert: gats'itldebi „du wirst erröten“ ist also viersilbig (ga-ts'itl-de-bi). Stimmhafte Plosive und 'v' werden vor stimmlosen Konsonanten selber stimmlos.

Werden einzelne Morpheme zusammengesetzt, können Laute ausfallen oder umgestellt werden: v fällt weg vor Labialen (m, b, p, p' ) und meist auch vor o und u: kartveli [kartvɛli] „Georgier“ → kartuli ena „georgische Sprache“. Plosiv/Frikativ + rv/lv/mv/nv führt zur Umstellung: rva „acht“ → tvramet'i [tframɛt'i] „achtzehn“; k'lavs „tötet“ <> k'vla [kfla] „Töten“.

Deklination Das Georgische kennt weder einen bestimmten noch einen unbestimmten Artikel. Am Ende dieses Abschnitts finden sich einige Beispiele für die Informationen aus den Tabellen.

Genus Im Georgischen werden keine Genera unterschieden, nicht einmal bei Pronomen. Bei Substantiven kann das Geschlecht optional durch Komposition ausgedrückt werden: ekimi k'atsi „Arzt (m.)“ [Arzt Mann] / ekimi kali „Ärztin“ [Arzt Frau] mamali bat'i „Gänserich“ [Hahn Gans] / dedali bat'i „Gans“ [Henne Gans] xvadi lomi „Löwe“ [Männchen Löwe] / dzu lomi „Löwin“ [Weibchen Löwe] xariremi „Hirsch“ [Stierhirsch] / puriremi „Hirschkuh“ [Kuhhirsch] wazhishvili „Sohn, junger Mann“ [Sohnkind] / kalishvili „Tochter, Fräulein“ [Fraukind]

Kasus Das Georgische kennt sieben teilweise unterschiedlich bezeichnete Kasus, die durch Endungen (Suffixe) ausgedrückt werden. Die Endungen werden in substantivisch und attributiv unterteilt. Erstere werden bei Nomen in substantivischer Funktion verwendet. Die adjektivischen Endungen werden in attributiver Funktion bei Adjektiven, Zahlwörtern und dem Possessivpronomen der 3. Person verwendet; das Pluralsuffix -eb- wird bei attributiven Endungen nicht verwendet. Bei den meisten Kasus-Endungen weichen die Endungen voneinander ab, je nachdem, ob der Stamm des Substantivs auf einen Konsonanten oder einen Vokal endet, bzw. ob der Stamm auf -o/-u endet oder irgendeinen anderen Ausgang hat. Einige Kasusendungen können durch ein optionales 'a' erweitert werden. Dies geschieht unter anderem vor enklitischem -a „ist“ oder zum Wohlklang. Manchmal entfallen stammauslautende Vokale vor einer angehängten Endung.

Kasusendungen1KasusbezeichnungenVerwendungSubstantivische Endung2Adjektivische EndungNominativ [NOM]AbsolutivSubjekt der Präsens-Serie(-i)Ergativ [ERG]Narrativ3Subjekt der Aorist-SerieVokal + -mKons. + -ma(-ma)Dativ [DAT]ObjektSubjekt der Perfekt-SerieZeitangaben-s(a)-Vokativ [VOK]2Direkte AnredeVokal + -(w)Kons. + -o(-o)Adverbialis [ADV]Adverbbildung4Essiv: 'als'Translativ: zu (etwas werdend)Vokal + - d(a)Kons. + -ad(a)-Genitiv [GEN]Nominales AttributSubjekt/Objekt bei Verbalsubstantiven- s(a) nach -o oder -u-is(a) sonst1(-i)Instrumental(is) [INS]MittelZeitangaben- ti nach -o oder -u-it(a) sonst1(-i)1 Vollständig eingeklammerte Endungen erscheinen nur, wenn der Stamm auf einen Konsonanten endet; endet der Stamm hingegen auf einen Vokal, wird in diesem Kasus gar nichts angehängt.2 Ausgeklammertes 'a' ist optional.

1 Endet der Wortstamm auf -a oder -e, entfallen diese! 2 Bei Eigennamen klingt der Vokativ unhöflich, weshalb man hier den Nominativ verwendet. 3Die Bezeichnung 'Narrativ' (mot'qrobiti) bezieht sich darauf, dass dieser Kasus normalerweise nur in der Aorist-Serie auftritt, mit welcher eine Erzählung vorangetrieben wird. 4Durch den Adverbialis werden auch Adjektive zu Adverbien abgeleitet (siehe den Abschnitt Adjektive).

Als 'Kernkasus' werden Nominativ, Ergativ und Dativ bezeichnet. Je nachdem, welcher Verbklasse das prädikative Verb angehört und in welcher Screeve-Serie es konjugiert wird, erscheinen das Subjekt und eventuelle Objekte in unterschiedlichen Kasus; zwischen direktem und indirektem Objekt besteht kein Unterschied:

VerbklasseSerieSubjekt transitivSubjekt aktiv-intransitivinaktiv-intransitvObjektPräsens-SerieNominativNominativDativAorist-SerieErgativErgativNominativNominativPerfekt-SerieDativDativNominativNominativ Siehe auch objektivische Konjugation. Das indirekte Objekt steht ebenfalls im Dativ, in der Perfektserie steht stattdessen aber Genitiv + -tvis („für“).

Postpositionen

Im Georgischen werden Verhältniswörter nachgestellt (als Postpositionen), einige von ihnen verschmelzen mit dem vorausgehenden Substantiv zu einem Wort. Beispiele gibt es am Ende des Kapitels. Die Postpositionen stehen nach dem Substantiv und verlangen von diesem jeweils einen bestimmten Kasus, wobei die Kasusendung manchmal wegfällt oder verkürzt erscheint; voranstehende Adjektive erhalten nur die entsprechende Kasusendung.

VerwendungSuffixÄqualis: „(ebenso, in der Art) wie, gleich“verkürzter Nominativ/Dativ + -vit (also -(i/sa)vit)Allativ/Lokativ: „in, nach“verkürzter Dativ -shi (also -shi)Ablativ I: „von/aus (einem Ort)“„von…an, seit“verkürzter Instrumental + -dan (also -(i)dan)Ablativ II: Material „aus, von“Herkunft von einer Sache/PersonGenitiv + -ganTerminativ: „bis (zu)“verkürzter Adverbialis + -mdis/-mde (also -(a)mdis/-(a)mde)Benefaktiv „für“Genitiv + -tvis (also -(i)stvis)Komitativ: „(zusammen) mit“in Begleitung vonDativ + -tan ertad„in Richtung, -wärts“Genitiv + -k'en„vor“ (zeitlich/örtlich); vorne, vorwärtsGenitiv + -ts'in„auf, an“Komparativ: „als“Dativ + -ze„bei/an/nahe/zu/neben“Dativ + -tan

VerwendungPostpositionAbessiv: „ohne“Genitiv + garesheThema: „über, betreffs“Genitiv + shesaxeb„nach; nachher, dann, später“Genitiv + shemdeg„wegen, infolge“Genitiv + gamo„außer, nebst, ausgenommen“Genitiv + garda„während“Genitiv + dros„durch“Genitiv + mier„anstatt“Genitiv + magivrad„trotz“Genitiv + miuxedavad„hinter; hinten, zurück, rückwärts“Genitiv/Dativ + uk'an„zwischen“Dativ/Genitiv + shua„zwischen, inmitten“Dativ/Genitiv + shoris

Plural Im Plural wird zwischen Substantivstamm und Kasusendung das Suffix -eb- eingeschoben, wobei eventuelles -a im Auslaut eines Nomens entfällt. Das Pluralsuffix steht nicht vor einer attributiven Kasusendung und auch nicht bei Substantiven, denen ein Zahlwort vorausgeht. Selten trifft man auf den altgeorgischen Plural (anstelle von -eb-), der für alle Kasus besondere Formen hat: -n-i im Nominativ Plural -n-o im Vokativ Plural -t(a) in allen anderen Kasus des Plurals

Adjektive Flexion