mini|EF-Bajonett am Canon EF 28 mm f/2.8

Das Canon-EF-Bajonett ist ein Objektivbajonett-Anschluss des Herstellers Canon. Er verwendet diesen für seine analogen und digitalen Spiegelreflexkameras der Canon-EOS-Reihe. Die Bezeichnung EF bedeutet Electro-Focus. Das Bajonett wird für Autofokus-Kameras und fast ausschließlich für Autofokus-Objektive verwendet. Die Informationsübertragung zwischen Kamera und Objektiv erfolgt ausschließlich digital über einen seriellen Bus.

Das EF-S-Bajonett ist eine später entstandene Sonderform für digitale Spiegelreflexkameras mit dem APS-C-Bildformat. Das S steht dabei für Short-Back, womit ein kürzerer Abstand zwischen Filmebene und der Rücklinse des Objektivs gemeint ist (aber das Auflagemaß ist gleich).

EF-Bajonett mini|Canon-Objektiv 24-105 F4 mit EF-Bajonett

Zeitraum Das EF-Bajonett gibt es seit März 1987, als es mit der ersten Canon-EOS-Kamera, der EOS 650, erschien. Es löste in den folgenden Jahren das Canon-FD-Bajonett ab. Das EF-Objektivprogramm erreichte erst nach 1990 den Umfang des FD-Programms. Bis August 2012 hat Canon 80 Millionen Objektive und Telekonverter mit EF-Bajonett produziert;Canon Professional Network (CSP): , 21. August 2012. im April 2014 wurde das 100-millionste Objektiv produziert. Die Canon EF-Objektivserie ist mit inzwischen mehr als 80 Modellen die größte am Markt verfügbare Objektivserie.Presse-Information von Canon Deutschland: , 30. April 2014 Hinzu kommen viele Objektive von Fremdherstellern.

Entstehung Die Planung für ein Autofokus-Spiegelreflexsystem begann Ende 1981. Gleich zu Beginn wurde dabei beschlossen, ein nicht-mechanisches Interface zu schaffen, also einen vollkommen neuen Objektivanschluss mit ausschließlich digitaler Informationsübertragung. Zur gleichen Zeit konzipierte man eine zukünftige Profi-Kamera, woraus später die EOS-1 entstand. Die Entwicklungsarbeiten zu dieser Kamera begannen aber erst im Herbst 1985.Foto Magazin, September bis November 1989, Die EOS-1-Story

Konstruktion Das EF-Bajonett war eine völlige Neukonstruktion, es ist nicht mit dem Vorgänger FD-Bajonett kompatibel. Im Gegensatz zu diesem handelt es sich um ein Innenbajonett, das mit 44 mm ein größeres Auflagemaß und mit 54 mm einen größeren Durchmesser besitzt. Die Informationsübertragung geschieht über federnd gelagerte und vergoldete Kontakte an der Kamera und ebenfalls vergoldete Kontaktflächen am Objektiv. Diese Kontakte befinden sich unterhalb des Reflexspiegels der Kamera. Die Übertragung geschieht digital, infolgedessen besitzen die meisten EF-Objektive einen eingebauten Mikroprozessor. Autofokus-Objektive benötigen überdies einen eingebauten Motor für die Scharfstellung.

Die ersten Objektive waren mit Schrittmotoren ausgestattet, später kamen besonders leise arbeitende Ultraschallmotoren und Ultraschall-Ringmotoren. Neuere Objektive erlauben oft einen einfachen manuellen Eingriff in die Fokussierung, ohne zuvor auf manuell umschalten zu müssen.

Bedienung Das EF-Bajonett an der Kamera besitzt an der Oberseite einen roten Punkt, dieser muss dem roten Punkt am Objektiv beim Ansetzen gegenüberstehen. Dann wird das gesamte Objektiv nach rechts gedreht, bis es einrastet. Zum Entriegeln wird eine Taste gedrückt, die sich im Gegensatz zur letzten Ausführung des FD-Bajonetts an der Kamera und nicht mehr am Objektiv befindet.

EF-Objektive werden elektrisch abgeblendet, also nur dann, wenn die elektrischen Kontakte mit jenen der Kamera verbunden sind. Für manuelle Objektive muss ein Adapter benutzt werden und es werden keine Daten zwischen Objektiv und Kamera ausgetauscht. Insbesondere Makro-Objektive oder Anschlüsse an Mikroskope oder Teleskope erfordern EF-Adapter. Die Blende sowie der Fokus wird am Objektiv manuell eingestellt. Eine digitale Rückmeldung an die Kamera ist so nicht möglich.

Wenn das Objektiv in Retrostellung betrieben werden soll, kann es von der Kamera abgenommen werden, während die (nicht an allen EOS-Kameras vorhandene) Abblendtaste gedrückt gehalten wird. So bleibt das Objektiv abgeblendet.

EF-Balgengeräte gibt es nur von Fremdherstellern. Diese bieten oft auch eine Kabelverbindung zwischen Kamera und Objektiv. Diese sind jedoch nur für digitale Objektive mit EF-Anschluss erforderlich. Manuell bedienbare Objektive – also ohne motorische Fokus- und Blendensteuerung – benötigen keine Kabelverbindung.

Von wenigen einfachen Objektiven abgesehen lassen sich alle EF-Objektive mit einem Einstellring manuell fokussieren. Das funktioniert auch dann, wenn das Objektiv nicht an die Kamera angeschlossen ist. Der Autofokus-Betrieb wird mit einem Schiebeschalter am Objektiv geschaltet. Bei gewöhnlichen EF-Objektiven ist der Einstellring bei Einstellung auf manuellen Fokus mechanisch entkoppelt und lässt sich frei bewegen. Objektive mit Full-Time Manual Focus lassen sich auch dann manuell scharfstellen, wenn sie auf Autofokus geschaltet sind. Dies erlaubt es, nach erfolgter Scharfstellung durch die Kamera korrigierend einzugreifen. Die Blende ist hingegen nur elektronisch und an der Kamera verstellbar.

Auf die manuelle Fokussierung angewiesen ist die Canon EF-M, eine Kamera mit EF-Bajonett, aber ohne Autofokus, die deswegen auch nicht EOS hieß. Sie war von September 1991 an für drei Jahre im Canon-Programm, hatte aber keine nennenswerte Bedeutung.

Die meisten Teleobjektive besitzen eine Begrenzung für den Autofokus, die am Objektiv geschaltet werden kann. Dann wird nicht im gesamten Entfernungsbereich, sondern beispielsweise nur von 5 m bis unendlich fokussiert. Dies vermeidet ein lange dauerndes Fokussieren, wenn der Autofokus keinen ausreichenden Kontrast misst und deswegen den gesamten Bereich durchfährt. Es schont auch den Energievorrat des Akkus der Kamera.

Bei Objektiven mit Bildstabilisator kann man diesen abschalten oder sein Wirkungsprofil wählen. Bei Sigma- und Tamron-Objektiven lässt sich das Profil sogar mit Hilfe eines Computerprogramms an die eigenen Bedürfnisse anpassen und den Stellungen C1, C2 usw. am Objektiv zuordnen. Diese Einstellung erfolgt allein am Objektiv und nicht über die Kamera, so dass geeignete Belichtungszeiten manuell eingestellt werden müssen.Kommunikation Gehäuse - Objektiv, test.de vom 16. März 2016, in: Reise-Zoomobjektive: Für nah und fern, abgerufen am 8. Januar 2017 Das wird sich erst ab der Canon EOS-R5 ändern, denn diese Kamera wird mit Stabilisator gebaut und hält daher die notwendigen Information bereits im Gehäuse vor.

Datenübertragung Die Datenübertragung zwischen Kamera und Objektiv erfolgt digital über ein serielles Protokoll (SPI). Canon hat bislang weder die Anschlussbelegung noch das verwendete Datenübertragungsprotokoll veröffentlicht. Dies stellt insbesondere für Fremdhersteller von Objektiven eine Hürde dar (siehe Abschnitt Kompatibilität).

Die mittels Reverse Engineering ermittelte Anschlussbelegung lautet in den Spiegelkasten geblickt von links nach rechts:

+Anschlussbelegung: Canon EF-Bajonett Name Funktion Bemerkung Bild VBAT +5,8 … 8,4 V für Leistungselektronik (Autofokus-Motor und gegebenenfalls Bildstabilisator) Besitzen alle Kameras und alle Objektive 150px LDET Objektiverkennung: am Objektiv mit PGND verbunden, im Kameragehäuse über Pull-up mit VDD verbunden. PGND Masse für Leistungselektronik VDD +5,0 V (+4,5 V im Stromsparmodus) für digitale Elektronik DCL serielle Daten vom Kameragehäuse zum Objektiv (MOSI), OC DLC serielle Daten vom Objektiv zum Kameragehäuse (MISO), OC LCLK Taktsignal (zirka 77 kHz), generiert vom Kameragehäuse (SCLK, CPOL=1), OC DGND Masse für digitale Elektronik COM1 Pin zum Signalisieren von Tele-Konvertern Vorhanden bei vielen Objektiven der L-Serie sowie bei einigen Makro-Objektiven 150px EXT0 Verbunden mit COM1 bei: 1,4-fach Telekonverter Life Size Converter (Erweiterung für EF 50/2,5-Makro für Abbildungsmaßstäbe bis 1:1) EXT1 Verbunden mit COM1 bei: 1,4-fach Telekonverter 2-fach Telekonverter

Die Daten werden bidirektional mit dem im Mikrocontrollerbereich weit verbreiteten SPI-Protokoll übertragen. Die verwendete Datenbreite beträgt 8 Bit.

Die Bildstabilisierung erfolgt vollständig im Objektiv, und die entsprechenden Einstellungen (An/Aus, Modus) werden nicht an das Kameragehäuse übertragen. Der Nutzer muss selbst für geeignete (nicht zu lange) Belichtungszeiten sorgen, zum Beispiel durch Verwendung der Blendenautomatik mit manueller Zeiteinstellung.Lens technologies: Image Stabilisation (IS), EOS Magazine, abgerufen am 19. August 2020

Anmeldevorgang eines Objektivs:

Objektiv schließt Pin 2 und Pin 3 kurz. Daraufhin aktiviert die Kamera die Spannungsversorgung für die digitale Datenübertragung (VDD). Objektiv gibt sich per seriellem Bus zu erkennen. Wenn alles in Ordnung ist, schaltet die Kamera auch die Spannungsversorgung für die Leistungselektronik (VBAT) zu

Kompatibilität Alle Canon-EF-Objektive funktionieren an allen EOS-Kameras. Mit älteren Fremdobjektiven gibt es teilweise Probleme, indem sie mit neueren Kameras nicht mehr zusammenarbeiten. Eine der bekannten Ursachen ist eine Reduktion der Versorgungsspannung Vdd von 5 auf 3,3 V. Das Problem lässt sich nur durch einen Wechsel der Elektronik des Objektivs beheben.

Adapter für fremde Objektivanschlüsse Objektive mit dem FD-Bajonett lassen sich nicht direkt, sondern nur über Adapter anschließen. Wegen des größeren Auflagemaßes des EF-Bajonetts kann das Objektiv dann nicht mehr bis unendlich fokussiert werden, der Adapter wirkt also wie ein Zwischenring. Deshalb gibt es auch Adapter mit Linsen, die im Prinzip Telekonverter sind. Neben Produkten von Fremdherstellern (oft nur mit einer einzelnen Zerstreuungslinse, was eine mäßige Bildqualität ergibt) existiert hierfür der Canon Lens Mount Converter FD-EOS für bestimmte FD-Teleobjektive, der die Brennweite auf das 1,26-fache verlängert und entsprechend die Lichtstärke um 2/3 Blendenstufen vermindert.

Objektive mit den Anschlüssen F-Bajonett, M42, T2, Pentax-K-Bajonett, Yashica/Contax, Leica R oder Olympus OM lassen sich, da sie ein größeres Auflagemaß haben, ebenfalls mit einem Adapter anschließen. Dies gilt auch für manche Mittelformat-Objektive, beispielsweise mit P6-Bajonett.

Bei adaptierten Objektiven müssen Blende und Entfernung am Objektiv manuell eingestellt werden.

EF-S-Bajonett mini|EF-S-Bajonett, erkennbar an der weißen – anstatt roten – Positionsmarkierung unter dem Canon-Schriftzug mini|Vergleich der Objektivanschlüsse EF (links) und EF-S (rechts), letzterer mit zusätzlichem Hartgummiring mini|EF-S Bajonett einer Canon EOS 550D, mit vertieftem Spiegelkasten und der zusätzlichen weißen Anschlussmarkierung

Der Canon EF-S-Objektivanschluss ist für Kameras mit APS-C-Sensorgröße gedacht, mit einem Formatfaktor von 1,6 zum Kleinbildformat. Es ist bis auf den weiter in die Kamera hineinragenden Objektivtubus mit dem EF-Bajonett identisch. EF-Objektive können an alle EOS-Kameras angeschlossen werden, aber EF-S-Objektive nur an solche mit APS-C-Sensor, wobei auch einige ältere APS-C-Modelle ausgenommen sind.

Zeitraum und Bedeutung Das EF-S-Bajonett erschien im September 2003 mit der Canon EOS 300D. Diese und alle nachfolgenden APS-C-Format EOS-Digitalkameras können zusätzlich zu EF- auch EF-S-Objektive aufnehmen. Die vorher erschienenen EOS-Digitalkameras für dieses Format können das jedoch nicht, da sie noch mit dem gewöhnlichen EF-Bajonett versehen sind. Dies sind die Modelle EOS D30, EOS D60 und EOS 10D.

Kameras mit einem größeren Sensor besitzen weiterhin das gewöhnliche EF-Bajonett, EF-S-Objektive sind an diesen Kameras nicht verwendbar. Das sind die EOS-1D mit ihrem APS-H-Sensor entsprechend dem Formatfaktor 1,25 (Sensorgröße 28,7 mm × 19,1 mm) und die EOS-1D X, EOS 5D, EOS 6D sowie deren Vorgängermodelle (1Ds-Serie und 5D-Serie) die alle einen Kleinbildsensor (Sensorgröße 35,9 mm × 23,9 mm) aufweisen.

Idee