mini|Philips-Radio, Typ 930A (1931) Die Koninklijke Philips N.V. ( für Königliche Philips-Aktiengesellschaft, kurz Philips) ist ein Hersteller von Elektrogeräten einschließlich Gesundheitstechnologie und (ehemals) Tonträgern mit Sitz in Amsterdam.
Das Unternehmen änderte seinen Fokus von Unterhaltungselektronik, Halbleiter- und Lichttechnik auf die Bereiche Personal Health mit Haushaltskleingeräten wie Rasierapparaten, Luftreinigern und elektrischen Zahnbürsten sowie auf Health Systems und den professionellen medizintechnischen Bereich (insbesondere der Radiologie). Auch die Sparte Haushaltsgeräte (Kaffeevollautomaten, Heißluftfritteusen, Dampfbügeleisen) wurde 2021 an die chinesische Private-Equity-Gesellschaft Hillhouse Capital Group verkauft. Im Bereich der Unterhaltungselektronik (Audio, TV) besteht heute eine Lizenzvereinbarung zur Nutzung der Marke durch das chinesische Unternehmen TPV Technology.
Aus ehemaligen Geschäftsbereichen von Philips hervorgegangene, heute noch existierende Unternehmen sind u. a. ASML, NXP Semiconductors, TP Vision und Signify.
Unternehmensgeschichte Gründung und Aufbau: 1891–1930 mini|Erste Philips-Fabrik in Eindhoven mini|Aktie über 1000 Gulden der Philips’ Gloeilampenfabrieken vom 14. Dezember 1928 Am 15. Mai 1891 wurde das Unternehmen Philips & Co. im niederländischen Eindhoven von Frederik Philips zusammen mit seinem Sohn Gerard gegründet. Als erste Produkte des Unternehmens wurden im Jahr darauf mit zehn Arbeitern Glühlampen hergestellt. In den folgenden Jahren expandierte das Unternehmen und Gerards Bruder Anton Philips trat 1895 in das Unternehmen ein. Am 29. August 1912A. Heerding: Philips, Gerard Leonard Frederik (1858–1942). In: Biografisch Woordenboek van Nederland. Band 3. Den Haag 1989. Huygens Institute for History and Culture of the NetherlandsInstitute for History of the Netherlands, 2013. Auf Huygens.knaw.nl, abgerufen am 29. Dezember 2023 (niederländisch). wurde Philips & Co. in eine Aktiengesellschaft (niederländisch: Naamloze Vennootschap (N.V.)) überführt und in N.V. Philips’ Gloeilampenfabrieken umbenannt.
1914 wurde das Forschungslabor Philips Natuurkundig Laboratorium (NatLab) in Eindhoven gegründet.
1918 brachte Philips seine erste Radioröhre auf den Markt. Zu dem Zeitpunkt arbeiteten bereits 4000 Mitarbeiter für Philips, und es entstanden Vertriebsorganisationen in allen bedeutenden Absatzmärkten der Erde.
1920 wurde die N.V. Gemeenschappelijk Bezit van Aandeelen Philips Gloeilampenfabrieken (N.V. Bezit) als Holding der Philips-Gruppe errichtet. Erst 1991 wurde die Firmierung N.V. Bezit gelöscht und die Firmierung der Holding zu Philips Electronics N.V. geändert.
1926 wurde im Forschungslabor Natlab die Pentodenröhre für Radios erfunden und im selben Jahr die Deutsche Philips G.m.b.H. in Berlin gegründet.Unternehmensgeschichte von Philips in Deutschland. In: euroarchiveguide.org (englisch) Bei dieser Gründung umfasste das deutsche Lieferprogramm vier Produktlinien: Lautsprecher, Gleichrichter, Netzanschlussgeräte und Ersatzröhren.
1927 erfolgte der Einstieg in die Medizintechnik. Nachdem bei Philips die ersten Forschungen auf dem Gebiet der Röntgenröhren im Jahr 1917 anliefen, begann 1920 die Röntgenröhrenfertigung mit dem Resultat der ersten Philips Röntgenröhre im Jahr 1922. Am 17. April 1927 gingen die Firma C.H.F. Müller, deren Inhaber seit 1909 der Chemiker Max S. Liebermann, ein Neffe des Malers Max Liebermann war, sowie die Tochtergesellschaft Radio Röhrenfabrik GmbH („Valvo“) in den Besitz der Philips AG unter dem Namen „C.H.F. Müller Unternehmensbereich der Philips GmbH“ über. Die Verknüpfung der langjährigen Erfahrungen von C.H.F. Müller in der Fertigung von Röntgenröhren in Hamburg mit den Ergebnissen der Forschungen über Röntgenröhren in Eindhoven bildet für Philips weltweit eine wichtige Basis für die späteren Erfolge in der Medizintechnik. Der Hauptsitz von Philips Medical Systems ist seitdem Hamburg. Eine weitere Niederlassung befindet sich in Böblingen.
Kriegs- und Nachkriegszeit: 1930–1960 mini|hochkant|Werbung für Philips-Autoradio (1937) mini|links|Bombenangriff auf Philips Eindhoven, 6. Dezember 1942 mini|Philips-Mikrofon für Tonbandaufnahmen (1955) mini|Tonbandgerät-Mikrofon der Firma Philips mit dreipoligem Diodenstecker (1960er Jahre) mini|Philips-Radio Jupiter Phono-Super 465 mit Plattenspieler Typ HD 465 A (1957) mini|Auto-Plattenspieler Auto-Mignon von Philips, um 1960, im Volksmund auch „Plattensäge“ genannt Nach den erfolgreichen 1920er Jahren hatte auch Philips mit den Folgen der Weltwirtschaftskrise zu kämpfen und musste sein Vertriebsnetz umstrukturieren. 1934 eröffnete Philips eine Rundfunkgerätefabrik in Aachen. Aus dem Werk stammten zum Beispiel die Rundfunkgeräte-Typen Aachen Super und der erste Philips-Trockenrasierer Philishave. Beide Produkte trugen maßgeblich zum Erfolg von Philips in Deutschland bei.
Das Unternehmen stellte 1928 in verschiedenen europäischen Städten seine ersten Fernsehgeräte vor. Zu diesem Zeitpunkt waren 45.000 Menschen bei Philips angestellt. 1939 folgte die Einführung des Rasierers Philishave mit rotierendem Schersystem, dessen Grundprinzip bis heute unverändert in die Philips-Rasierer einfließt.
Die Allgemeine Deutsche Philips Verwaltungs GmbH (Alldephi) wurde gegründet, um die Rechte der niederländischen Muttergesellschaft wahrzunehmen. Doch der Zweite Weltkrieg beendete zunächst den weiteren Aufbau des Unternehmens in Deutschland. Der Geschäftsführer von Philips in Deutschland, Theodor Graf von Westarp, musste bei Kriegsbeginn auf Grund seiner Meinung zur politischen Situation in Deutschland seine Verantwortung abgeben.
Während des Zweiten Weltkrieges standen die niederländischen Werke als sogenanntes „Feindvermögen“ unter deutscher Zwangsverwaltung. Das Philips-Stammwerk in Eindhoven produzierte Bauteile und Geräte für die Wehrmacht und wurde daher während des Krieges von alliierten Flugzeugen mehrfach angegriffen, dabei wurde die Hauptverwaltung durch Bomben zerstört. In Aachen endete mit der Evakuierung der Stadt zunächst die dortige Produktion. Im KZ Herzogenbusch mussten Häftlinge in Zwangsarbeit für Philips produzieren.
mini|Mittel- und Langwellen-Autoradio mit Elektronenröhren (1950er Jahre) Nach Kriegsende begann der Wiederaufbau; zusätzlich entstanden weitere Werke und Niederlassungen. Zunächst übernahm Graf von Westarp, der schon kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges von den Alliierten in seine frühere Funktion wieder eingesetzt wurde, die Leitung der Deutschen Philips GmbH. 1946 wurde die Hauptverwaltung von Berlin nach Hamburg verlegt und in Aachen ein Glühlampenwerk gegründet. Danach entwickelte sich das Unternehmen zu einem vielseitigen Elektronik- und Technologieanbieter mit Aktivitäten in Forschung, Entwicklung, Produktion und Vertrieb. 1947 entstand in Aachen eine Glasfabrik, und in der 1948 gegründeten Apparatefabrik in Berlin startete Philips die Produktion von Rundfunkgeräten, Trockenrasierern, Phono- und Tonbandgeräten sowie Elektrorasierern. Die neu errichtete Apparatefabrik in Wetzlar nahm ebenfalls 1947 ihre Produktion mit dem Rundfunkempfänger D78A auf. Reiseempfänger und Autoradios zählten neben Heimempfängern zu den größten Produktbereichen. Noch bis Ende der 1990er Jahre wurde dort produziert.
1950 trat Philips in den Tonträger-Markt ein, etablierte den Produktbereich Musik und gründete seine erste Tochtergesellschaft für Schallplattenaufnahmen, die Philips Phonographische Industrie. Diese Aktivitäten mündeten in einer 50-prozentigen Beteiligung an der Deutschen Grammophon Gesellschaft (später umbenannt in PolyGram). In der Apparatefabrik in Krefeld nahm Philips 1951 die Produktion von Fernsehern auf. In den folgenden Jahren vergrößerte das Unternehmen seine Präsenz sowohl in Hamburg als auch in Aachen. In Hamburg begann Philips mit der Entwicklung und Fertigung von Halbleitern, in Aachen nahm der Konzern 1954 die Produktion von Bildröhren auf. 1955 wurde das deutsche Philips Forschungszentrum in Aachen gegründet. Schon 1957 weitete Philips seine Forschungsaktivitäten aus und gründete ein Forschungslabor in Hamburg.
Weltweiter Erfolg: 1960–1990 mini|Einer der ersten Kassettenrecorder: Philips EL 3302 (1968) mini|hochkant=.85|Infrarotlichtlampe infraphil (ca. 1975) mini|Der erste Philips CD-Player CD-100(1982) mini|Philips Roller (1986) Entwurf: Graham Hinde mini|Tonbandgerät Philips EL 3541 RK14 von 1960 Auf der 23. Großen Deutschen Funk-Ausstellung in Berlin stellte Philips im August 1963 die Compact Cassette und den zugehörigen Kassettenrekorder vor.
1967 wurde das von Walter Bruch entwickelte Farbfernsehen nach dem PAL-System in Deutschland eingeführt. Im gleichen Jahr begann das Philips-Tochterunternehmen Valvo im Werk Aachen mit der Serienproduktion von Farbbildröhren. Im Aachener Philips-Forschungslabor wurde die UKW-Ferritantenne entwickelt.
Im Bereich Licht brachte Philips Anfang der 1980er Jahre als erstes Unternehmen kompakte, energiesparende Leuchtstofflampen heraus: die SL*-Lampe (1980) und im Jahr darauf die PL*-Lampe.
Im Jahr 1982 entstand die Philips Kommunikations Industrie AG (PKI), in der die Bereiche Büro- und Telekommunikation zusammengefasst wurden. 1982 kam die Compact Disc, eine Gemeinschaftsentwicklung von Philips und Sony, in Europa und Japan in den Handel. Innerhalb von 25 Jahren wurden weltweit mehr als 200 Milliarden CDs produziert. Im Jahr 1984 erzeugte das Forschungslabor in Hamburg Bilder des menschlichen Kopfes mit Hilfe der Kernspin-Tomographie, einem diagnostischen Verfahren ohne Röntgenstrahlen.
1986 kam der Radio-Kassettenrekorder „Roller“ auf den Markt. Die Betrachtung des Geräts als Modeartikel wurde auch bei Philips intern sehr kritisch gesehen. Das Gerät wurde ein großer Erfolg, über 700.000 Exemplare wurden innerhalb kurzer Zeit zum Preis von 200 DM abgesetzt.
Umbau und Aufbruch: 1990 bis heute mini|Philips-Zentrale in Amsterdam um 2005 mini|Moderner Philips-Rasierer, um 2010
In den 1990er Jahren kam es zu einer tiefgreifenden Reorganisation des Unternehmens. Die seit 1912 bestehende Firma N.V. Philips’ Gloeilampenfabrieken wurde 1991 in Philips Electronics N.V. geändert. 1997 wurde der Unternehmenssitz von Eindhoven nach Amsterdam verlegt und die Firma in Koninklijke Philips Electronics N.V. (Royal Philips Electronics N.V.) umbenannt.
Nach der Deutschen Wiedervereinigung investierte Philips in die neuen Bundesländer und übernahm 1991 sowohl die RFT Fernmeldewerk GmbH in Bautzen als auch die Narva Speziallampen GmbH in Plauen, ein weltweit operierendes Unternehmen im Bereich Fahrzeugbeleuchtung.
In der Folgezeit wurden mit Hilfe branchenübergreifender Partnerschaften neue Märkte erschlossen: In Kooperation mit Partnern kam 1997 die erste DVD auf den Markt. 2001 übernahm Philips im Rahmen der Akquisition der Healthcare Solution Group (HSG) von Agilent Technologies auch das Entwicklungs- und Fertigungszentrum für Patientenmonitore in Böblingen.
2002 wurde in Kooperation mit dem niederländischen Kaffee-Produzenten Douwe Egberts die Kaffeemaschine „Senseo“ eingeführt. Beiersdorf (Nivea) lieferte die Emulsion für den Philips Trocken-Nass-Rasierer „Coolskin“. Aachen ist seit 2004 Schwerpunkt für die Forschung an Organischen Leuchtdioden (OLED). Das DMC in Hamburg wurde durch ein neues Kompetenzzentrum für Röntgengeneratoren ergänzt. Gemeinsam mit dem Brauereikonzern InBev wurde 2005 das Heimzapfsystem „PerfectDraft“ auf den Markt gebracht.
Der Konzern konzentrierte sich ab 2006 auf seine Kernkompetenzen in den Bereichen Healthcare, Lifestyle und Technologies; so wurde das Halbleitergeschäft in eine eigenständige Gesellschaft, heute NXP, überführt und 80,1 % der Anteile an ein Finanzinvestoren-Konsortium verkauft. Im Herbst 2006 ergänzte Philips sein Portfolio durch die Übernahme des Laserdioden-Spezialisten ULM Photonics.