Gettenbach ist der „kleinste“ (= bevölkerungsschwächste) Ortsteil der Gemeinde Gründau im hessischen Main-Kinzig-Kreis. Der Ort hat seinen Namen durch den Gettenbach, der durch die Gemarkung des Ortsteils und die des Nachbar-Ortsteils Hain-Gründau fließt und in die Gründau mündet (Einen Bach gleichen Namens gibt es in dem Ortsteil Klein-Bicken in der Gemeinde Mittenaar im Lahn-Dill-Kreis).

Lage, Grenzen, Größe mini|Ehemaliges Jagdschloss der Grafen zu Ysenburg-Büdingen-Meerholz mini|Forsthaus mini|Backhaus

Die Gemarkung des Gründauer Ortsteils liegt wie die des Ortsteils Breitenborn vollständig im Büdinger Wald (Haupteinheit 143 nach der Liste der naturräumlichen Einheiten in Hessen). Der Anteil des Waldes an der Gemarkung beträgt über 90 %.

Gettenbach grenzt im Norden an die Gemarkung der Gründauer Ortsteile Hain-Gründau und Breitenborn und die der Stadt Büdingen, im Osten an die Gemarkungen der Stadtteile Wittgenborn und Wächtersbach der Stadt Wächtersbach, im Süden an die Gemarkungen der Stadtteile Haitz, Gelnhausen und Roth der Stadt Gelnhausen und (weiter innerhalb der Gemeinde) im Süden und Westen an die Gemarkung des Gründauer Ortsteils Lieblos.

Die Gemarkung des Ortsteils umfasst 1363 ha (davon 1272 ha Wald); das ist die zweitgrößte Gemarkungsfläche der Gründauer Ortsteile.

Die drei Dörfer im Büdinger Wald (Breitenborn A. W., Gettenbach und Hain-Gründau) sowie das westliche Nachbardorf Mittel-Gründau im Ronneburger Hügelland hatten über dreihundert Jahre vor der Gebietsreform in Hessen in den 1970er Jahren besondere Beziehungen und „fließende Grenzen“. Die Gemarkungsgrenzen sind mehrfach berichtigt worden.Heinrich Georg Semmel: Grenzland Gründau – Eine Staatsgrenze durch Gründau und Heinrich Georg Semmel: Zum Verlauf der ehemaligen Staatsgrenzen zwischen den heutigen Gemarkungen Hain-Gründau einerseits, Breitenborn, Gettenbach, Lieblos und Mittel-Gründau andererseits in: Grindaha, Heft 25, Geschichtsverein Gründau e. V., Gründau 2015 S. 129 ff., S. 143 ff.

In Gettenbach befindet sich der geographische Mittelpunkt der Gemeinde Gründau (im Unterdorf, vor der Südwand der alten Mühl-Scheune (=Mühl-Scheuer) der ehemaligen Gettenbacher GetreidemühleWilli Klein: Zur Geschichte des Mühlenwesens im Main-Kinzig-Kreis – Nr. 288 Getreidemühle Gettenbach, Selbstverlag des Hanauer Geschichtsvereins 1844 e. V. und der Wetterauischen Gesellschaft für die gesamte Naturkunde zu Hanau, gegr. 1808 e. V., Hanau 2003 S. 328 f. im Unterdorf auf dem Bürgersteig).Der Mittelpunkt liegt in Gettenbach. In: Gelnhäuser Tageblatt Extra v. 25. Juli 2012.Die Scheune Eichelkopfstraße 15, Flur 1, Flurstück 16/3 im westlichen Ortsteil des Dorfes (Unterdorf) wird in der Denkmaltopographie (Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland – Kulturdenkmäler in Hessen – Main-Kinzig-Kreis II (Altkreis Gelnhausen), Band II.2, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2010, S. 703, ISBN 3-8062-2469-2) fälschlich der ehemaligen Papiermühle (im Oberdorf) zugeordnet.

Geologie und Naturraum Der Büdinger Wald ist nach der naturräumlichen Gliederung Deutschlands ein nach Norden über die Kinzig vorspringender Spessart-Ausläufer, der zum Hessisch-Fränkischen Bergland (Haupteinheitengruppe 14) gezählt wird. Dieser schiebt sich von Süden vor die gegen die Untermainebene (der Oberrheinischen Tiefebene; Haupteinheitengruppe 23) gerichtete Südabdachung des Vogelsberges. Als nordwest-südost-verlaufende Buntsandsteinscholle von 350 bis 416 m Höhe bildet er im Wesentlichen eine Sandsteinhochfläche, auf deren lehmigen Sandböden sich ein fast geschlossenes Waldgebiet befindet, zum größeren Teil Laubwälder,Die Naturräume Hessens und ihre Haupteinheiten, dort Nr. 143 Büdinger Wald. insbesondere das große unzerschnittene Gebiet nördlich von Gelnhausen bis ins Litterbachtal (im Gründauer Ortsteil Breitenborn), das Gebiet liegt bis auf die Ränder in der Gemarkung des Ortsteils Gettenbach.

In der Gemarkung befinden sich drei Sandsteinbrüche, die aber seit ca. 1960 nicht mehr in Betrieb sind; ein Basaltsteinbruch (am Eichelkopf, 385 m über NHNFür die Verteilung zwischen Sandstein und Basalt im Gebiet der Gemarkungen der Ortsteile Gettenbach und Breitenborn der Gemeinde Gründau s. Bernd Leßmann, Hans-Jürgen Scharpff, Angelika Wedel, Klaus Wiegand: Grundwasser im Vogelsberg (mit zahlreichen Karten) Wiesbaden 2000Carl Röthe: Chemische Analyse des Basalts vom Eichelkopf bei Gettenbach in der Gegend von Gelnhausen in Hessen – 16. Bericht des naturwiss. Vereins für Schwaben, Augsburg (Jahrbuch) 1863 S. 83 f.) ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts nicht mehr in Betrieb. Basalt wurde danach in dem nördlich gegenüber liegenden Bergrücken in der Gemarkung Breitenborn abgebaut (der Basaltsteinbruch Breitenborn war der größte Basaltbruch in den Ländern der alten Bundesrepublik).Für die Verteilung zwischen Sandstein und Basalt im Gebiet der Gemarkungen der Ortsteile Gettenbach und Breitenborn der Gemeinde Gründau siehe:

Geschichte Historische Schreibweisen des Ortsnamens Gettenbach wird in den historischen Urkunden als Gettenbach (1252), Gettinbach (1369, 1377), Jettenbach (1375), Gettenbach (1380), Gettinbach (1515), Göttebach (1739), Gertenbach (1771), Getebach (1797) bezeichnet. Ob es sich dabei um das Gettenbach im heutigen Main-Kinzig-Kreis handelt muss offen bleiben, denn den Ortsnamen Gettenbach (oder ähnlich) gibt es mehrfach im deutschen Sprachraum.

Vorgeschichte und Forsthof im Mittelalter Erstmals erwähnt wurde der Ort im Jahre 1252Die Jubiläumsfeier 750 Jahre Gettenbach fand am 3. August 2002 statt, s. Armin Habermann und Monika Schumann unter Mitwirkung von Ingo Evers und Friedrich Hühn: 750 Jahre Gettenbach – Szenen aus der Dorfgeschichte in Grindaha 12, Gründau (Veröffentlichungen des Geschichtsvereins Gründau e. V.) 2002, , S. 11–31 als Hube (die Forsthuben umfassten 25 Hektar Land mit Haus, Scheune und StallWalter Nieß: Das Weistum des Büdinger Waldes – Eine Forstgesetzgebung aus dem Jahr 1380, in: Mitteilungsblatt der Naturkundestelle des Main-Kinzig-Kreises, 5. Jahrgang, Heft 3, Gelnhausen 1993, S. 13) eines reitenden FörstersFritz Knusse, auch de Knuße, später Knoße, Knoßen, Knutzen (1474): Steuerliste der 44 Steuerpflichtigen (Einwohner und Grundbesitzer) von Gettenbach – 1474. In: Heinrich P. Göbel: Der Hühnerhof – Urkundengeschichte. Grindaha 5, Gründau (Veröffentlichungen des Geschichtsvereins Gründau e. V.) 1995, 34 Seiten. im Büdinger Wald (heute: Teil des Jagdschlosses). Aber bereits in vorgeschichtlicher Zeit haben auf dem Gebiet der Gemarkung Menschen gelebt: Spuren steinzeitlicher Besiedlung fanden sich am Wetzstein (251 m über NHN) in Form von Steinbeilen. Die ebenfalls aus der Jungsteinzeit stammenden Hügelgräber besonders im Süden der Gemarkung wurden von den Schnurkeramikern angelegt. In den Tälern und am Rande des Büdinger Waldes siedelten bereits in der Latènezeit Menschen (5. bis 1. Jahrhundert v. Chr.): Kelten, später Römer (östliches Grenzgebiet vor dem römischen Wetterau-Limes mit den beiden Kastellen Rückingen und Marköbel), der Limes (in der früheren Literatur häufig auch als „Pfahlgraben“ bezeichnet) vom Main in Richtung NordenKarl Arnd: Der Pfahlgraben nach den neuesten Forschungen und Entdeckungen. Nebst Beiträgen zur Erforschung der übrigen römischen, wie auch der germanischen Baudenkmale in der unteren Maingegend. Zweite vermehrte Ausgabe, Heinrich Ludwig Brönner, Frankfurt am Main 1861, S. 10. verlief hier als Westgrenze des vermutlich im Mittelalter entstandenen Wildbanns Büdinger Wald (durch die Franken – karolingischer Depotfund im Köhlerkopf, einer Rodung im Büdinger Wald (Gemarkung Gettenbach)).

Gemeinsame Einrichtungen mit dem Nachbarort Hain-Gründau im 16. und 17. Jahrhundert Für die Zeit Ende des Mittelalters und Anfang der Neuzeit liegen nur wenige schriftliche Zeugnisse vor. Eine Ende des 19. Jahrhunderts angekündigte Gettenbacher Chronik wurde nicht publiziert und ist seitdem verschollen. 1550 führten die Isenburger die Lehre der Reformation ein („es wird evangelisch gepredigt“, die drei bedeutenden Klöster der Grafschaft, Selbold (in der Stadt Langenselbold), Marienborn und Meerholz wurden säkularisiert), 1581 wurde eine eigenständige Pfarrei in Hain-Gründau, dem nordwestlichen Nachbarort von Gettenbach, errichtet. Die dortige Kirche wurde ausgebaut. In den Kirchenrechnungen taucht neben Vonhausen (Frohnhausen, das Nachbardorf Hain-Gründaus im Nordwesten) auch Gettenbach auf, das Beiträge für den Kirchenbau zahlte. Auch den Friedhof hatten Hain-Gründau und Gettenbach gemeinschaftlich.Gustav Schöner: Geschichte des Dorfes Hain-Gründau – Skizze. Büdingen (A. Heller’sche Hofbuchdruckerei) 1891, S. 20 unter Berufung auf eine Kirchenrechnung von 1578. 1583 lässt sich anhand der Beiträge für den Kirchenfonds die Anzahl der Häuser von Hain-Gründau mit 47, die von Gettenbach mit 37 und Vonhausen mit 36 ermitteln.Gustav Schöner: Geschichte des Dorfes Hain-Gründau – Skizze, Büdingen (A. Heller’sche Hofbuchdruckerei) 1891, S. 21.

1548 arbeiteten in Hain-Gründau und in Gettenbach je ein Aeschebrenner (= Pottaschensieder), sie durften ab 1551 nur noch „liegend Uhrholtz“A.(August) F.(Friedrich) C.(Christian) Vilmar: Idiotikon von Kurhessen, Marburg und Leipzig (R. G. Elwert’sche Universität-Buchhandlung) 1868, S. 426 Stichwort: Urholz verwenden, weil der Büdinger Wald durch den Holzverbrauch der KöhlerJürgen Ackermann: Instruction für die Köhler, in: Zwischen Vogelsberg und Spessart, Heimat-Jahrbuch 1995, Gelnhausen (Kreisausschuß des Main-Kinzig-Kreises) 1994, S. 66 ff.Jürgen Ackermann: Köhler im Büdinger Wald, in: Zwischen Vogelsberg und Spessart, Heimat-Jahrbuch 1995, Gelnhausen (Kreisausschuß des Main-Kinzig-Kreises) 1994, S. 68 ff. sehr gelichtet war.Walter Nieß: Köhlerei und Viehweide im Büdinger Wald in Sammlungen zur Geschichte von Wächtersbach, Band II (1990–1995), Heimat- und Geschichtsverein Wächtersbach e. V. (15. Lieferung, Nr. 93, August 1990), 8.2.1.1, S. 3,

Rüstungsbetrieb: Eisenschmelze; Glashütte und Weinbau im 17. Jahrhundert