Gottes schöne Namen () sind Namen, die im Koran vorkommen und von Muslimen als Synonyme für „Allah“ („Gott“) verwendet werden. Jeder dieser traditionellen 99 Namen steht für eine Eigenschaft Gottes. 300px|mini|Die schönsten Namen Gottes
Aussagen im Koran und im Hadith Grundlage für die islamische Tradition der „schönen Namen“ Gottes ist die Aussage im Koran: „Und Gott hat die schönen Namen - ruft ihn damit an! Und achtet nicht auf jene, die seine Namen leugnen! Denn ihnen wird vergolten, was sie taten“ (Sure 7:180).
Nach einem Hadith, der von Abū Huraira überliefert wird, sagte der Prophet Mohammed:
Liste Zählt man alle im Koran genannten Bezeichnungen für Gott, so kommt man auf deutlich über hundert. Daher gibt es verschiedene Listen dieser 99 Namen, die voneinander abweichen. Der hundertste Name Gottes gilt in Traditionen der spekulativen und mystischen islamischen Theologie als unaussprechbar und den Menschen unbekannt - so etwa bei Ibn ʿArabī.al-Futūḥāt al-Makkiyya, Kap. 2, 198 und 558; vgl. Annemarie Schimmel: Mystische Dimensionen des Islam, Insel Verlag, 1985, S. 240ff; 578ff.
Die verbreitetste Liste folgt insbesondere einem (von Abū Huraira überlieferten, von Muhammad ibn ʿĪsā at-Tirmidhī als unsicher eingestuften) Hadith und findet sich diesem folgend auch in weiten Teilen der Tafsirliteratur (insb. zu 13:110) sowie theologischen Kompendien in den entsprechenden Abschnitten zur Attributenlehre. Zu den häufigeren Abweichungen zählt die Anführung von „Allah“ als erstem Namen, wobei dann üblicherweise der 66. und der 67. Name (al-wāḥid, al-aḥad = der Eine, Einzige) zusammengezogen werden.Vgl. z. B. Gardet, 714 mit Belegen u. a. bei al-Ghazālī.
Nr.ArabischDMG-Umschrift(ungefähre) Bedeutung 1 ar-Raḥmān der Erbarmer 2 ar-Raḥīm der Barmherzige 3 al-Malik der König 4 al-Quddūs der Heilige 5 as-Salām der Frieden 6 al-Muʾmin der Wahrer der Sicherheit 7 al-Muhaymin der Beschützer und Bewacher 8 al-ʿAzīz der Erhabene, der Ehrwürdige 9 al-Ǧabbār der AllgewaltigeVgl. H. Wehr: Arabisches Wörterbuch, Wiesbaden 1968, S. 98. 10 al-Mutakabbir der Vornehme, der Stolze 11 al-Ḫāliq der Schöpfer 12 al-Bāriʾ der Schaffende 13 al-Muṣawwir der Formende (der jedem Ding seine Form Gebende) 14 al-Ġaffār der Verzeiher 15 al-Qahhār der Alles-Bezwinger 16 al-Wahhāb der Geber und Verleiher 17 ar-Razzāq der Versorger 18 al-Fattāḥ der Öffnende 19 al-ʿAlīm der Allwissende 20 al-Qābiḍ der die Gaben nach Seinem Ermessen zurückhält 21 al-Bāsiṭ der diese Gaben aber auch ausreichend und großzügig gewährt 22 al-Ḫāfiḍ der Erniedriger der Hochmütigen und zu Unrecht Stolzen 23 ar-Rāfiʿ der Erhöher der Demütigen und Bescheidenen 24 al-Muʿizz der Verleiher von wirklicher Ehre 25 al-Muḏill der Demütiger der Unterdrücker ihrer Mitmenschen 26 as-Samīʿ der Hörende 27 al-Baṣīr der Sehende 28 al-Ḥakam der Richter 29 al-ʿAdl der Gerechte 30 al-Laṭīf der das Feinste in allen Dimensionen erfasst, der Feinfühlige, der Gütige 31 al-Ḫabīr der Kundige, der um die kleinsten Rechnungen des Herzens Wissende 32 al-Ḥalīm der Nachsichtige, der Mitfühlende 33 al-ʿAẓīm der Großartige, der Erhabene 34 al-Ġafūr der immer wieder Verzeihende 35 aš-Šakūr der Dankbare 36 al-ʿAlī der Höchste 37 al-Kabīr der Große 38 al-Ḥafīẓ der Bewahrer, der Erhalter 39 al-Muqīt der Ernährende 40 al-Ḥasīb der Berechnende 41 al-Ǧalīl der Majestätische 42 al-Karīm der Ehrenvolle, der Großzügige 43 ar-Raqīb der Wachsame 44 al-Muǧīb der Erhörer der Gebete 45 al-Wāsiʿ der Allgegenwärtige 46 al-Ḥakīm der Weise 47 al-Wadūd der Liebevolle, der alles mit seiner Liebe Umfassende 48 al-Maǧīd der Glorreiche 49 al-Bāʿiṯ der die Menschen am jüngsten Tag wieder zum Leben erwecken wird 50 aš-Šahīd der Zeuge 51 al-Ḥaqq der Wahre 52 al-Wakīl der Vertrauenswürdige, der Helfer und Bewacher 53 al-Qawwiyy der Starke 54 al-Matīn der Feste, der Dauerhafte, der einzig wirklich Starke 55 al-Waliyy der Schutzherr eines jeden, der seinen Schutz und seine Leitung braucht 56 al-Ḥamīd der Preiswürdige, dem aller Dank gehört 57 al-Muḥṣī der alles Aufzeichnende 58 al-Mubdiʾ der Beginnende, der Urheber alles Geschaffenen aus dem Nichts 59 al-Muʿīd der Wiederholende, der alles wieder zum Leben erwecken wird 60 al-Muḥyī der Lebenspendende 61 al-Mumīt der Tötende (in dessen Hand der Tod ist) 62 al-Ḥayy der Lebendige 63 al-Qayyūm der allein Stehende, der Ewige 64 al-Wāǧid der alles Bekommende und Findende 65 al-Māǧid der Ruhmvolle 66 al-Wāḥid der Eine 67 al-Aḥad der Einzige 68 aṣ-Ṣamad der von allem und jedem Unabhängige 69 al-Qādir der Mächtige 70 al-Muqtadir der alles Bestimmende 71 al-Muqaddim der Voranstellende 72 al-Muʾaḫḫir der Aufschiebende 73 al-Awwal Der Erste ohne Beginn 74 al-Aḫir der Letzte ohne Ende 75 aẓ-Ẓāhir der Offenbare, auf dessen Existenz alles Geschaffene klar hinweist 76 al-Bāṭin der Verborgene, den niemand wirklich begreifen kann 77 al-Wālī der einzige und absolute Herrscher 78 al-Mutaʿālī der Reine, der Hohe 79 al-Barr der Gute 80 at-Tawwāb der die Reue seiner Diener Annehmende 81 al-Muntaqim der gerechte Vergelter 82 al-ʿAfuww der Vergeber der Sünden 83 ar-Raʾūf der Mitleidige 84 Mālik al-Mulk der Inhaber der (königlichen) Souveränität/Macht 85 Ḏū l-ǧalāl wa-l-ikrām derjenige, dem Majestät und Ehre gebühren 86 al-Muqsiṭ der unparteiisch Richtende 87 al-Ǧāmiʿ der Versammelnde, der alle Menschen am jüngsten Tag versammeln wird 88 al-Ġanī der Reiche, der niemanden braucht 89 al-Muġnī der Verleiher der Reichtümer 90 al-Māniʿ der Zurückweisende, der Hindernde 91 aḍ-Ḍārr der Schaden Zufügende 92 an-Nāfiʿ der Vorteil Gebende 93 an-Nūr das Licht 94 al-Hādī der Leitung Gebende 95 al-Badīʿ der Schöpfer des Neuen 96 al-Bāqī der ewig Bleibende 97 al-Wāriṯ der einzige Erbe, denn außer ihm ist nichts beständig 98 ar-Rašīd der Führung Gebende 99 aṣ-Ṣabūr der Geduldige Die ersten beiden Namen finden sich in der Basmala („Im Namen des Allerbarmenden und Barmherzigen“).
Bedeutung in der islamischen Mystik und im Volksglauben In der islamischen Mystik knüpft sich an die schönen Namen Gottes das Konzept von der Annahme von den göttlichen Charaktereigenschaften (taḫalluq bi-aḫlāq Allāh) durch den Mystiker. Hierbei soll sich der Mystiker die verschiedenen Namen Gottes vergegenwärtigen und versuchen, die dadurch repräsentierten Eigenschaften selbst anzueignen. Die Frage, wie die Menschen dieses Konzept verwirklichen können, ist Gegenstand von al-Ghazālīs Traktat al-Maqṣad al-asnā fī šarḥ asmāʾ Allāh al-ḥusnā ("Das glänzendste Ziel bei der Erklärung der schönsten Namen Gottes").Vgl. dazu William C. Chittick: The Sufi Path of Knowledge: Ibn al-'Arabi's Metaphysics of Imagination. State Univ. of New York Press, Albany, NY, 1989. S. 283–286. Nadschm ad-Dīn al-Kubrā (gest. 1221) stellte sich den Prozess so vor, dass der Mystiker während seines mystischen Aufstiegs die verschiedenen Erscheinungsorte (maḥāḍir) Gottes passiert und dann unwillkürlich die betreffenden Namen Gottes (al-ʿAlī, rabbī, al-Qādir, al-Aḥad) ausspricht, so dass er ihn damit preist. Auf diese Weise verleibt er sich dann selbst die zugehörigen Eigenschaften Gottes ein.Vgl. Fritz Meier: Die Fawāʾiḥ al-ǧamāl wa-fawātiḥ al-ǧalāl des Naǧm ad-Dīn al-Kubrā, eine Darstellung mystischer Erfahrungen im Islam aus der Zeit um 1200 n. Chr. Steiner, Wiesbaden 1957. S. 78, arab. Text Nr. 61.
Im islamischen Volksglauben werden diese Namen Gottes in Amuletten in Form von Gebetssprüchen bis in die Gegenwart mehrfach verwendet.Alexander Fodor: Amulets from the Islamic World. Catalogue of the Exhibition held in Budapest, in 1988, Eötvös Loránd University Chair for Arabic Studies, Budapest 1990, S. 101, Abb. 188 und passim.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
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