Breitenborn ist ein Ortsteil der Gemeinde Gründau im hessischen Main-Kinzig-Kreis.
Lage, Grenzen, Größe Der Ort liegt am Vogelsberg im Büdinger Wald (Haupteinheit 143 nach der Liste der naturräumlichen Einheiten in Hessen). Die Gemarkung des Gründauer Ortsteils liegt, wie die des Ortsteils Gettenbach, vollständig im Büdinger Wald. Der Anteil des Waldes an der Gemarkung beträgt mehr als 80 %. Am südlichen Ortsrand führt als Ortsumgehung die L 3271 vorbei. Breitenborn grenzt im Norden an die Gemarkung der Büdinger Kernstadt, im Osten an die Stadtteile Waldensberg, Wittgenborn und der Kernstadt Wächtersbach, im Süden und Westen an die des Gründauer Ortsteils Gettenbach. Die Gemarkung des Ortsteils umfasst 1881 ha (davon 1390 ha Wald).
Geschichte mini|Kirche in Breitenborn
Im 16. Jahrhundert soll der breyden Born – so ist den Gerichtsakten etlicher Hexenprozesse in Büdingen zu entnehmen – ein Hexentanzplatz gewesen sein.
Erstmals urkundlich erwähnt wird der Ort im Jahre 1605, als Wolfgang Ernst I. Graf von Isenburg-Büdingen in Birstein, Burggraf von Gelnhausen, hier einen Forsthof errichten ließ.
Historische Schreibweisen des Ortsnamens Breitenborn wird schon in den Jahren seiner Gründung auch als Brydenborn, Brytenborn, Bryttenborn, Auf dem Breittenborn, Auf dem breyden Born bezeichnet. Nach 1821, der (neuen) Kreiseinteilung in Kurhessen, führte das Dorf den Namen Breitenborn mit dem Zusatz A. W. Der Zusatz steht für Amt Wächtersbach zur Abgrenzung mit dem ebenfalls im kurhessischen Kreis Gelnhausen liegenden Dorf Breitenborn A. B. (hier steht der Zusatz für das Amt Bieber)
Glasmacherdorf Ab 1639 errichtete und betrieb der Glasmacher Michael Wentzel eine Glashütte. Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) entwickelte sich die Glashütte gut, 1695 entstand eine Filiale im Nachbarort Gettenbach.Heinrich P. Göbel: Von der Glashütte zum Dorf Breitenborn, Eine sozialwissenschaftliche Studie über die Entwicklungsgeschichte eines Dorfes, Erster Teil 1600–1700, Nachdruck in: Grindaha, Jahreshefte des Geschichtsvereins Gründau, Heft 1, 1987 S. 59–78 Bald kam der erste Stübing aus Nordhessen und heiratete die Tochter des Glashüttenmeisters Beyer. Von da ab waren die „Stübing“ etwa 170 Jahre Unternehmer in der Glasbereitung.Wilhelm Bührmann: Chronik der Gemeinde Breitenborn A. W., Eine Wirtschafts-, Sozial-, Zeit- und Kultur-Geschichte, Breitenborn A. W. 1949, S. 11 Die Glasproduktion erreichte zwischen 1680 und 1720 ihren Höhepunkt (bis zu einer Million Trinkgläser jährlichHeinrich P. Göbel: Die Breitenborner Glashütten. In: Zwischen Vogelsberg und Spessart, Gelnhäuser Heimat-Jahrbuch – 1998 –, Gelnhausen 1997, S. 36–38).
Nach dem Siebenjährigen Krieg (1763) kam es zu einem Anstieg der Holzpreise (Holz z. T. zum Schiffsbau in den Niederlanden). Die Preise der Glaswaren verteuerten sich demgemäß. Erste Glasfabriken entstanden in Deutschland, u. a. im Saarland die Vorläufer der später in St. Ingbert angesiedelten „Vereinigten Von-Vopelius-Wentzel’schen Glashütten“ (Wentzel war ein wegen des wirtschaftlichen Niedergangs aus Breitenborn ausgewanderter GlashüttenmeisterHerbert Kühnert, Helga Mann, Ruth Wentzel: Chronik der Glasmeisterfamilie Wentzel, Selbstverlag, Saarbrücken 1987). In der Folgezeit wanderten eine große Zahl der Einwohner, z. B. „80 Seelen“ nach (preußisch-) Pommern, danach bis 1767 eine weitere Anzahl über Büdingen, dem regionalen Zentrum der Russland-Auswanderung, in den Süden Russlands.E. C. Walther (ehem. preußischer Konsul in Odessa) Die deutschen Colonien in Südrußland in: Wilhelm Stricker (Hrsg.), Germania — Archiv zur Kenntnis des deutschen Elements in allen Ländern der Erde, Dritter Band, Frankfurt am Main (Verlag von Heinrich Ludwig Brönner) 1850, S. 408 [417–420]Karte über die Auswanderungsströme: http://www.arwela.info/8auswanderung.pdf und Jürgen Ackermann Verschuldung, Reichsdebitverwaltung, Mediatisierung – Eine Studie zu den Finanzproblemen der mindermächtigen Stände im Alten Reich, Das Beispiel der Grafschaft Ysenburg-Büdingen 1687–1806 Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde 40, Selbstverlag, Marburg: 2002 S. 151 ISBN 3-921254-93-0
1771 ging die Glashütte einWilhelm Bührmann: Chronik der Gemeinde Breitenborn A. W., Eine Wirtschafts-, Sozial-, Zeit- und Kultur-Geschichte, Breitenborn A. W. 1949, S. 14 f., 1774 verzeichnete Breitenborn 64 Familien, darunter 13 Witwen, 1855: 143 Familien mit 618 Einwohnern, davon 584 evangelisch, 4 katholisch, 30 Juden (Synagoge und Friedhof in Gettenbach).Bürgermeister Ewig Statistische Erhebung von Breitenborn Amts Wächtersbach vom 4. Februar 1858 …, in: Grindaha Heft 21, Jahreshefte des Geschichtsvereins Gründau e. V., Gründau 2011, S. 5 ff.
Erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts kam es zu einer Wiederbelebung des Glasgeschäfts. Ein neuer Name taucht mit dem neuen Pächter Beck auf. Die Rentkammer in Büdingen schloss mit ihm einen Vertrag auf drei Jahre (1802–1804), er wurde später bis 1826 verlängert. Die alteingesessenen Glasmeister Stübing und Trebing gingen daraufhin nach Gettenbach (Grafschaft Ysenburg-Büdingen-Meerholz) und betrieben auf dem Gelände des späteren Jagdschlosses eine Glashütte. Erst 1829 schlossen die Gebrüder Stübing (Heinrich Ernst Stübing, Hoheitsschultheiß, und Philipp Ernst Stübing) einen neuen Pachtvertrag für das Gelände in Breitenborn A. W. für vier Jahre, er wurde später um weitere zwölf Jahre und 1842 erneut um zwölf Jahre verlängert. In einer statistischen Erhebung des damaligen Bürgermeisters von 1858 wird eine Glasfabrik mit 30 Arbeitern genannt.Bürgermeister Ewig Statistische Erhebung von Breitenborn Amts Wächtersbach vom 4. Februar 1858 (Transkription von Wilfried Günther auf Grund der Akten des Hessischen Staatsarchivs Marburg, H3 82 Wächtersbach), in: Grindaha Heft 21, Jahreshefte des Geschichtsvereins Gründau e. V., Gründau 2011, S. 18
Kirchengeschichte Breitenborn war nach seiner Gründung durch den reformierten Landesherrn Wolfgang Ernst ein reformiertes Dorf und gehörte bis 1734 zur Kirchengemeinde in Büdingen. Von 1734 bis 1830 war es kirchlich Spielberg zugeordnet. Danach gehörte es zu Waldensberg, einer Gründung der Waldenser (Glaubensflüchtlinge aus dem damals südfranzösischen Piemont, heute Italien, dem Chisone-Tal, den Ortschaften Mentoulles, Fenestrelle und Usseaux sowie dem Tal PragelasWilhelm Bührmann: Chronik der Gemeinde Breitenborn A. W. …, S. 20, die der vorreformatorisch-evangelischen Lehre des Petrus Waldus aus Lyon anhingen). 1856/57 wurde die evangelische Kirche aus Ziegelsteinen erbaut. Das Dorf gehörte danach zum Kirchspiel des evangelischen Gesamtverbandes Waldensberg–Breitenborn und seit Jahresanfang 2017 gehören die evangelischen Christen in Breitenborn zur Kirchengemeinde Auf dem Berg.
Holzrechte im Büdinger Wald Breitenborn wurde erst um 1600 gegründet; daher hatte es nicht das aus dem Mittelalter stammende Privileg eingeforstet zu sein. Das Dorf bekam eine faktische Gleichstellung erst 1605 oder später durch Graf Wolfgang Ernst (*1560–†1633). Ende der 1870er und Anfang der 1880er Jahre kam es in den „eingeforsteten“ Dörfern im Büdinger Wald zu Auseinandersetzungen wegen der Ablösung dieser seit dem Mittelalter bestehenden Berechtigungen – meist Hute- und Holzrechte, z. B. zur Schweine- und Rindermast durch Viehtrieb auf Triften oder das Recht auf das sog. Urholz (nicht-geforstetes Holz im Gegensatz zum „geforsteten“ Holz, der eigens angebauten und/oder gepflegten BäumeKarl Bode: Berechtigungen der Breitenborner Bürger an und in den fürstlichen Wäldern und deren Ablösung. In: Grindaha 13, Veröffentlichungen des Geschichtsvereins Gründau e. V., Gründau 2003 S. 71–80, auch auf Bau- und Dienstholz zur Heizung von Kirchen und Schulen o. Ä.). Diese wurden damals und werden auch heute noch als im Grundbuch (Abt. II) eintragungsfähige Reallasten aufgefasst.Zur Vorgeschichte der Ablösung dieser Reallasten durch Rezesse mit den „25 im Büdinger Walde einberechtigten Gemeinden“ des Meerholzer Anteils im 19. Jh.: Eduard Ellenberger (MdL): Denkschrift über die Ablösung der Berechtigungen im Büdinger Walde, Büdingen 1876, 176 Seiten In Preußen (Preußen hatte Kurhessen, zu dem Breitenborn A. W. ab 1816 gehörte, 1866 besetzt und annektiert) gab es hierfür eigens Ablösungskommissionen, die versuchten die Lasten durch Land- oder Geldentschädigung abzulösen.Robert Blum (MdN), Hrsg., Volksthümliches Handbuch der Staatswissenschaften und Politik, Ein Staatslexicon für das ganze Volk, Leipzig 1848, Stichwort „Ablösung“ Die Entschädigung ist ein gemeindliches Sondervermögen, das nur den Nutzungsberechtigten zusteht (Gemeindegliedervermögen, § 119 Hessische Gemeindeordnung). Statt einer Geldentschädigung bekam die Gemeinde Breitenborn A. W. als Landentschädigung fast das gesamte herrschaftliche Hofgut, während die 900 Morgen (Büdinger Maß) Buchen-Hochwald danach lastenfreies Eigentum der Fürsten von Ysenburg und Büdingen in Wächtersbach wurden.Karl Bode: Berechtigungen der Breitenborner Bürger an und in den fürstlichen Wäldern und deren Ablösung. In: Grindaha, Heft 13, Jahreshefte des Geschichtsvereins Gründau e. V., Gründau 2003, S. 71–80 ff.Bürgermeister Ewig: Statistische Erhebung von Breitenborn Amts Wächtersbach vom 4. Februar 1858 … In: Grindaha Heft 21, Jahreshefte des Geschichtsvereins Gründau e. V., Gründau 2011, S. 14 ff. Noch 1950 lobte der Chronist in der Dorfchronik den Erfolg der Breitenborner Deputierten wegen dieser für die Gemeinde vorteilhaften Regelung nach den langen Verhandlungen („Wo wäre das Geld heute … nach 2 verlorenen Kriegen?“).Karl Groß in Wilhelm Bührmann: Chronik der Gemeinde Breitenborn A. W. …, S. 53Zu den Einzelheiten in den Rezessen und der Ablösung: Karl Bode: Berechtigungen der Breitenborner Bürger an und in den fürstlichen Wäldern und deren Ablösung, in: Grindaha, Jahreshefte des Geschichtsvereins Gründau, Heft 13, 2003, S. 71 ff.
Der größte Basaltbruch in den alten Bundesländern Ab 1844 wird mit dem Abbau von Basalt auf handwerkliche Weise begonnen, ab 1897 durch einen Unternehmer mit mehreren Steinbrüchen, später wird dies durch die Mitteldeutsche Hartstein-Industrie AG industriell betrieben. Der Basaltsteinbruch Breitenborn A. W. (im Dorf nur als der Bruch bezeichnet) war mit 143 Hektar einer der größten in Deutschland. In der Folgezeit beschäftigte das Unternehmen zeitweise bis zu 400 Mitarbeiter, 1949 waren es ca. 180. „Um den schnellen und möglichst billigen Abtransport der anfallenden großen Produktion herbeizuführen, wurde eine Drahtseilbahn von 6,5 km Länge Luftlinie von Breitenborn A. W. über die Waldberge durch eine gehauene Schneise nach Bahnstation Wächtersbach gebaut.“Wilhelm Bührmann: Chronik der Gemeinde Breitenborn A. W. …, S. 28 f. Inzwischen werden weite Teile nicht mehr oder in anderer Weise genutzt und vor der Renaturierung z. T. verfüllt.
Ein Ortsgrundriss des Königlichen Kartographischen Instituts in Berlin von 1858 weist die Glashütte im Westen und die Bebauung eines typischen Straßendorfes nach Osten aus.Klaus von Berg: Ortsgrundriss von Breitenborn in Karte Raum Gründau und Ortsgrundrisse (1858), in: Grindaha 1 (veränderte Ausgabe), Jahreshefte des Geschichtsvereins Gründau e. V., Gründau 1993, S. 52
Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden In den 1960er Jahren konnte Breitenborn drei Mal Preise im landesweiten Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden erringen.
Ortsumgehungsstraße Am 12. September 1969 wurde die neue Umgehungsstraße der L 3271 von Hain-Gründau nach dem Weiherhof in Wittgenborn zur Entlastung der Ortsdurchfahrt dem Verkehr übergeben.
Bürgermeister Karl Groß