Dieser Artikel beschreibt die Theologie der Quäker.

Die frühen Quäker lehnten den akademischen Betrieb als eitel und dekadent ab und somit auch die Theologie als intellektuelle Disziplin. William Penn machte sogar den Wissensdurst zur Ursache der Erbsünde:

Was den ersten Punkt betrifft, so ist klar, daß ein ungezügeltes Verlangen nach hoher Erkenntnis das Elend des Menschen herbeiführte, und einen allgemeinen Fall von der Herrlichkeit seines ursprünglichen Zustands verursachte. Adam wollte gern noch weiser sein, als Gott ihn gemacht hatte. Es genügte ihm nicht, seinen Schöpfer zu kennen, und ihm die heilige Huldigung zu leisten, wozu sein Dasein und seine Unschuld ihn aufforderten und antrieben. Er war nicht zufrieden, einen Verstand zu besitzen; der ihn über alle Tiere […] erhob, und ihm die Macht gab, über die ganze sichtbare Schöpfung Gottes zu herrschen; nein, er wollte auch so weise als Gott selbst sein. Dieses unverzeihliche Trachten, dieser eben so törichte als ungerechte Ehrgeiz, machte ihn der von Gott empfangenen Wohltaten unwürdig. Dieser vertrieb ihn aus dem Paradiese; und anstatt Herr über die ganze Welt zu sein, ward Adam der Elendste auf der Erde.Aus William Penn: Ohne Kreuz keine Krone Kapitel 7, § 3 (Seite 120)

Auch der nicht weniger einflussreiche George Fox steht der Theologie als akademische Disziplin sehr skeptisch gegenüber. So verwirft er die Bedeutung des Erwerbs von Sprachen wie Latein, Griechisch und Hebräisch:

"Die Sprachverschiedenheit komme von Babel, und den Griechen, deren Muttersprache griechisch war, war das Wort vom Kreuz Torheit, und den Juden, deren Sprache hebräisch war, war Christus ein Stein des Anstoßes (1. Cor. 1, 23). Die Römer, die lateinisch redeten, verfolgten die Christen; und Pilatus, der römische Machthaber, schrieb in hebräischer, griechischer und lateinischer Sprache eine Inschrift über das Kreuz Christi; daran, sagte ich, könne man sehen, daß die Sprachen von Babel kommen, da die Inschrift über das Kreuz in diesen Sprachen geschrieben war. Johannes, der das Wort verkündete, welches im Anfang war, sagt, daß das Tier und die Hure Macht haben über die Zungen und Sprachen, welche dem Wasser gleich seien (Offb. 17); man könne also sehen, daß das Tier und die Hure diese Macht haben über die Sprachen, die von der Verwirrung zu Babel herrühren. Die Verfolger Christi haben sie dann höher gestellt als ihn, als sie ihn kreuzigten; aber darnach ist er auferstanden, höher als alles andere, er, der vor allen gewesen ist."George Fox - Aufzeichnungen und Briefe des ersten Quäkers. Übersetzerin: Margrit Stähelin, Tübingen, 1908, Verlag J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), Seite 135

mini|200px|rechts|Titelblatt der Apologia von Robert Barclay

Doch mit Robert Barclay (1648–1690) sollten die Quäker einen Theologen bekommen, der für sie mit dem Werk An Apology for the True Christian Divinity eine wichtige Grundlage schaffte, sich sowohl nach außen als auch nach innen zu profilieren.Vergleiche zu den Apologia-Übersetzungen die Angaben bei Sünne Juterczenka: Über Gott und die Welt. Endzeitvisionen, Reformdebatten und die europäische Quäkermission in der Frühen Neuzeit, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2008, Seite 177 Die Apology von Barclay wurde schon früh in verschiedene europäische Kontinentalsprachen übersetzt. Das Werk war wichtiges „Ausrüstungsstück“ der ersten Quäkermissionare auf dem europäischen Kontinent. Es wurde in der Regel kostenlos oder zum Selbstkostenpreis verteilt.Vergleiche dazu Sünne Juterczenka: Über Gott und die Welt. Endzeitvisionen, Reformdebatten und die europäische Quäkermission in der Frühen Neuzeit, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2008, Seite 172: „Aus Sicht der Quäker war das Bücherdrucken ein Verlustgeschäft“ Es diente vielen Theologen anderer Konfession als Ausgangspunkt für eine theologische Auseinandersetzung. Die Apology von Barclay wurde 1684 das erste Mal auch ins Deutsche übersetzt.Digitalisate dieser deutschen Ausgabe sind beispielsweise via Göttinger Digitalisierungszentrum und via Google Books verfügbar. Nähere Angaben zu dieser Ausgabe bei Sünne Juterczenka: Über Gott und die Welt. Endzeitvisionen, Reformdebatten und die europäische Quäkermission in der Frühen Neuzeit, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2008, Seite 170.

Der nächste Theologe, der eine vergleichbare Wirkung nach außen wie nach innen haben sollte, war Rufus Matthew Jones (1863–1948). Er gab der Gemeinschaft wieder wichtige Impulse, in dem er dem Friedenszeugnis neue Bedeutung gab und es darüber schaffte, das zersplitterte und zerstrittene Quäkertum ein Stück weit zu einenZur Einschätzung der Person Jones, siehe die Arbeit von Claus Bernet, "Kriegsdienstverweigerung im 19. Jahrhundert: Ein Beitrag zum Klischee des Militärstaats Preussen" auf Seite 208.

Katechismus Entgegen der landläufigen Meinung formulierten Quäker tatsächlich schon früh Katechismen. Sie hatten für das Gemeindeleben aber keine normative Bedeutung. Als Beispiel für Katechismen sei hier genannt: "Catechism and Confession of Faith" von R. BarclaySeite 239, "Deutsche Quäkerschriften", Herausgegeben von Claus Bernet, Band-2 (18. Jahrhundert), Georg Olms Verlag 2007 und "Katechismus für Kinder" von George Fox (als Übersetzung, Pfullingen 1922).

Stellung zur Bibel Seit den Frühen Anfängen hat die Bibel einen wichtigen Stellenwert in der Quäkertheologie. In den Redeschlachten, die sich z. B. George Fox mit seinen Gegnern lieferte, war die Bibel immer wieder zentraler Ausgangspunkt für seine Argumentation. So berichtet er etwa in seinen Tagebuchaufzeichnungen:"George Fox - Aufzeichnungen und Briefe des ersten Quäkers", Übersetzerin: Margrit Stähelin, Tübingen, 1908, Verlag J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), Seite 99

"[…] Darauf richtete er [Alexander Parker] sich an mich [George Fox], denn ich stand schweigend dabei, weil er vieles sagte, das sich nicht mit der Schrift vertrug. Ich fragte ihn, ob er sich auf die Schrift berufen könne? er sagte: "ja;" ich hieß die Leute ihre Bibeln nehmen und die Stellen aufsuchen, die er angeben würde, aber er konnte es nicht."

Heute ist im konservativen Quäkertum die Bibel immer noch sehr wichtig, auch wenn keine wörtliche oder dogmatische Auslegung gemacht wird. Der evangelikale Flügel tendiert zu einer wörtlichen Auslegung. Der liberale Zweig steht der Bibel zum Teil kritisch bis sogar ablehnend gegenüber.

Die so genannte „Quäkerbibel“ ist eine Bibelübersetzung von dem Quaker Anthony Purver (1702–1777) aus dem Jahre 1764Weiteres siehe Englische Wikipedia: Quaker Bible. Quaker benutzten aber nie ausschließlich nur eine bestimmte Übersetzung.

Christologie mini|300px|Dem Quäkerprediger James Nayler wird wegen Blasphemie die Zunge durchbohrt und ein "B" auf die Stirn gebrannt

Was die Christologie betrifft, unterschied sich die Mehrheit der Quäker kaum von den gängigen Ansichten. Es gab zwar einige Skandale wie zum Beispiel um die Person James Nayler, der als Reinkarnation Jesu Christi gefeiert wurde, oder auch Mitglieder, die dem Mystisch-Esoterischen zugeneigt waren wie dem Quäker Franciscus Mercurius van Helmont, aber der Großteil der Mitglieder hatte noch bis ins 20. Jahrhundert hinein, sehr konventionelle Ansichten, was die Person Jesus Christus betraf. So sehr die Skandale um einige Mitglieder der Quäker deren Bekanntheitsgrad auch förderten, so war es ihnen doch auch sehr unangenehm auf diese Weise aufzufallen.

Der Quäker George Fox, der als einer der Gründerväter des Quäkertums gelten darf, sah sich öfter genötigt seinen Glauben darzulegen, um Unterstellungen zu widersprechen. So auch in einem Schreiben an den Gouverneur von Barbados aus dem Jahre 1671:

[…] Und wir glauben an Jesum Christum, seinen [Gottes] lieben und eingeborenen Sohn, an welchem er Wohlgefallen hat; der empfangen ist von dem heiligen Geiste, geboren von der Jungfrau Maria; an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nemlich die Vergebung der Sünden; […] Und wir glauben und erkennen das er ein Opfer ward für die Sünde, […] und das er begraben und am dritten Tage wieder auferstanden ist durch die Kraft seines Vaters, zu unserer Rechtfertigung; und das er aufgefahren ist in den Himmel, und nun zur Rechten Gottes sizet. […] welcher für alle den Tod schmeckte, sein Blut für alle Menschen vergoß; die Versöhnung für unsere Sünden ist, nicht allein aber für die unsern, sondern auch für die ganze Welt; […] Wir glauben, daß er allein unser Heiland und Erlöser ist, […] und den Teufel und seine Werke zerstöret; […] Er allein ist der Hirte und Bischof unserer Seelen; […] Er ist jetzt im Geiste gekommen und hat uns einen Sinn gegeben, das wir erkennen den Wahrhaftigen. Er regiert in unsern Herzen durch sein Gesez der Liebe und des Lebens, und macht uns frey von dem Gesetz der Sünde und des Todes. […]Seite 3, "Auszug aus einem Schreiben von Georg Fox an den Gouverneur von Barbados, 1671", In der Übersetzung von 1835: "Auszüge aus den anerkannten Urkunden der religiösen Gesellschaft der Freunde, die Christliche Lehre betreffend.", London, Gedruckt bei S. Bagster. Exemplar des Landes- und Stadtbibliothek Düsseldorf

Dieses Bekenntnis deckt sich in allen wesentlichen Aussagen des Apostolisches Glaubensbekenntnis. Das einzig bemerkenswerte ist die Betonung, dass Jesus Christus für alle Menschen auf der Welt gestorben sei und dass er sich in jedem Menschen offenbart und schon zu Lebzeiten die Menschen direkt anleitet und von Sünde (oder sündhaften Leben) befreien kann. Aber das an sich ist noch kein Alleinstellungsmerkmal unter christlichen Konfessionen. Diese Christologie vertreten bis heute noch der Evangelical-Flügel und der Konservative-Flügel, somit die Mehrheit der heutigen Quäker. Die Auffassungen innerhalb des Liberalen Quäkertums reichen von Christozentrisch (engl. Christ-centred) bis Nontheistisch-Atheistisch. Trotzdem relativieren auch die Christozentrischen-Quäker die Bedeutung solcher Bekenntnisse wie die von G. Fox, wenn zum Beispiel die Londoner Jahresversammlung 1829 in einem ihrer Epistel schreibt:

Da aber das blosse Bekenntnis reiner und gesunder Lehren nicht zur Rettung der Seele hinreichet, so wünschen wir, dass alle einen lebendigen und wirksamen Glauben erlangen mögen, der durch die Kraft des heiligen Geistes die Frucht der heiligkeit erzeuget, dessen Ende das ewige Leben ist, in Christo Jesu, unserm Herrn.Seite 10, aus Abschnitt "Von einer Jährlichen Versammlung der religiösen Gesellschaft der Freunde, gehalten in London, 1829", Eine Übersetzung von 1835: "Auszüge aus den anerkannten Urkunden der religiösen Gesellschaft der Freunde, die Christliche Lehre betreffend.", London, Gedruckt bei S. Bagster. Exemplar des Landes- und Stadtbibliothek Düsseldorf

Das formale Bekenntnis zu einer bestimmten Christologie war bei Quäkern aber nie ein ausschlaggebendes Kriterium zur Gemeindezugehörigkeit. In der "Zucht der Freunde" von 1792 zu lesen: […] so fordern wir dennoch von ihnen [die von uns aufgenommen werden wollen] kein förmliches unterschrieben irgend einiger artikel, weder als eine bedingung unter welcher sie mitglieder werden, noch auch um sich zum dienste der kirche fähig zu machen. Wir urteilen daher lieber von den menschen nach ihren früchten, […]Seite 30 in "Deutsche Quäkerschriften", Herausgegeben von Claus Bernet, Band-2 (18. Jahrhundert), Georg Olms Verlag 2007, ISBN 978-3-487-13408-6 Aber auch hier gab es natürlich wiederum Ausnahmen, so wurde der Quäker Dietrich Reckefuß in Zusammenhang einer disziplinarischen Maßnahme, 1810 dazu genötigt sich schriftlich zur Dreieinigkeit zu bekennen.Da Reckefuß christliche Positionen nicht länger vertreten wollte, wussten sich die Quäker nicht anders zu helfen, als von ihm ein schriftliches Bekenntnis zum Dreieinigkeit, die im Quäkertum sonst kaum eine Rolle spielte, einzufordern. Seite 43, "Forschungen zur Brandenburgischen und preußischen Geschichte", 18. Band, 2008, Heft 1, .