mini|hochkant|Porträt in Feldmarschalls-Uniform (ca. 1941)
Plaek PhibunsongkhramEs gibt zahlreiche Varianten in der Umschrift des Namens. Der vordere Teil kann Phibun, Phibul, Pibul oder Pibun geschrieben werden. Der zweite Teil wird als Songkhram, Songgram oder Songkram transkribiert. Man findet die beiden Teile entweder verbunden oder getrennt geschrieben. Dieser Artikel folgt der Umschrift nach RTGS. Häufig wird Phibunsongkhram nur Phibun genannt, oftmals mit dem vorangestellten Ehrentitel Luang. Zeitgenössisch wurde er in Thailand auch als Chomphon Por (; „Feldmarschall P.“) bezeichnet.(„Luang Phibun/Pibul/Bipul-songkhram/songgram“, in: Dennis Kavanagh (Hrsg.): A Dictionary of Political Biography, Oxford University Press, 2003.) ( [], kurz Phibun; * 14. Juli 1897 in Nonthaburi als Plaek Khittasangkha; † 11. Juni 1964 in Sagamihara) war ein thailändischer Heeresoffizier und Politiker. Er war von 1938 bis 1944 und erneut von 1948 bis 1957 Ministerpräsident des Landes. Ab 1941 hatte er den Rang eines Feldmarschalls inne.
Als junger Artillerieoffizier studierte er an französischen Militärakademien. Er engagierte sich in der konstitutionalistischen „Volkspartei“ (Khana Ratsadon) und gewann nach deren Machtübernahme durch die Siamesische Revolution 1932 militärischen und politischen Einfluss. Nach der Niederschlagung eines royalistischen Umsturzversuchs wurde er 1934 Verteidigungsminister. 1938 wählte ihn das Parlament zum Ministerpräsidenten.
Phibunsongkhram regierte autoritär, er propagierte einen aggressiven Nationalismus und Militarismus und ergriff Maßnahmen, um Thailand kulturell zu modernisieren. Das faschistische Italien, das nationalsozialistische Deutschland und das autoritäre Japan dienten ihm als Vorbilder. Phibunsongkhram strebte ein „Groß-thailändisches Reich“ an und forderte Gebietsabtretungen vom britischen und französischen Kolonialreich. 1940 bis 1941 führte er Thailand in einen Krieg gegen Frankreich, 1942 an der Seite Japans in den Zweiten Weltkrieg. Im Juli 1944 wurde Phibunsongkhram zum Rücktritt gedrängt.
1947 putschte sich das Militär unter Phibunsongkhram wieder an die Macht. 1948 wurde er erneut Ministerpräsident. Er führte das Land wieder autoritär, diesmal jedoch im engen Bündnis mit den USA. Nachdem er ab 1955 Schritte zur Demokratisierung veranlasste, entmachtete ihn 1957 ein rivalisierender innermilitärischer Flügel. Phibunsongkhram ging ins Exil nach Japan, wo er auch starb.
Herkunft, Ausbildung und Militärkarriere bis 1932 mini|hochkant|Der junge Phibunsongkhram
Plaek Khittasangkha wurde 1897 in Nonthaburi, einem nördlichen Vorort von Bangkok, geboren. Thailand hieß damals noch Siam. Er war der Sohn eines wohlhabenden Obstplantagenbesitzers,Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. 2010, S. 157. der Durian anbaute.Stowe: Siam Becomes Thailand. 1991, S. 11. Sein Vorname Plaek bedeutet „der Seltsame“ und bezieht sich auf die auffällige Form seiner Ohren (trotzdem wurde er später als gutaussehender Junge wahrgenommen).Terwiel: Field Marshal Plaek Phibun Songkhram. 1980, S. 1. Schon als Kind hatte er eine Vorliebe für Uniformen. Mit zwölf nahm ihn die Infanterieschule an. Im Jahr 1917 trat er, nach seinem Abschluss bei der Chulachomklao-Militärakademie, dem Artillerieregiment in Phitsanulok bei und wurde zum Leutnant ernannt.
In dieser Zeit lernte er die sechs Jahre jüngere Lehrerin La-iad Bhandukravi kennen, die er kurz darauf heiratete. Die beiden bekamen im Laufe ihrer Ehe drei Söhne und drei Töchter. Der junge Offizier war bei seinen Kollegen beliebt und galt als sympathisch, kultiviert, fleißig und pünktlich. Er wurde aber, möglicherweise wegen seiner geringen Körpergröße, nicht als herausragend oder als angehende Führungsfigur wahrgenommen.Terwiel: Field Marshal Plaek Phibun Songkhram. 1980, S. 2. 1921 wurde er an die Generalstabsschule nach Bangkok geschickt, von der er ein Stipendium für ein Studium der Militärwissenschaft in Frankreich erhielt.Thawatt Mokarapong: History of Thai Revolution. 1972, S. 10.
Von 1924 bis 1927 hielt er sich zu seiner Ausbildung in Frankreich auf. Er studierte an den Militärakademien in Poitiers und Fontainebleau. In Frankreich baute er Kontakt zu anderen jungen Thailändern, die dort an Militärschulen und Universitäten lernten, auf. Diese stammten, wie er, überwiegend aus bürgerlichen Verhältnissen und nicht aus dem Adel. Mit ihnen entwickelte er, unter dem Einfluss der politischen Umgebung in der Französischen Republik, eine ablehnende Haltung gegenüber der absoluten Monarchie in der Heimat. In Frankreich begegnete er zum ersten Mal dem damaligen Jurastudenten Pridi Phanomyong, der der siamesischen Studentenvereinigung in Frankreich vorstand. Die beiden freundeten sich zunächst an, ihr Verhältnis entwickelte sich später jedoch zu einer Rivalität und „Hassfreundschaft“. Pridi und Prayun Phamonmontri, der ebenfalls in Frankreich studierte, trugen sich beide mit revolutionären Ideen und konnten Plaek überzeugen, an der Planung eines Umsturzes teilzunehmen. Diese wurde allerdings erst 1931 ernsthaft betrieben, nachdem alle Beteiligten nach Siam zurückgekehrt waren.
Nach seiner Rückkehr trat er in den Offiziersdienst ein. Ihm wurde, nach der Ernennung zum Hauptmann, 1928 der Ehrentitel Luang Phibunsongkhram verliehen, den er anschließend statt seines Geburtsnamens führte. Solche Namenswechsel bei Statusverbesserung waren in Siam üblich.Stowe: Siam Becomes Thailand. 1991, S. xii. Der Name bedeutet „ausgedehnter Krieg“. Später wurde er zum Major im Generalstab befördert und zum Stallmeister von Prinz Narisara Nuwattiwongs ernannt, gleichzeitig lehrte er Militärwissenschaft.Thawatt Mokarapong: History of Thai Revolution. 1972, S. 11. Phibunsongkhram schloss sich der „Volkspartei“ (khana ratsadon) an, einer konstitutionalistischen Reformbewegung, der Offiziere, Intellektuelle und Bürokraten angehörten, die aber, anders als der Name nahelegt, nicht im Volk verwurzelt war. Zusammen mit dem Kavallerieoffizier Luang Tasnai war er für die Organisation des Umsturzes in der Armee zuständig. Nach dem erfolgreichen Staatsstreich im Juni 1932 (auch „Siamesische Revolution“ genannt), der den Übergang von der absoluten zur konstitutionellen Monarchie brachte, wurde er Vizekommandeur der Artillerie, übernahm aber zunächst keine politische Funktion.
Heerführer und politische Karriere (1932–1938) mini|Regierungstruppen während der Boworadet-Rebellion
Phibunsongkhram spielte eine Schlüsselrolle beim Putsch im Juni 1933, der den Konstitutionalismus und die Herrschaft des militärischen Flügels der Volkspartei gegen eine Restauration der royalistischen Kräfte verteidigen sollte. Dadurch wurde sein militärischer und politischer Einfluss gestärkt. Seine Führungsrolle bei der Bekämpfung der Rebellion von Prinz Boworadet im Oktober 1933, verlieh ihm großes Prestige im Militär. Phibunsongkhram wurde zum Oberst befördert, wurde stellvertretender Oberbefehlshaber des HeeresPeitz: Tigersprung des Elefanten. 2008, S. 186. und 1934 Verteidigungsminister in der Regierung von Phraya Phahon Phonphayuhasena. Dies war der zweitmächtigste Posten in dem ganz auf das Militär ausgerichteten Land.
Als Verteidigungsminister trieb Phibunsongkhram die Verbreitung von nationalistischer und militaristischer Propaganda voran, auch in den Lehrplänen der Schulen. Sein Ministerium gab 1935 den Film „Blut des Thailändischen Soldaten“ (Lueat thahan Thai) in Auftrag, der vom Überfall eines fiktiven Landes auf Thailand und dem darauf folgenden heldenhaften Verteidigungskampf handelte. Es förderte Theaterstücke wie „Das Blut Suphanburis“ (Lueat Suphan) und „Die Prinzessin von Hsenwi“ (Chaoying Hsenwi), die Phibunsongkhrams späterer Chefideologe und -propagandist Wichitwathakan schrieb. Das eine hatte den Opfermut und Heldengeist des einfachen Volks zum Inhalt, durch den die Abwehr einer birmanischen Invasion gelang. Das andere betonte die historische Solidarität von Thai und Shan (die ethnologisch miteinander verwandt sind). Phibunsongkhram ließ Denkmäler zu Ehren von Königen wie Naresuan und Taksin, die ihm volksnahe und militärisch erfolgreiche Vorbilder waren, errichten.Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. 2010, S. 158.
Bereits vor seinem Aufstieg an die Regierungsspitze entkam Phibunsongkhram mehreren Anschlagsversuchen. 1934 wurde nach einem Armeefußballspiel auf ihn geschossen. 1935 wurde eine Verschwörung von Feldwebeln aufgedeckt, die angeblich den ganzen Ministerrat umbringen wollten. Im November 1938 versuchte Phibunsongkhrams Fahrer, ihn zu erschießen, einen Monat später gab es einen Vergiftungsversuch.Peitz: Tigersprung des Elefanten. 2008, S. 188.
Als es 1938 zu einem Skandal um den Verkauf des konfiszierten Eigentums des abgedankten Königs Prajadhipok kam, stürzte die Regierung von Phraya Phahon. Phibun, der ebenfalls mitgeboten hatte, zog sein Angebot zurück und konnte sich von jeder Schuld reinwaschen. Daraufhin wurde er mit deutlicher Mehrheit vom Parlament zum Ministerpräsidenten gewählt und vom Regentenrat am 16. Dezember 1938 ernannt.Peitz: Tigersprung des Elefanten. 2008, S. 187.
Erste Amtszeit als Ministerpräsident (1938–1944)
Autoritäre Herrschaft
Phibunsongkhram war zwar auf verfassungsmäßigem Weg ins Amt des Regierungschefs gekommen, regierte dann aber autokratisch. Bereits zu Beginn seiner Amtszeit als Premier nutzte er seine Machtstellung, um sich politischer Opponenten zu entledigen. Ihnen wurde der Prozess wegen Hochverrats gemacht. Angeblich hatten sie sich gegen den jungen König Ananda Mahidol verschworen, um den Ex-König Prajadhipok wieder auf den Thron zu bringen. Auf der Anklagebank saßen Royalisten und Exponenten des Adels, die dem alten Regime anhingen, einschließlich des Onkels des Königs, Prinz Rangsit Prayurasakdi, daneben Anhänger des Obersts Phraya Songsuradet, aber auch Führer der Opposition in der Nationalversammlung. Nach einem fragwürdigen Prozess verurteilte ein außerordentliches Gericht 18 von ihnen zum Tode, gegen 52 weitere sprach es ebenfalls strenge Strafen aus. Dutzende wurden auf der abgelegenen Insel Tarutao inhaftiert.Fineman: A Special Relationship. 1997, S. 17. Damit war die Opposition der konservativen Royalisten ausgeschaltet, aber auch diejenige innerhalb der Volkspartei geschwächt. Altkönig Prajadhipok wurde zur persona non grata erklärt, seine Bilder mussten aus der Öffentlichkeit entfernt werden.
Nach der erfolgten Niederschlagung der vermeintlichen „Songsuradet-Rebellion“ ließ Phibunsongkhram im Zentrum Bangkoks, auf der Mitte des Ratchadamnoen-Boulevards, das Demokratiedenkmal als Symbol des Siegs des Konstitutionalismus über die absolute Monarchie errichten. Unter „Demokratie“ verstand Phibunsongkhram allerdings die Herrschaft der Volkspartei, insbesondere ihres rechten Flügels, und des Militärs im Rahmen der bedingt demokratischen Verfassung von 1932 durch ein ernanntes Parlament, also eher das Konzept einer aufgeklärten Wenigenherrschaft.Kobkua Suwannathat-Pian: Thailand’s durable Premier. 1995, S. 62. Das Demokratiedenkmal stellte sich Phibunsongkhram als Mittelpunkt des modernen Bangkok vor, vergleichbar mit dem Triumphbogen in Paris.Ka F. Wong: Visions of a Nation. Public Monuments in Twentieth-Century Thailand. White Lotus Press, Chiang Mai 2006, S. 65.
Auch innerhalb der Volkspartei kam es zunehmend zu Konflikten. Phibunsongkhrams einstiger Studienfreund Pridi Phanomyong, der dem liberalen und zivilen Flügel der Volkspartei vorstand, wurde zu seinem wichtigsten Rivalen. Einerseits lehnten beide jegliche politische Einmischung der Monarchie ab und Pridi hatte die Errichtung von Sondergerichten zur Aburteilung der vermeintlichen Verschwörer gegen die konstitutionelle Ordnung gebilligt. Andererseits kritisierten die progressiven Intellektuellen aus Pridis Lager die dominante Rolle der Streitkräfte und forderten eine Kürzung des Verteidigungshaushalts, während Phibunsongkhram Militärs und Konservative um sich sammelte, die eine starke Führung des Landes wünschten.