Als Quäkerzeugnis oder die „Zeugnisse der Quäker“ wird das Verhalten der Mitglieder der Quäker bezeichnet, welches ihre Überzeugungen zum Ausdruck bringt. Es wird also in dem Sinne verwendet, dass „Zeugnis von der eigenen Überzeugung der Außenwelt gegenüber abgelegt wird.“ Auch in anderen Religionen und Konfessionen wird der Begriff des Zeugnisses verwendet.
Theologischer Hintergrund Von Anfang an haben Quäker sich nicht über ein Glaubensbekenntnis definiert, sondern über ihre Lebensweise. Sie soll Ausdruck ihrer Überzeugungen sein und im Einklang stehen mit dem, was sie glauben und lehren. Die frühen Quäker verstanden ihre Gemeinschaft als sichtbares Zeichen des Reiches Gottes und glaubten, dass es schon zu Lebzeiten möglich sei, auf vollkommene Weise zu leben.Vgl. Ludwig Seebohm: Über das Reich Gottes. In: Bemerkungen über verschiedene Gegenstände des Christentums, 1794; abgedruckt in: Deutsche Quäkerschriften des 18. Jahrhunderts, ISBN 978-3-487-13408-6 Von daher ist die Ausrichtung der Quäker auf des Diesseits zu verstehen. Die Vorstellung einer posthumen Vervollkommnung des Menschen – etwa durch ein Fegefeuer – wird ausdrücklich verneint. So schrieb B. Holme:
In diesen Auffassungen standen sie dem radikalen Pietismus sehr nahe. Eine Reihe von namhaften deutschen Konvertiten stammten aus diesem Umfeld, so zum Beispiel Johann Georg Ludwig Seebohm, Gründer der Siedlung Friedensthal. Auch die Eidesleistung und der Militärdienst wurden sowohl von radikalen Pietisten als auch von Quäkern abgelehnt.
Unterschiedliche Ausrichtungen
Die Idee, die Zeugnisse als Liste zu formulieren, ist relativ jung in der Quäkergeschichte und stammt aus den 1980er Jahren."Living Fountain, The: Remembrances of Quaker Christianity", Benjamin Wood, 2023, Christian Alternative, Kapitel 1, "The Recovery of Quaker Narrative". Fußnote 54: Rachel Muers, Testimony: Quakerism and Theological Ethics, (London: SCM Press, 2015), p. 22 Das Ohio Yearly Meeting (konservativ) tut dies bis heute noch nicht.
In den verschiedenen Ausrichtungen und Flügeln des Quäkertums herrscht keine Einigkeit darüber, welche Zeugnisse als verbindlicher Ausdruck des Quäkertums anzusehen sind. Eine Minimal-Schnittmenge bilden die Zeugnisse Frieden/Gewaltlosigkeit, Gleichheit, Wahrhaftigkeit und Einfachheit. Darüber hinaus haben die meisten Jahresversammlungen weitere Zeugnisse formuliert. Selbst unter den Mitgliedern derselben Jahresversammlung herrscht aber oft keine Einigkeit darüber, als wie verbindlich die jeweils formulierten Zeugnisse zu betrachten sind. Das einzige Zeugnis, das sehr früh verschriftlicht (und somit de facto kodifiziert) wurde und somit unter allen Quäkern als allgemein verbindlich gilt, ist das Friedenszeugnis.
New York Yearly MeetingNew York Yearly Meeting: Quaker Resources: Quaker Testimonies The Religious Society of Friends (Australia)The Religious Society of Friends (Australia): Testimonies Philadelphia Yearly MeetingPhiladelphia Yearly Meeting: Quaker Testimonies La Jolla Religious Society of Friends (California)La Jolla Religious Society of Friends (California): Quaker Testimonies Chena Ridge Friends Meeting (Alaska)Chena Ridge Friends Meeting (Alaska): Quaker Beliefs and Testimonies Canadian Yearly Meeting (A)Canadian Yearly Meeting (A): Introduction to Quakers and Friends’ Ways Canadian Yearly Meeting (B)Canadian Yearly Meeting (B): Testimonies Southern Africa Yearly MeetingSouthern Africa Yearly Meeting: What do Quakers believe? friends church quakers mombasa (evangelikal)friends church quakers mombasa (evangelikal): whats our identity? Ohio Yearly Meeting (konservativ)Ohio Yearly Meeting (konservativ): THE BOOK OF DISCIPLINE Baltimore Yearly MeetingBaltimore Yearly Meeting: Faith and Practice 2023 Lake Erie Yearly MeetingLake Erie Yearly Meeting: About Quakers Illinois Yearly MeetingIllinois Yearly Meeting: Faith and Practice Iowa Yearly Meeting (konservativ)Iowa Yearly Meeting (konservativ): Faith and Practice Gleichheit X X X X X X X X X X X X X X Wahrhaftigkeit X X X X X X X X X (X) X X X X Friedfertigkeit X X X X X X X X X (X) X X X X Einfachheit X X X X X X X X X (X) X X X X Schutz der Erde X X X Gemeinschaft X X X X X X X X X X Gegen Todesstrafe und Folter X Ökonomische Gerechtigkeit X Einsatz fur Strafvollzugsreform X Gerechte Aufteilung der weltweiten Ressourcen X Harmonie mit der Natur X Einheit / Inklusion X X Dienst X Verantwortungsvolles Handeln X X X X Gerechtigkeit X Einheit mit der Schöpfung X Soziale Gerechtigkeit X Gegen bezahlte Prediger X Gegen Gebrauch, Herstellung oder Verkauf von Tabak und Alkohol X Gegen Wetten, Glücksspiele, Lotterien, Spekulationen X Fairer Handel X
Erläuterung: Das Ohio Yearly Meeting nennt explizit nur das Friedenszeugnis, aber in der Gemeindesatzung finden sich die anderen Zeugnisse (Gleichheit, Wahrhaftigkeit und Einfachheit) umschrieben wieder. Bei dem Canadian Yearly Meeting finden sich zwei unterschiedliche Aussagen an unterschiedlichen Stellen.
Zeugnis der Integrität (Testimony of Integrity) Zeugnis der Integrität wird in der Regel das Zeugnis gegen das Schwören – bzw. – den Eid genannt. Die Quäker weigerten sich Eide zu leisten und lehnten es ab zu schwören, da sie zu jeder Zeit in ihrem Reden und Verhalten wahrhaftig sein wollten (nach : Schwurverbot und Aufforderung zu klarer Rede: „Eure Rede sei ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel“).
Dieses Zeugnis diente gerade in den ersten Jahren den Gegnern der Quäker als willkommene Angriffsfläche. Man brauchte einen Quäker nur wegen einer Lappalie vor Gericht bringen und ihn auffordern seine Aussagen unter Eid zu machen – was er stets verweigerte – um ihn kurz darauf wegen Missachtung des Gerichts ins Gefängnis werfen zu lassen.
Die Scheinheiligkeit des Gerichtes wird deutlich durch belegte Fälle, in denen Gerichte Quäker zu Verhandlungen bestellt haben, ohne eine Kaution zu verlangen und sich allein auf das Wort stützten, dass die Quäker versicherten zur Verhandlung zu erscheinen. Dies wird z. B. im Tagebuch (The Journal) von George Fox beschrieben.
Die Verweigerung des Eides hatte auch zur Folge, dass Quäker lange Zeit von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen waren. Anderseits trug es auch zu ihrem wirtschaftlichen Erfolg bei. Denn als Geschäfts- und Handelspartner waren sie aufgrund ihrer Ehrlichkeit sehr angesehen.
Friedenszeugnis (Peace Testimony) Das Friedenszeugnis teilt sich in ein so genanntes Historisches Friedenszeugnis und ein allgemeines oder praktisches Friedenszeugnis, in dem z. B. die Verweigerung des Wehrdienstes bestimmt wird. Unter der Bezeichnung „Historisches Friedenszeugnis“ gibt es allerdings auch zwei Werke: Das erste wurde sofort beim Drucken konfisziert, erst der zweite Anlauf glückte. „Der Druck wurde am 21. Januar 1661 feierlich, aber ohne den Hut abzunehmen, dem König Charles II. überreicht, der jedoch kaum darauf reagierte und die Quäker weiter verfolgte“, wie Claus Bernet 2007 schreibt.In einer ausführlichen Abhandlung ging Claus Bernet in der Ausgabe 6/2007 auf Seite 282 bis 286 in der Zeitschrift Quäker darauf ein. Im alten Kalender endete das Jahr im März, so dass Januar 1660 nach unserem Kalender 1661 ist.John A. Gallery: Eine Perspektive zum Friedenszeugnis. In: Quäker, 4, 2003, S. 163. In der Forschungsliteratur und in den Publikationen der DJV findet man beide Jahresangaben, je nachdem, auf welchen Kalender man sich bezieht. Dieses historische Friedenszeugnis wurde zunächst kaum angenommen. in der Quäkerzeitschrift Friends Journal. Als Verfasserin gilt die Quäkerin Margaret Fell, die selbst aber nicht unterschrieb, sondern zwölf männliche Quäker.
Der Entwurf zum gegenwärtigen und zukünftigen Frieden in EuropaDeutsch als: William Penns Friedensplan für Europa. Religiöse Gesellschaft der Freunde (Quäker), Bad Pyrmont 1991, ISBN 3-929696-02-9 (Neudruck der deutschen Erstausgabe von 1920) von William Penn 1693 verfasst, ist nicht nur ein Zeugnis gegen den Krieg, sondern auch ein aktives „Für den Frieden“.
1742 wurde eine allgemeine Verpflichtung der männlichen Quäker zur Kriegsdienstverweigerung eingeführt. Fortan wurde jedem Wehrpflichtleistenden die Mitgliedschaft aberkannt; nach der Militärzeit konnten sie aber wieder aufgenommen werden. Auf diese Weise wurden regelmäßig ca. 20 % der jungen Männer ausgeschlossen.
Die theologische Begründung leitet sich aus Johannes 18:36 ab "Jesus antwortete: »Mein Königreich gehört nicht zu dieser Welt. Wäre ich ein weltlicher Herrscher, dann hätten meine Leute für mich gekämpft, damit ich nicht in die Hände der Juden falle. Aber mein Reich ist von ganz anderer Art.«". Daraus wird abgeleitet, dass eine Nachfolge und die Teilhabe am Reich Gottes das Kämpfen ausschließen.
mini|links|Eine Quaker Gun nahe Centreville, Virginia, im März 1862, hinter dem Wall der Konföderierten Stellung während des Sezessionskriegs
Im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg täuschte General George Washington eine Loyalisten-Stellung, indem er aus Baumstämmen Attrappen von Artilleriegeschützen baute. Die Attrappen waren so überzeugend, dass diese Stellung kapitulierte, ohne dass ein einziger Schuss fiel. Solche Attrappen, Quaker Guns genannt, wurden seitdem immer wieder im 18. und 19. Jahrhundert verwendet, so auch während des Sezessionskriegs. Sie haben nichts mit den Quäkern direkt zu tun, sondern spielen auf ihre pazifistische Haltung an.
Während des Unabhängigkeitskriegs beteiligten sich aber auch tatsächlich einige Quäker direkt oder indirekt am Krieg gegen England und wurden von ihren Versammlungen ausgeschlossenen. Später gründete einer dieser Quäker, Samuel Wetherill, die Free Quakers und baute mit Unterstützung von u. a. Washington und Benjamin Franklin 1783 ein eigenes Versammlungshaus an der 5th und Arch Street in Philadelphia. Aus Prinzip schlossen die Freien Quäker niemanden, weder aus theologischen noch aus moralischen Gründen, aus ihrer Gemeinschaft aus. 1836, nachdem einige Jahre niemand mehr die Andachten besucht hatte, wurde das Haus geschlossen.Charles Wetherill: History of the Religious Society of Friends Called by Some the Free Quakers, in the City of Philadelphia, Philadelphia 1894, bei qhpress.org mini|AFSC-Logo Im 19. Jahrhundert ist das Friedenszeugnis etwas in Vergessenheit geraten, bzw. nicht mehr beachtet worden.Claus Bernet: Kriegsdienstverweigerung im 19. Jahrhundert. Ein Beitrag zum Klischee des Militärstaats Preußen. (PDF; 1,9 MB) 2008, S. 204–221, hier S. 218. Im 20. Jahrhundert entdeckte Rufus Jones das Friedenszeugnis wieder. Er sah darin die Kraft zur Einigung der zersplitterten Quäker und schaffte damit eine Renaissance des Quäkertums. Der Religionssoziologe Thomas C. Kennedy geht davon aus, dass das Quäkertum ohne das zweite Friedenszeugnis untergegangen wäre.Thomas C. Kennedy: British Quakerism, 1860–1920. Oxford 2001, S. 414.
mini|links|Mahnwache der Quäker vor der Britischen Botschaft in Berlin am 18. März 2007 In jedem Falle ist das Bild der Quäker in der Öffentlichkeit heute entscheidend geprägt von der Friedensarbeit nach und während der beiden Weltkriege. Erwähnt sei auch die Verleihung des Friedensnobelpreises an das American Friends Service Committee (AFSC). In der Zwischenkriegszeit waren die Quäker energische Befürworter des Völkerbundes und der Erhaltung des Weltfriedens.
In Deutschland, in der NS-Zeit, bemühte sich das Berliner Quäker-Büro um die Hilfe für politisch und rassisch Verfolgte und rettete einigen das Leben. Ab 1941 musste die Arbeit aus dem Untergrund fortgesetzt werden. Am 5. April 2006 wurde zu Ehren der Pädagogin und Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus Elisabeth Abegg (1882–1974) in Berlin eine Straße benannt. Mit Hilfe vor allem von britischen Freunden wurde das Rest Home Projekt betrieben.