Schweinsberg (veraltet auch: Schweinsberg an der Ohm) ist ein Stadtteil von Stadtallendorf im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.
Geographie mini|hochkant|Blick auf Kirche und Burg
Geographische Lage Schweinsberg gruppiert sich um einen aus der Ohmniederung aufragenden Basaltkegel, auf dem sich zwei markante, spätgotische Burghäuser emporheben. Dies ist die Stammburg und der Wohnsitz eines Zweiges des bedeutenden oberhessischen Geschlechts der Freiherren Schenck zu Schweinsberg. Die starke Ringmauer mit Flankentürmen hinter Erdwall und Graben erbaute 1482 der Baumeister Jakob von Ettlingen. Ein Torbau mit seitlichem Turm sichert die Brücke über den Graben.
Der Ort wird westlich von der Ohm umflossen, welche ca. 30 Kilometer südöstlich ihre Quelle nahe der Stadt Ulrichstein im Vogelsberg hat. Die Ohm durchfließt am Rand das Stadtgebiet auf einer Länge von ca. sieben Kilometern, wobei sie sich nordwestlich der Stadt in zwei Flussarme aufteilt, in den Mühlgraben und die Ohm. Beide Flussarme vereinigen sich an der Brücker-Mühle in der Stadt Amöneburg wieder. Die Ohm ist teilweise stark begradigt und hat eine niedrige Fließgeschwindigkeit mit abschnittsweise starken Unterströmungen.
Im Süden wird das Stadtgebiet durch das Naturschutzgebiet Schweinsberger Moor begrenzt. Nordöstlich des Stadtgebietes liegt das Naturschutzgebiet Saurasen bei Schweinsberg. Im Osten befinden sich Wälder der Schenck zu Schweinsberg, die bis zum Dorf Dannenrod in der Gemeinde Homberg (Ohm) im Vogelsbergkreis reichen. In südwestlicher Richtung befindet sich die Ohmaue, die als Hochwasserschutzgebiet dient und regelmäßig überschwemmt wird.
Nachbargemeinden Schweinsberg liegt südwestlich der Kernstadt Stadtallendorf an der Ohm. Im Südosten von Schweinsberg liegt die Stadt Homberg. In nordwestlicher Richtung liegen die Städte Amöneburg auf dem gleichnamigen Basaltkegel und Kirchhain in der Ohmaue. In ca. 25 Kilometer westlicher Richtung befindet sich die Stadt Marburg (Lahn) hinter dem Höhenzug der Lahnberge im Lahntal.
Geschichte Ortsgeschichte mini|Die Burg Schweinsberg um 1850
Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Schweinsberg erfolgte unter dem Namen de Suuensberg im Jahr 1215 in einer Urkunde des Klosters Haina. Eine weitere Nennung von Sueinsberg findet sich in einem Dokument, aus dem der Bau der ältesten Burg Schweinsberg durch den landgräflich-thüringischen Burgmann Guntram von Marburg hervorgeht.
Die Stadt- und Marktrechte wurden Schweinsberg im Jahre 1332 durch Kaiser Ludwig IV. gegen entsprechende Bezahlung verliehen, bewirkten allerdings keinen wirtschaftlichen Aufschwung des bäuerlich geprägten Ortes. Eine besondere Rolle in der Geschichte der Stadt spielte die Adelsfamilie Schenck zu Schweinsberg.
Die spätgotische Stephanskirche liegt zu Füßen der Burg, an der Seite, wo der gewaltige spätmittelalterliche Hexenturm aus der Eckflanke vorstößt. Sie wurde im Jahre 1506 vollendet. Jedoch zerstörte ein Brand im Jahr 1558 die Kirche und die halbe Stadt.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt in den Jahren 1633 und 1634 von der Pest heimgesucht. 1635 wurde Schweinsberg durch kaiserliche Truppen belagert und geplündert. Eine erneute Plünderung fand im Jahr 1641 statt; bei dieser Plünderung wurde auch die halb aufgebaute Kirche wieder eingeäschert. Im Jahr 1646 besiegte ein schwedisch-hessisches Heer die Kaiserlichen an der Ohäuser Mühle. 1664 war der Wiederaufbau der Stephanskirche beendet. 1788 erfolgt die Grenzregulierung mit den kurmainzischen Nachbarorten, da die Grenzlinien immer wieder zu Streit geführt hatten.
Am 18. August 1807 bildete Kaiser Napoleon I. das Königreich Westphalen mit der Hauptstadt Kassel. Es umfasste Hessen-Kassel, Braunschweig und Hannover sowie preußische Gebiete westlich der Elbe. Zum Königreich Westphalen gehörte somit auch die Stadt Schweinsberg. Folgende Beschreibung wurde hierzu gegeben: Schweinsberg, Stadt am rechten Ufer der Ohm, den Schencken von Schweinsberg gehörig mit 110 Häusern und gegen 600 Menschen. Schweinsberg wurde zu dieser Zeit unter dem Kanton Kirchhain an der Wohra und Ohm geführt.Georg Hassel: Geographisch statistischer Abriss des Königreich Holland. Verlag des Landes, Weimar 1809, S. 491.
mini|Burg ca. 2010, Blick von Süden
Schweinsberg führt seit 1818 ein eigenes Siegel und Wappen. Im Jahre 1829 kam es zu einer Hochwasserkatastrophe, bei der der Marktplatz und der gesamte historische Ortskern unter Wasser standen. Im Jahre 1856 erfolgte der Abbruch des letzten Stadttores an der Südwestseite der Stadt. 1872 gründete die Stadt eine eigene städtische Sparkasse im Rathaus. Die Anschaffung von Straßenlaternen wurde 1884 durchgeführt. Eine weitere Modernisierung war die Eröffnung der Eisenbahn-Teilstrecke Schweinsberg–Kirchhain der Ohmtalbahn. Der Bau einer eigenen Wasserleitung 1906 und der Bau einer elektrischen Lichtanlage mit der dazugehörigen Transformatorenstation im Jahr 1920 waren weitere Verbesserungen der Infrastruktur.
1907 stiftete Freifrau Emilie Schenck zu Schweinsberg ein Gebäude als „Heimstätte für eine Kleinkinderschule“. Laut Stiftungsurkunde soll das „Eintrittsgeld“ 0,50 Mark betragen haben und das „Schuldgeld – ohne der Wohltätigkeit Schranken zu setzen – 0,10 Mark pro Kopf und Woche.“ Bis zum 31. Dezember 2016 wurde in Trägerschaft der evangelischen Kirchengemeinde Schweinsberg, die weiterhin Eigentümerin ist, dort ein Kindergarten betrieben. Dieser wurde zum 1. Januar 2017 in den Zweckverband Ev. Tagesstätten für Kinder im Kirchenkreis Kirchhain integriert.
In den Jahren 1925 und 1926 wurde an der Ohm eine Badeanstalt mit Badehalle und Umkleidekabinen eröffnet. Ein schwerer Sturm zerstörte 1935 das einfache Bahnhofsgebäude der Haltestelle Schweinsberg. Im Jahr 1963 begannen die Flurbereinigung und die Ohmregulierung.
Das Bürgerhaus in Schweinsberg wurde 1976 eingeweiht. Im Jahr 1980 folgte die Stilllegung der Ohmtalbahn für den Personenverkehr. Die Bahnstrecke wird seitdem nur für den Güterverkehr verwendet und zu ausgewählten Terminen mit historischen Eisenbahnen, z. B. Dampflokomotiven und dem beliebten „rotem Schienenbus“ (liebevoll „Roter Brummer“ genannt) befahren.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Zum 31. Dezember 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Schweinsberg im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Stadt Stadt Allendorf, Landkreis Marburg (damalige amtliche Bezeichnung der Stadt) eingegliedert. Für Schweinsberg wurde ein Ortsbezirk eingerichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Schweinsberg angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Adliges Gericht der Schenck zu Schweinsberg ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Adliges Gericht der Schenck zu Schweinsberg ab 1592: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Kirchhain, Adliges Gericht der Schenck zu Schweinsberg 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1648: Heiliges Römisches Reich (bis 1806), Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Kirchhain,Die Zugehörigkeit des Amtes Kirchhain anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und Adliges Gericht der Schenck zu Schweinsberg ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Kirchhain, Adliges Gericht der Schenck zu Schweinsberg 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Kirchhain ab 1815: Kurfürstentum Hessen, Amt Kirchhain, Adliges Gericht der Schenck zu Schweinsberg ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis KirchhainVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 74.Trennung von Justiz (Justizamt Kirchhain) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Marburg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg, Stadt AllendorfAm 31. Dezember 1971 als Ortsbezirk mach Stadt Allendorf. ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt Allendorf ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt StadtallendorfAm 31. Januar 1977 Umbenennung nach Stadt Stadtallendorf. ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt Stadtallendorf
Gerichte seit 1821 Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Der Kreis Kirchhain war für die Verwaltung und das Justizamt Kirchhain als Gericht erster Instanz für Schweinsberg zuständig. Die Patrimonialgerichtsbarkeit der Schenck zu Schweinsberg blieb noch bis 1845 bestehen. Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen 1866 erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Kirchhain.Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte () Auch mit dem Inkrafttreten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Schweinsberg 1046 Einwohner. Darunter waren 48 (4,4 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 210 Einwohner unter 18 Jahren, 456 zwischen 18 und 49, 219 zwischen 50 und 64 und 201 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 462 Haushalten. Davon waren 135 Singlehaushalte, 132 Paare ohne Kinder und 159 Paare mit Kindern, sowie 24 Alleinerziehende und 15 Wohngemeinschaften. In 93 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 312 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon
1683: 75 Hausgesesse, Erwerbspersonen: 24 Handwerker, 10 Tagelöhner, 1747: 124 Hausgesesse, 620 Einwohner 1792: 621 Einwohner (ohne Adlige) 1838: 992 Einwohner (Familien: 199 nutzungsberechtigte, 43 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 23 Beisassen) 1855: 1021 Einwohner, 182 Häuser 1860: 1021 Einwohner, 163 Häuser 1906: 780 Einwohner, 148 Wohnhäuser, 197 Haushaltungen
Erwerbstätigkeit