Die Xenophyophoren sind ein Taxon zumeist gehäusetragender Protisten aus der Gruppe der Foraminiferen. Außergewöhnlich ist ihre für einzellige Lebewesen gewaltige Größe von bis zu 25 Zentimetern. Xenophyophoren leben in der Tiefsee.
Merkmale
Xenophyophoren erreichen Größen von wenigen Millimetern bis hin zu 25 Zentimetern und weisen Scheinfüßchen auf. Alle Arten bilden agglutinierte Gehäuse, also Gehäuse aus aufgesammelten Partikeln (Xenophyae). Die Zelle selbst ist als Synzytium organisiert, weist also mehrere Zellkerne auf, in ihr finden sich darüber hinaus Granellae, charakteristische Ansammlungen von Bariumsulfat-Kristallen. Die Zelle wird von einem verzweigten Röhrensystem umgeben, dem sogenannten Granellare, aus diesem heraus treten Bänder aus Fäkalien, die Stercomare.Jan Pawlowski, Maria Holzmann, Jose Fahrni, Susan L. Richardson: Small Subunit Ribosomal DNA Suggests that the Xenophyophorean Syringammina corbicula is a Foraminiferan In: Journal of Eukaryotic Microbiology, 50:6, 2003, S. 483–487
Von einigen Xenophyophoren sind Granuloreticulopodien, Gameten mit zwei Geißeln sowie Heterokarien bekannt.
Verbreitung und Ökologie
Über die Lebensweise der Xenophyophoren ist nur wenig bekannt. Sie sind weit verbreitet im Abyssal und dem Bathyal der Tiefsee, dort besiedeln sie vor allem besonders nährstoffreiche Regionen wie die Gipfel oder Hänge von Bergen oder Meeresböden unterhalb besonders produktiver Oberflächen.
Insbesondere die Regionen um Neuseeland und die äquatorialen Zonen des Ostpazifiks stellen Hotspots dar, in denen Xenophyophoren an ihren Standorten häufig auch den Hauptanteil der Biomasse stellen.O.S. Tendal: Synoptic checklist and bibliography of the Xenophyophorea (Protista), with a zoogeographical survey of the group In: Galathea Report 17, 1996
Xenophyophoren ernähren sich vermutlich von kleinen ForaminiferenChristie A. Robinson, Joan M. Bernhard, Lisa A. Levin, Guillermo F. Mendoza, Jessica K. Blanks: Surficial Hydrocarbon Seep Infauna from the Blake Ridge (Atlantic Ocean, 2150 m) and the Gulf of Mexico (690–2240 m) In: Marine Ecology, 25:4, S. 332, 2004.
Die Gehäuse größerer Xenophyophoren sind aufgrund ihrer komplexen Gestalt Habitat, Rückzugsgebiet sowie Futterquelle für zahlreiche Kleinlebewesen. Größere Ansammlungen der Tiere können so einen Ort lokaler Artenvielfalt darstellen. Systematik mini|Xenophyophore, a) auf dem Meeresboden b) im Probenbehälter c) nach Entnahme d) Detail Die genaue systematische Position der 1904 von Franz Eilhard Schulze erstbeschriebenen Xenophyophoren anhand von konservierten Exemplaren von der Siboga-Expedition war lange umstritten, erst molekularbiologische Untersuchungen wiesen darauf hin, dass die bis dato als eigene Klasse unsicherer Stellung verstandene Gruppe zu den Foraminiferen zu zählen ist. Spätere Untersuchungen bestätigten dies, danach sind die Xenophyophoren monophyletisch und sicher Teil der Klasse der Monothalamea. Da diese wiederum paraphyletisch ist, ist ihre genaue Stellung innerhalb der Gruppe noch unklar.
Vermutet wird eine Gesamtartenzahl von rund 100 Arten, aktuell sind annähernd 60 Arten in 14 Gattungen bekannt. Diese werden klassisch in 2 Ordnungen unterteiltO.S. Tendal: Synoptic checklist and bibliography of the Xenophyophorea (Protista), with a zoogeographical survey of the group In: Galathea Report 17, 1996:
Ordnung Psamminida Ordnung Stannomida Insbesondere seit dem frühen 21. Jahrhundert wurden zahlreiche neue Arten und Gattungen beschrieben.
Einzelnachweise
Weblinks
Kategorie:Foraminiferen