Sölden mit seinen Einwohnern (Stand ) liegt im Hinteren Ötztal im Bezirk Imst (Gerichtsbezirk Silz), Tirol. Das Dorf Sölden befindet sich auf einer Höhe von , alle übrigen Weiler und Orte der Gemeinde liegen höher.
Mit um die zwei Millionen Übernachtungen pro Jahr und rund 15.000 Gästebetten ist Sölden ein wichtiges Tourismusgebiet, hauptsächlich für den Wintersport. Der frühere Charakter eines Bergbauerndorfes, der bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts vorherrschend war, ging verloren und wurde durch einen touristisch-alpinen Baustil verdrängt.
Geografie Mit 467 km² ist Sölden noch vor Wien die flächenmäßig größte Gemeinde in Österreich. Das Gemeindegebiet erstreckt sich im Hinteren ÖtztalÜberörtliche Raumordnung (PDF 1 MB) auf tirol.gv.at, 22. September 2000, abgerufen am 17. Juli 2025. von der grünen Weitung der vierten Ötztalstufe bis zur hochgelegenen Wasserscheide im Süden, welche heute die Staatsgrenze zu Italien (Südtirol) bildet. 146 km² sind von Gletschern bedeckt, 321 km² von Gipfeln, Almen und Wäldern, und nur etwa 1 km² sind bebaubares Gebiet. Sölden profitierte als eine der wenigen Gemeinden von der neuen Grenzziehung nach dem verloren gegangenen Ersten Weltkrieg. Bei diesem Vorgang sind rund 120 km² zur vormaligen Fläche von rund 120 km² dazugekommen. Die Wildspitze mit 3768 m ü. A. markiert den höchsten Punkt der Gemeinde.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende fünf Ortschaften (Einwohner Stand ):
Gurgl () Heiligkreuz () Sölden () Vent () Zwieselstein ()
Die Gemeinde hat als einzige Katastralgemeinde das gleichnamige Sölden.
Nachbargemeinden Fünf der neun Nachbargemeinden liegen in Südtirol, zwei im Bezirk Imst und je eine befindet sich im Bezirk Innsbruck-Land und im Bezirk Landeck.
Ortschaften der Gemeinde Sölden mini|Sölden im Ötztal mini|Hochsölden im Sommer mini|hochkant|Blick auf das Zentrum von Sölden mini|Obergurgl im Winter mini|Vent
Das ehemals kleine Sölden ist mit den übrigen Weilern zu einem Straßendorf zusammengewachsen, hier ist mit Hotels, Gaststätten und Pensionen auch das touristische Zentrum der Gemeinde.
Im Süden von Sölden startet die Seilbahn auf den Gaislachkogel bis auf Höhe. Vom Söldner Ortsteil Pitze zweigt die 13 km lange Ötztaler Gletscherstraße zu den Skigebieten Rettenbachferner und über den höchstgelegenen Tunnel der Alpen, den Rosi-Mittermaier-Tunnel, zum Tiefenbachferner ab.
Oberhalb vom Tal liegt auf etwa die Hotelsiedlung Hochsölden, die durch eine Straße und eine Seilbahn mit dem Tal verbunden ist. Oberhalb von Hochsölden befindet sich das Skigebiet Giggijoch. Der Berghof liegt auf einer Höhe von nördlich vom Rettenbach, direkt oberhalb des Ortszentrums von Sölden.
Gurgl
Am Ende des Gurgler Tales liegt Obergurgl, mit das höchste Kirchdorf Österreichs und, wie die Hotelsiedlung Hochgurgl, ein bedeutendes Wintersportgebiet (Seehöhe des Skigebietes von bis ). Obergurgl ist Standort des Universitätszentrums, eines Tagungs- und Veranstaltungszentrums der Universität Innsbruck.
Eine größere Bekanntheit brachte Obergurgl die Notlandung des Stratosphärenballons des Schweizer Physikers und Forschers Auguste Piccard am 27. Mai 1931 auf dem Gurgler Ferner. Piccard zu Ehren wurde 1989 in Obergurgl ein Denkmal errichtet, das an diese Landung erinnert.
Hochgurgl auf Seehöhe ist eine Hotelsiedlung an der Straße zum Timmelsjoch. Das Skigebiet von Hochgurgl ist mit dem in Obergurgl durch eine Seilbahn verbunden. Vom höchsten Punkt des Skigebiets, dem hohen Wurmkogel, hat man einen umfassenden Ausblick auf die Berge Nord- und Südtirols.
Heiligkreuz
Heiligkreuz auf besteht aus mehreren auf 8 km im Venter Tal verstreuten Häusergruppen. Seit 1956 wurde die Straßenverbindung nach Vent laufend ausgebaut und mit Lawinenschutzgalerien gesichert. Im Gegensatz zu den anderen Ortsteilen von Sölden ist Heiligkreuz wenig touristisch erschlossen.
Vent
Der Ortsteil Vent liegt auf einer Höhe von im hintersten Venter Tal. Dahinter schließen sich die Rofenhöfe, Österreichs höchstgelegene dauerbesiedelte Bergbauernhöfe, auf an.
Zwieselstein
Bei Zwieselstein teilt („zwieselt“) sich das Hintere Ötztal in das Venter und das Gurgler Tal. Diese Ortschaft hat mit alten Holzhäusern teilweise ihren dörflichen Charakter bewahrt. Zwieselstein wurde 1269 als „Twiselsteyn“' erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort ist auch bekannt als Etappenziel des 1972 eröffneten Europäischen Fernwanderwegs E5.
Geschichte mini|Franzisco-Josephinische Landesaufnahme, Sölden (Stand ca. 1873) mini|Berghof (Sölden), Urhof von Sölden mini|Postkarte von Sölden mit Berghof (um 1920) mini|Heuernte in Sölden (um 1970)
Die Hochalmen des hintersten Innerötztales wurden schon in der Steinzeit von Jägern und Hirten aufgesucht, wie der Fund des Ötzis zeigte. Sie kamen vom Süden über den Alpenhauptkamm und begannen etwa 4500 v. Chr. durch Brandrodungen an der Waldgrenze die nutzbaren Weideflächen zu vergrößern. Das Innerötztal wurde ursprünglich nur als Alm vom Vinschgau aus genutzt. Die allmähliche Siedlungstätigkeit vom Süden her prägte zahlreiche rätoromanische Ortsnamen, besonders im Venter Tal, und im innerötztaler Dialekt haben sich romanische Ausdrücke erhalten.
Der Ortsname Sölden leitet sich von selda, was so viel wie kleinste bäuerliche Besitzgröße bedeutet, ab. Sölden wird erstmals 1166/67 in der Chronik des Klosters Ottobeuren als „Seldon“ genannt, als dem Kloster zwei dortige Schwaigen vermacht wurden. Die Jahresangabe ist allerdings umstritten, denn der Ottobeurer Chronist selbst datiert die Schenkung mit dem Jahr 1172. Im Zuge der Labialisierung verwandelte sich das e im Wort Sölden zu einem ö um.
Das heutige Sölden hat sich aus den Urhöfen Berghof, Haimbach, Kaisers, Leite, Lochlehn, Pitze, Rechenau, Rettenbach, Schmiedhof, Wald, Windau und Wohlfahrt entwickelt.Kurt Klein (Bearb.): Historisches Ortslexikon. Statistische Dokumentation zur Bevölkerungs- und Siedlungsgeschichte. Hrsg.: Vienna Institute of Demography [VID] d. Österreichische Akademie der Wissenschaften. Urhöfe in der Ortschaft Sölden, S. 37 Diese Urhöfe wurden erstmals 1288 bis ca. 1370 n. Chr. urkundlich erwähnt.
1811 bildete Sölden eine von zehn Anwaltschaften des Gerichts Petersberg, die 1817 zur politischen Gemeinde erklärt wurde. 1854 wurde die Gemeinde Vent, bis 1826 zum Gericht Kastelbell im Vinschgau gehörend, eingemeindet. 1923 kam der bei Österreich verbliebene Gemeindeanteil von Schnals zur Gemeinde Sölden.
Lebensgrundlage der Bewohner waren bis zum allmählichen Beginn des Tourismus hauptsächlich Viehzucht und der Handel über das Timmelsjoch und das Hochjoch.
Sölden, Gurgl und Vent wurden 1891 zu selbständigen Pfarren erhoben.
Mitte des 19. Jahrhunderts kam es mit dem Bau von Schutzhütten und Wegen, gefördert durch den „Gletscherpfarrer“ Franz Senn, zu einer ersten touristischen Entwicklung. Der Ausbau zum Wintersportzentrum begann 1948 mit den ersten Liften, denen 1975 und 1981 die Erschließung des Rettenbach- bzw. Tiefenbachferners folgte.
Bevölkerungsentwicklung
Seilbahnunglück von Sölden Am 5. September 2005 gegen 13 Uhr überflog ein Hubschrauber die im Betrieb befindliche Seilbahn Schwarze-Schneid 1, als Metallabriebteilchen im Lastabwurfschalter des Fluggeräts einen Kurzschluss auslösten, wodurch sich der Lasthaken öffnete und ein 750 Kilogramm schwerer Betonkübel beim Sturz in die Tiefe eine vollbesetzte Gondel traf und zum Absturz brachte. Durch die dabei entstandenen Seilschwingungen wurden noch bei zwei weiteren Gondeln mehrere Personen hinausgeschleudert, sodass bei dem Unglück insgesamt drei Erwachsene und sechs Kinder getötet sowie sieben weitere Personen zum Teil schwer verletzt wurden.Zeuge belastet Pilot, n-tv vom 1. Dezember 2005, abgerufen am 12. Juni 2019., Tiroler Tageszeitung vom 18. März 2010, abgerufen am 20. November 2012.Reinhard Fellner: Tiroler Tageszeitung vom 29. Juli 2011, abgerufen am 12. Juni 2019. Zu den Getöteten gehören der Vater von Thomas Dreßen und der Bruder von David Ketterer.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Kaplaneikirche Heiligkreuz Bauwerke
Pfarrkirche Mariä Heimsuchung in Sölden-Rettenbach Pfarrkirche Heiliger Johannes Nepomuk in Obergurgl Pfarrkirche Heiliger Jakob in Vent Kaplaneikirche zur Kreuzauffindung in Heiligkreuz Kapelle Heilige Theresia in Rofen Kapelle Heiliger Sebastian in Winterstall Kapelle Mariahilf in Zwieselstein Denkmal für Martinus Scheiber (1856–1939), Pionier des österreichischen Fremdenverkehrs, in Obergurgl, vom Bildhauer Karl Obleitner seniorDehio Tirol 1980
Filme mini|Restaurant Ice Q am Gaislachkogel, auch Drehort für den James-Bond-Film Spectre Der Bergadler: Ein Film von Alfred Hitchcock, gedreht 1926 in Obergurgl. Der Film gilt als verschollen und ist laut dem British Film Institute der meistgesuchte Film der Welt.Artikel der Bergadler, Bild vom 12. Oktober 2012, abgerufen am 22. November 2014. Einige Standbilder sind noch vorhanden, es gibt verschiedene Gerüchte über den Verbleib des Films. Die Geierwally (1940): Drehort war der Berghof, etwas oberhalb von Sölden 1940. Das Gebäude Berghof Sölden ist großteils im ursprünglichen Zustand erhalten. Die Jahrhundertlawine. 2009 wurde ein Film basierend auf der Lawinenkatastrophe von Galtür in Vent gedreht. Der Film wurde insbesondere von der Venter Bevölkerung kritisiert, Vent war in der Vergangenheit des Öfteren von Lawinen heimgesucht worden. James Bond 007: Spectre: Im Winter 2014/15 fanden in Sölden Dreharbeiten zum James-Bond-Film Spectre statt.Artikel James Bond 007, Tiroler Tageszeitung vom 14. November 2014, abgerufen am 5. März 2020
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Die Gemeinde liegt an der Ötztalstraße B 186, die vom Inntal bis Untergurgl führt. In Zwieselstein zweigt die Venter Straße L 240 nach Vent ab, in Untergurgl schließt die Gurgler Straße L 15 nach Obergurgl an.
Tourismus mini|Das Hoteldorf Hochsölden mini|Skigebiet am Tiefenbachferner, 2011 Der Tourismus, im Speziellen der Wintertourismus, ist der dominierende Wirtschaftsfaktor in der Gemeinde Sölden. Bis in die 1970er spielte der Sommertourismus neben dem Wintertourismus eine gleichbedeutende Rolle, mit der Erschließung der Gletscher und dem nachfolgenden Ausbau des Winterskigebietes verlor der Sommer zunehmend an Bedeutung. Eine Ausnahme bildet hierbei das zur Gemeinde Sölden gehörende Bergsteigerdorf Vent, in dem der Sommertourismus nach wie vor eine wichtige Rolle spielt. Seit der Jahrtausendwende wird auch in Sölden und Obergurgl versucht, den dahinsiechenden Sommertourismus neu zu beleben. Weitere wichtige Wirtschaftsfaktoren sind einige Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe, die allerdings zumeist direkt vom Wintertourismus abhängig sind.
Sölden ist seit Jahren die nächtigungsstärkste Gemeinde Tirols. Im Jahre 2019 hatte Sölden 2.577.569 Nächtigungen bei 17.328 Betten.
Touristische Infrastruktur im Winter mini|Abdeckung mit Folie am Tiefenbachferner zum Schutz des schmelzenden Gletschers und Erhalt von Schneedepots, 2017. Das Söldener Skigebiet, zu dem auch zwei Gletscher (Rettenbachferner und Tiefenbachferner) gehören, verfügt über 39 Seilbahnen und 146 Pistenkilometer. Der Hauptteil des Skigebiets befindet sich auf einer Seehöhe von über 2.000 m und erreicht an (mittlerweile mehrlaut AustrianMap bzw. Open Street Map: nördlich des Tiefenbachkogels, am Mutjoch, zweimal nordöstlich der Inneren Schwarzen Schneid, am Seiter Jöchl und am Gaislachkogel als) drei Stellen eine Höhe von über 3.000 m (BIG 3). Der höchste per Lift erreichbare Punkt befindet sich auf 3.244 m Höhe nördlich des Tiefenbachkogels.Österreichische Karte 1:50.000
Auf dem Rettenbachgletscher findet jährlich ein Freilufttheater sowie der FIS Skiweltcup statt, siehe Alpiner Skiweltcup in Sölden. Seit 2023 findet mit dem Alpinen Skiweltcup in Gurgl ein zweites Weltcuprennen in der Gemeinde statt.