mini| Otto Eduard Graf von Zedlitz und Trützschler (* 23. März 1873 in Schwentnig, Deutsches Reich; † 4. Dezember 1927 in Varberg) war ein deutscher Ornithologe und Schriftsteller.

Herkunft Sein Großvater war der Regierungspräsident Carl Graf von Zedlitz-Trützschler (1800–1880). Seine Eltern waren der Rittmeister Karl Friedrich Wilhelm Constantin von Zedlitz-Trützschler (* 20. Januar 1833; † 1. Februar 1888) und dessen Ehefrau Helene von Rohr (* 21. Januar 1839; † 30. März 1878) Hause Hohenwulsch bei Stendal.

Er hatte noch eine Schwester Helene Dorothea (* 3. März 1878) die aber schon am 15. März 1884 verstarb.

Leben Nach dem frühen Tod seiner Mutter verstarb auch sein Vater relativ früh. Als Waise wuchs er im Haushalt seiner Tante Elisabeth Zedlitz-Trützschler (* 1826), einer langjährigen Pröpstin des Freiadligen Magdalenenstifts in Altenburg, auf. Otto Graf Zedlitz’ Leidenschaft galt der Sammlung von Vogel-Bälgen und der damit verbundenen weltweiten Jagd auf Vögel. Seine Leidenschaft entwickelte er schon früh auf dem elterlichen Gut, welches schon seit 1734 im Besitz der Familie war. In den heimatlichen Auen und Wäldern wurde er sehr früh ein hervorragender Schütze und beobachtete interessiert deren Fauna. Seine Schulzeit verbrachte er in Breslau. Später wurde er Jurastudent, obwohl dies seinem eigentlichen Wunsch nach einem Studium der Zoologie nicht entsprach. Er beugte sich dem Wunsch seines Onkels Robert von Zedlitz-Trützschler, der die Zoologie als brotlose Kunst bezeichnete. Es folgten einige Jahre als Leutnant bei den Leibkürassieren von Breslau.

Bald zog ihn sein Forscherdrang in die weite Welt. Schon 1900 begleitete er Arthur Berger und Hauptmann J. Roth nach Norwegen und Spitzbergen. In den Jahren 1904, 1905 und 1906 reiste er nach Tunis. Zusammen mit Paul Spatz und seinem Freund Alfred Blanchet bereiste er Algerien sowie Nordost-Afrika. Es folgte 1908 bis 1909 eine ornithologische Reise nach Eritrea und die angrenzenden Gebiete Äthiopiens. Begleitet wurde er von seinem Präparator C. W. Müller. Im Juli und August des Jahres 1910 nahm er an der Zeppelin-Studienfahrt mit dem Dampfer Mainz teil. Die Reiseroute beinhaltete das nördliche Norwegen, die Bäreninsel, den westlichen Teil Spitzbergens sowie die arktische Eiskante. Im Jahr 1911 bereiste er die Sinai-Halbinsel. Im Frühjahr 1913 ging seine Reise zusammen mit seinem alten Weggefährten Paul Spatz erneut nach Algerien. Beide erforschten insbesondere die Gebiete, die Walter Rothschild, 2. Baron Rothschild, und Ernst Hartert noch nicht untersucht hatten. Der Erste Weltkrieg führte ihn in den Jahren 1915 bis 1918 nach West-Russland ins sumpfige Schtscharagebiet und die Prypjatsümpfe. Für seine Publikationen zu den Prypjatsümpfen nutze er auch Manuskripte und Veröffentlichungen des Ornithologen Walther Graßmann. Nach dem Krieg verließ er aufgrund der geänderten politischen Verhältnisse Deutschland und zog nach Tovhult in Kalv, Älvsborgs län, Schweden.

Zedlitz war Mitglied der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft, wurde 1915 Ausschussmitglied und bekleidete von 1921 bis 1923 das Amt des zweiten Vorsitzenden. 1923 wurde er korrespondierendes Mitglied der American Ornithologists’ Union.Notes and News (PDF; 332 kB) Ferner war Zedlitz sei 1926 Ehrenmitglied der Société ornithologique de Françe (heute: La Société d’Etudes Ornithologiques de France) und des Vereins Schlesischer Ornithologen. Seine meisten Publikationen erschienen im Journal of Ornithology. Des Weiteren veröffentlichte er auch Artikel in Ornithologische Monatsberichte, Beiträge zur Fortpflanzungsbiologie, Wild und Hund, Revue française d'ornithologie, Fauna och Flora, Södra Älvsborgs läns jaktvårdsförenings årsbok.

Mit seinen Beiträgen zur Systematik palaeoarktischer und afrikanischer Vögel erweiterte er die bisherigen Forschungsaufgaben der Ornithologie, indem er beispielsweise die Brutzeit afrikanischer Vögel in Relation zur Periodizät des Klimas setzte oder das Gewicht der Vögel als Ausdruck physiologisch bedingter Schwankungen im Fettansatz betrachtete.Otto Graf Zedlitz in Journal of Ornithology

Zu den weiteren zahlreichen Freunden und Bekannten des Grafen gehörten unter anderem Zar Ferdinand I der Bulgaren, Lord Walther Rothschild, Freiherr Carlo von Erlanger, Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch sowie Friedrich von Lucanus.

Taxa Graf von Zedlitz beschrieb die Taxa verschiedener Arten und Unterarten.

Arten Hartert-Camaroptera (Camaroptera harterti) (, 1911)

Unterarten Blauastrild (Uraeginthus angolensis natalensis) (, 1911) Braunflügel-Mausvogel (Colius striatus hilgerti) (, 1910) Brillentaube (Streptopelia decipiens elegans) (, 1913) Felsentaube (Columba livia palaestinae) (, 1912) Maskenpirol (Oriolus larvatus reichenowi) (, 1916) Meisensänger (Parisoma subcaeruleum ansorgei) (, 1921) Nasenstreif-Honiganzeiger (Indicator minor riggenbachi) (, 1915) Perlenbartvogel (Trachyphonus margaritatus somalicus) (, 1910) Rohrweihe (Circus aeruginosus harterti) (, 1914) Steinschwalbe (Ptyonoprogne fuligula pusilla) (, 1908) Wachtel (Coturnix coturnix erlangeri) (, 1912) Wachtelastrild (Ortygospiza fuscocrissa mülleri) (, 1911) Weidenmeise (Poecile montanus loennbergi) (, 1925)

Eine Unterart des Kaptriel (Burhinus capensis ehrenbergi) (, 1910) gilt als ungültig. Es stellte sich heraus, dass es sich hierbei um die bereits beschriebene Art Burhinus capensis dodsoni (, 1899) handelte. Auch bei der Unterart Bonasia bonasia grassmanni (, 1920) zeigte sich später, dass diese Unterart des Haselhuhns bereits 1758 als Tetrastes bonasia bonasia von Carl von Linné beschrieben wurde.Bonasia bonasia grassmanni aus der Sammlung Zedlitz im Naturhistoriska riksmuseet Stockholm Zusammen mit Friedrich von Lucanus beschrieb er 1917 Turdus viscivorus jubilaeus. Auch hier stellte sich später heraus, dass es sich um die Subspezies der Misteldrossel Turdus viscivorus viscivorus (, 1758) handelt. So finden sich noch viele andere Exponate aus der Sammlung von Graf von Zedlitz im Naturhistoriska riksmuseet, da er dem Museum seine gesamte Sammlung von 7481 Vögeln vermacht hatte. Als Dank vergab die Schwedische Akademie der Wissenschaft dem Spender die Große Goldene Linné-Medaille.

Ehrungen und Widmungen Oscar Neumann widmete ihm 1907 einer Unterart des Wüsten-Gimpela (Bucanetes githagineus zedlitzi), da dieser Exemplare aus seiner Privatsammlung zur Verfügung gestellt hatte.Oscar Rudolph Neumann, S. 144. Die Erstbeschreibung folgt auf S. 145. Zwei Jahre später benannte Anton Reichenow eine Unterart des Kurzflügel-Cistensängers (Cisticola brachypterus zedlitzi) unter dem Protonym Cisticola zedlitzi zu seinen Ehren. Auch dieses Typusexemplar stammte aus der Sammlung von Zedlitz.Anton Reichenow (1909), S. 144. Das Taxon Sylvietta zedlitzi (Reichenow, 1918)Anton Reichenow (1918), S. 437. ist in Wirklichkeit die Unterart vom Rotzügel-Sylvietta (Sylvietta whytii jacksoni) (, 1897). Nils Carl Gustaf Fersen Gyldenstolpe beschrieb 1922 eine Unterart des Graukopfsperling (Passer griseus zedlitzi).Nils Carl Gustaf Fersen Gyldenstolpe, S. 32. Allerdings handelt es sich hierbei aller Voraussicht nach um Passer griseus ugandae (, 1904).Kommentar zu Passer griseus zedlitzi (PDF; 6,7 MB).

Schriften

Heinrich von Preußen, Hugo Emil Hergesell, Adolf Miethe, Gustav von Bartenwerffer, Erich von Drygalski, Max Reich, Karl Friedrich von dem Knesebeck, Hans Hilmers, Ferdinand Leiber, Otto Eduard Graf von Zedlitz und Trützschler, Ferdinand Graf von Zeppelin: Mit Zeppelin nach Spitzbergen: Bilder von der Studienreise der deutschen arktischen Zeppelin-Expedition, Bong, Berlin 1911, (Reprint: BookSurge Publishing, 2003, ISBN 978-1-4212-1289-0)

Literatur

Einzelnachweise

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