Die Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA) ist die gewerkschaftliche Organisation der Bühnenangehörigen. In der GDBA sind über 7.000 Mitglieder des künstlerischen und künstlerisch-technischen Bereichs der Theater in Deutschland organisiert.

Organisation Hauptsitz der GDBA ist Hamburg. Sie ist regional in sieben Landesverbände gegliedert und erfasst die spezielle Berufsproblematik in den vier Berufsgruppen: Solo, Tanz, Opernchor und ATuV (Ausstattung, Technik und Verwaltung). Sie ist Tarifpartner des Arbeitgeberverbandes Deutscher Bühnenverein und trägt mit ihm die Bühnenschiedsgerichtsbarkeit, die Fachgerichte der Bühnen. Die Zeitschrift der GDBA trägt den Namen TOI TOI TOI. Außerdem war die GDBA Herausgeberin des jährlich erscheinenden Deutschen Bühnen-Jahrbuchs, das mittlerweile eingestellt wurde.

Geschichte Vom 17. bis 19. Juli 1871Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): 125 Jahre Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger, Verlag Bühnenschriften-Vertriebs-Gesellschaft mbH, Hamburg, 1997, S. 15 tagte auf Initiative des Schauspielers Ludwig Barnay der Allgemeine deutsche Bühnen-Congress in Weimar, auf dem die Gründung der Genossenschaft zum 1. Dezember 1871Ernst Gettke (Hrsg.): Almanach der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger, Zweiter Jahrgang, 1874, S. 3 erfolgte.

Damit reagierte man auf die bevorstehende Verabschiedung einer Hausordnung durch den Arbeitgeberverband Deutscher Bühnenverein sowie die allgemein wesentlich schlechtere Stellung der Bühnenkünstler gegenüber der Arbeiterschaft.

Das Gründungsprogramm forderte: Schaffung eines Konzessionsgesetzes, um die Zulassung der Theaterleiter von deren Eignung abhängig zu machen, Schaffung eines Theatergesetzes, um die Bühnenangehörigen vor Willkür des Theaterleiters zu schützen, Gründung eines Pensionsfonds Ausarbeitung eines Vertragsformulares (Einheitliche Contracts-Bestimmungen).

Später kamen zahlreiche weitere Forderungen dazu, zum Beispiel Regelung der Fachverträge, Beschäftigungsanspruch, Mitteilungspflicht-Abkommen, Saisonverträge und Frauenschutz. Im Laufe der Jahre kam es zu langwierigen Verhandlungen mit dem Deutschen Bühnenverein. Als 1909 die Delegierten dem Entwurf eines Bühnenvertrages nicht zustimmten, wurden alle Verhandlungen abgebrochen und erst nach dem Ersten Weltkrieg wieder aufgenommen. miniatur|Ausstellungsräume der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger auf der Deutschen Theaterausstellung 1927 in Magdeburg Am 14. März 1919 kam schließlich ein Tarifvertrag zustande, der mit Änderungen bis heute gültig ist. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde mit Theatergesetz vom 15. Mai 1934 stattdessen die Reichstheaterkammer geschaffen, in die der Bühnenverein und die verschiedenen Bühnengewerkschaften zwangsintegriert wurden. Dementsprechend wurde die GDBA im September 1935 zwangsaufgelöst.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann im Juni 1945 in Berlin auf Initiative Paul Wegeners ihr Wiederaufbau mit der Gründung der Kammer der Kunstschaffenden.Zur Kammer der Kunstschaffenden siehe Bärbel Schrader: Die erste Spielzeit und die Kammer der Kunstschaffenden. In: Ursula Heukenkamp (Hrsg.): Unterm Notdach. Nachkriegsliteratur in Berlin 1945–1949. Erich Schmidt, Berlin 1996, ISBN 3-503-03736-5, S. 229–266. Im Jahr 1946 fand in Weimar die erste Begegnung der inzwischen neu gegründeten Landesverbände statt.

1949 wurde die GDBA Mitglied der Gewerkschaft Kunst im DGB als eigenständiger Verband mit Satzungs- und Finanzhoheit.

Nachdem 1952 die Gewerkschaft Kunst innerhalb des FDGB gegründet worden war, hörte die GDBA als eigenständige Organisation in der DDR zu bestehen auf.

1984 sollte die GDBA als Mitglied der Gewerkschaft Kunst mit der IG Druck und Papier zur IG Medien – Druck und Papier, Publizistik und Kunst zusammengeschlossen werde. Da die GDBA damit nicht einverstanden war, beschloss sie am 8. März 1984 den Austritt aus dem DGB und trat 1985 der Deutschen-Angestellten Gewerkschaft bei.Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): 125 Jahre Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger, Verlag Bühnenschriften-Vertriebs-Gesellschaft mbH, Hamburg, 1997, S. 35

Erst nach der Wende 1989 traf man sich wieder zu einer gesamtdeutschen Tagung.

Am 18. März 2025 rief die GDBA ihre Mitglieder erstmals zu einer bundesweiten Arbeitsniederlegung auf. An über 100 deutschen Theatern versammelten sich die Lokalverbände zu einem 30-minütigem Warnstreik vor ihren Theatern.

Jahrbücher Die GDBA war Herausgeberin von Jahrbüchern, die umfangreiche Verzeichnisse, Register und Statistiken zu Bühnen, Personen und Aufführungen boten und jetzt eine wichtige Datenquelle und historische Dokumentation für die deutschsprachige Theaterszene sind: 1873–1889: Ernst Gettkes Bühnen-Almanach 1890–1914: Neuer Theater-Almanach 1915–2022: Deutsches Bühnen-Jahrbuch (2022 eingestellt) Nachtkritik.de: Deutsches Bühnenjahrbuch wird eingestellt, abgerufen am 5. März 2023.

Leistungen Die GDBA gewährt ihren Mitgliedern kostenlosen Rechtsschutz und Beratung in allen Berufsfragen. Sie fördert die Entwicklung der Altersversorgung in der Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen und vertritt die Berufsangelegenheiten der Bühnenangehörigen gegenüber der Öffentlichkeit, den Ländern und Kommunen, wie auch dem Bund.

Die GDBA unterhält Beziehungen zu in- und ausländischen Berufsorganisationen:

Sie gehört dem Deutschen Kulturrat e. V. – Sektion Rat für darstellende Kunst und Tanz an; sie fördert im Fonds Darstellende Künste e. V. Projekte freier Gruppen; sie ist Mitglied in der Fédération Internationale des Acteurs (FIA) und über Kooperationsabkommen mit dem Schweizerischen Bühnenkünstlerverband SBKV, der britischen Equity, dem niederländischen Kunstenbond FNV und der American Guild of Musical Artists verbunden.

Tarifpolitik und Kulturpolitik sind die beiden Brennpunkte der Organisationstätigkeit. Wichtigster Bestandteil der Tarifpolitik der GDBA ist die Ausgestaltung der Arbeits- und Gagenbedingungen der Bühnenangehörigen.

Präsidenten 1871–1872: Hugo Müller 1872–1879: Franz Betz 1880–1882: Carl Gustav Berndal 1882–1890: Franz Betz 1890–1892: Ernst Krause 1892–1895: Oscar Kessler 1895–1901: Hermann Nissen 1901–1908: Max Pohl 1908–1914: Hermann Nissen 1914–1927: Gustav Rickelt 1927–1932: Carl Wallauer 1932–1933: Erich Otto 1933–1945: kein Präsident, da durch die Nationalsozialisten zerschlagen 1945–1950: Erich Otto 1951–1972: Heinrich Wüllner (hauptamtlich) 1951–1963: John Gläser (ehrenamtlich) 1963–1972: Wolfgang Windgassen (ehrenamtlich) 1972–2009: Hans Herdlein 2009–2013: Hans-Christoph Kliebes 2013–2021: Jörg Löwer 2021–2026: Lisa Jopt 2026- : Raphael WestermeierGDBA wählt neuen geschäftsführenden Präsidenten, nachtkritik.de, erschienen und abgerufen am 21. September 2026

Ehrenmitglieder Albert BassermannGenossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.), Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1945/1948, Verlag Bruno Henschel und Sohn, Berlin, 1929, Seite VIII Gustl Bayrhammer Hans Herdlein Carl von LedeburNeuer Theater-Almanach: Theatergeschichtliches Jahr- und Adressen-Buch. 10 (1899), S. 486 Emil Lind Bernhard Riepenhausen Eduard von Winterstein Heinrich WüllnerGenossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.), Deutsches Bühnen-Jahrbuch 2016, Verlag Bühnenschriften-Vertriebsgesellschaft mbH, Seite 681

Weblinks

Offizielle Webpräsenz der Bühnen-Gewerkschaft 'Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger'

Einzelnachweise

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