Die Flensburger Brauerei Emil Petersen GmbH & Co. KG ist eine in Flensburg ansässige Privat- und Großbrauerei. Neben dem Flensburger Pilsener, umgangssprachlich als „Flens“ bezeichnet, braut die 1888 gegründete Brauerei heute verschiedene andere Biere, Biermisch- und alkoholfreie Getränke.
Das Unternehmen ist eine deutschland- und weltweit operierende Brauerei, die sich weitgehend in Familienbesitz befindet. Mehrheitlicher Anteilseigner ist über die HGDF Familienholding GmbH & Co. KG die Familie Dethleffsen-Petersen, Nachkommen von Emil und Heinrich Petersen, die in den 1920er Jahren durch den Erwerb von Anteilen in das Unternehmen einstiegen.Flensburger Brauerei Emil Petersen GmbH & Co. KG (Hrsg.), Peter Feierabend, Karsten Zang: 125 Jahre Flensburger Brauerei. Feierabend Unique Books, Köln 2013, S. 127–132.
mini|Aktie über 1000 Mark der Flensburger Brauereien AG vom 23. Februar 1922
Geschichte mini|hochkant|Eingangsbereich der Flensburger Brauerei mit „Plop-Shop“
Anfangsjahre Fünf Flensburger Kaufleute gründeten mit einem Kapital von 600.000 Mark am 6. September 1888 die Flensburger Export-Brauerei (FEB) und präsentierten ein Jahr später die ersten Biere, ein helles „Export-Bräu“ und das „Munke-Bräu“, ein dunkles, „nach bayrischer Art Gebrautes“.Peter Feierabend, Karsten Zang: 125 Jahre Flensburger Brauerei. Köln 2013, S. 13–20. Mit der bereits 1873 gegründeten Flensburger Actien-Brauerei-Gesellschaft (FAB), Flensburgs erster Großbrauerei, ging die Flensburger Export-Brauerei 1919 eine Fusion ein, und das neu entstandene Unternehmen firmierte fortan als Flensburger Brauereien AG.
Auf dem Brauereigelände begann 1899 mit dem Bau eines großen Pferdestalls, verziert mit Mosaiken, die Ära der Bierkutscher, die sich erst im Zuge der Motorisierung dem Ende neigte. So schaffte die Brauerei ab 1924 die ersten Magirus-Lastkraftwagen an, die allmählich den Biertransport übernahmen. 1935 wurde der alte Pferdestall durch eine Garage ersetzt und 1953 die letzten Brauereipferde in den Ruhestand verabschiedet.Peter Feierabend, Karsten Zang: 125 Jahre Flensburger Brauerei. Köln 2013, S. 32–33.
Krisenjahre und Zweiter Weltkrieg 1920 verlor der Betrieb nach der Volksabstimmung in Schleswig knapp die Hälfte seines Absatzgebiets im nordschleswigschen Hinterland und musste die Enteignung von Grundstücken (mit insgesamt 53.000 m²) am neuen Verschiebebahnhof in Flensburg-Weiche hinnehmen.Peter Feierabend, Karsten Zang: 125 Jahre Flensburger Brauerei. Köln 2013, S. 23–25. Zwar konnte 1927 eine feindliche Übernahme durch die Hamburger Bavaria-Brauerei abgewendet werden, doch gerieten die Flensburger nach dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929 erneut in eine Krise und standen Anfang der 1930er Jahre kurz vor der Insolvenz.Peter Feierabend, Karsten Zang: 125 Jahre Flensburger Brauerei. Köln 2013, S. 28–31. 1932 zog der Flensburger Kaufmann und schwedische Konsul Emil Petersen (1900–1974) erst in den Aufsichtsrat und ein Jahr später in den Vorstand der Brauerei ein. Die „bedeutendste und prägendste Persönlichkeit der Firmengeschichte“Peter Feierabend, Karsten Zang: 125 Jahre Flensburger Brauerei. Köln 2013, S. 31. wandelte mit unternehmerischer Weitsicht 1937 das Unternehmen in eine Kommanditgesellschaft, in die Flensburger Brauereien Emil Petersen & Co. KG um, und so überstand das hochverschuldete Unternehmen die größten Krisenjahre.Peter Feierabend, Karsten Zang: 125 Jahre Flensburger Brauerei. Köln 2013, S. 41–43.
Die Wirren des Zweiten Weltkriegs überstand das Unternehmen relativ unbeschadet, abgesehen von einer Rohstoffverknappung. Folglich musste die Stammwürze des Bieres wegen Mangels an Gerste auf zwei bis drei Prozent abgesenkt werden, und die Kunden mussten sich mit sogenanntem „Molkebier“ zufriedengeben.Peter Feierabend, Karsten Zang: 125 Jahre Flensburger Brauerei. Köln 2013, S. 46–49. Als einige Arbeiter der gleichgeschalteten Brauerei ab 1939 zum Kriegsdienst eingezogen wurden, ersetzte sie das Unternehmen unter anderem durch Zwangsarbeiter.
Nachkriegszeit mini|Steinieflaschen aus der Nachkriegszeit mit „Lochmundverschluss“, heute bekannt als Bügelverschluss Mit dem Status einer „Official NAAFI Brewery“ erhielten die Brauereibetreiber von den britischen Besatzern am 5. November 1945 die Erlaubnis, den kurzzeitig zum Erliegen gekommenen Braubetrieb wiederaufzunehmen. Dazu musste sich die Bevölkerung bis 1949 mit dem leichten Molkebier begnügen, vollwertiges Lagerbier blieb den Alliierten vorbehalten.Peter Feierabend, Karsten Zang: 125 Jahre Flensburger Brauerei. Köln 2013, S. 50–52.
In den 1950er Jahren wurden die Gebäude erweitert und umfassend modernisiert. Zu dieser Zeit kamen auch neue Getränkesorten auf den Markt: 1950 das Flensburger Exportbier und das Bockbier, ab 1951 das Fruchtsaftgetränk Quick, ab 1952 Doppelbock und ab 1953 Export Pils. Auch die Limonaden Afri-Cola und Bluna wurden in diesen Jahren zeitweise in Flensburg in Lizenz produziert. Ab 1959 brauten und verkauften die Flensburger zusätzlich noch die Biersorten der Husumer Brauerei, bis 1980 die Produktion des Husumer Herrenhaus-Pils eingestellt wurde, weil aus rechtlichen Gründen der Name „Husum“ für in Flensburg gebrautes Bier nicht mehr genutzt werden durfte.Peter Feierabend, Karsten Zang: 125 Jahre Flensburger Brauerei. Köln 2013, S. 74. Die Verbreitung des Flensburger Bieres beschränkte sich dabei bis 1958, als das Kartellgesetz in Kraft trat, auf das Gebiet von der dänischen Grenze bis zum Nord-Ostsee-Kanal (einschließlich der Nordfriesischen Inseln) – abgesprochen mit den Kieler und Hamburger Brauereien, darunter die Holsten-Brauerei und die Bavaria-St. Pauli-Brauerei.
Während Einzelkunden noch bis in die 1950er Jahre ihren Krug bei der Brauerei oder in Gaststätten füllen ließen, gewann der Flaschenverkauf in den Wirtschaftswunderjahren zunehmend an Bedeutung. Die Brauerei setzte auf Steinieflaschen mit „Lochmundverschluss“ (heute als Bügelverschluss bekannt), die meist in einer 24er Holzkiste verpackt waren.
Großbrände Am 6. Januar 1961 vernichtete ein Großbrand die Schroterei und alle Lagerräume, nachdem sich im Treberraum ein Gasgemisch entzündete.Peter Feierabend, Karsten Zang: 125 Jahre Flensburger Brauerei. Köln 2013, S. 67–80. Im Jubiläumsjahr 1988 zerstörte am 26. Januar erneut ein Großbrand 12 der 24 neuen, bis zu 40 m hohen Gärtanks und sorgte ein halbes Jahr lang für Lieferengpässe.Peter Feierabend, Karsten Zang: 125 Jahre Flensburger Brauerei. Köln 2013, S. 101–105.
Generationswechsel Nach dem Tod von Emil Petersen 1974 übernahm nicht eine seiner fünf Töchter die Leitung des Familienunternehmens; der konservative Unternehmer hatte bereits einige Zeit zuvor seinen Schwiegersohn Hans Dethleffsen zu seinem Nachfolger bestellt,Peter Feierabend, Karsten Zang: 125 Jahre Flensburger Brauerei. Köln 2013, S. 83–93. der ebenfalls einer alten Flensburger Kaufmannsfamilie angehörte: Der neue Geschäftsführer war zugleich Mitinhaber und Geschäftsführer der 1738 in Flensburg gegründeten (und mittlerweile ehemaligen) Spirituosenhandlung Hermann G. Dethleffsen, aus der später die heutige HGDF Familienholding hervorging, zu der heute neben der Flensburger Brauerei insbesondere die Mehrheit der Anteile an Doppelherz (seit 1976) sowie am Gebäudereinigungsunternehmen Beyersdorf (seit 1990) und an der Förde Reederei Seetouristik gehören. Unter Dethleffsens Leitung expandierte die Brauerei über die Grenzen des Nord-Ostsee-Kanals hinaus, die Marke wurde etabliert, die Produktgestaltung modernisiert sowie eine Werbe- und eine Vertriebsabteilung eingerichtet. Wie schon Petersen hielt auch Dethleffsen am Bügelverschluss fest, was vor allem in den 1980er Jahren nahezu unverwechselbar mit der Marke Flensburger verknüpft war. Einziger Fokus lag nun auf dem Kernprodukt Flensburger Pilsener, sämtliche Randsorten wurden spätestens ab 1983 aus dem Sortiment gestrichen. Erst zehn Jahre später wurde die Produktpalette nach und nach wieder erweitert, den Anfang machte 1993 das alkoholfreie Flensburger Frei.
Mittlerweile wird die Dethleffsen-Holding von der Folgegeneration geleitet.
Neue Zielgruppen dank der Werner-Comics Zeichnete sich das Marketing des „Premiumbieres“ zuvor durch traditionsbewusste und „wertkonservative Gediegenheit“ aus, so überraschte Anfang der 1980er Jahre der Erfolg der Comicfigur Werner – eines vom Schleswig-Holsteiner Zeichner Rötger Feldmann alias Brösel inszenierten „Bürgerschrecks“, der vorzugsweise mit Flens anstieß. Der anfangs skeptischen Unternehmensführung verhalf das zu einer neuen, jugendlichen Zielgruppe und machte das Flensburger Pilsener weit über das bisherige Verbreitungsgebiet hinaus nun in ganz Deutschland bekannt. Zum Höhepunkt dieser unverhofften Affäre mit einem trinkfreudigen Comic-Helden beteiligte sich die Brauerei am Werner-Rennen im Jubiläumsjahr 1988 auf dem Flugplatz Hartenholm. Außer Stunts mit einem Brauerei-Lastkraftwagen sorgten die Flensburger für den Biernachschub für die 200.000 bis 250.000 Gäste des ausufernden Festivals und verhinderten einen Ausschankstopp, indem sie direkt aus Lieferwagen verkauften.
Weil Brösel den Flaschenaufdruck Flens später durch Bölkstoff – eine zwischenzeitlich bei der Hannoveraner Gilde Brauerei produzierte Biermarke – ersetzte und 1989 den Comic-Band Werner – Besser is das! veröffentlichte, geriet der Zeichner in Konflikt mit der Flensburger Brauerei. Da seinerzeit vergleichende Werbung in derartiger Form nicht zulässig war, ließ das Unternehmen per Gerichtsbeschluss eine Schwärzung des Ausspruches vornehmen. Als die Flensburger Brauerei den Vertrieb der Marke Bölkstoff 2002 übernahm, konnte der Konflikt beigelegt werden.
21. Jahrhundert Von 1998 bis 2010 übernahm Lorenz Dethleffsen, der Sohn von Hans Dethleffsen, die Geschäftsführung, ab 2000 zusammen mit Uwe Müller. Lorenz’ Bruder Andreas führt inzwischen die Dethleffsen-Holding. In dieser Zeit wurden alle Flaschenetiketten vereinheitlicht, das Sortiment um acht Produkte erweitert und Flens von 1999 bis zur zeitweiligen Einstellung aufgrund der Einführung des Pfands auf Einweggetränkebehälter 2003 auch in Bierdosen angeboten, was allerdings nicht mehr als 2 % des Sortiments ausmachte.Peter Feierabend, Karsten Zang: 125 Jahre Flensburger Brauerei. Köln 2013, S. 120–123. Mittlerweile ist das Bier wieder in Dosen erhältlich. Ein prominenter Anhänger des Flensburger Pilseners in dieser Zeit war der amerikanische US-Außenminister Colin Powell, dem sein deutscher Amtskollege Joschka Fischer öfters eine Kiste zukommen ließ.Peter Feierabend, Karsten Zang: 125 Jahre Flensburger Brauerei. Köln 2013, S. 125. Von 2007 bis Dezember 2023 übernahm Andreas Tembrockhaus die Geschäftsführung, verantwortlich für das Marketing, den Vertrieb und den Export. Seit Januar 2024 ist Jörn Schumann aktiv in der Geschäftsleitung tätig und übernahm die Nachfolge. Mit Sylke Moerke, die seit 2021 in der Geschäftsleitung für den Bereich Technik verantwortlich ist, bilden sie gemeinsam die Doppelspitze der Flensburger Brauerei.
Produktion Der Absatz der Marke Flensburger betrug 2019 im Inland 641.000 Hektoliter, ca. 235 Mitarbeiter waren im Unternehmen beschäftigt.
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