Das Rumänische umfasst im Allgemeinen die gleiche Grammatik und einen Großteil der Phonologie, wie die folgenden anderen ostromanischen Sprachen: Aromunisch, Meglenorumänisch und Istrorumänisch.

Da Rumänisch zur Sprachfamilie der romanischen Sprachen gehört, hat es unter anderem vielerlei Gemeinsamkeiten mit dem Italienischen, dem Französischen und dem Spanischen — um nur die größten romanischen Sprachen zu nennen. Wegen seiner von der übrigen Romania isolierten Lage und des Kontaktes mit den umliegenden Gebieten, hauptsächlich diejenigen der slawischen Sprachen, hat das Rumänische einige Elemente des Lateinischen bewahrt, die in den übrigen romanischen Standardsprachen verschwunden sind, teilweise aber auch völlig eigene Sprachmerkmale entwickelt, die den anderen romanischen Sprachen fremd sind.

Nominalmorphologie Rumänische Substantive weisen die inhärente Kategorie Genus auf; diese Kategorie ist arbiträr und nicht veränderbar. Substantive werden außerdem flektiert: Ihre Deklination umfasst 2 Numeruskategorien (Singular, Plural), 2 Determinationskategorien (bestimmt, unbestimmt) sowie mehrere Kasuskategorien, deren Anzahl umstritten ist. Substantive können in der Regel diminuiert werden; solche Verkleinerungs- und Verniedlichungsformen sind im Rumänischen weitverbreitet. Substantive bilden im Rumänischen den Kopf der Nominalphrase; mit ihnen kongruieren die Attribute, welche sie begleiten, in Genus und Numerus; dagegen wird Kasus an der gesamten Nominalphrase markiert und nicht an den einzelnen Konstituenten dieser Nominalphrase.

Genus In der rumänischen Sprache herrscht über die Anzahl der grammatischen Genera eine Kontroverse; vielerort ist zu lesen, das Rumänische habe neben der asturischen Sprache als einzige romanische Sprache die Kategorie Neutrum aus der lateinischen Sprache bewahrt, während sämtliche anderen romanischen Sprachen nur noch Maskulinum und Femininum als Genuskategorien kennen. Bei den rumänischen Neutra handelt es sich jedoch nicht um eine Gruppe von Substantiven mit eigenen morphologischen Kriterien, sondern lediglich um eine Gruppe von Substantiven, die sich im Singular stets wie Maskulina verhalten, im Plural dagegen stets wie Feminina – ein Charakteristikum, das auch das Italienische kennt. Darum gibt es in der Fachliteratur auch den Terminus ambigen (Ambigenera), um diese Wörter von sogenannten „echten“ Neutra, wie sie im Deutschen oder in den slawischen Sprachen existieren, zu unterscheiden. Für die rumänische Sprache ist die Wahl des Begriffs neutrum oder ambigen letztlich eine ideologische, im Kontrast zu anderen Sprachen ist die Bezeichnung ambigen jedoch die klarere. Des Weiteren existieren auch für Adjektive keine separaten Neutrumformen.

Die Substantive der rumänischen Sprache sind einzuteilen in die Geschlechter Femininum, Maskulinum und Neutrum/Ambigen. Man kann das Genus eines Wortes relativ gut an seiner unbestimmten Form, welche im Wörterbuch das Lemma angibt, erkennen: Maskuline und neutrale/ambigene Substantive enden zumeist auf einen Konsonanten, zuweilen auch auf die Vokale -u oder -i. Feminine Substantive enden häufig auf die Vokale -ă oder -a. Substantive, die auf -e enden, können sowohl maskulin als auch feminin sein.

Beispiele:

Maskulina: bunic ‚Großvater‘, om ‚Mensch‘, bou ‚Ochse‘, copac ‚Baum‘, munte ‚Berg‘ Femininum: bunică ‚Großmutter‘, vacă ‚Kuh‘, femeie ‚Frau‘, carte ‚Buch‘, cafea ‚Kaffee‘ Neutrum/ambigen: drum ‚Straße‘, vis ‚Traum‘, cadou ‚Geschenk‘, exemplu ‚Beispiel‘.

Bei Substantiven, die Menschen oder Tiere bezeichnen, ist das Genus entweder maskulin oder feminin, wobei sich das Genus nach dem natürlichen Geschlecht des benannten Lebewesens richtet, unabhängig davon, welche Endung das Nomen aufweist. So sind beispielsweise Wörter wie tată ‚Vater‘ oder popă ‚Priester‘ männlich.

Für Muttersprachler ist die Methode, um herauszufinden, welchem Geschlecht ein Nomen angehört, der sogenannte „eins-zwei-Test“: Dabei wird das Wort in den Singular und den Plural versetzt. Die Zahlenwörter werden verschiedene Endungen aufweisen. An diesen Endungen kann man wiederum mit Sicherheit ablesen, welchem Geschlecht das Nomen angehört:

Maskulinum: un om, doi oameni ‚ein Mann, zwei Männer‘, un iepure, doi iepuri ‚ein Hase, zwei Hasen‘. Falls die Zahlen eins und zwei un bzw. doi heißen, handelt es sich um ein maskulin flektiertes Nomen.

Neutrum/ambigen: un corp, două corpuri ‚ein Körper, zwei Körper‘, un sertar, două sertare ‚eine Schublade, zwei Schubladen‘. In diesen Fällen ist die Form von eins (un) männlich, die Zahl zwei (două) hingegen weiblich, was ein sicherer Indikator dafür ist, dass das dahintergestellte Nomen eigentlich das Geschlecht des Neutrums besitzt.

Femininum: o fată, două fete ‚ein Mädchen, zwei Mädchen‘, o pasăre, două păsări ‚ein Vogel, zwei Vögel‘. Hier sind sowohl eins (o) als auch zwei (două) weiblich.

Numerus Die rumänische Sprache verfügt über zwei Numeri: Singular und Plural. Der Plural wird dadurch kenntlich gemacht, dass sich die Endung des Nomens verändert. Nomen, die im Plural stehen, erkennt man in den meisten Fällen an den Endungen -i, -uri, -e oder -le. Auch in diesem Bereich des Nomens gibt es Spielraum für Unregelmäßigkeiten, ein paar von diesen werden unten aufgelistet.

Beispiele:

-i: pom - pomi ‚Baum‘ - ‚Bäume‘, cal - cai ‚Pferd‘ - ‚Pferde‘, tată - tați ‚Vater‘ - ‚Väter‘, barcă - bărci ‚Boot‘ - ‚Boote‘ -uri: tren - trenuri ‚Zug‘ - ‚Züge‘, treabă - treburi ‚Aufgabe‘ - ‚Aufgaben‘ oder ‚Arbeit‘ - ‚Arbeiten‘, cort - corturi ‚Zelt‘ - ‚Zelte‘ -e: pai - paie ‚Strohhalm‘ - ‚Strohhalme‘, masă - mese ‚Tisch‘ - ‚Tische‘, teatru - teatre ‚Theater‘ - ‚Theater‘ -le: stea - stele ‚Stern‘ - ‚Sterne‘, cafea - cafele ‚Kaffee‘ – ‚Kaffees‘, pijama - pijamale ‚Pyjama‘ - ‚Pyjamas‘

Bestimmtheit (postponierter Artikel) Eine häufig bemerkte Eigenart des Rumänischen ist, wie auch in den übrigen Balkansprachen und in den nordgermanischen Sprachen, den bestimmten Artikel nicht, wie in allen anderen romanischen Sprachen, vor das Bezugswort zu stellen, sondern dahinter, und ihn mit dem Bezugswort zu einem Wort zu verschmelzen. Man vermutet, dass die rumänischen bestimmten Artikel sich aus den lateinischen Demonstrativpronomina entwickelt haben, was auch in anderen romanischen Sprachen vermutet wird. Man vergleiche dazu folgende Tabelle:

Maskulinum Femininum Singular Plural Singular Plural NominativAkkusativ Lat. illum → rum. -lu → -l, -le Lat. illi → rum. -l'i → -i Lat. illa → rum. -euă → -eau → -a Lat. illae → rum. -le GenitivDativ Lat. illui → rum. -lui Lat. illorum → rum. -lor Lat. illae → rum. -ei Lat. illorum → rum. -lor

Beispiele:

maskuline Nomen (ohne Artikel - mit bestimmtem Artikel im Nominativ - mit bestimmtem Artikel im Genitiv):

codru - codrul - codrului ‚Wald‘ - ‚der Wald‘ - ‚des Waldes‘ copac - copacul - copacului ‚Baum‘ - ‚der Baum‘ - ‚des Baums‘ frate - fratele - fratelui ‚Bruder‘ - ‚der Bruder‘ - ‚des Bruders‘ tată - tatăl - tatălui ‚Vater‘ - ‚der Vater‘ - ‚des Vaters‘

neutrale Nomen (ohne Artikel - mit bestimmtem Artikel - mit bestimmtem Artikel im Genitiv):

teatru - teatrul - teatrului ‚Theater‘ - ‚das Theater‘ - ‚des Theaters‘ loc - locul - locului ‚Ort‘ - ‚der Ort‘ - ‚des Orts‘

feminine Nomen (ohne Artikel - mit bestimmtem Artikel - mit bestimmtem Artikel im Genitiv):

casă - casa - casei ‚Haus‘ - ‚das Haus‘ - ‚des Hauses‘ floare - floarea - floarei ‚Blume‘ - ‚die Blume‘ - ‚der Blume‘ cutie - cutia - cutiei ‚Schachtel‘ - ‚die Schachtel‘ - ‚der Schachtel‘ stea - steaua - stelei ‚Stern‘ - ‚der Stern‘ - ‚des Sterns‘

Kasus

Die Zahl der rumänischen Kasus ist umstritten; zwar wird in rumänischen Grammatiken stets angegeben, die Sprache habe fünf der sechs Fälle des Lateinischen bewahrt (dabei ist innerhalb der romanischen Sprachwissenschaft umstritten, ob die rumänische Kasusflexion eine Fortführung der lateinischen Verhältnisse ist oder eine Neubildung), deren Formenvielfalt ist jedoch stark eingeschränkt: So lauten die Formen von Nominativ und Akkusativ gleich für sämtliche Substantive und Adjektive, nur im Bereich der Personalpronomina gibt es gesonderte Formen (siehe dort). Der rumänische Genitiv und Dativ sind ebenfalls gleichlautend für sämtliche Nominalwörter (also erübrigt sich eine gesonderte Darstellung der beiden Kasus). Für den Vokativ schließlich gibt es zwar gesonderte Formen für viele Substantive und Adjektive, nicht jedoch für Pronomina. Unterschieden werden folgende Formen:

Nomina (Substantive und Adjektive) und unbestimmter Artikel: Nominativ (= Akkusativ), Genitiv (= Dativ) und Vokativ Personalpronomina: Nominativ, Dativ (betonte und unbetonte Formen) und Akkusativ (betonte und unbetonte Formen)

Zudem verfügt das Rumänische wie die meisten romanischen Populärsprachen und Dialekte über einen präpositionalen Akkusativ, der in der Regel bei belebten direkten Objekten in Form der Präposition pe gesetzt wird (z. B. îl vǎd pe Iorgu ‚ich sehe Georg‘ (wörtlich: (ich) sehe zu Georg)) und somit semantisch motiviert ist. Bei unbelebten Objekten steht er dagegen nicht: vǎd casa und nicht vǎd pe casa ‚ich sehe das Haus‘.Maria Iliescu: Rumänisch, S. 547, in: Thorsten Roelcke (Hrsg.): Variationstypologie / Variation Typology: Ein sprachtypologisches Handbuch der europäischen Sprachen in Geschichte und Gegenwart / A Typological Handbook of European Languages, De Gruyter 2003, ISBN 978-3-11-016083-3

Artikel

Bestimmter Artikel

Der rumänische bestimmte Artikel ist dem Bezugswort nicht vorangestellt, sondern wird immer hinten angehängt. Genauer gesagt fungiert dieser als Enklitikon, der immer an das erste Wort einer Nominalgruppe angehängt wird, sich aber immer auf dessen Kopf (ein Substantiv) bezieht. Aus allen romanischen Sprachen hat nur das Rumänische diese Eigenschaft, die es allerdings mit einigen nicht-romanischen Sprachen wie Bulgarisch oder Albanisch, sowie den skandinavischen Sprachen (Norwegisch, Schwedisch, Dänisch, Isländisch und untergeordnete Sprachen) teilt. Die nachfolgende Tabelle zeigt die Herleitung des modernen bestimmten Artikels aus dem Lateinischen:

Maskulinum Femininum Singular Plural Singular Plural NominativAkkusativ Lat. acc. illum → Rum. -lu → -l, -le Lat. nom. illī → Rum. -l'i → -i Lat. acc. illam → Rum. -euă → -eau → -a Lat. nom. illae → Rum. -le GenitivDativ Lat. dat. illui → Rum. -lui Lat. gen. illōrum → Rum. -lor L. dat. illī → Rum. -ei L. gen. illōrum → Rum. -lor

Die bestimmt artikulierte Form eines einfachen Substantivs wird durch das Anhängen des Artikels an die unartikulierte Form des Substantivs gebildet. Am Beispiel einiger Substantive lässt sich das verdeutlichen:

loc - locul (neutr., Nom.-Akk., Ort - der Ort) frate - fratele (mask., Nom.-Akk., Bruder - der Bruder) codru - codrul (mask., Nom.-Akk., Wald - der Wald) floare - floarea (fem., Nom.-Akk., Blume - die Blume)

Im Plural:

locuri - locurile (neutr., Nom.-Akk., Orte - die Orte) frați - frații (mask., Nom.-Akk., Brüder - die Brüder) codri - codrii (mask., Nom.-Akk., Wälder - die Wälder) flori - florile (fem., Nom.-Akk., Blumen - die Blumen)

In manchen Fällen finden auch phonetische Veränderungen statt. Meistens wird bei weiblichen Substantiven die Endung -ă oder -e dem bestimmten Artikel assimiliert:

cutie - cutia (fem., Nom.-Akk., Schachtel - die Schachtel) casă - casa (fem., Nom.-Akk., Haus - das Haus)

Bei manchen Substantiven sind die phonetischen Veränderungen komplexer. Im Genitiv-Dativ werden die unartikulierten Formen selten gebraucht; häufiger sind die unbestimmten Formen: stea - steaua - (unei) stele - stelei (fem., Gen.-Dat., Stern - der Stern - (einem) Stern - dem Stern)

Der bestimmte Artikel wird immer am ersten Wort einer Nominalgruppe angehängt. Dies ist in der Regel ein Substantiv, kann aber in manchen Fällen auch eine andere Wortart sein: câinele bun - bunul câine (beides bedeutet ‚der gute Hund‘)

Entfallen des bestimmten Artikels