Der Berger Rücken ist eine geologische Formation im Nordosten von Frankfurt am Main zwischen den Tälern von Main und Nidder/Nidda. Er verbindet die Frankfurter Stadtteile Berkersheim, Seckbach und Bergen und erstreckt sich im Osten bis nach Maintal-Bischofsheim. Teile des Berger Rückens gehören zum Landschaftsschutzgebiet Frankfurter Grüngürtel und zum Quellenwanderweg im Frankfurter Grüngürtel.

Der Südhang des Berger Rückens östlich von Bergen wird als Berger Hang bezeichnet, der teilweise zu den Frankfurter Naturschutzgebieten gehört und als FFH-Gebiet ausgewiesen ist. Westlich von Bergen befindet sich mit dem Lohrberger Hang der einzige verbliebene Weinberg im Frankfurter Stadtgebiet. Auf dem flacheren Nordhang erstreckt sich der von Streuobstwiesen und fruchtbaren Lößflächen geprägte Heiligenstock. Auf dem höchsten Punkt des Berger Rückens steht die Berger Warte.

Lage und Geschichte Zusammen mit seiner östlichen Verlängerung, der Hohen Straße, bildet der Berger Rücken die 81,14 km² große naturräumliche Einheit 234.4 Bergener Rücken (Hohe Straße), die zur Haupteinheit Wetterau gehört.Otto Klausing, Die Naturräume Hessens, Wiesbaden 1988. Online verfügbar im Umweltatlas Hessen des HLNUG

Der Berger Rücken entstand während des Pleistozäns, als sich der Main in mehreren Flussterrassen in kalkreiche Schichten aus der Zeit des Tertiärs eingrub und einen nach Süden steil abfallenden Prallhang ausformte. Nach Südwesten fällt der Berger Rücken über den 185 Meter hohen Lohrberg und den Huthpark zur Friedberger Warte hin ab und läuft im Bornheimer Hang und im Röderberg aus. Relikte aus dieser Zeit bilden das Enkheimer Ried, das Riederbruch und das Seckbacher Ried am Fuß des Berger Rückens.

In der heutigen Frankfurter Innenstadt schuf der Main einen Durchbruch, der die Ausläufer des Berger Rückens vom Sachsenhäuser Berg trennte. Die Kalksteinbarriere im Flussbett bildete eine mit Fuhrwerken passierbare Furt, die der hier angelegten Siedlung im frühen Mittelalter ihren Namen und ihre Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt verlieh.

Nach Norden fällt der Berger Rücken sanft zu den Tälern der Nidder und Nidda hin ab. Im Osten geht er bei Bruchköbel in das Ronneburger Hügelland über. Der geologische Untergrund aus massivem Kalkstein entstand im Oligozän, als das Gebiet Teil eines Meeresarmes war. Die Böden bestehen am Südhang aus mittelgründigen Rendzinen und Parabraunerden, im Nordhang zur Wetterau hin überwiegen fruchtbare Lößböden. An einigen Stellen findet sich Basalt im Untergrund, der aus dem Vogelsbergvulkanismus des Miozän stammt. Vereinzelt finden sich kleine tertiäre Braunkohleflöze im Untergrund, beispielsweise bei Seckbach und Roßdorf, die im 19. Jahrhundert zeitweise ausgebeutet wurden.

Die höchste Erhebung des Berger Rückens bildet das Wartfeld an dem frühneuzeitlichen Wartturm Berger Warte auf Seckbacher Gemarkung auf . Nur wenig weiter nordöstlich befindet sich mit dem Gisisberg auf 202 Metern über NHN der zweithöchste Punkt des Berger Rückens.

Am Berger Rücken wurden unter anderem Baudenkmäler, ein römisches Heiligtum, ein römischer Gutshof, römische Straßen, eine Jupitergigantensäule bei Seckbach und das Anthracotherium seckbachense, ein urzeitliches Huftier von der Größe eines Flusspferdes, ausgegraben.

Berger Warte

Am höchsten Punkt des Berger Rückens, dem Wartfeld, auf Seckbacher Gemarkung steht die denkmalgeschützte Berger Warte. Der runde, etwa 12 Meter hohe Wartturm wurde Mitte des 16. Jahrhunderts aus Rotem Mainsandstein erbaut.Berger Warte, Stadt Frankfurt am Main abgerufen am 25. Feb. 2020 Der Flurname Am Galgen erinnert an das ehemalige Hochgericht, das sich von 1484 bis 1835 nördlich der Warte befand. Heute liegt hier die Zufahrt zum Umspannwerk Frankfurt-Nord der Tennet TSO, über das große Teile Frankfurts mit Strom versorgt werden. Nahe der Warte befindet sich der 1925 angelegte Jüdische Friedhof Bergen II.Jüdischer Friedhof Bergen II, Stadt Frankfurt am Main, abgerufen am 25. Februar 2020

Nordhang Seit 2004 ist ein Teil des Geländes nordöstlich der Berger Warte als Fauna-Flora-Habitat (FFH) eingetragen. Es erstreckt sich entlang des Nordhangs des Berger Rückens an der Stadtgrenze zum nördlich davon gelegenen Bad Vilbel und umfasst 29,81 Hektar.FFH-Gebiet Berger Warte, Stadt Frankfurt am Main abgerufen am 25. Februar 2020

Am Nordhang des Berger Rückens finden sich zahlreiche Magerwiesen und Streuobstgebiete. Die fruchtbaren Lößböden werden landwirtschaftlich genutzt. Wegen der vielen kleinteiligen Parzellen gibt es viele Hecken und kaum öffentliche Wege. Im Frühjahr duftet es intensiv nach Bärlauch (Allium ursinum). An einigen Stellen sind noch Terrassen mit alten Weinstöcken erhalten geblieben. Bis ins 20. Jahrhundert wurde hier in großem Umfang Wein angebaut. Buchfink (Fringilla coelebs), Grauammer (Emberiza calandra), Kuckuck (Cuculus canorus), Steinkauz (Athene noctua), Nachtigall (Luscinia megarhynchos), Neuntöter (Lanius collurio) und zahlreiche Insektenarten sind hier anzutreffen.

Das 1,5 Hektar große Baumlohhohl am Berger Rücken gehört zu den Naturdenkmalen in Frankfurt.Baumlohhohl am Berger Rücken, Stadt Frankfurt am Main abgerufen am 25. Februar 2020 Das Feldgehölz mit Eichen (Quercus), Fichten (Picea), Hainbuchen (Carpinus betulus), Weiden (Salix), Holunder (Sambucus), Schlehen (Prunus spinosa), Birken (Betula) und Hasel (Corylus) ging aus einem früheren Hohlweg mit Hecken zu beiden Seiten hervor. Wild, Vögeln und Kleinsäugern bietet es einen geschützten Unterschlupf.

Berger Hang

Der steile Südhang des Berger Rückens, der Berger Hang, ist seit 1954 in Teilen ein etwa 10 Hektar großes Naturschutzgebiet und seit dem Jahr 2000 als FFH-Gebiet Am Berger Hang ausgewiesen. Es erstreckt sich bis zur Stadtgrenze zu Bischofsheim.Bewirtschaftungsplan für das FFH-Gebiet 5818-301 „Am Berger Hang“, Regierungspräsidium Darmstadt, 21. Januar 2011Naturschutzgebiet Berger Hang, Stadt Frankfurt am Main abgerufen am 25. Feb. 2020 Blütenreiche Fettwiesen mit seltenen streng geschützten Pflanzen wie zum Beispiel das Helmknabenkraut (Orchis militaris), ein Meer von Primeln (Primula) und alter Obstbaumbestand haben sich darauf eingestellt und formieren sich zum größten zusammenhängenden Streuobstwiesengebiet Hessens.Bernd Günther, , Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Mai 2006 Dazwischen liegen Wiesen mit Orchideenarten (Orchidaceae), zum Beispiel Händelwurzen (Gymnadenia), die im Sommer zur Geltung kommen.

Auf dem Gelände befindet sich unter anderem die Vogelkundliche Beobachtungsstation Untermain.Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt (Hrsg.): Die GrünGürtel Freizeitkarte. 7. Auflage, 2011

Viele Quellen entspringen am Berger Rücken, der Quellenwanderweg im Frankfurter Grüngürtel verbindet sie. Ihre Entstehung ist auf einen schichtartigen Aufbau aus Kiesen, Sanden und Tonen von Ablagerungen zurückzuführen, die Altarme des Mains hinterlassen haben. Der Enkheimer Mühlbach hat ein 5 bis 8 Meter tiefes Tal in den Südhang des Berger Rückens gegraben, der hier besonders steil ist.Naturschutzgebiet Mühlbachtal, Stadt Frankfurt am Main abgerufen am 25. Februar 2020 In dem seit 1968 als Naturschutzgebiet ausgewiesenen 3,28 Hektar großen Mühlbachtal findet sich der Riesenschachtelhalm (Equisetum telmateia), Relikt eines früheren Bachauenwaldes. Es handelt sich um das im ganzen Rhein-Main-Gebiet einzige Vorkommen. An den Hängen des Mühlbachtales wurde im 18. und 19. Jahrhundert Wein angebaut, danach erfolgte eine Umstellung auf Obst.

Weinbau Weinbau an den Hängen des Berger Rückens ist seit dem 9. Jahrhundert belegt; bereits die zweite urkundliche Erwähnung Seckbachs aus dem Jahr 882 nennt den Anbau von Wein. In der Zeit nach 1720 erlebte der Weinbau am Berger Hang seinen Höhepunkt: „Jedes auch nur einigermaßen geeignete Stückchen Land wurde mit Weinreben bepflanzt. Die Weinberge zogen sich von Seckbach bis zur Bischofsheimer Grenze.“ Nach einer Statistik der Grafschaft Hanau-Münzenberg war Bergen einschließlich Enkheim im Jahr 1754 mit 565 Morgen (ca. 140 Hektar) Weinbergen das größte Weinanbaugebiet der Grafschaft; Seckbach folgte mit 442 Morgen (ca. 110 Hektar) an dritter Stelle. Während der Traubenreife bewachten Wingertschützen die Weinberge.

Im Siebenjährigen Krieg und in der Schlacht bei Bergen 1759 wurden die Weinberge schwer beschädigt; auch der Durchzug französischer und russischer Truppen im Jahr 1813 ließ die Ernten gering ausfallen. Nach einer kurzen Erholung zwischen 1840 und 1850 setzten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Echte Mehltau und die aus den USA eingeschleppte Reblaus dem Weinbau zu; da kein Gegenmittel bekannt war, wurden Weinberge gerodet und befallene Rebstöcke verbrannt. Viele Winzer wanderten in die aufkommende Industrie nach Frankfurt und Offenbach ab; mit Beginn des 20. Jahrhunderts endete der großflächige Weinbau im Frankfurter Umland. Auf den aufgegebenen Weinbergen entstanden Streuobstwiesen, die vor allem mit Apfelbäumen bestanden waren; eine Obstbaumzählung von 1913 ergab, dass Seckbach von allen Frankfurter Gemarkungen die meisten Apfelbäume aufwies. Statt Weintrauben wurden Äpfel für den regionaltypischen Apfelwein gekeltert. Das Landschaftsbild des Berger Hangs ist seither durch ausgedehnte Streuobstwiesen geprägt; zuvor wurde dort zwischen dem 11. und 19. Jahrhundert Weinbau betrieben.

Lohrberg und Lohrpark mini|Der Lohrberger Hang ist Frankfurts einziger Weinberg

Der 185 m über NHN gelegene Lohrberg oberhalb von Seckbach fällt steil nach Süden und Südwesten hin ab. Wegen seiner Aussicht über große Teile der Stadt gilt er als Hausberg der Frankfurter. Hier legte der Frankfurter Gartenbaudirektor Max Bromme ab 1924 den Lohrpark an. Teil dieses 18 Hektar großen Volksparks ist der einzige Frankfurter Weinberg am Lohrberger Hang. Die ausschließlich mit Riesling bestockte 1,3 Hektar umfassende Weinlage gehört zum Weinbaugebiet Rheingau.

Heiligenstock mini|Frankfurter Grüngürteltier an der Hohen Straße Das Gebiet nördlich der Friedberger Landstraße trägt den Namen Heiligenstock nach einem kleinen mittelalterlichen Bildstock neben dem Gasthaus Altes Zollhaus an der Landstraße. Mit 182 m über NHN ist der Heiligenstock der dritthöchste Punkt in Frankfurt. Die Landschaft ist geprägt von Magerrasen und alten Streuobstwiesen mit alten Birn-, Apfel-, Kirsch- und Mirabellenbäumen. Von 1924 bis 1967 befanden sich hier der Sender Heiligenstock, weiter nördlich betrieb die Deutsche Nachrichtenagentur den DENA-Sender. Reste der alten Betonfundamente sind im Naturschutzgebiet noch sichtbar.

Anfang der 1990er Jahre legte die Stadt Frankfurt hier den Parkfriedhof Heiligenstock an. Gegenüber liegt die Lärchenwiese, ein in Frankfurt gänzlich ungewohnter Anblick. Die Lärchen (Larix), eigentlich in den Alpen beheimatet, färben ihre Nadeln im Herbst goldgelb, bevor sie sie, abweichend von anderen Nadelbaumarten, abwerfen.