Die Schlacht bei Paris, auch Schlacht auf dem Montmartre, fand am 30. März 1814 östlich von Paris statt. Sie war die letzte Schlacht des Winterfeldzuges 1814, aber nicht die letzte Schlacht der Napoleonischen Kriege. Im Ergebnis führte sie zur Besetzung von Paris durch die Koalitionsarmee am 31. März 1814 und zur Abdankung Napoleons.

Vorgeschichte Nach der Schlacht bei Arcis-sur-Aube am 20. und 21. März 1814 verfolgte die Böhmische Armee der Koalitionstruppen ihre Gegner nach Norden bis Vitry-le-François. Dort kam es am 23. März 1814 zu einem Gefecht mit Teilen der französischen Nachhut, das von den Koalitionstruppen erfolgreich geführt wurde. Sie eroberten 22 Geschütze und machten 500 Gefangene. Napoleon setzte sich aber mit dem Gros seiner Truppen weiter nach Osten bis Saint-Dizier ab.

Kaiser Franz II. von Österreich begab sich mit seiner Begleitung, bei der sich auch Fürst Metternich befand, nach Dijon und gab damit seinem Oberkommandierenden Schwarzenberg freie Hand für die nächsten Operationen. Zar Alexander I. und sein enger persönlicher Freund und politischer Schatten, der König von Preußen Friedrich Wilhelm III., blieben bei der Böhmischen Armee.

Den Koalitionstruppen, die nun zwischen Paris und den napoleonischen Truppen standen, gelang es, mehrere Kuriere abzufangen, sowohl solche, die aus Paris zu Napoleon gesandt worden waren, als auch solche, die in der entgegengesetzten Richtung unterwegs waren. Am 23. März 1814 wurde ein Kurier festgenommen, der einen persönlichen Brief Napoleons an seine Gattin Marie-Louise, die Tochter Franz’ II. von Österreich, bei sich führte. In diesem Brief gab Napoleon offen seine Absichten preis und schrieb: „Ich habe mich entschlossen, mich der Marne und ihrer Umgebung zu nähern, um sie [die Böhmische Armee] von Paris abzuziehen“. Damit wusste die Führung der Koalitionstruppen, dass Napoleon nicht beabsichtigte, Paris zu decken.

Zar Alexander erfuhr am 24. März 1814 vom Inhalt dieses Briefes und rief daraufhin seine Marschälle zu einer Beratung zusammen. Man einigte sich darauf, diese Gelegenheit zu nutzen und nach Westen zu ziehen, um Paris zu nehmen. In diesem Sinne informierte man den König von Preußen und den Oberbefehlshaber Fürst Schwarzenberg. Beide stimmten ohne Vorbehalt zu, und es erging der Befehl an beide Koalitionsarmeen, die Schlesische Armee unter Blücher und die Böhmische Armee unter Schwarzenberg, nach Westen zu marschieren und sich vor Paris zu vereinenFöster, S. 931. Müller-Bohn, S. 798..

Schwarzenberg ordnete die Kavallerie und die berittene Artillerie des Korps Wintzingerode ab, um Napoleon zu folgen und die Koalitionsarmeen nach Osten zu decken. Die französische Armee zog bis in die Gegend von Wassy südlich von Saint-Dizier. Napoleon war fest überzeugt, die Reiterei, die ihm folge, sei die Vorhut der Böhmischen Armee. Um diese zur Schlacht zu zwingen, kehrte er am 26. März nach Saint-Dizier zurück und stellt die Truppen Wintzingerodes im so genannten Gefecht bei Saint-Dizier. Wintzingerodes Reiter erlitten erhebliche Verluste und mussten sich nach Norden bis Bar-le-Duc zurückziehen.

Am 25. März setzte sich die Böhmische Armee auf Paris in Bewegung und traf schon am Morgen auf das Korps Marmont und die Junge Garde unter Mortier, die ihrerseits nach Osten zogen und Befehl hatten, sich mit den napoleonischen Truppen bei Saint-Dizier zu vereinigen. Es entwickelte sich die Schlacht bei Fère-Champenoise, in der die französischen Truppen geschlagen und nach Westen auf Paris abgedrängt wurden. Dadurch trafen sie noch rechtzeitig zur Verteidigung vor Paris ein, und genau die Reste dieser beiden Korps bildeten das Gros der Mannschaften, die Paris am 30. März 1814 blutig verteidigten.

In der Nacht vom 26. auf den 27. März 1814 nahmen Truppen der Schlesischen Armee bei La Ferté-sous-Jouarre an der Marne 2000 Franzosen in einem Nachtgefecht gefangen. Am folgenden Tag versuchten weitere 10.000 Franzosen, die Schlesische Armee zwischen La Ferté-sous-Jouarre und Meaux aufzuhalten, wurden aber von preußischen Truppen unter Horn vertrieben. Bei Claye-Souilly wurde das Korps Mortier von preußischen Truppen unter Yorck angegriffen und weiter zurückgetrieben. Das russische Korps Rajewski erreichte an diesem Tage Bondy.

Am 28. März 1814 standen die ersten Korps der Schlesischen Armee vor Paris, mussten dort aber einen Tag warten, um auf das Gros der Böhmischen Armee, insbesondere auf die russische Garde zu warten. Dieser eine Tag Verzögerung genügte den französischen Korps unter Marmont und Mortier, um Paris am 29. März 1814 vor den Koalitionstruppen zu erreichen und die Verteidigung von Paris zu organisieren.

Am 29. März 1814 verließ Napoleons Gemahlin Marie-Louise um 10:00 Uhr Paris und begab sich mit den Napoleon ergebenen Ministern nach Blois kurz vor Tours an der Loire. 1500 Gardisten begleiteten sie und fehlten dann bei der Verteidigung von Paris. In Paris verblieben Talleyrand und Napoleons ältester Bruder Joseph Bonaparte, der frühere König von Neapel und von Spanien und derzeit Bevollmächtigter Napoleons in Paris (Lieutenant général de l’Empire). Joseph versuchte durch eine Proklamation an die Bürger von Paris deren Widerstandswillen zu stärken. Später richtete er sein Hauptquartier auf dem Montmartre ein, nahm aber bis zu seiner Flucht auf die militärischen Ereignisse keinen Einfluss.

Topographie des Gefechtsfeldes Die Schlacht am 30. März 1814 fand statt in dem Gebiet östlich und nördlich von Paris vom Zufluss der Seine in das Stadtgebiet im Südosten bis zum Abfluss der Seine im Norden. Dieses Gebiet ist heute bis auf den Park von Belleville vollständig überbaut und gehört entweder zu Paris oder zu einem seiner Vororte. Auch 1814 war das Gebiet bereits stark bebaut und bot den Verteidigern viele Möglichkeiten, Deckung zu finden.

Im Süden des Gefechtsfelds befinden sich Park und Schloss Vincennes mit den teilweise festungsähnlichen Anlagen des Schlosses von Vincennes. Nördlich daran schließt sich eine Hügellandschaft an mit dem Hügel von Belleville, die nach Norden steil und teilweise felsig gegen flaches Land abfällt. Knapp nördlich fließt der Canal de l’Ourcq, der damals wie heute Paris mit Wasser versorgt und der im Becken von La Villette unmittelbar vor dem Barriere de Pantin genannten Tor zur Stadt endet. Dieser Kanal teilt das Gefechtsfeld in zwei Teile und konnte 1814 nur bei dem östlich gelegenen Ort Pantin, der damals noch ein Dorf war, überquert werden. Nördlich der Barriere de Pantin liegt die Vorstadt La Villette. Weiter westlich, nördlich der Stadt erhebt sich der Montmartre.

Die weitaus heftigsten Kämpfe ereigneten sich in dem Dreieck, das begrenzt wird vom Canal de l’Ourcq im Norden, dem Rand der Hügel bei Belleville im Süden und Pantin im Osten. Die westliche Spitze dieses Dreiecks war die Barriere de Pantin mit ihrem Tor zur Stadt. Auf diesem Gebiet erlitten die Koalitionstruppen die Hälfte ihrer beträchtlichen Verluste.

Die Vorbereitungen der Verteidiger

In Paris stand 1814 keine Garnison, so dass nur geringe Truppen aus der Umgebung zusätzlich zur Verteidigung herangezogen werden konnten, etwa 6.000 Mann. Allerdings stieß eine unbekannte, aber nicht geringe Zahl an Freiwilligen und Veteranen zu den regulären Truppen. So wurde die Brücke bei Charenton von Veteranen und den Schülern der École Vétérinaire de Maisons-Alfort (École nationale vétérinaire d’Alfort) verteidigt, von denen 150 bei einem einzigen Angriff der Österreicher fielen. Zwei Batterien (28 Geschütze) der Artillerie-Reserve bei dem kleinen Fort von Vincennes sollten die Schüler der École polytechnique bedienen. Sie verloren die Geschütze jedoch nach der ersten Attacke der Württemberger.

Sehr wichtig für die Verteidiger war der Umstand, dass die Magazine von Paris reichlich gefüllt waren mit Kriegswerkzeug: Es stand eine große Zahl Geschütze und ausreichend Munition zur Verfügung. Da Marschall Marmont gelernter Artillerist war, verstand er es, diese Geschütze in kurzer Zeit günstig und noch gut gedeckt zu positionieren. Gerade das beschriebene Geländedreieck westlich von Pantin wurde von drei Seiten von französischer Artillerie bestrichen. Es wurde geschätzt, dass es Marmont gelang, 140 Geschütze (10 Batterien) aus Paris heraus ins Gefecht zu bringen. Napoleon behauptete später, in Paris wären mehr als 200 Geschütze gewesen und ein enormer Vorrat an Munition.

Die französischen Truppen hatten sich das Gelände aufgeteilt: Das Korps Marmont verteidigte südlich des Canal de l’Ourcq, Mortier befehligte nördlich davon. Ganz im Norden, westlich des Montmartre, positionierte sich die neu geschaffene Nationalgarde. Es war aber möglich, dass Truppenteile durch das Stadtgebiet von einer Seite zur anderen wechselten (innere Linie).

Der Verlauf der Schlacht mini|Schlacht bei Paris 1814, Gemälde von Bogdan Pawlowitsch Willewalde 1834

Der Morgen bis 11:00 Uhr Nicht zum ersten Male wurden Schwarzenbergs Tagesbefehle am Abend des 29. März 1814 sehr spät fertig. Nicht vor 23:00 Uhr wurden sie den Kurieren übergeben. Diese mussten im Dunkel der Nacht in unbekanntem Gelände die Kommandeure suchen, an die sie adressiert waren. Einige Truppenteile erhielten ihre Befehle für den 30. März erst am frühen Morgen zu einem Zeitpunkt, als sie schon zum Gefecht hätten antreten sollen. Als Folge trafen die Korps der Schlesischen Armee im Norden mit wenigstens vier Stunden Verspätung ein und das Korps des Kronprinzen Wilhelm von Württemberg ging noch deutlich später im Süden ins Gefecht.

Die einzigen Koalitionstruppen, die pünktlich um 6:00 Uhr von Osten vorgingen, waren das russische Korps unter Rajewski und dahinter die russische Garde unter Barclay de Tolly. Pantin wurde gegen ersten französischen Widerstand bis 7:00 Uhr eingenommen, aber der Versuch, das unbesetzte, weiter östlich, aber auch höher gelegene Romainville vor den Franzosen einzunehmen, scheiterte zunächst. Erst nach stundenlangen Kämpfen konnte Romainville mit Unterstützung russischer Grenadiere gegen 10:00 Uhr besetzt werden. Weiterer Fortschritt wurde bis 11:00 Uhr nicht erzielt, im Gegenteil drohten beide Dörfer unter der Wirkung französischer Artillerie, die den Koalitionstruppen ständig Verluste zufügte, wieder verloren zu gehen.

Um 10:00 Uhr erreichte die Vorhut der Schlesischen Armee das Gelände nördlich des Canal de l’Ourcq vor La Villette und konnte einige Truppen über die Kanalbrücke zur Unterstützung nach Pantin abgeben.

Der Mittag von 11:00 Uhr bis 14:00 Uhr Um 11:00 Uhr ergingen durch Marschall Barclay de Tolly folgende Befehle: Die erste russische Grenadierdivision solle über Romainville hinaus auf Belleville vorgehen, die zweite russische Grenadierdivision soll die Höhen zwischen Romainville und Montreuil, nördlich des Bois de Vincennes, besetzen und die preußische Garde unter Oberst Alvensleben sollte die Truppen in Pantin unterstützen. Die russische Garde wurde als Reserve zurückgehalten.