mini|Beethoven-Porträt von Louis Letronne aus dem Jahr 1814 (zwei Jahre nach Entstehung der 8. Sinfonie). Beethovens Sinfonie Nr. 8 in F-Dur, op. 93 entstand in den Jahren 1811 und 1812 und erschien unmittelbar nach der 7. Sinfonie.
Entstehung Ein direkt nach der siebten Sinfonie in Angriff genommenes Klavierkonzert-Projekt hatte Beethoven aufgegeben; Material daraus floss in die 8. Sinfonie ein.Renate Ulm (Hrsg.): Die 9 Sinfonien Beethovens. Bärenreiter, Kassel 1994, ISBN 3-7618-1241-8, S. 227f.
Unter anderem während seines Kuraufenthaltes in Teplitz, wo er seinen berühmten, möglicherweise nie abgeschickten Brief an die Unsterbliche Geliebte schrieb, arbeitete Beethoven an der Sinfonie.
Sein Sekretär und späterer Biograf Anton Felix Schindler behauptete in seiner Beethoven-Biografie von 1860, das von Johann Nepomuk Mälzel erfundene Metronom sei Inspiration für den gleichmäßigen Takt des zweiten Satzes gewesen. Demnach wäre der zweite Satz aus einem Kanon entstanden, den Beethoven zu Mälzels Abschied vor dessen bevorstehender Reise nach England komponiert hatte. Einige Umstände (beispielsweise, dass Mälzels Reise erst 1813 stattfand und das Metronom in seiner bekannten Form erst 1815 gebaut wurde) wecken jedoch Zweifel an Schindlers Darstellung.Renate Ulm (Hrsg.): Die 9 Sinfonien Beethovens. Bärenreiter, Kassel 1994, ISBN 3-7618-1241-8, S. 231–233.Lewis Lockwood: Beethoven: Seine Musik – Sein Leben. Metzler, 2009, ISBN 978-3-476-02231-8, S. 183. Der Musikwissenschaftler Stanley Howell hält den Kanon selbst für eine Fälschung Schindlers.Stanley Howell: Der Mälzelkanon – eine weitere Fälschung Schindlers? In: Zu Beethoven 2 – Aufsätze und Dokumente. Hrsg. von Harry Goldschmidt. Berlin 1984.
Orchesterbesetzung 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 2 Hörner, 2 Trompeten, Pauken, I. Violine, II. Violine, Viola, Violoncello, Kontrabass
Satzbezeichnungen Allegro vivace e con brio Allegretto scherzando Tempo di Menuetto Allegro vivace
+ Zur Gliederung des 1. Satzes Takt Abschnitt Inhalt 1–103 Exposition 1–12 Thema I, Teil A 13–37 Thema I, Teil B 37–51 Thema II 52–70 Überleitung 70–72 Thema III, Teil A 73–79 Thema III, Teil B 80–90 Thema III, Wiederholung 90–103/104 Schlussgruppe 105–197 Durchführung 198–289 Reprise Thema I, Teil A1 203 Thema I, Teil A2 234 Thema II 267 Thema III, Teil A 270 Thema III, Teil B 290–373 Coda
Zur Musik Die 8. Sinfonie ist durch besondere Heiterkeit und Lebensfreude gekennzeichnet. Unter dieser heiteren Oberfläche offenbart v. a. das „Allegretto scherzando“ im Spiel mit Konventionen der damaligen Zeit eigentümliche musikalische Wendungen. So eröffnet ein instabiler Quartsextakkord, dessen Grundton durch Instrumentation enorm geschwächt wird, diesen Satz. Auch aus diesem Grund fehlt der übliche langsame zweite Satz. Stattdessen kommen ein Allegretto scherzando und ein Tempo di Menuetto vor, die in der klassischen Sinfonie alternativ als dritter Satz verwendet werden.
Die von der Tempobezeichnung „Menuett“ des dritten Satzes suggerierte Gemütlichkeit wird bis hin zur Ironie übersteigert.Renate Ulm (Hrsg.): Die 9 Sinfonien Beethovens. Bärenreiter, Kassel 1994, ISBN 3-7618-1241-8, S. 235–237.
Wirkung Die Uraufführung fand am 27. Februar 1814 in einer von Beethoven organisierten „Akademie“ im großen Redoutensaal zu Wien statt.
Beethoven selbst hat sie die „Kleine F-Dur“ (in Hinblick auf die andere F-Dur-Sinfonie, die sechste, Pastorale) genannt. Damit hat er offenbar die Länge, nicht aber seine Wertschätzung gemeint. Bei der Uraufführung fand sie nicht den Anklang wie die 7. Sinfonie. Nach Bericht von Beethovens Schüler Carl Czerny kommentierte dies Beethoven zu seiner 8. Sinfonie ärgerlich, „weil sie viel besser ist“.
Die Allgemeine musikalische Zeitung schrieb über die Aufführung der Sinfonie, während der auch die 7. Sinfonie, ein Terzett und „Wellingtons Sieg“ erklangen:
Wie der Musikwissenschaftler Harry Goldschmidt es formulierte, ist die Sinfonie „vielverkannt, weil viel zu vordergründig verstanden“.Harry Goldschmidt: Beethoven – Werkeinführungen. Leipzig 1975, S. 57.
Literatur Renate Ulm (Hrsg.): Die 9 Sinfonien Beethovens. Entstehung, Deutung, Wirkung. Vorwort von Lorin Maazel. 6. Auflage. Bärenreiter, Kassel u. a. 2009, ISBN 978-3-7618-1241-9, (Bärenreiter-Werkeinführungen).
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Sinfonie von Ludwig van Beethoven Kategorie:Musik 1812